News

News

Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

 … >>

Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

 … >>

DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

 … >>

„Frankfurter Memorandum“ kritisiert rassistische Äußerungen bei Rudolf Steiner

a:2:{s:4:"unit";s:2:"h3";s:5:"value";s:247:""Die in Rede stehenden Äußerungen, die in der Vergangenheit immer wieder für öffentliche Kritik sorgten, seien durch einen rassistisch gefärbten Diskurs zur Evolution des Menschen in der Zeit der vorletzten Jahr

Von: Ramon Brüll und Dr. Jens Heisterkamp



Frankfurt am Main, September 2008. – Die von dem österreichischen Philosophen und Sozialreformer Rudolf Steiner begründete Anthroposophie ist heute durch zahlreiche Initiativen wie Waldorfschulen, biologisch-dynamische Landwirtschaft, medizinische oder heilpädagogische Einrichtungen bekannt. Im Werk ihres Begründers gibt es aber auch vereinzelte diskriminierende sowie einige wenige rassistische Äußerungen, die heute klar als historisch überholt beurteilt werden müssen. Zu diesem Ergebnis gelangt das sogenannte „Frankfurter Memorandum“, das in der September-Ausgabe des anthroposophischen Magazins „info3 – Anthroposophie im Dialog“ veröffentlicht wurde. Die in Rede stehenden Äußerungen, die in der Vergangenheit immer wieder für öffentliche Kritik sorgten, seien durch einen rassistisch gefärbten Diskurs zur Evolution des Menschen in der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende zu erklären, an dem sich auch Steiner beteiligte, so die Autoren. Eine systematische „Rassenlehre“ oder gar ein vom „Kampf der Rassen“ geprägtes Geschichtsbild wie bei anderen Autoren dieser Zeit fänden sich bei Steiner jedoch nicht.

Vorangegangen war dem „Frankfurter Memorandum“ im März 2008 ein von zahlreichen Vertretern anthroposophischer Einrichtungen unterzeichneter Aufruf sowie ein Entwurfstext, der sich an Vorarbeiten einer Kommission unter Leitung des niederländischen Menschenrechtsexperten Dr. Ted van Baarda orientiert hatte. Für die nun vorgelegte Schlussfassung haben die Autoren Ramon Brüll und Dr. Jens Heisterkamp, die gleichzeitig Herausgeber des info3-Magazins sind, zusätzlich zahlreiche inzwischen eingegangene Anregungen sowie Kriterien der historischen Rassismusforschung berücksichtigt.

Bei der Analyse der in Rede stehenden Zitate Steiners gelangt das „Memorandum“ zu einer Differenzierung in fünf Kategorien, die von sprachgeschichtlich erklärbaren Missverständnissen über diskriminierende Stereotypisierungen bis hin zu rassistischen Äußerungen reichen. So bezeichnete Steiner in rund zwei Dutzend solcher Zitate etwa traditionelle Kulturen als „dekadent“ und äußerte sich in abschätziger Weise über Menschen mit schwarzer Hautfarbe. „Anders als im Hauptduktus seiner Ethik der Freiheit des Individuums zeigt sich Steiner in diesen Äußerungen deutlich als Angehöriger einer spätkolonial und eurozentristisch geprägten Epoche“, heißt es dazu in der Studie.

Auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus setzen sich die Autoren kritisch auseinander. Demnach gibt es eine singuläre antisemitische Äußerung Steiners aus dem Jahr 1888, in der er dem Judentum pauschal die Existenzberechtigung absprach. Später sei Steiner jedoch als Publizist aktiv gegen den sich damals verstärkenden Antisemitismus aufgetreten. Allerdings fänden sich auch nach dieser Korrektur noch antijudaistische Tendenzen in Steiners Darstellungen, so das Memorandum.

„Die Ambivalenz einer geistigen Größe, die historischer Autor und aktuell wirksamer Impulsgeber ist, gilt es nüchtern festzustellen und kritisch das eine vom anderen zu unterscheiden“, stellen die Autoren des Memorandums abschließend fest. Gleichzeitig wird betont, dass das Thema der „Rassen“ insgesamt für das Ideengebäude der Anthroposophie keinerlei Rolle spiele: „Auf Tausenden von Buchseiten und in Hunderten von Vorträgen zu spirituellen, religiösen, pädagogischen, medizinischen oder politischen Fragen kommt das Thema ‚Rasse’ überhaupt nicht vor. Weder in der anthroposophischen Literatur der Gegenwart noch etwa in Lehrplänen für Waldorfschulen finden sich Äußerungen wie die hier untersuchten“, so das Memorandum weiter.

Angefügt ist dem Memorandum ein dokumentarischer Anhang mit bisher erschienenen offiziellen Stellungnahmen aus der anthroposophischen Bewegung sowie der vom Bund der Freien Waldorfschulen herausgegebenen „Stuttgarter Erklärung“ gegen Diskriminierung.

>> Schlussfassung des „Frankfurter Memorandums“ zum Thema Rassismus (PDF)


Frankfurter Memorandum.
Rudolf Steiner und das Thema Rassismus.
Von Ramon Brüll und Jens Heisterkamp.
Auch erhältlich als Einzeldruck: ISBN 978-3-924-391-39-3 , Einzelpreis 3,- €
Info3-Verlagsgesellschaft, Kirchgartenstr. 1, 60439 Frankfurt am Main, redaktion@info3.de


Zurück