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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft: Generalversammlung 2015

Während der Generalversammlung von 27. bis 29. März zeigte die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft den Reichtum ihrer Facetten und Nuancen, bereit zum Blick auf die Welt ...

Von:
Das "inspirationsfähige Feld" beginnt zu sprechen. Bodo von Plato hat diesen Begriff in "Anthroposophie weltweit" Nr. 9/2003 als Vision formuliert, dass die internationalen Goetheanum-Gremien zu einem inspirations- und handlungsfähigen Organismus für die Aufgaben der Zeit werden könnten. […] Während der Generalversammlung zeigte sich nun die Frucht dieser Gremienarbeit: anschaulich, lichtvoll, aber auch fragil, verletzbar. Einige Versammlungen der letzten Jahre haben dies mit vorbereitet, jetzt wird der Vorhang transparent. Voraussetzung dafür war sicherlich auch, dass diesmal wenig Konfrontation bestand, die eine Rechtfertigung erzwingt, statt entwickeln zu lassen, was sich als zarte Frucht der ‹inspirationsfähigen Felder› bildet. Gelöste Konflikte, erfüllte Versprechen Atmosphärisch dazu beigetragen hat, dass im Vorfeld Konflikte gelöst und während der Versammlung Versprechen eingelöst wurden: Der Auseinandersetzung um das Haus Haldeck, die in die Generalversammlung 2014 getragen worden war, ist befriedet; der Menschheitsrepräsentant "stand" versuchsweise auf der Großen Bühne – als Projektion im Rahmen der offenen Arbeitsgruppe, die auf Initiative von Moritz Christoph 2014 gebildet worden ist. Zu den eingelösten Versprechen gehört, dass das Vorhaben der Goetheanum-Leitung, sich mit dem Verhältnis der Anthroposophischen Gesellschaft zur Hochschule, zur anthroposophischen Bewegung und zum Zeitgeschehen zu befassen, in verschiedenen Ausführungen konkret wurde. […] Soziale Glaubwürdigkeit Atem im Sozialen ermöglichte nicht zuletzt, dass die Versammlungsleitung […] mit Sozialformen und den Umgang mit der Zeit experimentierte. Die Beiträge waren tendenziell kürzer; und wenn nichts mehr zu sagen war, ging es eben ein paar Minuten früher in die Pause. Dafür begann ein anderer Versammlungsteil eine Viertelstunde früher, um im folgenden Abschnitt über mehr Zeit  zu verfügen. Justus Wittich kommt das Verdienst zu, dass sich die Mitglieder mit ihren Anliegen gehört fühlen. Seine Glaubwürdigkeit löst Konflikte, bevor sie heiß werden, ohne dass er alles durchgehen lässt (etwa wenn ein Einzelner auf sein Anliegen besteht, auch wenn die Versammlung seinen Geschäftsordnungsantrag abgelehnt hat, wie es zweimal vorkam). Seine Zuversicht und Positivität führt jedoch auch dazu, dass man selbst bei großen Krisen diese womöglich unterschätzt. Justus Wittich vertraut darauf, dass im gemeinsamen Bemühen eine Lösung möglich ist, auch wenn ihm das das Leben schwerer macht. So stellte er den Beschluss von 1990, dass für jedes Mitglied pro Jahr 125 Franken ans Goetheanum gehen, infrage, weil dieses Ziel seit längerer Zeit nicht erreicht wird (der Durchschnitt beträgt 79 Franken). Justus Wittich macht daraus keinen Vorwurf, sondern fragt offen, ob man sich nicht neu über diesen Beschluss verständigen müsse. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Unterhalt des Goetheanum Aufgabe der Mitglieder sei – und nicht beispielsweise der Weleda und ihren "Zahnpastakunden". In der Aussprache fand dieser neue Ton sein Widerspiegelung, etwa wenn vom Vorstand oder von der Goetheanum-Leitung nicht mehr gefordert wurde, dies und das tun zu müssen, sondern dass nur die Notwendigkeit betont wurde, zur Lösung der Aufgabe kreativ zu werden. Sowohl die Feststellung des Jahresabschlusses – trotz einer Unterdeckung von knapp 400?000 Franken – wie die Entlastung des Vorstandes erfolgen nahezu einstimmig. Mehr bestätigt als verabschiedet: Virginia Sease Zu den menschlich warmen Ereignissen der Generalversammlung gehörte die Ansprache von Virginia Sease, mit der sie sich nach 31 Jahren in ihrem 80. Lebensjahr aus ihrer Tätigkeit im Vorstand verabschiedete. Wenn man hört, welche Aufgaben sie alles beibehält – als Mitglied der Goetheanum-Leitung durch ihre Leitungsaufgaben innerhalb der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion –, und aufgrund des mehrmaligen Dankesapplauses mit stehender Ovation hatte man das Gefühl, dass Virginia Sease nicht verabschiedet, sondern im Amt bestätigt worden ist. Sie beschrieb für sie wichtige Bedingungen der Entwicklung exoterischer, esoterischer und praktischer Arbeit: das Anknüpfen an Bestehendes, Kontinuität in Erfüllung der Aufgabe sowie auf Vereinbarung beruhendes Vertrauen. Paul Mackay hob später einige Charakterzüge von Virginia Sease hervor: Zuverlässigkeit, unermüdliche Treue zur Sache, ohne je "Depression" zu erleben, und die immer wieder neue Erkenntnisorientierung – Erkenntnis hier weniger als eine intellektuelle, sondern vor allem als eine Lebenserkenntnis. Er sprach von einer Art von Frömmigkeit, einer "aufgeklärten Gottergebenheit, die sich nicht unterordnet". Sie habe in einer "Art Wächterfunktion" immer wieder gefragt: "Halten wir den roten Faden, haben wir das Wesentliche im Blick?" Dabei habe sie "eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit" gezeigt, konnte sie doch in jeder Zusammensetzung des Vorstands kollegial zusammenarbeiten: "Insofern", fasste Paul Mackay zusammen, "ist es eine Freude und Ehre, mit Dir zusammenzuarbeiten und dass Du nicht einfach zurücktrittst und nichts mehr mit uns zu tun haben willst. Denn Du bleibst in der Goetheanum-Leitung und behältst deine Funktion gegenüber den Lektoren." […] Anthroposophische Gesellschaft Viele Beiträge der Generalversammlung nahmen Bezug auf Aspekte des Jahresthemas und vermittelten einen Einblick in die "Lage der Anthroposophischen Gesellschaft", so das Thema des Vor-Plenums. Mir wurde im Verlauf der drei Tage deutlich: Es gibt nicht nur eine Lage, es gibt ein breites Spektrum und viele Ebenen, in denen sich Anthroposophische Gesellschaft abspielt. Ein paar Beispiele: Die Anthroposophische Gesellschaft hat inzwischen eine Geschichte, sie hat Traditionen entwickelt, will aber nicht im eigentlichen Sinne eine "Traditionsgesellschaft" sein, wie es Justus Wittich formulierte. Das hat Folgen auf die Lebensformen eines Zweiges. Vor dem Hintergrund der Lebensaufgaben jüngerer Menschen mit Kindern und ihres Berufsleben wurde hinterfragt, inwieweit eine regelmäßige Teilnahme überhaupt möglich sei. Dem stand das Votum gegenüber, dass man sich schon freimachen könne, wenn einem etwas wichtig ist. Dann schilderte jemand, wie in Wiesbaden zusätzlich zum Abendzweig an einer Waldorfschule ein Morgenzweig für Schuleltern angeboten wird. Was als Gegensatz erscheinen kann, lässt sich aber auch verstehen als für den jeweiligen Ort passende Wahrheit und den dazugehörigen Bedürfnissen. So verbindet ein Zweig in Zürich seine Arbeit mit der Arbeit an der Ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, kultischer Arbeit und sozialem Zusammensein bei gemeinsamem Essen. Hans von Florenstein Mulder hat bei der Konferenz der Generalsekretäre aufgezeigt, wie aus der Zuwendung zum Berufsfeld Landwirtschaft in Nepal Interesse für die Anthroposophische Gesellschaft entstanden ist. Der vormalige Generalsekretär Ron Dunselman (NL) betonte die Bedeutung der Pflege der Meditation für die geistige Welt. Daran schloss die Generalsekretärin Gioia Falk (DE) an, als sie darauf hinwies, dass für den heutigen Menschen das Hinführen zur Meditation ein Beitrag für die Hygiene seines inneren Seelenlebens darzustellen vermag. Bodo von Plato zeigte auf, wie bis in die Zeit der 1970er-Jahre Gründungen anthroposophischer Einrichtungen auf Menschen zurückgingen, "die anthroposophisch unterwegs" waren. Dann treten Menschen auf, die die Früchte anthroposophischer Initiativen suchen, ohne Bedürfnis, zu erfahren, was die Quelle davon ist. Bodo von Plato führte dann eine dritte Form an, eine Schulgründung in Frankreich, die er berät und die sich auf den Bildungsroman in der Tradition von ‹Heinrich von Osterdingen› von Novalis als gemeinsames geistiges Gut beruft, zugleich anthroposophisch und nichtanthroposophisch. Joan Sleigh griff diese Beobachtung am Beispiel von Waldorfschulen in Schweden und Namibia auf. Zur Gefahr der Verflachung müsse das Interesse am anderen hinzukommen, um eine Zusammenarbeit anzuregen. Ausgangspunkt sei die menschliche Begegnung. Die Offenheit für das, was man noch nicht kennt, führe zur Verwunderung, zum Erstaunen, aus dem Erkenntnis, Anerkenntnis, ja Hingabe werden könne, schließlich Mitgefühl. Auch Seija Zimmermann arbeitete die Bedeutung menschlicher Beziehungen heraus: In der Anthroposophischen Gesellschaft als esoterischer Gesellschaft wirken Konflikte ("oder besser: Wachstumsprozesse"), aber uns seien die Werkzeuge gegeben, wahrzunehmen, was dahinter wirksam ist. Was hindere uns, fragte sie, ernst zu nehmen, was wir als jeweilige Bedingungen der geistigen, der seelischen und der physischen Welt bekommen haben? "Dadurch treten wir in ein Freiheitsverhältnis zu den Phänomenen." […] Selbst in den Zahlen zeigt sich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft nicht so eindeutig, wie man es sich vielleicht erhofft: Mit Stichtag 31. Dezember 2014 hatte die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft 46 157 Mitglieder (300 weniger als 2013). Doch gibt es hier interessante Binnenbewegungen, eine davon: In der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland gab es 2014 einen Zuwachs von 400 Mitgliedern. Generalsekretär Hartwig Schiller relativierte diese an sich erfreuliche Zahl. Sie bedeute nach der Bereinigung der Mitgliederzahlen im Jahr davor einen Zuwachs von 0,3 Prozent, und im nächsten Jahr könne es auch wieder anders aussehen. Bei den Finanzen gab es nicht nur Einbrüche und eine Aufzehrung des in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapitals. Justus Wittich berichtete auch von unerwarteten Zuwendungen wie einer Spende aus Italien in der Größenordnung von 500 000 Franken (für den Ausbau des neuen Eingangsbereichs im Westen) und eines per Erbschein gerade angezeigten größeren Legats aus der Schweiz. Hochschule Beispiele aus drei Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft zeigten, wie sie sich in die Zeitverhältnisse stellen und zugleich mit dem auskommen müssen, was ihnen gegeben ist. Ueli Hurter von der Sektion für Landwirtschaft berichtete von einigen Aspekten der Jahrestagung zur Würde der Tiere (dokumentiert im "Goetheanum" Nr. 21/2015). Die Arbeitsbedingungen der Tierhalter sind durch Anfeindungen und wirtschaftliche Probleme schwierig geworden. Zu den Vorwürfen gehört das Töten ("Für mich soll kein Blut fließen"), das "Versklaven" der Tiere und Kühe als Klimakiller. Nun gehören zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft aufgrund verschiedenster Gesichtspunkte wie Bodenfruchtbarkeit und Hilfe bei der Evolution des Tierwesens durch den Menschen die Tierhaltung. Ist die Sektionstätigkeit damit eine, die sich "nur" auf die die biologisch-dynamische Bewegung begrenzt, oder ist die Sektion für Landwirtschaft nicht gerade für die Beförderung der Agrarkultur in der ganzen Welt zuständig, wie Justus Wittich im Podiumsgespräch fragte. Ueli Hurter erwiderte, dass die biologisch-dynamische Landwirtschaft nicht nur für Demeter-Höfe da sei, sondern für die Erde, und dass sie auch als Stimme wahrgenommen werden, etwa wenn es um den Weltagrarbericht geht. Es gehe, so Hurter, um eine Vermenschlichung der Landwirtschaft in der Welt – wiederum auf verschiedenen Wirkensfeldern. Michaela Glöckler machte deutlich, dass für die Anthroposophische Medizin Nachwuchs gefunden werden müsse. Sie zeigte auf, dass die bisherige Ausbildung zwar auf Interesse stößt, aber angesichts der Aufgaben entmutigt habe. Nun wird in einer Ausbildung für Ausbilder entwickelt, wie man in der Fortbildung zum anthroposophischen Arzt ermutigt wird. Oliver Conradt illustrierte am Beispiel der Entwicklung von drei Prototypen des Hexagon-Mechanismus, wie Sektionsarbeit bis in die Entwicklung von Maschinen konkret werden kann. Er appellierte, dass für Forschungsarbeiten und ihre Umsetzung genügend Zeit zur Verfügung gestellt wird: "Es braucht die Arbeit des einzelnen Menschen, der sich längere Zeit mit solchen Ideen auseinandersetzen kann – dann entsteht auch etwas." Wenig besucht So lichtvoll und inhaltsreich die Qualität der Generalversammlung war, so gehört zum Gesamtbild, dass sie eine der mit Abstand am wenigsten besuchten war. Damit wächst die Bedeutung der anwesenden Generalsekretäre und Landesvertreter, die ja in ihrer Gesamtheit in etwa die Mitgliedschaft vertreten. Erstmals hat zudem vor der Generalversammlung ein Treffen von Vorständen der europäischen Landesgesellschaften mit 36 Menschen stattgefunden. Es soll fortgesetzt werden. Leicht gekürzte Vor-Fassung eines Berichts aus "Anthroposophie weltweit" Nr. 5/2015 (im Erscheinen)

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