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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Arbeit der Zukunft als Menschenbildung

Herrschende Krise kann nur durch grundsätzliche Neuorientierung überwunden werden - Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Bochum

Von: NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz

„Zukunft der Arbeit- Karma des Berufs“

BOCHUM (NNA).
Ohne eine sinngebende, ethisch und moralisch vertretbare Neuorientierung sind die gegenwärtigen Krisen unserer Gesellschaft nicht zu meistern. Diese These stand im Mittelpunkt des Kongresses „Zukunft der Arbeit- Karma des Berufs“, den die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland Ende Juni in Bochum veranstaltete. Vorträge, Gesprächsforen, Arbeitsgruppen und Podiumsgespräche boten - umrahmt von künstlerischen Elementen - rund 500 Teilnehmern viele Fragen und Antworten zu einem neuen Verständnis von Arbeit und Einkommen, von Beruf und Berufung. Neue, unkonventionelle Wege wurden aufgezeigt, wobei spirituelle und deren praktische und gesellschaftlich relevante Verwirklichung eine wichtige Rolle spielten. Wirtschaftskrisen seien im Grunde Kulturkrisen erläuterte Michael Schmock, Vorstandsmitglied der Gesellschaft und verantwortlich für das Arbeitszentrum in NRW. Nur ein neues Verständnis vom Wesen der Arbeit führe in die Zukunft, betonte er. Arbeit sei anzusehen als ein freier schöpferischer Prozess, in dem der Mensch seine Fähigkeiten einbringe. Das Kongressmotto brachte er mit Rudolf Steiners Vortragszyklus “Das Karma des Berufs des Menschen….“(GA172 von 1916) in Verbindung. Rudolf Steiner mache deutlich, dass in Zukunft von dem „WIE“, also der inneren Gesinnung, der seelisch-geistigen Ausrichtung, die Weiterentwicklung der Erde abhängen würde, „bis in die elementarischen Prozesse hinein……“, zitierte Schmock. Arbeit sei letztlich ein Prozess zur Verwandlung der Erde. In diesem Prozess sei der Mensch zunehmend mitverantwortlich. Das sei das Karma des Berufs – „heute noch wesentlich aktueller als vor 100 Jahren“. Hartwig Schiller, Generalsekretär der anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, zeichnete in seinen einführenden Worten ein kritisches Bild der Verfassung der Arbeit in der gegenwärtigen Gesellschaft. Ihre Inhalte seien ohne Würde, betonte Schiller. Tugend und Arbeit schlössen sich aus. Ein anderes Bild ergebe sich, wenn der Arbeitende sich in das Weltgeschehen im Ganzen stelle. „Arbeit ist Menschenbildung!“ betonte Schiller. Die Tugend sei etwas, was der Mensch aus freier Verantwortlichkeit heraus tue, indem er etwas hinzufüge von seinen Fähigkeiten. Als Unternehmer sprach Wolfgang Gutberlet, der Geschäftsleiter von tegut, zu den Anwesenden. Gutberlet schilderte seinen biographischen und karmischen Lebensweg in Verbindung von Unternehmerschaft und Christentum. Aus christlicher Sicht sah er drei Qualitäten: Im Denkraum gehe es um die Suche nach Gott, im Fühlen um das Gebot der Nächstenliebe. Im Wollen gehe es um den Grundsatz, dass „geben seliger ist als nehmen.“ Betrachte man diese drei Wege, so seien Metamorphosen, Umstülpungen und Prozesse des „Stirb und Werde“ zu erkennen. Das soziale Hauptgesetz beinhalte die Aussage: „Wende dich zu den Anderen - lasse los und belebe die Gemeinschaft“. So entstünde ein heilsamer Entwicklungsprozess. Dr. Friedrich Glasl , Wirtschaftswissenschaftler und Mitbegründer der Trigon Entwicklungsberatung erklärte die Verantwortung von Unternehmern anhand der Gegenüberstellungen von altem und neuem Denken. Im Neo-Liberalismus sei es die Nutzungsfunktion der Wirtschaft gewesen, Vermögen zu mehren. Jetzt sei die öko-soziale Marktwirtschaft eines Unternehmens entscheidend. Das Unternehmen trage die Verantwortung für eine gesunde Infrastruktur. Die gesellschaftlichen Problemsituationen im Zuge der Globalisierung seien die neuen Herausforderungen. Es gehe nicht darum Ethnokriege zu führen, sondern zu kooperieren. Darin lägen auch Chancen für interkulturelles Lernen. Derzeit fänden noch Kämpfe um Machtpositionen statt, durch Fusionen entstünden Konzentrationsbewegungen. Monopolbildung führe jedoch zum Konkurs. „In diesem Hamsterrad kommen die Menschen zu seelischer Atemnot, das innere Leersein (burn out) greift um sich“, beschrieb Glasl den gegenwärtigen Zustand in der Wirtschaft. Dagegen agiere eine wachsende Bewegung gesellschaftlicher, sozialer Verantwortung, Corporate Social Responsibility, CSR genannt. Die CSR-Bewegung - im umfassenden Sinn verstanden - schaffe Räume für Initiativen und Selbstverantwortung und strahle auf die Dauer aus auf Geistesleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben, erklärte Glasl. Zum Beispiel schaue man auf die „Kulturverträglichkeit“ der Arbeit, während Unternehmen die Personalentwicklung im Auge hätten. Die soziale Verträglichkeit beinhalte Gleichbehandlung, Humanisierung, Arbeitsplatzsicherung und gerechte Entlohnung. Die Arbeit geschehe in Verträglichkeit mit der Natur, also schone sie die Ressourcen und achte die Lebewesen. Abfall und Emissionen würden vermieden. Clusterbildung, d.h. Zusammenführung von ökologischen Projekten ermögliche nicht nur eine ressourcenschonende Logistik. Vielmehr könne man dabei neben den eigenen Arbeitsabschnitten auch die folgenden Arbeitsabschnitte bis hin zum Kunden und die Nebenzweige im Auge behalten. Dann könne man von Achtsamkeit in diesem Wertschöpfungsprozess sprechen, betonte Glasl. Prof. Dr. Frithjof Bergmann Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des ersten Zentrums für „Neue Arbeit“ erläuterte, dass neue Arbeit schon jetzt stattfindet. Die Arbeit befinde sich im Wandel, statt Kurzarbeit schlug er vor, sollten längere Pausen entstehen; in dieser Arbeitszwischenzeit könne man sich in der „Neuen Arbeit“ einbringen. „Neue Arbeit“ könnten auch Rentner anbieten. Prof. Bergmann stufte die gegenwärtige Situation als ernst ein. Die Unglaubwürdigkeit der Staaten mit ihren Versuchen, das Finanzwesen zu regulieren führe - ebenso wie die Unsicherheit der Versicherungen - bereits jetzt zu „Neuer Arbeit“. Eine Möglichkeit sei dabei: In einer Gemeinschaft selbständig zu werden. Denn „Neue Arbeit“ bedeute auch, miteinander zu reden und gemeinschaftlich zu arbeiten. Das Grundprinzip dabei sei, nicht missionarisch vorzugehen, sondern den Ort zu suchen, wo Menschen das, was die Neue Arbeit beinhaltet, auch wirklich wollen. Prof. Götz Werner, Unternehmer und Gründer des dm-marktes ging auf die Frage ein: Wie schaffen wir Rahmenbedingungen, die Initiative wecken? Es gehe dabei nicht darum, zu sagen, wie die Welt sein solle. Vielmehr bestehe die Aufgabe darin, herauszufinden welche neuen Fragen die Welt brauche. Fragen, durch weitere Fragen belebt, bringen lebendige Entwicklung, so Werner. An Beispielen erzählt er bildhaft, dass oft der Zeigefinger auf andere gerichtet sei, wenn es um Initiativen gehe. Er propagierte den Richtungswechsel des Zeigefingers: Jeder zeige auf sich selbst. Auch Werners Arbeitsbegriff ging davon aus, dass die Arbeit dazu da ist, dass sich der Mensch weiterentwickeln kann. Dazu steuerte er seine Beobachtung als Unternehmer bei, wie Menschen sich ändern, wenn sie authentisch arbeiten und einsatzfreudig werden. Die Soziale Kunst bestünde darin, die Menschen sensibel zu machen für diese Sicht der Arbeit. Der Arbeitsplatz werde zum Platz, der einen Sinn vermittle, anstatt eines Einkommensplatzes. „Unsere jetzige Aufgabe ist es, Denkirrtümer aufzuklären“, betonte Werner. Der Impuls eines bedingungslosen Grundeinkommens als gesellschaftliche Aufgabe zur Zukunft der Arbeit brachten Enno Schmidt und Gerhard Häfner in einem Forum ins Gespräch. Enno Schmidt ist Mitautor des Films von Daniel Häni um Thema Grundeinkommen. Der Film Grundeinkommen war im Filmraum des Kongress zu sehen; bisher wurde der Film von 300.000 Menschen gesehen, erwähnte Schmidt. Arbeit als Leibeigener oder Arbeit, in der man seine Lebenszeit verkaufe, gehören dem Denken der Vergangenheit an. Menschen sollten zu dem Punkt kommen können, aus Freiheit zu handeln und ihre Fähigkeiten einzusetzen, bekräftigt Häfner, der seit 2009 als Europaabgeordneter im Europäischen Parlament arbeitet. Das bedingungslose Grundeinkommen sehen Häfner und Schmidt als die Voraussetzung für diese Freiheit im Handeln. Es böte Befreiung auf der einen Seite und Brüderlichkeit auf der anderen. Freiheit und Brüderlichkeit bedingten einander. Miteinander über Gesellschaftsutopien zu sprechen, könne ein erster Schritt sein, ermutigt Schmidt die Zuhörer. Nach unterschiedlichsten Ausführungen konnte Johannes Stüttgen schon auf Ansätze verändernden Denkens aufbauen. Als Künstler und Erklärer der Ideen von Joseph Beuys - er war seinerzeit dessen Schüler - tritt er ein für die rechte Bewusstwerdung der Begriffe. Begriffe seien Wirklichkeiten, die sich an den ganzen Menschen wenden, sie werden empfunden und wollen in das Denken hinein. „Unser Ego ist erfüllt von Vergangenheitsgedanken, unser Ich wird ständig bedrängt. Doch ein glühender Funke liegt in uns, der uns aufruft zu spüren, wie wir den gemeinsamen Arbeitsplatz so gestalten, dass wir die Ich-Freiheit erreichen“, erklärt Stüttgen. Sein Begriff vom „Kapital“ ist die umfassende Fähigkeit der inneren Stimme. In der inneren Stimme liege die Wahrheit, die spirituelle Bestimmung, mit diesem „Kapital“ entstehe die menschliche Arbeit. Stüttgen ist auch Gesellschafter des „Omnibus für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, der sich während der Tage auf dem Schulgelände präsentierte. Exkursionen als dezentrale Foren erweiterten den Kongress. Angeboten waren das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das Institut für Waldorfpädagogik in Witten/Annen, das Kulturhaus OSKAR in Bochum, die GLS Treuhand in Bochum, die Universität Witten/Herdecke, die Zeche Zollverein in Essen, die Arbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen und Pädagogisch- Sozialeszentrum in Dortmund und der Demeterhof Vorberg im Windrather Tal. END/nna/wil Links: www.anthroposophische-gesellschaft.org, www.anthroposophie-nrw.de, www.mehr-als-schule.de, www.grundeinkommen.de, www.archiv-grundeinkommen.de, www.newwork-newculture.de  Bericht-Nr.: 100720-01DE Datum: 20. Juli 2010 © 2010 News Network Anthroposophy Limited (NNA).

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