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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Beuys-Verleger Rainer Rappmann wird 60

Die Gedankenwelt des Künstlers und Kunsttheoretikers Joseph Beuys gibt seinem FIU-Verlag in Wangen-Hüttenweiler nicht nur das besondere Profil, sondern war auch Anlass für die Gründung des Verlags.

Von: Ulrich Deschler

Zum 60. Geburtstag

 Fotos: 'privat' - Rainer Rappmann, unten in jungen Jahren mit Joseph Beuys "Es dürfte keinen Verlag geben, der mehr Originaltexte von Beuys hat", versichert der Verleger Rainer Rappmann nicht ganz ohne Stolz. ***** Das Programm des FIU-Verlags umfasst neben dem Autor Beuys auch Literatur zu Beuys sowie weitere Texte und Dokumente, die zu den Themenkreisen Erweiterter Kunstbegriff, Soziale Skulptur oder Direkte Demokratie gehören. Solcher Texte wegen hat Rainer Rappmann im Jahr 1991 seinen FIU-Verlag aus der Taufe gehoben: "Ich hatte das Bedürfnis, in den Ideenpfaden, die Beuys angelegt hat, ein Projekt zu gründen, das Beuys' Ideen mit meiner Handschrift und meinen Möglichkeiten in die Praxis einfließen lässt." FIU ist die Abkürzung für „Free International University – Freie Internationale Universität“. Joseph Beuys wollte unter diesem Begriff seine Vorstellungen des Erweiterten Kunstbegriffs und der Sozialen Skulptur weiterentwickeln - kreativ, über die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen hinweg und unabhängig von Gängelungen durch Staat oder Parteien. Als er seinem Verlag den Namen gab, lag Rappmanns erste Begegnung mit Joseph Beuys lag schon eine ganze Weile zurück. "Fünf Jahre Prager Frühling" hieß die Tagung im Achberger Humboldt-Haus, die Rainer Rappmann im Jahr 1973 besucht hat.  "Beuys hielt da ein Seminar mit rund hundert Leuten", erinnert er sich. "Die Tafel stand mitten auf der Wiese." Bis zur Begegnung in Achberg war Joseph Beuys für Rappmann als Name bereits ein Begriff. "Überzeugt hat mich aber erst der Mensch", erzählt er, "ein Mensch, der mit künstlerischen Methoden politische Ideen aufgreift." In seinem Verlag tritt Rainer Rappmann bisweilen auch als Herausgeber und als Autor in Erscheinung. Auf diese Weise hat der passionierte Tangotänzer beispielsweise seinen Verlagstitel "Tango - Obsession - Passion" mitgestaltet. Auch andere Texte bewegen sich außerhalb des Kernthemas Beuys. Beispielsweise gibt es Kaspergeschichten für Kinder, ein Buch hat der Heiler Anton Fink geschrieben, ein anderes ist der Künstlerin und Heilerin Maria Keller gewidmet, ein weiteres beschäftigt sich mit der Alternativbewegung im Allgäu. Bei seinen Verlagstiteln handle es sich in der Regel um "Sachbücher in künstlerischer Form", charakterisiert Rainer Rappmann. Etwa 50 Medienpublikationen hat Rainer Rappmann in seinem Verlag bislang auf den Weg gebracht, darunter ungefähr 40 Buchtitel und acht Hörbuch-CDs und DVDs. Dazu kommen noch einige Poster, Postkarten, Anstecknadeln und Aufkleber. Bei den Büchern schätzt Rappmann seinen Lagerbestand auf 20 000 Exemplare. "Fast alle meine Titel sind verfügbar", betont er. Neben dem Verlag betreibt er noch einen Buchversand. "Ich kann auch nicht lieferbare Bücher besorgen", erzählt er, "weil ich ein gutes Suchsystem für antiquarische Titel habe." Rappmanns Kunden verteilen sich über die halbe Welt. Die Kartei versammelt rund 1000 Namen. Den Vertrieb wickelt der Wangener Verleger in erster Linie über seine Verlags-Homepage im Internet ab. Seine Kunden, so glaubt er, sind in der Regel "Leute, die sich einerseits für soziale Gestaltungsfragen, für politisch, gesellschaftliche Fragen interessieren, andererseits auch für Kunst." Auch macht er in diesem Kreis "tendenziell eher jüngere Leute" aus, "die suchen, wo sie andocken können und die, wenn es um soziale Gestaltungsfragen geht, Parteipolitik immer mehr ablehnen."
Einen Bestseller mit Riesenauflage sucht man im Programm des FIU-Verlags vergebens. Bei der Auswahl der Titel stehen für Rainer Rappmann andere Kriterien im Vordergrund. "Finanzielles kann für mich nicht der Hauptgrund sein", macht er deutlich. "Ich muss da drin einen Sinn sehen. Da bin ich Überzeugungstäter. Und es muss mir Spaß machen." Worum es ihm in der Hauptsache geht, das ist "die Köpfe und Herzen der Menschen erreichen mit Bildungs- und Kulturarbeit.
Der gebürtige Karlsruher wollte sein Anliegen zunächst als Waldorflehrer in die Tat umsetzen. Rappmann half mit bei der Gründung einer Waldorfschule in Neuravensburg, einer Ortschaft der Großen Kreisstadt Wangen im Allgäu. 1976 nahm die Schule mit vier Klassen ihre Arbeit auf. Mit von der Partie war Rainer Rappmann auch, als 1980 die Partei der Grünen gegründet wurde. Rund vier Jahre später ist er wieder aus der Partei ausgetreten, weil es „auch innerhalb der Grünen bald nur noch darum gegangen ist, an die Macht zu kommen." 1980 war Rappmann nicht nur beim Einstand der Grünen mit dabei, sondern rief auch die Freie Volkshochschule Argental (FVA) ins Leben, zusammen mit dem Lindauer Gärtner Hans-Peter Thieringer. Mit der FVA hielt auch Beuys' Erweiterter Kunstbegriff, seine Idee von der Sozialen Skulptur, vom Künstler, der in jedem Menschen zu finden sei, im Kulturleben der Stadt Wangen Einzug. Höhepunkt war eine Veranstaltung mit Joseph Beuys und dem Schriftsteller Michael Ende im Saal der Waldorfschule. Das war 1985. Zu diesem Zeitpunkt war die Schule bereits seit gut zwei Jahren von Neuravensburg nach Wangen umgezogen und Rainer Rappmann war seit drei Jahren kein Waldorflehrer mehr. "Es war eine sehr schmerzliche Trennung", gesteht er, aber es sei ihm klar geworden: "Wenn ich Lehrer bleiben will, kann ich nebenher nicht mehr viel machen." "Damals war mein Leben eine Perlenkette von Krisen", merkt Rainer Rappmann zu jenen frühen 80er-Jahren an. 1985 wurde die Ehe mit seiner Frau Marita geschieden. Tochter Sarah wohnt heute in Hamburg und hat dort ein Café eröffnet, Sohn Leander lebt in Los Angeles und arbeitet im Filmgeschäft. Nach seinem Ausscheiden aus der Waldorfschule war Rappmann zunächst arbeitslos. Die Geschäftsführung der Freien Volkshochschule Argental versah er anfangs ehrenamtlich. Später wurde daraus eine bezahlte Stelle. 1991 beendete Rappmann seine Arbeit bei der FVA. Er erinnert sich : "Ich wollte meine Arbeit unabhängiger gestalten, mich wieder mehr auf meine ursprünglichen Ideen konzentrieren." Mit diesen Zielen vor Augen gründete Rainer Rappmann 1991 seinen FIU-Verlag. Einen FIU-Versand hatte es schon 1978 für kurze Zeit gegeben. Unter dem Dach  der Freien Volkshochschule Argental ist er wiederbelebt worden, erzählt Rappmann. Für den FVA-Verlag betreute Rainer Rappmann auch größere Projekte wie etwa die Dokumentation der Gespräche von Joseph Beuys und Michael Ende. Bei seiner Arbeit konnte er auch auf Erfahrungen aus der Waldorf-Zeit zurückgreifen. Damals hatte er die Zeitschrift "Freie Schule" gegründet, war Redaktionsleiter und Autor. Als Rappmann seinen eigenen FIU-Verlag auf die Beine stellte, übernahm er für eine Ablösesumme von 20 000 DM Publikationsrechte und Lagerbestände des FVA-Verlags. Die auf Beuys aufbauenden Ideen setzt Rainer Rappmann nicht nur in seinem Verlag um. Der "Verein Soziale Skulptur" e.V. geht auf seine Initiative zurück und wird von ihm organisiert. Unter dem Dach dieses Vereins lädt Rappmann regelmäßig zu Studientagen Soziale Skulptur ein. Im Kreise der bisherigen Dozentinnen und Dozenten dürfte Christoph Schlingensief der bekannteste Namen sein. Die Einrichtung eines Achberger Beuys-Archivs hat der Verein vor gut vier Jahren in die Wege geleitet. 2010 gab’s einigen Rückenwind für Rappmanns Arbeit und seine Anliegen. Eine Beuys-Ausstellung im nahen Ravensburg hat er mit einem Vortrag begleitet und mit einer Expedition ins Argental auf den nach einem Beuys-Motiv benannten Hasenweg. In der brasilianischen Metropole Sao Paulo gestaltete er eine Woche lang das Rahmenprogramm zu einer Beuys-Ausstellung mit. Viel beachtete Volksentscheide in Bayern, Hamburg und der Schweiz brachten die Diskussion über Direkte Demokratie voran. Auch diesem von Beuys aufgegriffenen Thema widmet sich Rainer Rappmann  seit vielen Jahren in Wort und Tat. Deshalb stimmen ihn die Proteste und Demonstrationen breiter Kreise gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ zuversichtlich. „Dass sich die Menschen ihrer Souveränität und Gestaltungsmöglichkeiten immer stärker bewusst werden“, das ist es ja auch, was ihm bei seiner Arbeit als Verleger so besonders am Herzen liegt.  *****

Der Verfasser des Textes Ulrich Deschler war 25 Jahre Redakteur bei der „Schwäbischen Zeitung“ und arbeitet mittlerweile als freier Autor.
 

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