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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Buchbesprechungen zum Steiner-Geburtstagsjahr

a:2:{s:4:"unit";s:2:"h3";s:5:"value";s:363:"Mit neuen Biographien zu Rudolf Steiner sind gleich drei große Verlage in das Steiner-Geburtstagsjahr 2011 gestartet. Nützliche Rezensionen u.a. von Frank Hörtreiter, Jens Heisterkamp und NNA-Korrespondent Wolfg

Von: Nadine Aeberhard-Josche

Zudem: Mit seiner Biographie zu Rudolf Steiner dokumentiert Christoph Lindenberg eine der erstaunlichsten Lebensleistungen des 20. Jahrhunderts. Die bislang umfassendste und mit über 180 Abbildungen und Dokumenten versehene Biografie zeichnet das Leben Rudolf Steiners in seiner Entwicklung nach. Zum Jubiläumsjahr 2011 auch als Taschenbuchausgabe erhältlich!
*** >> Heiner Ullrich: Rudolf Steiner; Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner; Helmut Zander: Rudolf Steiner (Frank Hörtreiter)» Uwe Werner: Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse (Wolfgang G. Vögele) Buchbesprechungen in 'die Drei' - Zeitschrift für Anthroposophie in Wissenschaft, Kunst und sozialem Leben (Ausgabe Februar 2011) ____________________________________ ____________________________________

Rudolf Steiner als Prototyp des modernen Menschen

Biographin Miriam Gebhardt zeigt Zeitgebundenheit und Einfluss seines Denkens auf die heutige Kultur auf – Praxisteile enttäuschen Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele MÜNCHEN (NNA). Mit ihrer Biographie „Rudolf Steiner – ein moderner Prophet“, vom Verlag als „erste umfassende Biographie“ angekündigt, hat die Münchner Historikerin und Journalistin Miriam Gebhardt einen eigenwilligen Beitrag zum Steiner-Gedenkjahr geleistet. Die Autorin wurde bekannt durch ihre Schrift „Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen“ (2009), in der sie eine kritische Bilanz der Erziehung im vorigen Jahrhundert zog. Ihre Steiner-Biographie weist Miriam Gebhardt als Journalistin aus, die ihr Handwerk beherrscht: Komplizierte Sachverhalte, etwa zur Geschichte des Spiritismus, werden verständlich und anschaulich dargestellt. Mit empathischem Gespür versucht sie, Steiners Innenleben nahe zu kommen, seinen Ängsten und Enttäuschungen, seinen Sehnsüchten und Idealen. Alles in allem zeichnet sie so das Bild eines modernen Rudolf Steiner, der in seiner Wandelbarkeit wenig Talent zum dogmatischen Sektenoberhaupt hatte. Dass ihn seine Anhänger dennoch oft in die Rolle des Heiligen drängten, ist unbestritten. Steiners Unmut darüber ist ebenso gut dokumentiert wie seine Enttäuschung, von der Mehrzahl seiner Anhängern in seinen wesentlichen Absichten und Zielsetzungen nicht verstanden worden zu sein. Im Titel der Biographie wird der publikumswirksame Begriff des modernen Propheten verwendet. Ist damit ein Vorherverkünder und Warner unserer Zeit gemeint? Ein Wissender, ein Visionär einer besseren Zukunft, dem es um die Rettung seiner Mitmenschen ging? Oder soll im Leser gar die Assoziation eines „falschen Propheten“ erzeugt werden, wie es nach dem ersten Weltkrieg etwa in Pamphleten eines Max Seiling („Die anthroposophische Bewegung und ihr Prophet“) oder Gerold v. Gleich („R. Steiner als Prophet einer bedenklichen Lehre“) praktiziert wurde? Oder will die Autorin damit andeuten, dass Steiner in das Milieu der von der Kulturwissenschaft apostrophierten „barfüßigen Propheten“ (Ulrich Linse) gehört, womit die zahlreichen Heilsapostel und Sektenführer der 1920er Jahre gemeint sind? Dann wäre Steiner also einer jener charismatischen, populistischen Scharlatane und Volksverführer, die in Krisenzeiten mit der Dummheit der Menschen ihr einträgliches Geschäft machten? Manche Autoren verorten unterschiedslos R. Steiner und den jungen Adolf Hitler in dieser Szene. Aber Miriam Gebhardt entlastet Steiner: er habe nicht zu den Wegbereitern des NS-Regimes gehört, wie ihm dies Kritiker unterstellten. (S.12) Gebhardt verortet Steiner im Milieu der Reformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Er habe die Sehnsüchte seiner Zeit geschickt aufgegriffen und daraus ein Sinnfindungsprogramm für das Bürgertum gemacht. „Unter all den Visionären des frühen 20. Jahrhunderts ist sein Name populär wie nie. Sein Erfolg war keine Eintagsfliege.“ Gebhardt widerspricht der These vom überholten, historisch gewordenen Steiner. Zu Lebzeiten habe er nur relativ wenige Anhänger gehabt, aber „im Gegensatz zu fast allen anderen Reformern seiner Zeit hat er es nicht nur bis in die Gegenwart geschafft, er hat sogar einen stetig wachsenden Einfluss auf das gegenwärtige Leben und Denken.“ (S. 15) Eine These, die diametral jenen Darstellungen widerspricht, Steiner spiele in der gegenwärtigen Gesellschaft nur eine marginale, besser: überhaupt keine Rolle, da er von keiner der etablierten Instanzen Kirche und Wissenschaft ernst genommen werde. Gleichwohl, so wäre zu ergänzen, wird sein Denken von eben diesen Instanzen als nicht ungefährlich eingeschätzt. Besonders die Kirchen, denen die Deutungshoheit über Spiritualität zunehmend aus den Händen gleitet, glauben vor dem gesellschaftlichen Einfluss der Anthroposophen warnen zu müssen. Der Widerspruch zwischen Marginalisierung und Dämonisierung wird zwar von fast allen Steinerkritikern bemerkt, doch eine plausible Erklärung für den „anthroposophischen Einfluss“ auf unsere Gesellschaft hat noch keiner geliefert, wenn man einmal von kruden Verschwörungstheorien absieht. Für Gebhardt liegt der Erfolg Steiners nicht in seiner Lehre, sondern in der „Aktualität seiner Angebote“. Sie zählt eine Reihe von Beispielen auf, etwa die „Demeter-Organisation“ als weltweiten global player, die Benutzung von Weleda-Kosmetik durch Hollywoodstars, den wachsenden Zuspruch der Waldorfpädagogik. Kurz: die angewandte Anthroposophie blühe immer mehr auf. (S. 15) Anthroposophie sei nicht nur im Bereich der Ökonomie, sondern auch als „Kulturfaktor“ sichtbar: Sie verweist auf die erfolgreichen Steinerausstellungen an großen deutschen Museen seit 2010 und auf 70.000 Waldorfschüler. So würdigt das Buch von Miriam Gebhardt, nach Prof. Heiner Ullrich und Helmut Zander nun die dritte Biographie, die zum Jubiläumsjahr erscheint, Rudolf Steiner vor allem als Vordenker der Moderne, dessen Einfluss auf die Gegenwartskultur nicht hinwegdiskutiert werden kann. Hier setzt sie deutlich andere Schwerpunkte als die beiden anderen Biographen. (NNA berichtete, siehe „Anthroposophie als Black Box“ und „Rudolf Steiners Leben als Doku-Soap“ (weiter unten in der Berichterstattung auf anthromedia.net ) In den „Dunstkreis“ der Anthroposophie gehörten in Deutschland Vertreter der Wirtschaftselite, der Polit- und Kulturprominenz: „Manche von ihnen waren Waldorfschüler, manche haben ihre Kinder nach der Steiner-Pädagogik lernen lassen.“ (S. 16) Hellhörig mache beispielsweise der Name Andreas Schleicher, Erfinder der PISA-Studie, selbst Ex-Waldorfschüler, der heute den öffentlichen Schulen Versagen vorwerfe. Verschwörungstheorien erteilt die Autorin eine Absage : die „Eliteproduktion“ von Waldorfschulen sei gering. Sie verweist zwar auf Hochschulen und Banken, die von Anthroposophen gegründet worden seien. Dennoch stecke dahinter kein „machthungriges Konglomerat“, denn: „Rudolf Steiners Anthroposophie wirkt vielleicht total, weil sie auf so viele Lebensbereiche zugreift, aber sie ist nicht totalitär.“ (S. 17) Die Lehre Steiners wende sich letztlich an eine akademisch gebildete, bürgerliche Schicht, die nicht in die Öffentlichkeit dränge oder sogar lieber im Verborgenen operiere. (S. 17) Trotz dieser gegenwartsbezogenen Interpretation von Steiners Leben und Werk wirft Gebhardt den heutigen Anthroposophen vor, sie hätten sich wenig um die Weiterentwicklung von Steiners Lehren gekümmert. Dies veranlasst sie im Anschluss an den mehr als 250 Seiten starken biographischen Teil die wichtigsten und erfolgreichen Praxisfelder kritisch unter die Lupe zu nehmen. Hier fließen dann allerdings auch oft wenig begründete Urteile ein, etwa, wenn sie im Waldorf-Teil schreibt, Steiners Entwicklungsvorstellungen seien bereits zu seinen Lebzeiten überholt gewesen oder der Waldorfpädagogik gehe es um die „möglichst totale Kontrolle der Lebensbedingungen des Kindes“ ( S.286/287). Oder wenn sie Eltern empfiehlt, jede einzelne Waldorfschule müsse daraufhin unter die Lupe genommen werden, ob „das eigene Kind Literatur aus dem völkischen oder rassischen Giftschrank vorgesetzt bekommt“ (S.302), oder dort Lehrer zu finden seien, die mit derartiger Literatur ausgebildet würden. Wie aber erklärt sich Steiners Wirksamkeit bis heute? Das war auch in den Biographien von Zander und Prof. Ullrich die ungeklärte Restgröße. Hier liefert Miriam Gebhardt einen Erklärungsansatz. Den Schlüssel zum Verständnis seiner lang anhaltenden Wirkung besäßen weder die Kritiker, die ihn dämonisierten, noch die Anhänger, die ihn vergöttlichten, meint sie. Der Schlüssel liege vielmehr „im Tatbestand der gekonnten Verkörperung eines modernen Guru.“ (S. 18) Eine Wertung verbindet sie damit nicht, weder im Positiven wie im Negativen. Die Frage nach Steiners moralischer Integrität und Glaubwürdigkeit überlässt sie offensichtlich lieber anderen Steinerexperten wie Helmut Zander, von dessen detailreicher Arbeit ihre Biographie in vielerlei Hinsicht profitiert. In der Blütezeit der Lebensreform, also in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, habe ein hochdifferenzierter Wertepluralismus geherrscht, in dem wir uns heute wieder erkennen: Ein anderer Umgang mit Natur und Gesundheit, eine neue Erziehung sei bereits damals auf die Tagesordnung gesetzt worden als Reaktion auf die Industrialisierungsprozesse. Manches davon habe die Anthroposophie beigesteuert, ohne dass uns dies immer bewusst sei. Modern sei Steiner auch in seiner Ambivalenz zwischen Tradition und Gegenwart gewesen. Als einen Antidemokraten will sie ihn nicht etikettieren, immerhin habe er von einer Schulreform und von genossenschaftlichem Zusammenarbeiten mehr soziale Gerechtigkeit erhofft (S. 13). Sein Motor seien die großen Fragen seiner Zeit gewesen. Gebhardt interessiert sich weniger für „Wahrheit oder Unwahrheit“ der Anthroposophie, sie will wissen, „was an Steiner heute noch lebendig ist.“ (S. 14) Steiners geistig-seelische Beweglichkeit, sein Mut zur Improvisation und zum Experiment, seine Multiperspektivität, die dogmatischer Erstarrung permanent auswich, scheint Gebhardt zu faszinieren: „Er war alles andere als eine immer schon fertige und in sich schlüssige Persönlichkeit, der man in jedem Lebensabschnitt die spätere Karriere hätte ansehen können. Als zutiefst moderne Person nahm er sich wiederholt das Recht auf eine neuerliche Selbstfindung heraus.“ (S. 14) Originell sind auch Gebhardts Kapitelüberschriften, die sich durchgehend am Vokabular der Eisenbahn orientieren, etwa „Im Wartesaal“ – „Signale“ – „Im Stellwerk“ – „Mit Volldampf“. Denn Steiner ist nicht nur in einem Bahnhof geboren: Einen Großteil seines Lebens verbrachte der umtriebige Reformer auf Reisen. Allerdings schießt Gebhardt mit dem locker journalistischen Stil auch an etlichen Stellen über das Ziel hinaus, wenn sie schräge Bilder verwendet, wie das vom „Schmiermittel“ des Vortrags, das den „Wissensgenerator auf Hochtouren“ laufen ließ (S.166) oder die Esoterische Schule „unter christlich-europäischer Flagge“ fahren lässt, wohingegen Annie Besant „in Buddhismus und Hinduismus machte“ (S.220). Steiners Selbstzeugnissen begegnet Gebhardt nicht von vornherein mit Misstrauen. Dies ermöglicht ihr einen weiteren Blickwinkel. „Der moderne Prophet hat viele Leben“ resümiert sie am Ende des Buches. Würde er heute leben, so meint sie, wäre er ein Dauergast im Fernsehstudio. Und da säße er und entzöge sich der beliebten Freund-Feind-Zuordnung, das sich auf seine Anhänger genauso negativ auswirke wie auf seine Gegner. Ihnen allen schreibt Miriam Gebhardt eine noch ungelöste Aufgabe ins Stammbuch: Es gelte, Steiners Zeitgebundenheit und seine Aktualität gleichzeitig auszuhalten. END/nna/vog/jh Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner – ein moderner Prophet. Eine Biographie. München: DVA 2011. 368 Seiten, 22,99 Euro Bericht-Nr.: 110207 Datum: 7. Februar 2011 © 2011 News Network Anthroposophy Limited (NNA). ____________________________________ ____________________________________

Aufgenommen in den Kanon

von Dr. Jens Heisterkamp

Eines darf ich vorwegnehmen – jede dieser drei neuen Biographien für sich und erst Recht alle zusammen gesehen sorgen für etwas, was von Anthroposophen sicher lange erhofft wurde: Wenn gleich drei nicht-anthroposophische Autoren Steiner als „charismatischen Führer“ (Heiner Ullrich), als einen der „führenden Esoteriker des 20. Jahrhunderts“ (Helmut Zander) oder schlicht als „modernen Propheten“ (Miriam Gebhardt) würdigen, dann ist der Gründer der Anthroposophie offenbar in den Kanon jener bedeutsamen Figuren aufgenommen, deren Werk in Grundzügen zu kennen ab sofort zum guten Ton unter Gebildeten gehört.

Waldorfpädagogik mit Hintergrund

Wenn Heiner Ullrich in seinem Buch (das größtenteils die Rückübersetzung eines schon 2008 auf Englisch erschienenen Werkes ist) einleitend eine kritische, aber faire Auseinandersetzung mit Leben und Lehre Rudolf Steiners verspricht, dann gilt das, und das ist eine weitere gute Botschaft, in der Tendenz für alle drei der hier vorzustellenden Bücher. Der Erziehungswissenschaftler aus Mainz legt dabei naturgemäß besonderes Gewicht auf die Waldorfpädagogik, mit der er sich seit Jahren theoretisch und praxisnah auseinandersetzt. Bei Ullrich wirkt für mich aber vor allem seine Auseinandersetzung mit Steiners Erkenntnistheorie und Philosophie interessant, die bei ihm größeren und systematischeren Stellenwert einnimmt als bei den beiden anderen Autoren. An die gute Tradition scholastischer Disputationen erinnernd referiert er Steiners Philosophie zunächst von ihrem Selbstverständnis her, um sie dann allerdings in einem zweiten Schritt umso brüsker mit Termini zu versehen, die er allesamt für Verdikte hält: Mystik, Gnosis, Pantheismus, Neuplatonismus lauten die Etiketten für das, was Ullrich schlicht für überholt und unzeitgemäß hält. Nun, was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall, sagt schon das Sprichwort – und es gibt eben (und wie es scheint, zunehmend) Menschen, für die sind gerade die genannten Strömungen als Teile der „philosophia perennis“ die wirklich hilfreichen und weiterführenden. Wenn Ullrich glaubt feststellen zu können, dass zwischen der „essentialen“ Wissenschaft Steiners (oder auch Goethes) und dem Selbstverständnis der modernen empirischen Wissenschaften eine „unüberbrückbare Kluft“ bestünde, dann verweist das auf die unausgesprochene Voraussetzung seiner Beurteilung, die weiterhin von der strengen Teilung zwischen (Natur-)Wissenschaft und Spiritualität ausgeht. Dabei übersieht er wohl, dass gerade in den letzten Dekaden dieses antipodische Paradigma an vielen Stellen ins Wanken gerät und so mancher Überbrückungsversuch dieser angeblich indiskutablen Dichotomie gerade auch von wissenschaftlicher Seite von sich reden machte. Ich möchte hier nur an die einsetzende Nahtodesforschung durch ausgewiesene Mediziner, die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Meditation und Neurologie oder die zahlreichen Grenzgänger in der Astrophysik erinnern, die zum Beispiel der neue Film von Rüdiger Sünner aktuell gebündelt hat.

Trotzdem ist Ullrich dem Grundduktus Steiners ganz eng auf der Spur: Er bewertet richtig, dass es Steiner um die Überwindung des Dualismus von Welt und Bewusstsein geht, er schildert sachgerecht den „Universalienrealismus“ Steiners als Übergang vom Denken zum Geist und er stellt auch ganz zutreffend dar, dass es in der Anthroposophie „im Kern um die Vereinigung der inneren geistigen Welt der Person mit dem in Natur und Geschichte sich offenbarenden göttlichen All-Einen“ geht. Nur bedeutet die mystische Erfahrung ja eben nicht (obwohl in einem „Innen“ stattfindend) die Offenbarung einer nur inneren Welt, sondern die Erfahrung einer Subjekt und Objekt übergreifenden, in der Tat „entgrenzenden“ Einheit. Diese Erfahrung der „Grenzenlosigkeit“ lässt sich jedoch nicht aus allein philosophiegeschichtlicher Perspektive, sondern nur von der meditativen Praxis her machen, sofern sie einen nicht als spontanes Erleuchtungserlebnis heimsucht.

Fakten und Meinungen

Helmut Zander wurde im Jahr 2007 durch seine inzwischen als Standardwerk geltende, zweibändige Studie „Anthroposophie in Deutschland“ bekannt. Wer von seinem Buch eine Art Auskopplung aus diesem Werk erwartet hat, wird angenehm enttäuscht: Zander hat noch einmal weit ausgeholt und bringt dabei, verglichen mit dem von viel Polemik durchzogenen Doppelband von 2007, inzwischen auch einen gewissen Respekt vor seinem Gegenstand auf. Ganz fehlt diese Polemik allerdings immer noch nicht, und das bekommt gerade seinem Anspruch als Wissenschaftler nicht immer gut. Dass der Autor beispielsweise Steiners biographische Selbstaussagen kritisch hinterfragt ist nicht nur sein gutes Recht, sondern auch seine Pflicht als Historiker. In seinem Buch finde ich jedoch seine Tendenz zur „Überführung“ Steiners manchmal recht penetrant. Deshalb scheint mir sein Verdikt, das er zum ersten Wort seines Buches macht, auf ihn selbst zurückzufallen: „Halbwahr“ ist für mich so manches, was der „nüchterne Wissenschaftler“ Zander an persönlich gefärbten Urteilen in sein Buch einträufelt: Hier habe Steiner falsche Angaben gemacht, da etwas beschönigt, dort sei er schon in seiner Kindheit „nationalistisch imprägniert worden“; mit seinen spirituellen Kindheitserfahrungen habe Steiner sich lediglich später selbst legitimieren wollen. Immer wieder mutmaßt Zander, ob denn die „große Autorität“ des spirituellen Lehrers Tatsachen über das eigene Leben erzählt oder nicht vielmehr die Nachkommen auf falsche Fährten locken wollte. Kaum ein Blatt des 500 Seiten schweren Opus kommt ohne solche Oberlehrertöne aus und man fragt sich, welchen Schattenkampf der Wissenschaftler Zander eigentlich verfolgt.

Mitunter lässt er sich dabei sogar hinreißen, glatte Unwahrheiten zu platzieren. Das beginnt mit harmlosen Fehlern wie dem, Steiner habe in seinen Lebenserinnerungen Wagner als „musikalische Barbarei“ qualifiziert, wo er doch gerade diese „Jugendsünde“ in „Mein Lebensgang selbst belächelt – das weiß Zander auch, aber es passt eben so gut in sein persönliches Deutungsschema –, genauso wie ein ganz fieser Hitler-Vergleich und eine gleich zweimal bemühte Falschmeldung zu Kant, dem Steiner mitnichten eine „Strafinkarnation“ als Schwarzer angedroht hat. Wohlweislich bleibt solcher Unsinn auch von jedem Quellenbeleg verschont, ebenso wie die längst widerlegte, angebliche Duldung von „Ohrfeigen“ durch Steiner. Auch hier bleibt Zander, und das ist ebenso wenig verständlich wie entschuldbar angesichts eines solch gravierenden  Vorwurfs, jeden Beleg schuldig. Auf der anderen Seite werden, wenn es eben passt, manchmal auch Pamphlete mit Titeln wie „Rudolf Steiner – ein Schwindler wie keiner“ durch Fußnotenverweise geadelt.

Etwas anders liegt es bei der (auch schon in seinem zweibändigen Werk über Anthroposophie vertretenen)  Meinung, Steiners Ansatz der sozialen Dreigliederung, die damals der Räte-Demokratie nahestand, sei „anti-demokratisch“ zu bewerten. Hier wie überhaupt auf dem Gebiet gesellschaftspolitischer Theorie und der Philosophie hat Zander meiner Einschätzung nach einfach nicht den fachlichen Hintergrund, um so weitreichende Urteile zu fällen.

Ohne diese durchaus entbehrlichen allzu-persönlichen Züge wären die vielen Details und Hintergrundinformationen, die der Autor zum Leben Steiners zusammengetragen hat, mit noch mehr Gewinn zu lesen. Zur Höchstform läuft Zander immer da auf, wo es um historische Faktenrecherche geht, etwa in der minuziösen Rekonstruktion der Trennung Steiners von der Theosophischen Gesellschaft. Hin und wieder wartet er sogar mit Details auf, die selbst manchen anthroposophischen Insider überraschen können – der fast detektivisch geführten Hinterfragung des Obduktionsberichtes durch Ita Wegman etwa.

Auch halte ich Zander zugute, dass er mit zahlreichen, von kritischer Seite aus immer wieder aufgeworfenen Mythen sachlich bricht, z.B. gewissen mit Steiners freimaurerischen Ausflügen verbundenen Phantasien den Boden entzieht oder Unterstellungen zurückweist, wonach Steiner durch Kontakte zum deutschen Generalstab Anfang 1914 Einfluss auf die Kriegsführung hätte nehmen wollen. Beeindruckend finde ich auch, wie Zander zahlreiche Bausteine des Weges Steiners vom philosophisch-individualistischen Denker zur Theosophie zusammenträgt und dabei nicht einer plötzlichen Konversion das Wort redet, sondern auch Kontinuitäten sieht, ohne aber eine endgültige „Lösung“ dieser Entwicklung bieten zu wollen.

Durch sein unglaublich materialreiches Panorama aus Quellenrecherche, Zeitzeugenberichten und historischen Querverweisen – Steiner begegnete schließlich so unterschiedlichen Menschen wie Friedrich Nietzsche, Stefan Zweig, Else Lasker-Schüler, Rosa Luxemburg, Helmuth von Moltke oder Franz Kafka – hat Zander den mit dem Untertitel seines Werkes erhobenen Anspruch, „die“ Biographie Steiners vorgelegt zu haben, in jedem Fall eingelöst. Das überaus trocken geschriebene und von Fakten manchmal geradezu übersättigte Buch dürfte indessen kaum das Zeug für eine breite Publikumswirkung .

Flott und breitenwirksam

Ganz anders die Historikerin und Journalistin Miriam Gebhardt: Ihre Biographie ist das vollkommene Gegenteil von Zanders akribischem Kompendium und signalisiert schon mit Überschriften wie „Okkultismus im Zeitalter der Eisenbahn“ die Absicht, in einer breit zugänglichen, erzählerisch leichten Weise neugierig auf den Menschen Steiner zu machen. Gebhardt bettet Steiner mit viel Gespür für das geschichtliche Umfeld in seine Zeit ein und würdigt ihn als „modernen Propheten“, der zahlreiche avantgardistische Impulse unserer Zeit vorweggenommen hat.

Diese Auftragsarbeit der Deutschen Verlags-Anstalt, deren Management es (allein das ist schon spannend genug) für wichtig hielt, im Geburtstagsjahr 2011 eine Steiner-Biographie liefern zu können, von einer bekennenden Nicht-Fachfrau geschrieben, wirkt an vielen Stellen wie mit der heißen Nadel gestrickt und enthält daher allerlei (durch ein Fachlektorat durchaus vermeidbare) Patzer: Da wird etwa betont, Steiner habe stets auf Ernährung nach Demeter-Art Wert gelegt, wo doch diese Methode von ihm erst 1924 entwickelt wurde, also wenige Monate vor seinem Tod. Steiners Geburt dagegen wird von der Autorin einmal, dafür allerdings recht poetisch, in den „extrem kalten Januar des Jahres 1861“ verlegt, also glatt einen Monat zu früh, was gerade um die Zeit des allerorten gefeierten 150. Geburtstags als Fehler heraussticht.

Interessant finde ich bei Miriam Gebhart aber ohnehin nicht die aus anderen Werken übernommenen Fakten, sondern ihre eigenen und oft originellen Wertungen – beispielsweise die Anerkennung der Autorin, wie modern und eben „prophetisch“ Steiner immer noch und gerade erst heute wirkt und wie er beispielsweise durch seine Wertschätzung Frauen gegenüber viel von der späteren Gleichstellungsdebatte vorwegnahm.

Gemeinsamkeiten


Aufhorchen lässt auch die differenzierte Sicht Miriam Gebhardts auf eine der bisher dankbarsten Angriffsflächen bei Steiner, die Vorwürfe hinsichtlich seiner Neigungen zu Rassismus und Antisemitismus. Die Autorin konstatiert in diesem Zusammenhang zwar Steiners Nähe zum rassischen Diskurs, der an der Wende zum 20. Jahrhundert von Darwin und Haeckel beeinflusst die Zeit beherrschte, und sie moniert auch Steiners christlich geprägten Antijudaismus, aber „ohne dass man ihn deshalb aus der heutigen Perspektive als Antisemiten und Rassisten“ einordnen könne. Ähnlich listet auch Heiner Ullrich die inzwischen gut bekannten Ausfälle Steiners gegen Menschen mit schwarzer Hautfarbe und abwertende Urteile gegen das Judentum auf, stellt aber gleichzeitig auch fest, „dass Steiner nicht der völkisch-rassistische Antisemit war, zu dem ihn seine polemischen Kritiker gerne machen“. Und selbst Helmut Zander kommt zu dem Urteil, „Steiner gehörte nicht zu den wilden Rassisten im wilhelminischen Deutschland“. Das Thema der Rassen, bisher von der Kritik als „Beleg“ der Rückständigkeit von Anthroposophie schlechthin gewertet, wird also hier nicht mehr als Generalverdikt gegen Steiner instrumentalisiert, sondern als historische Überholtheit gesehen, die man nicht überwerten sollte. Nicht ohne eine gewisse Befriedigung stelle ich beim Blick auf die Fußnoten der entsprechenden Kapitel der drei Autoren fest, dass auch die von Info3 seit Langem initiierte kritische binnenanthroposophische Sicht auf diesen Teil von Steiners Werk (z.B. mit dem Frankfurter Memorandum und dem in unserem Verlag erschienen Band zum Thema Anthroposophie und Judentum) bei ihnen offenbar zu einem differenzierteren Bild beitragen konnte.

Wachsendes Verständnis wird auch bei einem anderen Thema sichtbar: Wurden die Gedanken von Reinkarnation und Karma bisher von Kritikern Steiners meist als anachronistische Übernahme eines fernöstlichen Belohnung-und-Strafe-Denkens abgelehnt, erkennen alle drei Autoren, dass bei Steiner das Karma-Prinzip nicht im Sinne eines fatalistischen Vergangenheitsdenkens vorkommt, sondern als Matrix individueller Zukunfts-Entwicklung gesehen wird. „Im Unterschied zum altindischen Ursprung gibt Steiner diesem Schicksalsbegriff eine evolutionär-optimistische und rationalistische Prägung“, stellt Heiner Ullrich fest. Helmut Zander sieht es ganz ähnlich: „Bei ihm stehen die Chancen weit vor den Strafen im Mittelpunkt des Interesses. Wiederverkörperung ist für ihn evolutionäre Höherentwicklung“, ein „radikales Konzept der Selbstverantwortung des Menschen“. Ähnlich sieht es auch Miriam Gebhardt, die dieses Konzept jedoch von einer ganz anderen Warte aus als Ausdruck der bürgerlichen „Arbeit an sich selbst“ kritisiert.

Was fehlt


Darüber, dass nun in drei großen Verlagen historisch orientierte Biographien Steiners vorliegen, können sich Anthroposophen nur freuen. Überall da, wo Bücher leben und anthroposophische Literatur sonst nicht hin reicht, gibt es nun mehr Gelegenheit, auf Steiner aufmerksam zu werden – auf einen großen geistigen Impulsgeber, mit dem man sich auseinandersetzen kann.

Eines aber schaffen alle drei neuen Biographien nicht: Sie öffnen das Herz nicht für den Geist, sie wirken nicht als Transmissionskraft, die schon beim Lesen durch eine spirituelle Gestimmtheit die inneren Organe ansprechen, geschweige denn öffnen würde. Das ist aber auch nicht ihre Aufgabe. Dafür wird es auch in Zukunft und verstärkt eine anthroposophische, öffentlichkeitsfähige Publizistik brauchen. Und die freut sich auf die von den drei Biographen neu eröffneten Räume. ____________________________

Die Bücher: 

  • Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. Leben und Lehre. C.H. Beck Verlag, 266 Seiten, 19,95 Euro
  • Helmut Zander: Rudolf Steiner. Die Biographie. Piper Verlag, 512 Seiten, 24,95 Euro
  • Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet. DVA, 368 Seiten, 22,99 Euro.
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Kontakt:

Dr. Jens Heisterkamp
Chefredakteur
info3 - Anthroposophie im Dialog
www.info3.de
069 584645

Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG Frankfurt am Main ___________________________________________ ___________________________________________

Zander-Biographie: Leben von Rudolf Steiner als Doku-Soap

Irrtümer aus Anthroposophie-Buch übernommen - Innerer Weg wird nur im Religiösen anerkannt – Anleihen beim Boulevardjournalismus sollen Auflage sichern Von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele MÜNCHEN (NNA). Nach dem Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich hat jetzt auch der katholische Theologe und Religionshistoriker Helmut Zander zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners eine Biographie eines der „führenden Esoteriker des 20. Jahrhunders“ – so der Klappentext - vorgelegt. Sie umfasst 536 Seiten und fußt offenkundig auf Zanders Monumentalwerk „Anthroposophie in Deutschland“ (2007). Allerdings offenbart sich der Wissenschaftler Zander in diesem neuen Buch als Autor des Unterhaltungsgenres. Die Lebensbeschreibung liest sich streckenweise wie ein biographischer Roman. Wer Steiner nur vom Hörensagen kennt, wird den Text vermutlich ganz spannend und amüsant finden. Auch hier zeigt sich die Absicht, mit einer eher populärwissenschaftlichen Darstellung vom Steiner-Jubiläumsjahr wirtschaftlich zu profitieren. Die Methode der historischen Kontextualisierung bildet gleichwohl auch in diesem „Steiner-Roman“ den festen Boden, auf dem sich Zander bewegt. So entstehen in der Biographie eindrucksvolle Schilderungen des Zeitgeists und Milieus, in dem das Leben Rudolf Steiners sich abspielte. Zanders unermüdlich vorgetragene Forderung nach einer Entmythologisierung Steiners, erscheint schon deshalb berechtigt, weil Generationen von Steinerianern an der Legendenbildung mitgewirkt und den Menschen Rudolf Steiner als Ringenden und Suchenden oft ausgeblendet, seine Irrtümer und Defizite regelrecht vernebelt hatten. Doch bei allem Unterhaltungswert, den man dem Buch zubilligen muss, bleibt die Persönlichkeit Rudolf Steiners am Ende unbestimmt, schillernd und unverständlich. Das von Zander vermittelte Steinerbild erinnert allzu oft an die Publikationen polemischer Steinerkritiker wie Kully und Hauer aus den 1920er Jahren, fragwürdige Quellen, aus denen sich Zander schon in seiner Anthroposophie-Studie ausgiebig bediente. So kennt man den Rudolf Steiner, dem man in der Biographie begegnet, schon aus Zanders „Opus magnum“: Ein im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb gescheiterter Akademiker, dessen jahrelange Sinnsuche ihn - verbunden mit notorischer Geldnot - über viele weltanschauliche Etappen schließlich in die Arme der Esoterik trieb. Nationalromantischer Idealismus, Monismus nach Haeckel, Anarchismus und Atheismus sind die Stationen, die Steiner dabei zu durchlaufen hatte. Seine Konversion zur Theosophischen Gesellschaft brachte ihm schließlich einen kometenhaften Aufstieg zum Propheten und Hellseher. Dass es möglich ist, Erkenntnis aus spiritueller Innensicht zu schöpfen, wie Steiner dies in seinen Schriften lebenslang dargestellt hat, nimmt Zander ihm dabei niemals ab. Hypothesen auf Irrtümern aufgebaut Die wissenschaftliche Tragfähigkeit dieses „Steiner-Romans“ und damit seine Seriosität ist für den unkundigen Leser trotz des 43-seitigen Anmerkungsteils schwer überprüfbar. Zander geht bei seinem „Steiner light“ offensichtlich davon aus, dass Leser, die mehr wissen möchten, zu seiner 1800-seitigen Untersuchung greifen. Aber wer wird das schon tun? Zahlreiche vermeidbare Irrtümer wären in einer Neuauflage zu beseitigen, wie etwa die falsche Lokalisierung der Theosophischen Bibliothek, die Datierung von Steiners Vortrag bei den Kommenden während der Gründungssitzung der Deutschen Sektion und die Angabe, Steiner hätte am 25. März Geburtstag. Diese Fehler könnte man Zander angesichts der Fülle des Stoffs als marginal durchgehen lassen, hätte er sie nicht als Stütze grundlegender Thesen benutzt. So wird mit dem falschen Geburtsdatum „25. März“ in sublimer Weise suggeriert, Steiner habe gezielt Personenkultus betrieben, indem er die erste „Opferfeier“ des freichristlichen Religionsunterrichts bewusst auf diesen Tag verlegt habe (S. 450). Die Theosophische Bibliothek, in der er immerhin Steiners Lebenswende verortet, lokalisiert er zweimal (S. 101 und 145) in der Friedrichstraße statt in der Kaiser-Friedrich-Straße (Charlottenburg), natürlich jedes Mal mit Betonung der unmittelbaren Nähe des Prachtboulevards Unter den Linden inmitten der „Aufsteigermetropole der Belle Epoque“. Die fehlerhafte Adresse erlaubt es Zander, den Aufstieg Steiners in ein Milieu aus Adel und gehobenem Bürgertum zu illustrieren. Ähnlich verhält es sich mit der Darstellung, Steiner sei nicht dabei gewesen, als Annie Besant am 19. Oktober 1902 vom Bahnhof Friedrichstraße abgeholt wurde (S. 168), weil er angeblich einen Vortrag bei den Kommenden gehalten habe. Bei Robin Schmidt (2010, S. 185) hätte Zander nachlesen können, dass dieser Vortrag erst einen Tag später stattfand. Die Vordatierung ermöglicht es Zander, einen frühen Affront Steiners gegen Besant zu unterstellen, indem er ihrer Begrüßung fern geblieben sei. So wird Zanders bekannte These vom Machtstreben Steiners innerhalb der Theosophischen Gesellschaft mit einem unrichtigen Datum gestützt. Diese Beispiele könnten leicht vermehrt werden. Sie zeigen: Zander lässt allzu oft die Genauigkeit des Historikers vermissen. Er baut auf Ungenauigkeiten für ihn wichtige Schlussfolgerungen auf. Widersprüchliches zum inneren Weg Der ebenfalls von Robin Schmidt (2010) gelieferte Nachweis, dass Steiner schon vor 1900 einen eigenständigen Esoterikbegriff besessen hat, wird von Zander nicht in Betracht gezogen, weil er seiner These von der theosophischen „Konversion“ Steiners diametral widerspricht. Steiners Darstellung in seiner Autobiographie, er habe am Ende seiner Weimarer Zeit (1896/97) begonnen, regelmäßig zu meditieren, ja, er habe sogar „auch früher schon ein meditatives Leben geführt“ (GA 28, S. 316 ff., 320, 323, 325 f., 333) verweist Zander in das Reich der Legendenbildung. Steiners „Beschäftigung“ mit meditativen Techniken nach 1902 kann er zwar nicht leugnen, aber er meint damit nur dessen Studieren von Fachliteratur. Zander: „Steiner bleibt uns [präziser wäre hier gewesen: mir] als esoterischer Schüler weitgehend verborgen.“ (S. 237) Die Tatsache, dass Steiner in der Theosophischen Gesellschaft quasi über Nacht als fertiger esoterischer Lehrer auftrat, muss Zander so notwendigerweise irritieren. Er schreibt: Steiner „unternahm den Spagat, sich die Theosophie als Schüler anzueignen und zugleich als Lehrer zu wirken“ (S.170). Hier verwickelt sich Zander jedoch in erhebliche Widersprüche. Denn andererseits referiert er den bekannten Brief Annie Besants von 1907, worin diese auf die völlig selbständige Schulungsmethode Steiners hinweist und seine Qualitäten als esoterischer Lehrer anerkennt (S. 199). Das spricht klar gegen Zanders These, Steiner habe seine erste esoterische Ausbildung erst nach Eintritt in die Theosophische Gesellschaft durch Annie Besant erhalten. Die von Steiner selbst in diesem Zusammenhang als zentral für seine innere Entwicklung dargestellte Begegnung mit dem Heilkräutersammler Felix Kogutzki schon zu Studentenzeiten, der ihn mit einer höhergestellten Persönlichkeit aus dem Milieu der Rosenkreuzer in Verbindung gebracht habe, die ihm zum Lehrer geworden sei, spricht Zander jegliche Bedeutung ab. Angesichts des völligen Fehlens weiterer Hinweise auf eine Art „Initiations-Erfahrung“ im Umfeld dieser Begegnung kommt Zander zu dem Ergebnis: Felix Kogutzki war ein normaler Mensch und kein „Meister“ (S.41). Dies hat Steiner auch gar nicht geschrieben. Besonders beim Thema Initiation wird deutlich, wie Zander die Quellenlage stets im Sinn seiner Hypothesen nutzt und die historisch-kritische Methode überstrapaziert. Selbstzeugnisse Steiners spielen für ihn keine Rolle. Zanders Verengung des Esoterikbegriffs war erst kürzlich von Esoterikforschern, die einen diskurstheoretischen Ansatz vertreten, kritisiert worden (Tagung „Aufklärung und Esoterik“ in Halle, 9.-12. März 2010). Anthroposophie als Religion Relative Anerkennung erfährt das innere Streben Steiners bei Zander nur in Zusammenhang mit seiner Christussuche, der er in der Biographie einen breiten Raum einräumt. Anthroposophie ist für Zander – wie er schon früher feststellte – nur verständlich, wenn man sie als alternative Religion behandelt (2007, S.44). So wird Steiner als Religionsstifter apostrophiert (S.25), was Zander bereits 2002 in seiner Abhandlung „Anthroposophie – eine Religion?“ getan hatte. Den ersten Hinweis auf die Anthroposophie als religiöses Phänomen, das zur „untergründigen europäischen Religionsgeschichte“ gehört, verdankt Zander seinem Lehrer, den er als den eigentlichen Pionier der Esoterikforschung verehrt, dem katholischen Religionswissenschaftler Karl Hoheisel. Indem man Steiner zum Religionsstifter macht, entzieht man sich der lästigen Pflicht, sich ernsthaft mit den philosophischen und wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Anthroposophie befassen zu müssen. Damit hängt auch die permanente Forderung Zanders an die Anthroposophen zusammen, endlich ihren unsinnigen „Wissenschaftsanspruch“ aufzugeben. Wissen und Glauben müssen streng getrennt bleiben, wer wie Steiner die große Synthese anstrebt, verkündet nach Zander offensichtlich eine gefährliche Irrlehre. Schon 2007 stellte Zander eine „Christianisierung“ Steiners fest, deren Höhepunkt er in das Jahr 1906 (erstmaliges Auftauchen des Ausdrucks „Mysterium von Golgatha“) verlegt. Was Steiner 1925 als Lebenswende stilisiert habe, beruhe zweifellos auf einer “christologischen Konversion“. Eine genaue Datierung im Sinne eines Damaskus-Erlebnisses lehnt Zander jedoch ab; er bevorzugt den Begriff „prozessuale Konversion“ (2007, S. 798). Zander stellt in der Biographie nun die These auf, der freigeistig sozialisierte Steiner sei 1906 „zum Christen geworden“, das sei das „geistliche Taufjahr des Dr. Steiner“ (S.212) Diese Entdeckung Zanders widerspricht sowohl orthodoxen anthroposophischen Interpretationen, Steiner sei „immer schon Christ gewesen“ als auch Kritiker-Ansichten von einem Bruch zwischen dem katholisch Getauften und dem theosophisch Initiierten. Zander: „Steiner war vor 1900 überhaupt kein Christ“. Anhand von Texten Steiners zwischen 1901 und 1913 verfolgt Zander minutiös die Entwicklung von dessen Christologie. „Steiners Christianisierung begann mit den theosophischen Kontakten seit dem Jahr 1900“ (213) „1906 jedoch erklingt ein neuer Ton in Steiners Vorträgen.“ (...) Im Frühjahr 1907 habe Steiner begonnen, sein christologisches Profil mit nicht-theosophischem Material zu modellieren. Besonders interessant findet es Zander, wenn Steiner vom Kultus spricht oder eine zeremonielle Handlung ausführt oder haarscharf an den großkirchlichen Wahrheiten vorbeischrammt. Überdies unterstellt er, Steiner habe mit der Gründung der Christengemeinschaft die katholische Kirche „beerben“ wollen. Was Rudolf Steiner in seinen Memoiren als ein „Gestanden-Haben vor dem Mysterium von Golgatha“ bezeichnet, hat viele seiner Biographen angestrengt nach Ort und Zeit dieser Christusbegegnung suchen lassen. Dies ist der einzige Punkt von innerer Erfahrung, den der Theologe Zander bei Rudolf Steiner als glaubwürdig durchgehen lässt. Vermutlich habe Steiner in dieser Metapher lange „Transformationsprozesse“ verdichtet. Am Ende seines Lebens habe er wahrscheinlich ehrlichen Herzens behaupten können, vor dem Christus gestanden haben (S.232). Zander meint zwar zunächst: „Wir wissen nicht, wann und wo es gewesen sein könnte“, bietet dann aber im Herzstück seines Buches (15. Kapitel), in einem fiktiven Gespräch zwischen Rudolf Steiner und seinem Freund Graf Polzer-Hoditz eine Hypothese dazu an: Während eines Freimaurer-Rituals, vermutlich im Herbst 1906 in Stuttgart, habe Steiner die entscheidende Christusvision erlebt. Es habe sich um eine Erhebung in den Meistergrad gehandelt, bei der Grablegung und Auferstehung symbolisch vollzogen wurde. Warum Zander diese Hypothese in ein fiktives Gespräch zwischen Steiner und Polzer-Hoditz verpackt, das er dazu noch in der Akasha-Chronik ansiedelt, wird in der Biographie nicht begründet. Allerdings steigert sich Zanders auch ansonsten schon drehbuchreife Darstellung hier noch einmal: Die romantische Szene im Polzer-Schloss erinnert an das Skript eines Gruselfims: Van Helsing mit Graf Dracula. Warum in einer Juninacht ein Kaminfeuer flackert, bleibt ebenfalls Zanders Geheimnis.. Griff in die Kiste des Boulevardjournalismus Während seine wissenschaftliche Abhandlungen eher mit Fremdwörtern gespickt sind (Beispiel: „In dem individueller Verfügbarkeit entzogenen, kollektiven Vollzug restituierten sie die ekklesiologischen Funktionen einer institutionellen Stabilisierung der freigesetzten Subjektivität“, S. 533 2007), greift Zander in seiner Steiner-Biographie tief in die Kiste des Boulevardjournalismus. Sturm, Blitze, Pechfackeln, ein brennender Holzstoß sind unverzichtbare Requisiten der abendlichen Grundsteinlegung des Goetheanums auf dem Dornacher „Bluthügel“. Statt eines Kompasses verwendet Steiner zur Bestimmung der Himmelsrichtung eine Kristallkugel. Und um es richtig unheimlich zu machen, packt Zander noch „wilde Gerüchte“ dazu, nach denen damals ein lebendiger Mensch auf dem Bauplatz begraben worden sei. (S.315) Auch bei den Spekulationen über Rudolf Steiners Liebesleben spart Zander nicht mit Versatzstücken der Regenbogenpresse. „Für Steiner wurde eine Ménage-à-trois wahr, aber der Traum, wenn es denn einer war, mutierte zu einem kleinen Albtraum“ (S. 171 f.). Formulierungen wie diese könnten auch im Grünen Blatt stehen. Spannungsreich bereitet er den Leser auf eine Szene vor, in der durch eine Jalousie möglicherweise außerehelicher Sex beobachtet werden kann: „Denn in diesen Monaten, vielleicht in Schlachtensee, soll es dann passiert sein.“ (S.172) Damit gemeint ist Ehebruch mit seiner Mitarbeiterin. So ziehen sich allzumenschliche Verstrickungen im weltlichen Getriebe durch fast alle Kapitel von Zanders Biographie von Rudolf Steiner: Machtstreben, Geldgier, Alkoholkonsum, außereheliche Verhältnisse, Ehebrüche, Plagiate und berufliches Scheitern meint er zu entdecken und kolportiert dabei unzählige Gerüchte. Dadurch entsteht die merkwürdige Mischung des neuen Zander-Buchs, in dem der Historiker Details liefert für eine filmreife Kontrastfolie zu den Christologiepassagen, die Theologe Zander herausgearbeitet hat. Alles in allem fühlt man sich an die Doku-soaps des Fernsehens erinnert, die derzeit in Mode sind und bei denen es in den Spielfilmszenen meist eher spekulativ zugeht. Im Bereich der ausführlich dargestellten Praxisfelder von Steiners Anthroposophie geht Helmut Zander so vor, dass er bei der Kontextualisierung ebenfalls seine einseitige Blickrichtung beibehält, dadurch Verkürzungen aller Art produziert und zahlreiche Irrtümer aus seinem Anthroposophie-Werk übernimmt. Den Fachautoren aus den Bereichen Waldorfpädagogik, Landwirtschaft, Medizin und Soziale Dreigliederung bietet er so eine große Angriffsfläche für Kritik. Ein Fazit aus dem Ganzen bleibt Zander dem Leser schuldig. Am Ende steht dann einerseits der selbstkritische Hinweis, jede Biographie beinhalte „Fabel und Faktum“ zugleich (S.473), andererseits wird aber auch der Anspruch formuliert, den bis dato erarbeiteten Wissensstand über Rudolf Steiner zusammengetragen zu haben. Ob sich der Wissenschaftler Helmut Zander mit dieser Steiner-light-Darstellung einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen. Die Mehrzahl der renommierten Esoterikforscher hat sich bisher über Zanders „Standardwerke“ ausgeschwiegen. Wenn Zanders rhetorisches Feuerwerk abgebrannt ist, herrscht trostlose Dunkelheit. Eine dauerhafte Lichtquelle in Form eines erhellenden, weiterführenden Gedankens hat er in seinem neuen Buch nicht zu bieten. End/nna/vog/jh Helmut Zander: „Rudolf Steiner. Die Biographie“, Piper Verlag, München, 536 Seiten, Gebunden, € 24,95 [D], € 25,70 [A], sFr 37,90, ISBN: 9783492054485 Bericht-Nr.: 110124-01DE Datum: 24. Januar 2011 © 2011 News Network Anthroposophy Limited (NNA). ______________________________ ______________________________

Anthroposophie als Black Box

Spätestens seit der diesjährigen Doppelausstellung zu Rudolf Steiner im Kunstmuseum Wolfsburg (NNA berichtete) wurde deutlich, dass Steiner als Vor- und Querdenker nichts von seiner Aktualität eingebüßt und seine Nische in der anthroposophischen Bewegung endgültig verlassen hat. Das zeigt sich auch in drei Biographien, die jetzt anlässlich seines bevorstehenden 150. Geburtstags in verschiedenen Verlagen außerhalb der anthroposophischen Szene erscheinen. Mit Heiner Ullrich und Helmut Zander sind zwei altbekannte Autoren dabei, neu in der Reihe der Steiner-Biografen ist die Historikerin und Journalistin Miriam Gebhardt. Insgesamt 1000 Seiten ist den gutbürgerlichen Verlagen offensichtlich Steiners Jubiläum wert. Den Auftakt bildete in dieser Woche der C.H. Beck-Verlag mit dem Buch „Rudolf Steiner. Leben und Lehre“ aus der Feder des Mainzer Erziehungswissenschaftlers Heiner Ullrich. Was bringt es dem Leser? NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele hat es sich angesehen. von NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele MAINZ (NNA). Den neuesten Forschungsstand und eine größtmögliche Fairness in der Darstellung kündigt Ullrich in der Einleitung an. Eine „kritische, aber nicht polemische Außenperspektive“ soll all jenen weiterhelfen, die „wissen wollen, was es mit der Lehre des Rudolf Steiner auf sich hat.“ Laut Verlag soll mit dem Buch ein allgemeinverständlicher Überblick vorgelegt werden. Diesem Anspruch wird Ullrich gerecht, das Buch liest sich flüssig und ist übersichtlich gegliedert. Ullrich schildert zunächst die erstaunliche Karriere Steiners vom Sohn eines kleinen Bahnbeamten bis zum weltweit beachteten Begründer der Anthroposophie. Es folgt ein Überblick über dessen Lehre, einschließlich ihrer philosophisch-weltanschaulichen Grundlagen. Schließlich beschreibt Ullrich deren wichtigste Anwendungsgebiete von der Landwirtschaft bis zur Medizin. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Waldorfpädagogik, die der Autor als größten Erfolg Steiners bezeichnet. Das Buch zielt damit vor allem auf den „Kundenkreis“ der praktischen Anwendungsfelder der Anthroposophie, die Waldorfeltern, die Käufer von Demeterwaren in den Bioläden oder auch die Patienten in den Einrichtungen der anthroposophisch erweiterten Medizin. „Was es mit der Lehre auf sich hat“ – hinter dieser allgemeinen Formulierung in der Einleitung verbirgt sich ein Erkenntnisinteresse Ullrichs, das erst später offensichtlich wird: Über den Nachvollzug von Steiners Biographie und der Darstellung der Praxisfelder der Anthroposophie hinaus interessiert den Erziehungswissenschaftler Ullrich vor allem die Frage, ob die Anthroposophie aus wissenschaftlicher Sicht ein ernstzunehmender Diskussionspartner sein kann. Diese Frage wird in Kapitel zwei „Die Lehre“ eindeutig beantwortet. „Zwischen der „essentialen Wissenschaft Steiners (und auch Goethes) und der Forschungspraxis sowie dem theoretischen Selbstverständnis der modernen Wissenschaften besteht eine unüberbrückbare Kluft“ (S. 109) Steiner sei ein Gnostiker, schreibt Ullrich in Anlehnung an Koslowski (1988). Seine angeblichen Beobachtungsresultate beruhten nur auf subjektiver Glaubensgewissheit. Seine Erkenntnistheorie sei nicht voraussetzungslos, wie die Anthroposophen noch immer glauben, sondern ein Rückgriff auf antiken Neuplatonismus, vor allem auf Plotin und dessen gnostische Selbsterlösungslehre. Wie für bestimmte mittelalterliche Scholastiker seien Ideen für Steiner etwas Wirkliches. Kant jedoch habe bewiesen, dass Ideen nur „regulative Prinzipien und keine Erfahrungsgegenstände“ seien. (S.107) Was bei Kant in „lebendigem Nichtwissen“ bleibe, erhebe Steiner als neuplatonischer Gnostiker zum „Wissen“. Steiner, der Kant nie begriffen habe, sei aber auch kein reiner Mystiker, sonst wäre er sprachlos, sondern betreibe eine „rationalisierte Mystik“, die weder religiös noch wissenschaftlich sei. Steiners angebliche Wissenschaft sei nur Weltanschauung (S.108). Er lasse sich nicht auf Empirik oder historisch-kritische Einzelwissenschaften ein, die er als ideenblind abqualifiziere. Auch Goethes Wissenschaftsbegriff sei antik und vorneuzeitlich. Die Steinersche Erkenntnislehre stellt nach Ansicht Ullrichs den Versuch dar, Sinnentleerung und Verarmung des Wirklichkeitsbezugs als Folge der kritischen Philosophie und der empirisch-exakten Naturwissenschaften zu überwinden. Remythologisierung bedeutet für Ullrich die „Vorstellung von einer reicheren Welt, die als konkrete Ganzheit erfahrbar ist.“ (ebd.) Hier sieht er Rudolf Steiner als Nachfahre der deutschen Romantik, die die Wiederversöhnung von Wissenschaft, Religion und Kunst betrieben habe. Bereits die Überschrift seiner Einleitung („Das Rätsel Steiner“) deutet auf eine für Ullrich ungelöste Frage hin, die den Hintergrund des ganzen Buches bildet: Wie kann aus einer Weltanschauung, die Ullrich als „Kritik an der neuzeitlichen Vernunft“ (S.110) und Versuch der „Remythologisierung“ (ebd.) einstuft z.B. eine derart erfolgreiche pädagogische Praxis wie die der Waldorfschule entstehen? Viele Anleihen bei Helmut Zander In der Darstellung von Steiners Leben hält sich Ullrich weitgehend an dessen Autobiographie, die er allerdings vorwiegend als Selbstdeutung einstuft, die Leben und Werk im Nachhinein in eine stimmige Entwicklung gebracht habe. Wie fast alle Steinerkritiker hebt Ullrich demgegenüber für ihn offensichtliche Diskontinuitäten und Widersprüchlichkeiten in Steiners Leben hervor und besteht auf der historischen Kontextualisierung seines Werks. Er bedauert, dass es bis heute keine quellenkritische Biographie Steiners gebe, die Brüche und Krisen herausarbeite. Die dazu bislang „zuverlässigsten Befunde“ sieht Ullrich in Helmut Zanders monumentaler Studie „Anthroposophie in Deutschland“ (2007). Bei seiner Beurteilung von Steiners Leben und Werk übernimmt Ullrich viel von Zanders kritischen Positionen. Mit der Tatsache, dass diesem von Fachleuten massive methodische und inhaltliche Mängel nachgewiesen wurden (Linksammlung mit Veröffentlichungen von und über Helmut Zander: http://www.geistesschulung.de) setzt sich Ullrich dabei nicht auseinander. Rudolf Steiner wird als sozial entwurzelter und auch geographisch heimatloser Mensch dargestellt (S.14), gescheitert auf seinem Berufsweg und glücklos in der Ehe. Trotz schulischer Lernerfolge sei Steiners kultureller Horizont beschränkt geblieben, der Anschluss an die Wiener Avantgarde sei ihm schon aufgrund seiner bescheidenen Vorbildung versagt geblieben. Als Beispiel dafür nennt Ullrich Steiners Kritik an Sigmund Freud. Dass die Psychoanalyse erst in einer Zeit publik wurde, als Steiner längst nicht mehr in Wien lebte, wird nicht bedacht. Seine Darstellung, Steiner sei erst “in den letzten Wiener Jahren“ mit Theosophen in Kontakt gekommen, ist inzwischen durch die aktuelle Steiner-Forschung im Rahmen der anthroposophischen Forschungseinrichtungen überholt (vgl. Robin Schmidt „Rudolf Steiner und die Anfänge der Theosophie“, Dornach 2010, S. 97). Ullrich scheint aber generell Studien anthroposophischer Forscher eher misstrauisch gegenüberzustehen. Er bezieht sie kaum in den in der Einleitung anvisierten aktuellen Forschungsstand mit ein. Für Ullrich ist Steiners Erfolglosigkeit im akademischen Milieu seiner Zeit ein entscheidendes Motiv für dessen Hinwendung zur Esoterik. Steiners Sinnsuche und seine Geldnöte seien mit der Übernahme des Amts des Generalsekretärs der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft schlagartig beendet worden. Diese Gesellschaft sei ein hierarchisch-elitärer, quasi vormoderner Geheimbund gewesen. Mit seiner „Konversion“ zur Theosophie habe Steiner sein ursprüngliches Projekt einer wissenschaftlich begründeten Weltanschauung endgültig aufgegeben. Ullrich ist um eine historische Kontextualisierung Steiners bemüht. Damit will er zeigen, dass Steiners Ideen in vielen Bereichen so originell nicht gewesen seien oder dass er sie sogar von anderen bezogen habe. So weise beispielsweise die Eurythmie Parallelen zu lebensreformerischen Tanzbestrebungen (Isadora Duncan) auf. Wie diese sei die Eurythmie auf antike Tempeltänze zurückführbar. Hier berührt Ullrich die Ambivalenz der Moderne zwischen Rationalität und Irrationalität, ohne seine eigene Definition der Moderne klarzulegen. Die Anthroposophie scheint für ihn aber eher die irrationale Seite der Moderne zu repräsentieren. Auch das erste Goetheanum sei keine genuine Schöpfung Steiners, sondern gehöre konzeptionell zu jenen „alternativreligiösen Tempeln“, wie sie schon um 1903 von dem theosophischen Künstler Fidus entworfen worden seien. (S.74) Der Dornacher Baustil weise mit seinem „biomorphen Symbolismus“ und seiner “floralen Ornamentik“ stilistisch und ideell Parallelen zum zeitgenössischen Jugendstil auf. Ullrich setzt offenkundig auch auf ein gewisses Sensationsbedürfnis seiner Leser. Die Abbildung des kleinen Kuppelraums (S.71) trägt die Unterschrift „Nur Eingeweihten zugänglich“. Dieser Darstellung steht entgegen, dass das Goetheanum schon zu Steiners Lebzeiten für Besucher offenstand und regelmäßige Führungen stattfanden. Davon nimmt Ullrich keine Kenntnis, auch neuere kunstwissenschaftliche Bewertungen der Goetheanumbauten wie etwa in dem Buch „Rudolf Steiner in Kunst und Architektur“ (DuMont Verlag 2009) bezieht er bei seiner Darstellung nicht ein. In einem eigenen Kapitel setzt sich Ullrich auch mit dem Vorwurf des Rassismus und Antisemitismus auseinander, den Kritiker immer wieder gegenüber Rudolf Steiner erheben. Dabei bezieht er auch das Gutachten der niederländischen Anthroposophischen Gesellschaft mit ein. Er kommt zu dem Ergebnis, Steiner habe wie viele seiner Zeitgenossen mit einem heute nicht mehr haltbaren Rassebegriff operiert und diesen mit einer „obsoleten Völkerpsychologie“ spirituell ausdifferenziert. (Ullrich, S. 198) Die Begriffe Rasse und Volk würden bei ihm im Rahmen einer teleologischen Theorie der spirituellen Höherentwicklung der Menschheit benutzt. Dies führe „gewollt oder ungewollt“ dazu, dass Ethnien abgewertet und damit diskriminiert würden. Bezüglich des Vorwurfs des Antijudaismus schließt sich Ullrich jedoch den Untersuchungen des anthroposophischen Historikers Ralf Sonnenberg (2003) an und resümiert: Steiner war nicht der völkisch-rassistische Antisemit, zu dem ihn seine polemischen Kritiker gerne machen. (Ullrich, S. 200) Der größte Erfolg: die Waldorfpädagogik Auch im Kapitel zur Waldorfpädagogik sieht Ullrich Zeitbezüge, die die Originalität von Rudolf Steiners Gedanken schmälern. Die Waldorfschule sei zwar eine „wegweisende erste koedukative Gesamtschule in Deutschland“ gewesen, weise aber dennoch „frappierende Ähnlichkeiten“ mit der gleichzeitig entstandenen Hamburger „Lebensgemeinschaftsschule“ auf. (S. 83f.) Insgesamt sachlich geschildert werden Themen wie Leitlinien, Klassenlehrer als Führer, genetisch-organischer Aufbau des Lehrplans, Epochenunterricht und goetheanistische Lehrmethode, rhythmische Gestaltung des Schullebens, kollektive Schulleitung, Waldorfkindergarten und Heilpädagogik. Die theoretischen Grundlagen werden wie bereits bei der Erkenntnistheorie auch hier in Zweifel gezogen, wenn Ullrich schreibt, Steiners Erziehungslehre sei weder ethisch noch empirisch-psychologisch fundiert (S. 158). Der Erzieher werde zum Priester und Seelenführer des Kindes hochstilisiert. Warum Steiner trotz alldem 1919 eine „historisch neue Schulpädagogik“ entwickelt hat, kann Ullrich sich und den Lesern nicht erklären. Ebenso widersprüchlich erscheinen die Aussagen über die Qualität des ersten Kollegiums: Einerseits hebt Ullrich hervor, dass von den zwölf Lehrern des ersten Waldorfkollegiums nur einer ein staatliches Lehramtszeugnis besaß. Auf der anderen Seite gesteht er ein: „Der Ruf der Schule verbreitete sich schnell“. Steiners Temperamentenlehre sei im bewussten Gegensatz zur zeitgenössischen Persönlichkeitspsychologie konzipiert. Steiner habe einfach die spätantike Lehre des Galenus mit einem psychophysischen Parallelismus, kosmischen Entsprechungen und anderen Analogiebildungen verbunden. Seine Lehre von den Lebensaltern (Jahrsiebten) beruhten auf der frühgriechischen mythologisch begründeten Hebdomadenlehre und seien mit ihren starren Vorgaben mit den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie unvereinbar. So bleibt Rudolf Steiner und die Wirkung seines Werks auch am Ende des Buchs das, was es in der Einleitung für Ullrich war: Ein Rätsel. Abschließend meint der Erziehungswissenschaftler, die Gründe für die öffentliche Akzeptanz der Waldorfpädagogik könnten nur durch empirische Studien erforscht werden. Einige dieser Studien stellt Ullrich dann im Einzelnen vor: Die Evaluationsstudie (Dahlin u.a., 2007) beispielsweise zeigt, dass Waldorfschüler in höherem Maß die Leitziele demokratischer Erziehung erreichen. Sie sind offener und toleranter gegenüber gesellschaftlichen Außenseitern (mit Ausnahme der Kriminellen, Nazis und Rassisten, gegen die sie sich entschlossen wehren würden). Ullrichs Fazit: Waldorfschulen bringen mehr aktive, verantwortungsbereite, demokratische junge Bürger hervor als die Regelschulen. Frühere Waldorfschüler finde man in allen Fachbereichen der Universitäten. Die meisten von ihnen fühlten sich für die Anforderungen ihres Studiums von ihrer Schule her besser vorbereitet als ihre Kommilitonen aus den öffentlichen Schulen. Die Absolventenstudie (Barz/Randoll, 2007) über die Entwicklung ehemaliger Waldorfschüler zeige, dass diese fast vier mal häufiger als die Gesamtbevölkerung eine Hochschulausbildung absolvieren. Der Anteil der Indifferenten und Kritiker der Anthroposophie habe sich weiter erhöht. Dennoch halten sie die Waldorfschule für die besten ihnen bekannten Schulen und würden auch ihre Kinder dorthin schicken. Obwohl Ullrich in den Waldorfschulen „pädagogische Gegenwelten“ mit entmodernisierenden Zügen sieht, erkennt er an, dass sie etwas bieten, was heute immer weniger möglich sei: Personale Kontinuität und soziale Zugehörigkeit (Verlässlichkeit). Sie seien allerdings vorwiegend für Elternhäuser attraktiv, die einem „alternativ-elitären“ soziokulturellen Milieu angehörten. Er vermerkt dazu auch, dass es auch innovative Waldorfpädagogen gäbe, die den Prototyp Steiners strukturell, curricular und methodisch weiterentwickelt hätten z.B. zur Integration Behinderter und von Kindern mit Migrationshintergrund. Alles in allem konzediert Ullrich zum Schluss, dass sich die von Steiner geschaffene Freie Waldorfschule im Laufe des 20.Jahrhunderts vom „Außenseiter zum Anführer der internationalen Bewegung für eine Neue Erziehung entwickelt“ hat und in einigen Ländern mittlerweile „die Alternative zum staatlichen oder konfessionsgetragenen Regelschulwesen“ darstellt. (S. 243) Die Erziehungswissenschaft diskutiere die Waldorfpädagogik und ihre Basis seit langem äußerst kontrovers, wobei die Ideologiekritiker, die vor einer Indoktrination warnen, die Wirklichkeit der Waldorfschulen aus dem Blick verlören. Entspannend aber hätten drei Momente gewirkt: Der von Waldorfpädagogen angeregte Dialog mit den Erziehungswissenschaften, die intensivierte internationale empirische Erforschung der Waldorfschulen. Zunehmend würde auch von der allgemeinen Wissenschaft anerkannt, dass die Fruchtbarkeit von Steiners vielfältigen Anregungen stärker sei als das Befremdliche seiner Lehre. Erfolge trotz esoterischem Weltbild? So bleibt es dabei, dass auch nach über 200 Seiten am Ende immer noch die Frage steht: Wieso ist Waldorfpädagogik, sind andere anthroposophische Initiativen so erfolgreich? Wie kann angeblich Vormodernes in der Gesellschaft des 21.Jahrhunderts funktionieren? Wie für Zander, ist auch für Ullrich die Anthroposophie trotz intensiver Beschäftigung mit dem Gegenstand eine Black Box geblieben. Seine Steiner-Biographie bietet daher kaum Neues. Trotz des Anspruchs der fairen Darstellung repetiert sie die üblichen Klischees, indem sie Steiner als vormodernen Denker und visionären Gnostiker darstellt. Im historischen Kontextualisieren will er es offensichtlich Zander (2007) gleichtun, indem er kaum eine Schöpfung Steiners als ursprünglich oder originär gelten lässt. Dies alles läuft auf die altbekannte These hinaus, die Anthroposophen seien trotz ihrer Esoterik erfolgreich und nicht gerade wegen einer erweiterten Weltsicht. Dass der gegenwärtige Zustand der Welt möglicherweise etwas damit zu tun haben könnte, dass das Weltbild der Mainstreamwissenschaft zu kurz greift, diesen Gedanken lassen Autoren wie Heiner Ullrich und Helmut Zander nicht zu. Forschungen wie die von Pim van Lommel oder auch die Publikationen des amerikanischen Quantenphysikers Arthur Zajonc, für den die Verbindung von Erkenntnis und kontemplativem Streben eine Selbstverständlichkeit darstellt, kommen in ihrem Literaturverzeichnis nicht vor. Für alle, die jetzt wirklich wissen wollen, was es mit Steiner auf sich hat, sei hier ein Zitat aus dem neuesten Buch von Zajonc angefügt, für den sich das Rätsel, die Black Box Anthroposophie, das Ullrichs ganzes Buch durchzieht, durchaus auflöst: „Als Wissenschaftler erfreue ich mich an der Klarheit der Physik und den tiefgründigen philosophischen Rätseln, die sie uns aufgibt, und so geht es mir hier nicht um eine Abwertung der Wissenschaften, sondern darum, ihre Methodik umzuwandeln und zu erweitern. Die grundlegenden Werte naturwissenschaftlicher Forschung - Klarheit, Integrität und Kollegialität – können ebenso in die kontemplative Forschung hineingenommen werden. Erst wenn wir die multidimensionale Natur des Universums und der menschlichen Existenz wirklich erfassen, werden wir eine bessere Basis für den Umgang mit ihren Problemen haben.“ (Zajonc, Aufbruch ins Unerwartete, Meditation als Erkenntnisweg, Stuttgart 2010, S. 20.) END/nna/vog/ung Bericht-Nr.: 101129-01DE Datum: 29. November 2010 © 2010 News Network Anthroposophy Limited (NNA). ___________________________________ ___________________________________

Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse

Von Georg Wahrmund, Februar 2011 Uwe Werner, Autor des Buches »Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)«, setzt sich in einer soeben erschienenen Studie kenntnisreich und detailliert mit Rudolf Steiners Engagement gegen Rassismus und Nationalismus auseinander. Seine Untersuchung ist ein wesentlicher Beitrag zur Klärung des Begriffes der Anthroposophie, dessen Verständnis gegenwärtig von einer Reihe tendenziöser Interpretationen und Entstellungen erschwert wird.

Werner untersucht Steiners Auffassungen in verschiedenen Lebensphasen und arbeitet eine gleichbleibende Grundüberzeugung heraus: die Geschichte zielt auf die Emanzipation der geistigen Individualität von jeder Art der Fremdbestimmung. Freiheit und Befreiung sind Kernmotive in Steiners Denken. Er versteht Geschichte als Ermöglichungsgeschichte menschlicher Freiheit, die sich als Individualisierung vollzieht, als Befreiung des einzelnen Individuums aus Kollektiven. Die Anthroposophie wird von Steiner als Vehikel dieser Individualisierung aufgefasst. Aus dieser Kernüberzeugung ergibt sich ein erhellender Blick auf Steiners Verständnis möglicher somatischer Differenz: sie wird als historischer Untergrund der menschlichen Freiheitsgeschichte lesbar. Steiner ging es bei seinen Ausführungen über Rassen und Völker nie um die Zuschreibung feststehender Eigenschaften, um »Essentialisierung«, sondern gerade um Befreiung von solchen Eigenschaften. Die meisten Kritiker, die Steiner Nähe zum Rassismus unterstellen, blenden diesen entscheidenden Gesichtspunkt aus und gelangen daher zu Interpretationen, die Steiners Intentionen auf den Kopf stellen.

Werner geht in seiner Studie auch auf die Frage ein, wie Anthroposophen den Nationalsozialismus einschätzen und Nationalsozialisten die Anthroposophie. In diesem Teil seiner Arbeit bewahrheitet sich die Richtigkeit seines Interpretationsansatzes: die historische Nagelprobe zeigt die Unvereinbarkeit einer Ideologie des Rassenkollektivismus und der emanzipatorischen Form der anthroposophischen Spiritualität. Werner verschweigt nicht die wenigen Einzelnen, die dem Irrtum erlagen, das nationalsozialisitische Regime könne auf Dauer den renitenten Individualismus und Kosmopolitismus der Anthroposophen dulden, aber er zeigt auch, dass auf beiden Seiten das klare Bewusstsein eines unüberwindbaren Antagonismus vorhanden war. Immer wieder kommt Werner im Verlauf seiner Untersuchung auf Helmut Zander und seinen fragwürdigen Umgang mit historischen Wahrheiten zu sprechen. Wie schon die Untersuchung »Zanders Erzählungen« von Lorenzo Ravagli (Berliner Wissenschaftsverlag 2009) zeigen auch Werners Detailanalysen, dass Zander kein unvoreingenommener, objektiver Interpret der Anthroposophie ist, sondern seine eigene verdeckte Agenda verfolgt. Jedem, der an einem differenzierten Urteil auf diesem heiß umkämpften Gebiet interessiert ist, kann Werners Studie nur dringend empfohlen werden. 

Uwe Werner: Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse. Sein Engagement gegen Rassismus und Nationalismus, 152 S., Verlag am Goetheanum, Dornach 2011. ***

Kontakt:

Lorenzo Ravagli Redaktion Erziehungskunst Wagenburgstr. 6 70184 Stuttgart 0711-210 42 50 ravagli@waldorfschule.de www.erziehungskunst.de _______________________________ _______________________________

Das Standardwerk zur Biografie Rudolf Steiners

2011: Taschenbuch in einem Band zum 150. Geburtstag des Begründers der Anthroposophie und der Waldorfpädagogik. Die bislang umfassendste und mit über 180 Abbildungen und Dokumenten versehene Biografie zeichnet das Leben Rudolf Steiners in seiner Entwicklung nach. Mit seiner Biographie zu Rudolf Steiner dokumentiert Christoph Lindenberg eine der erstaunlichsten Lebensleistungen des 20. Jahrhunderts. Er zeichnet den beeindruckenden Aufstieg des naturwissenschaftlich begeisterten jungen Steiner vom Sohn eines einfachen, freidenkerischen Bahnbeamten zum angesehenen Goethe-Forscher, Redakteur, Herausgeber und entschiedenen Freiheitsphilosophen nach, der sich beispielsweise mit Rosa Luxemburg intensiv in der Arbeiterbildungsschule in Berlin engagierte. Das so verschiedene Gebiete wie die Goethe-Forschung, die Pädagogik, Medizin und Landwirtschaft sowie Soziologie, Architektur, Malerei, Religion, Bewegungskunst und Dichtung umfassende Werk Rudolf Steiners wird in seinem einzigartigen Erkenntnisansatz deutlich gemacht. Christoph Lindenberg verfolgt nicht nur den äußeren Werdegang Steiners, sondern vor allem auch die innere Biographie, die zur Initiation und frühen spirituellen Erlebnissen führt. Behutsam rekonstruiert der Autor aus diesen Spuren die verschiedenen Wege geisteswissenschaftlicher Forschung. Im Laufe seiner dreißigjährigen Bemühungen gewinnt Steiner u.a. die Schlüsselerkenntnis über den Zusammen-hang der geistigen, der seelischen und der leiblichen Seite des Menschen. Diese Erkenntnis bezeichnete Rudolf Steiner als die Mittelpunktsidee der Anthroposophie. Sie ermöglicht die vielfältigsten Anregungen für das praktische Leben, die Steiner vor allem nach dem 1. Weltkrieg – immer konkret und zugleich allgemeingültig – gegeben hat. ***** Christoph Lindenberg hat mit seinem doppelbändigen Buch, Rudolf Steiner – Eine Biographie, ein Werk von hohem Rang vorgelegt. Man darf es als die Krönung seines literarischen Schaffens bezeichnen. Diese Biographie vorzustellen und zum Gespräch darüber einzuladen, ist eine Freude … Man kann sagen, dass durch diese Steiner-Biographie das Gespräch zwischen Theologie und Anthroposophie eine neue Qualität erhält. Niemand wird sich fortan daran ernsthaft beteiligen können, der dieses Buch nicht einbezieht. (Klaus von Stieglitz, Materialdienst der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen)

Mit Lindenbergs Buch hat die Anthroposophie das Tor zu ihrem Verständnis weit aufgestoßen.(Nürnberger Zeitung)

Christoph Lindenberg hat nun eine große Biographie Steiners vorgelegt, die zum Standardwerk werden wird. (Passauer Neue Presse)

Nach seiner detaillierten Steiner-Chronik legt Christoph Lindenberg jetzt die umfassende, auf langjährigen Quellenstudien beruhende Steiner-Biographie vor … Kaum ein Aspekt des von mancherlei Rätseln durhsetzten Lebens bleibt in der Biographie Lindenbergs ausgeblendet …Umfang, Struktur und Darstellungsweise lenken den Blick über diese Biographie hinaus aufein bedeutsames Kapitel der Mitteleuropäischen Geistesgeschichte. (Gerhard Wehr, Börsenblatt des Deutschen Buchhandels)

Lindenbergs Steiner-Biographie (der Autor ist selbst langjähriger Waldorf-Pädagoge) ist die bisher umfassendste, detailreichste und verlässlichste … Ein Buch für jeden, der dem Phänomen Anthroposophie auf den Grund gehen will. (Die Furche)

Christoph Lindenberg bietet auf 1025 Seiten (180 Bilder) mehr als einen Lebenslauf des Anthroposophie-Begründers Rudolf Steiner – ein faszinierendes Zeitgemälde. (Bild-Zeitung)
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