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Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Das Kuhhorn - ein verkanntes Stoffwechselorgan

Es gibt zahlreiche sachliche Gründe, das Horn als wichtiges Organ anzusehen.

Von: Alfred Schädeli

Das Horn

Foto: demeter.ch Die DEMETER-Richtlinien schreiben vor, dass die Kühe auf biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betrieben Hörner tragen müssen. Bei einigen Berufskollegen, die über Radio und Presse von dieser Regelung erfahren haben, ist diese Vorschrift auf wenig Verständnis gestossen, weil sie rein emotional motiviert sei. Es gibt aber zahlreiche sachliche Gründe, das Horn als wichtiges Organ anzusehen.

>> Aktion «Horn auf!»


«Warum haben die Kühe Hörner?» Diese Frage stellt Rudolf Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs 1924 in Koberwitz - und beantwortet sie gleich selbst. Mit dem Horn (und auch den Klauen) schaffe sich die Haut Stellen, um gewisse Kräfte, die aus dem Organismus hinausströmen wollen, wieder in das Tier zurückstrahlen. Diese zurückströmenden Kräfte stellt Rudolf Steiner in Zusammenhang mit der Haupttätigkeit des Rindes, mit dem Stoffwechsel und insbesondere mit der Verdauung.
Das Horn als Verdauungsorgan - auf den ersten Blick ein sonderbarer Gedanke. Es kann aber oft fruchtbar sein, gerade bei sonderbaren Gedanken zu verweilen und sie genauer zu untersuchen. Wenn solche Kräfte und Zusammenhänge, von denen Rudolf Steiner spricht, wirklich vorhanden sind, dann ist zu erwarten, dass es auch anatomische Hinweise darauf gibt.

Horn und Zähne

Bei Tieren, die einen Zahn ihres Gebisses besonders stark entwickeln, verschwinden andere Zähne oder Zahngruppen. Dieses Bildegesetz lässt sich im ganzen Tierreich beobachten. So fällt das Gebiss der Nagetiere durch die langen Nagezähne auf, die an ihrer Wurzel immer soviel nachwachsen, wie sie vorne abgenutzt werden. Dies geschieht auf Kosten der Eckzähne, die im Nagergebiss fehlen.

Im Raubtiergebiss sind die Eckzähne zu langen und starken Reisszähnen umgewandelt. Dort fehlen die hintersten Backenzähne, die Molaren. Das Gebiss des Elefanten z.B. ist besonders auffällig, weil es aus nur sechs Zähnen besteht. Zwei davon sind die ausserordentlich langen Stosszähne, die fast wie Hörner vom Kopf abstehen. Sie haben sich aus den-oberen Schneidezähnen entwickelt. Alle anderen Zähne fehlen dem Elefanten, bis auf einen einzigen Backenzahn je Kieferhälfte, der bis zu sechs mal gewechselt wird.

Das Gebiss des Rindes fällt ebenfalls durch seine Zahnlücken auf. Es fehlen ihm, wie für Wiederkäuer üblich, alle Eckzähne und die Schneidezähne des Oberkiefers. Nach obiger Regel müsste nun im Wiederkäuergebiss ein ausserordentlich ausgebildeter Zahn gefunden werden. Danach sucht man jedoch vergeblich. Zu wessen Gunsten sind die fehlenden Zähne dann verkümmert? Die Lösung ist am Gebiss nicht zu finden, doch sucht man in der nächsten Umgebung des Oberkiefers, so stösst man auf eine andere Eigenheit des Rindes: auf die Hörner. Diese sind zwar nicht aus Elfenbein, wie die Stosszähne des Elefanten,sondern aus Knochenund Hornsubstanz gebildet. Von der Form her sind sie den Zähnen aber gar nicht unähnlich.

Allgemein fehlen den Wiederkäuern die Eck- und Schneidezähne, und die meisten von ihnen tragen Stirnbeinaufsätze in Form von Hörnern und Geweihen. Es gibt aber auch Ausnahmen: Das Kamel, ein Pseudowiederkäuer, dem der Blättermagen fehlt, hat eine nackte Stirn. In seinem Gebiss sind die vorderen Backenzähne, die Prämolaren, besonders ausgebildet. Sie sind gross und nach hinten gerichtet und dienen dem Kamel beim Kampf gegen Artgenossen. Auch das Moschustier, ein kleiner, rehähnlicher Wiederkäuer im asiatischen Hochland, trägt weder Hörner noch Geweih. Doch diese Ausnahme bestätigt die oben aufgestellte Regel besonders deutlich. Das Moschustier trägt bis zu sieben Zentimeter lange, hauerartige Eckzähne in seinem Gebiss. Eine weitere Ausnahme ist das Nashorn. Es ist kein Wiederkäuer, hat aber dennoch mit seinen hintereinanderliegenden Hörnern Aufsätze am Kopf. Ihm fehlen die Eck- und Schneidezähne sowohl oben als auch unten.
Zahnlücken gibt es auch ausserhalb der Säuger. Die meisten Vögel haben überhaupt keine Zähne. Dafür tragen sie mit ihrem Schnabel einen mit Horn bewachsenen Aufsatz an ihrem Kopf. Ebenfalls die Schildkröten sind zahnlos, zu Gunsten ihres mächtigen Panzers, der aus Horn besteht.

Hörner können als verwandelte Zähne betrachtet werden. Die Bildung von Hörnern, Geweihen oder ähnlichen verhornten Organen steht stets in engem Zusammenhang mit dem ersten Organ des Verdauungskanals, mit dem Gebiss. Die Hörner entstehen auf Kosten von Zähnen, die im Gebiss verkümmern.

Horn und Magen
Die Speiseröhre der Wiederkäuer bildet vor dem Eingang zum Labmagen einen dreiteiligen Sack, die drei Vormägen. Diese bestehen nämlich aus dem gleichen

Gewebe wie die Speiseröhre. Auch diese Verwandlung steht im Zusammenhang mit der Bildung besonderer verhornter Organe. Das zeigt sich besonders deutlich beim Vogel, dessen Speiseröhre sich zu einem Kropf formt. Es handelt sich dabei zwar nicht um einen Magen im eigentlichen Sinn, doch immerhin um einen Beutel, in dem die Nahrung gelagert werden kann. Und nach der Speiseröhre haben die Vögel gleich zwei Mägen, einen Drüsen- und einen Muskelmagen.

Auf das Nashorn trifft diese Speiseröhrenverwandlung trotz seiner Hörner nicht zu, es muss ohne Vormägen auskommen. Ganz ohne die Wiederkäuerverdauung ist es ihm in seiner dicken Haut aber offenbar auch nicht wohL Nebst pflanzlicher Nahrung frisst es darum den Kot des Gnus, eines Wiederkäuers. Ein Teil des Futters des Nashorns hat also die Verdauungsprozesse eines Wiederkäuers durchlaufen. Man könnte sagen, es nutze in Ermangelung eigener Vormägen diejenigen eines anderen Tieres. Im Zoologischen Garten gehaltenen Nashörnern fehlt der Gnu- Kot. Dort hat sich der Vormagen-Aspirant eine eigene, rudimentäre Form des Wiederkäuens entwickelt: Selbst bei reichlichem Angebot an pflanzlicher Nahrung frisst das Nashorn im Zoo seinen eigenen Kot. Auch der Elefant mit seinen «Hörnern» im Gebiss hätte die Wiederkäuerverdauung dringend nötig. Seine Futterverwertung ist mit rund 40 Prozent etwa gleich schlecht wie beim Nashorn. Zum Vergleich: Das Pferd, das weder Hörner noch Pseudohörner hat, verwertet auch ohne Vormägen 60 bis 70 Prozent des Futters.
Tiere, die Hörner oder andere vom Kopf abstehende Aufsätze tragen, verwandeln ihre Speiseröhre in Vormägen oder zeigen zumindest eine Tendenz zum Wiederkäuer.

Wille zum Horn
An den beiden Pflanzenfressern Nashorn und Elefant lässt sich studieren, wie ein Tier zu Hörnern kommen kann. Im Vergleich zum Kuhhorn, das aus einer hohlen Hornscheide besteht, die über einem knöchernen Hornzapfen gewachsen ist, ist das ausgefüllte Horn des Nashorns viel äusserlicher. Der Schädel bildet die Hornform mit seinen Knochen nicht nach, sondern bildet an der Stelle der Hörner lediglich knöcherne Wülste.
Ähnliche Wülste des Schädels, an der Stirne jedoch, sind für die Elefanten charakteristisch. Als Anlage für Hörner, die er ausserhalb des Schädels ausbilden möchte, aber noch als Stosszähne im Gebiss trägt. Der Unterschied dieser Wülste zwischen dem afrikanischen und dem indischen Elefanten deutet darauf hin. Am Schädel des indischen Elefanten sind sie gerade dort, wo bei der Kuh das Horn angewachsen wäre. Indessen sind die Stosszähne klein und beim weiblichen Tier kaum ausgebildet. Der afrikanische Typ mit seinen langen.Stosszähnen trägt nur in der Mitte der Stirne einen Wulst, welcher an den Wulst am Scheitel vieler enthornter Kühe erinnert.

Horn und Fruchtbarkeit

Bei den Ziegen gibt es in den meisten Rassen genetisch hornlose und horntragende Tiere. Züchter, die eine vollständig hornlose Herde anstreben, kommen jedoch nicht weit, denn unter den Nachkommen werden sie viele zwittrige Zicklein haben. Darum ist allgemein bekannt, dass auch die Ziegen in grösstenteils hornlosen Herden immer wieder mit gehörnten Böcken gedeckt werden müssen.
Offensichtlich üben die Hörner also auch einen Einfluss auf die Fortpflanzungsorgane aus, die ja auch den Stoffwechselorganen zugeordnet werden. Die Frage stellt sich nun, ob dieser Zusammenhang nur bei genetisch hornlosen oder, vielleicht in vermindertem Mass, auch bei enthornten Tieren zu beobachten wäre.

Horn und Sinnesorgane

Als sich die Kuh eines Nachbarn auf der Weide ein Horn samt Knochenzapfen abbrach, klaffte am Schädel ein Loch. Der Tierarzt wurde beigezogen, und er goss eine Desinfektionslösung in die Öffnung hinein. Wie staunte aber der Bauer, als ein Teil der Lösung zum einen Nasenloch herausrann. An der Öffnung war der Geruch der Verdauungsgase deutlich wahrzunehmen. Seine Beobachtung hat ihm gezeigt, dass der hohle Knochenzapfen mit den Schädelhöhlen und damit auch mit den Sinnesorganen am Kopf in Verbindung steht.
Wer eine Kuh beim Wiederkäuen betrachtet, stellt fest, dass sie dabei ganz in sich gekehrt ist. Nicht nur das Maul, sondern der ganze Kopf ist in rhythmischer Bewegung, bis hinauf zu den Hörnern. Dort sind die Vibrationen, die durch das Mahlen der Backenzähne entstehen, besonders gut spürbar. Dabei könnte man meinen, der Futterballen, den die Kuh mahlt, sei ihr eine Nebensache, und sie gebe sich genüsslich den Säften, Dämpfen und Gerüchen hin. Diese breiten sich nicht nur in der Umgebung der Kuh aus, sondern steigen beim Kauen durch die Schädelhöhlen bis in die Hörner auf. Dass sie in den beiden Höhlen der Knochenzapfen wahrgenommen werden können, braucht nicht eigens bewiesen zu werden. Man erinnere sich nur daran, wie subtil auch der Mensch ein gutes Essen mit mehr als nur seinem Geschmackssinn wahrnehmen kann. Und wenn nicht der ganze Organismus auf Essen eingestellt ist, zum Beispiel unter Stress, liegt die köstlichste Mahlzeit schwer im Magen.

Es macht den Anschein, als könne die Kuh nicht nur innerhalb, sondern auch ausserhalb des Horns wahrnehmen. Viele Kühe haben die Eigenschaft, dass sie, besonders wenn sie gutes Futter in der Krippe haben, es voller Wonne mit den Hörnern aufgabeln und umherschleudern.
So gesehen kann das Kuhhorn als eine Art Sinnesorgan verstanden werden.

Horn und Futter

Mit jedem Kalb bildet die Kuh einen Ring an der Basis ihres Hornes. Diese Ringbildung steht offensichtlich im Zusammenhang mit der Ernährung des Tieres. Während der Galtzeit wird der Futterbedarf der Tiere im Vergleich zur Laktationszeit in der Regel besser gedeckt, weshalb vielen Galttieren nur mageres Futter verabreicht wird, damit sie bis zum Abkalben nicht zuviel Fett ansetzen. In dieser Periode wächst das Horn aber nicht, wie man vermuten könnte, stärker in die Länge, sondern hat ein verstärktes Dickenwachstum. Erst nach der Geburt, in der ersten Laktationszeit, wächst das Horn dünnwandiger und vermehrt in die Länge. So entstehen die Ringe. An den kürzeren Hörnern der Stiere fehlen sie.

Mit den Hörnern haben die Kühe ein Organ, durch das sie sich ganz besonders voneinander unterscheiden. Zwar gibt es auch viele andere äusserliche Merkmale, anhand derer der Bauer die einzelnen Kühe kennt. Doch verglichen mit Kopfform, Rücken, Flanke, Fundament U.S.w., weichen Form, Länge, Dicke und Ausrichtung der Hörner unter den Kühen einer Herde viel stärker voneinander ab. Auffällig ist auch der Unterschied zwischen den Rassen. Das Pusstarind aus der ungarischen Steppe trägt viel mächtigere Hörner als etwa eine Friesland-Holsteiner Kuh. Im allgemeinen sind langhörnige Rassen in heissen, trockenen Gebieten mit eher karger Futtergrundlage beheimatet. Rassen mit kurzen Hörnern stammen aus milden Regionen mit genügend Niederschlägen und üppiger Vegetation. Der deutsche Tierarzt Josef Weff sah schon 1930 den Grund für dieses Phänomen darin, dass Rinder, die in Steppen oder im Berggebiet ihr Futter mühsam suchen müssen, haushälterischer mit ihrer Nahrung umgehen müssen und darum ein grösseres Bedürfnis haben, die von Rudolf Steiner angedeuteten Verdauungskräfte aufzuhalten und in den Organismus zurückzusenden. Und dazu sind ihnen grössere Hörner dienlich.

In Argentinien war das Enthornen, besonders bei Fleischrassen, schon zu Beginn des Jahrhunderts üblich. Werr stellte dort fest, dass dieser Eingriff die Entwicklung der Tiere in Gebieten mit guten Weideverhältnissen kaum beeinträchtigte. In Gebieten mit wenig Niederschlägen und kargem Futterwuchs wirkte sich das Enthornen zum Schaden der Tiere aus, indem sie krankheits anfälliger wurden. Auch diese Beobachtung deutet auf den Zusammenhang zwischen Horn und Verdauung hin.
Die klimatisch bedingte Entwicklung kürzerer oder längerer Hörner wurde aber nicht nur im Vergleich verschiedener Rassen, sondern sogar innerhalb der Rassen beobachtet. Schon Weff gibt an, dass sich die Mächtigkeit der Hörner nach wenigen Generationen verändern könne. "Die Nachkommen von Herden kurzhörniger Rassen, die in trockene Gebiete gebracht werden, bilden gemäss seinen Berichten längere Hörner als ihre Vorfahren. Dasselbe beobachtete in jüngster Zeit die ägyptische Sekkem-Farm, die eine Herde Allgäuer Braunvieh aus Deutschland einführte und reinrassig weiterzüchtet. Die Rinder, die in Ägypten geboren wurden, haben mächtigere Hörner als ihre europäischen Mütter.

Horn und Waffe
Hörner sind als Waffe bei Rangkämpfen nützlich, Wenn zwei Kühe festlegen wollen, wer in der Rangordnung höher steht, treten sie sich mit ihren Hörnern gegenüber. Die Kuh, welche die andere wegzustossen vermag, nimmt in der Hierarchie der Herde den höheren Platz ein. Solange das einmal unterlegene Tier ihre Genossin als dominant respektiert, kommt es zu keinen weiteren Kämpfen. In enthornten Herden fehlt das Horn als Mittel zur fairen Auseinandersetzung. Dadurch sind die hierarchischen Strukturen weniger gefestigt, und die Kuh, eigentlich ein Herdentier, muss individualistischer werden, weil sie in ihrer Herde weniger eingebettet ist.

Horn und Präparate
In einem besonderen Anwendungsbereich machen sich die biologisch-dynamisch wirtschaftenden Bauern den Zusammenhang zwischen Kuhhorn und Verdauung zunutze. Sie stellen mit Hilfe von Hörnern die beiden Präparate Hornmist und Hornkiesel her. Das Horn besitzt die Fähigkeit, die obengenannten Kräfte im Organismus der Kuh aufzuhalten und zu reflektieren. Bei der Herstellung des Hornmistpräparates fällt dem Horn die gleiche Aufgabe zu. Die Hornscheide wird im Herbst mit Pflanzen gefüllt, die durch die Wiederkäuerverdauung verwandelt wurden, also mit frischem Kuhdung. Anschliessend werden die gefüllten Hörner für ein halbes Jahr in der Erde vergraben. Wenn sie der Bauer aus dem Boden nimmt, befindet sich eine krümelige, wohlriechende Substanz im Horn; der Mist hat sich verwandelt. Im Frühjahr wird wenig Hommistpräparat in viel Wasser aufgerührt und über die Felder gespritzt, um die biologische Aktivität des Bodens zu fördern.

Dem Horn kommt in der Herstellung des Präparates die gleiche Aufgabe zu wie am lebenden Tier. Anstelle der Verdauungsorganisation der Kuh, deren Tätigkeit durch die mikrobielle Verdauung geprägt ist, haben wir den Mist im Horn, der auch mikrobiell umgewandelt wird. Anstelle des tierischen Organismus' der lebenden Kuh haben wir die Erde, die sich auch als ein Organismus betrachten lässt. Das Horn am lebenden Tier strahlt bestimmte Kräfte, die den Tierorganismus verlassen wollen, zurück in die Verdauung. Das vergrabene Horn hingegen fängt irdische Kräfte auf, um sie in den Mist zu senden. So sammeln sich im Präparat Kräfte an, die geeignet sind, das Bodenleben anzuregen.

So revolutionär die Geschichte auch tönen mag: Neu sind diese Gedanken nicht. Vergangene Kulturen gaben dem Horn in ihren Sagen und Legenden eine ganz ähnliche Bedeutung in Form des Füllhorns. Das war ein Gefäss von schier unendlicher Fruchtbarkeit, denn aus ihm wurden die Menschen immerwährend mit reicher Ernte beschert. Leer wurde es nie, es füllte sich laufend nach. Durch das Füllhorn schenkten die Götter der Erde die Fruchtbarkeit.

Alfred Schädeli

>> Hörner beleben die Verdauungsvorgänge der wiederkäuenden Tiere.

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Dieser Text entstand im Auftrag des Vereins für biologische Landwirtschaft als Artikel für die Zeitschrift «bioaktuell» vom September 1996. Der Umfang überstieg damals den zur Verfügung stehenden Platz im «bioaktuell». Diese ungekürzte Fassung erschien schon in den BEITRÄGEN zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft.
www.demeter.ch

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