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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Freunde der Erziehungskunst

Die Vereinfachte Ausgangsschrift war eine Katastrophe

»Worin bestand in George Orwells Roman 1984 der erste Akt der Rebellion gegen Big Brother? Winston Smith suchte sich in seiner Wohnung einen Winkel außer Reichweite des Überwachungsmonitors, holte einen alten Füllfederhalter aus dem Versteck und begann den totalitären Schrecken in ein Tagebuch zu schreiben …« So endet das Buch von Maria-Anna Schulze Brüning und Stephan Clauss.

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Der Willensweg zu Christus

In welcher Richtung soll ich ihn dann suchen? Der Willensweg zu Christus geht nach Innen und muss stets neu erarbeitet werden. ...

Von: Jostein Sæther

'Durchchristetwerden'

Christus ist wiedergekommen. Er ist mit der ätherischen Erde vereinigt. Um ihn zu schauen, muss die menschliche Seele sich entwickeln. Wie gewinne ich denn ein Verhältnis zu ihm?
In diesem Osterbeitrag möchte ich kurzerhand skizzieren, wie der Willensweg zu Christus durch Lebensphasen der Befremdung und der karmischen Prüfung gehen. Die Ausweitung dieses wichtigen Lebensthemas könnte übrigens ein ganzes Buch füllen.

Das Syndrom der Befremdung

Christologie, anthroposophisch begriffen und meditativ geübt, kann zu erstaunlichen Erlebnissen führen. Geknüpft mit Biographiearbeit und Rückblick regt sie hin und wieder zu überraschenden imaginativen Begegnungen mit Engelartigem. Für das neue Christus-Ereignis, das tatsächlich ätherisch dauernd vorangeht, beschrieb Rudolf Steiner, dass Christus dann den Menschen quasi innerhalb der eigenen Erinnerung als engelartiges Wesen erscheint. Er benutzte für diesen Anfachungsprozess den Begriff ‹Durchchristetwerden› (vgl. GA 152).

Ich kenne Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen. Sie suchen Ärzte und Therapeuten auf, weil sie annehmen, dass sie krank sind. Aber keine normalen Krankheiten werden gefunden. So ‹irren› sie herum, bis sie in der Psychiatrie landen oder im schlimmsten Fall den Freitod aufsuchen. Die angebotene Hilfe wird oft nicht angenommen, weil der Betroffene manisch-depressiv geworden ist. Ich bin mit jemand befreundet, der in einem anthroposophischen Betrieb arbeitet, aber trotzdem nicht von der Anthroposophie berührt ist. Er fühlt sich von etwas Fremdem ‹infiziert› und kommt von der Angst nicht los, dass er etwas hat, was die Ärzte finden müssten. Mir scheint hier, etwas sich mit einem Phänomen zu decken, das Rudolf Steiner vor fast 100 Jahren beschrieb (vgl. GA 131).        

Gewisse Kräfte würden laut Steiner in der menschlichen Natur gegen die Zukunft hin entwickelt werden. Sobald wir ein gewisses Lebensalter erreicht haben und selbstbewusst geworden sind, würden diese neue Seelenkräfte eine Empfindung in uns hervorrufen: Da ist etwas in mir, was ich verstehen muß. Etwas scheinbar Fremdes wird sich so äußern, dass man fühlt, dass es eigentlich mit dem eigenen Ich zusammenhängen müsste. Gleichzeitig wird man sich eigenartig bis befremdet fühlen, weil ‹das Es› nicht hereinpasst in alles, was man über sich seit der jetzigen Geburt wissen kann. Das Syndrom der Befremdung gegenüber sich selbst wird zuerst einsichtig, wenn Reinkarnation und Karma zum Lebensinhalt wird, das die Gewissheit bringt:  Ich fühle mich fremd, weil ich das Ich erlebe, das aus früheren Leben herübergekommen ist. Denn unser Ich-Wesen ist ein komplexer Organismus, das mit früheren und sogar künftigen Leben gekoppelt ist (vgl. GA 145).

Wird die Seltsamkeit nicht aus Karmaverständnis erklärt, erzeugt sie Angst, Beklemmung und Besorgnisse, die dann realen Krankheiten heranziehen. So müssen wir den Blick rückwärts richten, um die Biographie richtig einzuordnen. Alles, was wir als karmischen Wirkungen finden, muss aus einer unantastbaren Perspektive betrachtet werden, damit wir nicht in einer neuen Ichbezogenheit verfallen.

Christus als Vorbild

Die zentrale Idee der anthroposophischen Christologie ist, dass Christus als Ideal gesehen wird. Das exemplarische Schicksal des Jesus Christus während der Ereignisse in Palästina wird sich schließlich an der ganzen Menschheit ausleben (vgl. GA 124). Jeder Individualität durchlebt somit konkret während seiner karmischen Entfaltung Stadien des Christus-Lebens. Auch in der üblichen Esoterik kennt man diesen Sachverhalt; die katholisch inspirierte Engelforscherin Alexa Kriele behandelt ihn beispielhaft.

Die Situation im Gethsemane, als Christus allein zum Beten geht, und er die drei nächsten Jünger bittet, zu wachen - sie schlafen aber ein -, kann als individuelle Lebenserfahrung eintreten. Jemand widerfährt in einer entscheidenden Lebensphase, dass seine Freunde ihm im Stich lassen, oder er erlebt schmerzlich, dass sie wegen welcher Gründe auch immer ihn wiederkehrend nicht unterstützen können. Im Anblick mehrerer Inkarnationen, die uns heute durch karmische Erinnerung zugänglich werden können, wird diese Lebenslage durch ein individuelles Geist-Erleben bestätigt, wo wir lernen, die Hilfe von Engeln anzunehmen.

‹Hinter› dem Ich  

In der neueren Bewusstseinsentwicklung hat sich die menschliche Seele allmählich entwickelt und erstärkt. Dadurch haben wir viel an Zivilisation durch die industrielle bis zur Hightech-Revolution gewonnen. In alten Zeiten gingen die Menschen morgens hinaus und grüßten die aufgehende Sonne als eine geistig-göttliche Wesenheit. Sie schauten mit Hilfe des Ätherleibs eine Geistsonne in der physischen Sonne. Aber heute ist die Seele so weit gekräftigt, dass wir innerlich in das Ich hineinschauen, es empfinden und quasi hinter ihm den Christus finden können. Ich muss also ‹hinter› meinem Ich und dem des Anderen das suchen, was im Altertum vor der Sonne geschaut wurde (vgl. GA 220).

Ich muss also ‹hinter› meinem Ich und dem des Anderen das suchen, was im Altertum vor der Sonne geschaut wurde (vgl. GA 220). Durch das Ich hindurch und nicht herum führt also dieser Willensweg.Wie komme ich denn in eine nähere Beziehung zu der Wesenheit, die wir Christus benennen?
Wie gewinne ich ein Verhältnis zu ihm?
Dafür gibt es keine Gebrauchsanweisung. Gewisse Aspekte der Anthroposophie sind aber wie Siebenmeilenstiefel, die in die geistige Region führen, wo er lebt. Ähnlich wie Judith von Halle erzählt, konnte man nur in Palästina damals ihn als einen physischen Menschen in historischen Ereignissen erleben. Wollen wir ihm heute nahe kommen, müssen wir ihn in der ätherischen Ebene der Erde suchen. Er lebt aber nicht in groben oder in sogenannten ‹feinstofflichen› Zusammenhängen. Suchen wir ihn quasi gegen das Ätherische der Natur hin, werden wir ihn vermutlich nicht finden. Wir müssen schon zu Christus ‹hingehen›, weil er normalerweise nicht zu uns kommt (vgl. GA 176).

In welcher Richtung soll ich ihn dann suchen? Der Willensweg zu Christus geht nach Innen und muss stets neu erarbeitet werden. Steiner wies auf den Idealismus hin, der mit der Jugend nicht verloren geht, weil man diesen Großmut selbst immer wieder erwirbt an Ereignissen, z. B. gegen Tortur kämpft, die einem ermutigt und begeistert, sodass man seelisch aktiv und je nachdem physisch initiativkräftig bleibt (vgl. GA 193).

Wenn ich raus gehe, strebt Christus zur Mitte hin; bin ich in mir, ist er drum herum. Steiner voraussah, dass besonders auch Jugendliche ihm begegnen würden. Jemand, der mit klarem Bewusstsein den Christus schaut, der aber die Karmaidee verkennt, mit welcher Christus quasi identisch ist, könnte mit einem solchen Erlebnis gegebenenfalls nicht klarkommen. Vermutlich würde er gar nicht erkennen, dass er Christus begegnet. Selbstverständlich gibt es andere Arten von Christusbegegnungen aus seiner Gnade, die das Leben der Betreffenden fruchtbringend wandelt, sodass er ebenfalls die Karmaidee erkennt, vorausgesetzt er sie vorher nicht kannte. Die Begegnung mit dem ‹Herrn des Karmas› findet aber meist unbewusst statt. Sie wird als ‹negative Energie› erlebt, wenn man kein Einfühlungsvermögen für Karma hat. Eine Wandlung der Seele muss also stattfinden, die durch den Blick auf das Christus-Leben den Rückwärtsblick auf das eigene Leben belebt. Copyright © 2009 by Jostein Sæther

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Über Jostein Saether: Beruflicher Werdegang
1973-75 Sozialtherapeutische Praktik (in Ferien und Weekenden) am Saltå Arbetsskola, Järna
1975-78 Pfleger und Lehrer am heilpädagogischen und sozialtherapeutischen Institut Rostadheimen, Garnes (NO)
1979 Mitbegründer und Mitarbeiter der Künstlergemeinschaft Skilleby Ateljé als Maler, Farbgestalter, Ausstellungsdesigner; bis 1995
1980-95 Dozent (Epochen) u. a. für Malerei, Goethes Farbenlehre und Ästhetik am Steinerseminar, Järna
1979-88 Redakteur zusammen mit Ingrid Sahlberg und Didrik Wachenfeldt und Schriftsteller in der Zeitschrift Antropos, Stockholm
1993-96 Kunstlehrer (Epochen) in Waldorfschulen in Schweden und an Rudolf Steinerskolen, Moss (NO)
1995-97 Freiberuflich als bildender Künstler, Farbdesigner und LasurmalerSeit 1997 freiberuflich als bildender Künstler, Dozent, Autor, Lebensberater, Seminarleiter und spiritueller Forscher 

Seit 1997 widmet er sich der übersinnlichen Forschung,  gibt Vorträge und Seminare, leitet Arbeitsgruppen und berät zur geistigen Schulung in u. a. Norwegen, Großbritannien, Deutschland und Spanien.

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Publikationen:

In 1999 erschien seine karmische Autobiographie
'Wandeln unter unsichtbaren Menschen' im Urachhaus Verlag, Stuttgart.
ISBN-10: 3-8251-7257-0; ISBN-13: 978-3-8251-7257-2

Im April 2008 erschien sein zweites Buch 'Einstimmen aufs Karma' bei Chr. Möllmann Verlag; ISBN 978-3-89979-084-9

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