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Anthroposophen sind interessante Leute. Sie sind immer wieder für neue und interessante Perspektiven gut. Sie gehen achtsam mit der Erde, dem Leben, den Menschen, dem Geld um. Wir verdanken ihnen ethische Banken, biologisch dynamische Landwirtschaft, Waldorfschulen, Heilpädagogik, anthroposophische Medizin und vieles andere.

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Kreativität, Autonomie, dialogisches Arbeiten und gegenseitiges Interesse sind grundlegende Faktoren für das Studien- und Weiterbildungsangebot am Goetheanum. Die Lehre aus der COVID-19-Krise und der Wunsch, Menschen auch in dieser besonderen Zeit zu erreichen, haben uns dazu bewogen einige unserer Kurse in Online Formate mit speziell für das Medium angepasster Didaktik umzukonzipieren. So hoffen wir ein globales Publikum erreichen zu können.

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Das Einzige, was im Erdenleben des Menschen sicher ist, ist: es hat einen Anfang und ein Ende. Alles, was sich zwischen Geburt und Tod entfaltet, ist behaftet mit einer permanenten Unsicherheit. Es ist abhängig vom menschlichen Handeln und entwickelt sich im Spannungsfeld der Lebensimpulse des Individuums einerseits und dem, was »die Welt« – andere Menschen – an uns herantragen, andererseits.

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Wir wünschen Ihnen zauberhafte sonnige Ostertage der Besinnlichkeit.

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Kurz-Interview mit Gerald Häfner zum neuen Format „Goetheanum.TV“

 

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Das Goetheanum kommt 2020 finanziell mit einem blauen Auge davon

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Die Christengemeinschaft | April 2021

Kraft der Seele


Inhalt | Die Christengemeinschaft | April 2021

hingeschaut

Künstlerporträt                                                      7

Tatiana Nechytailo

Leben mit dem Evangelium |
Zeige deine Wunde                                                7

Johannes Beurle

Thema

Das Leben ist immer konkret                              8

Christward Kröner

Ein notfallpsychologischer Einsatz                 10

Mathias Wais

»... der vollkommenste Augenblick
des Lebens«                                                           13

Johannes Klemm im Gespräch mit Ulrich Meier

Sind wir Menschen unvollkommen?               16

Bart Maris

In Krisenzeiten Christus als Mitte finden       20

Tom Ravetz

religiöses Leben

Formensprache des Gebets |
Das Klagegebet als Trauergesang                    25

Ulrich Meier

Die Gründung
der Christengemeinschaft (II)                          27

Wolfgang Gädeke

Erzählt

Damals im Café Möhre                                       31

Sarah Knausenberger

Ostern auf dem Brunsberg                                32

Angelika Winkelmann

Demaskiert                                                            33

Ulrich Imming

Nur ein Blick                                                         34

Friedhelm Zimpel

weltweit

Pandemie und Karma                                         36

Martin Thiele

Bücher

Selbsterkenntnis in der Geschichte
(Ravagli)                                                                38

Frank Hörtreiter

Annette, Heldin und Sisyphusgestalt
(Weber)                                                                  40

Maria Breckwoldt

Christus und der Kosmos der Liebe
(Steiner)                                                                 42

Ulrich Meier

Lieblingsbild

Franz Niebuhr, Bauerngehöft 1974                43

Ingeburg Schwibbe

Veranstaltungen                                             44

Impressum                                                            45

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Das Leben ist immer konkret

Christward Kröner

 

Das Einzige, was im Erdenleben des Menschen sicher ist, ist: es hat einen Anfang und ein Ende.

Alles, was sich zwischen Geburt und Tod entfaltet, ist behaftet mit einer permanenten Unsicherheit. Es ist abhängig vom menschlichen Handeln und entwickelt sich im Spannungsfeld der Lebensimpulse des Individuums einerseits und dem, was »die Welt« – andere Menschen – an uns herantragen, andererseits.

Das Leben selbst ist Geschenk. Das Erhalten des Lebens und welchen Sinn wir ihm geben, wie wir unser Leben führen, liegt an unseren inneren und äußeren Möglichkeiten und den Lebenszielen, die wir uns setzen und denen wir nachfolgen wollen.

Das Wort von Bertolt Brecht: »Die Wahrheit ist konkret« können wir auch auf das Leben beziehen und sagen: »Das Leben ist konkret.« Es ist tatsächlich immer ganz konkret.

Es gibt kein allgemeines oder abstraktes Leben. Die Konkretheit verdankt sich zuvörderst unserer Leiblichkeit, für die täglich konkret zu sorgen ist, wenn unser Leben Dauer haben soll. Der Leib selbst ist geprägt von einem Erbe. Wir sind in einen spezifischen Erbstrom eingetreten, um uns als Mensch auf Erden zu verkörpern. Niemand kann Mensch »an sich« werden, niemand kann frei von diesem Erbe das Leben antreten. Aus all den unzähligen Möglichkeiten, die sich vielleicht vor dem Eintritt in eine werdende Leibeshülle geboten haben mögen, verdichtet sich die eine Eintrittspforte, die dann unser Geschlecht, die konkreten Eltern, die Sprache, den Kulturraum, die geographische Zuordnung u.a.m. als die Ausgangsbedingungen unseres Erdenlebens festlegt.

Sind wir einmal geboren, dann finden wir alle diese Bedingungen als gegeben vor und haben uns in sie hineinzufügen, uns mit ihnen zu arrangieren und – im Laufe des Heranwachsens, aber letztlich durch das ganze Leben hindurch – sie weiterzuentwickeln und zu verwandeln, zu etwas Eigenem zu machen, das der Entfaltung unseres individuell bestimmten Lebens und dem Sinn, den wir diesem Leben geben wollen, dienen kann.

Diese Auseinandersetzung mit dem Erbstrom kann schmerzhaft sein. Oft dauert es viele Jahre und Jahrzehnte, bis wir immer besser zu unterscheiden vermögen zwischen dem, was wir notwendigerweise als Erbe an uns und in uns tragen, und dem, was wir selbst aus unserem ureigensten Inneren tun wollen, wer wir sein wollen und wie wir sein wollen, was unser eigener Beitrag im Leben und zur Entwicklung des Lebens sein soll.

Diese einzig mögliche Ausgangssituation unseres Lebens zu erkennen, zu akzeptieren und dann in einen inneren Wandlungsprozess zu führen, kann ein zartes biographisches Erleben von Tod und Auferstehung sein. Nur das willentliche »Hineinsterben« in die oft beengenden und stets festgelegten Bedingungen des Erbstromes ermöglicht uns, in der weiteren Entwicklung des Lebens die – potentiell – grenzenlose Freiheit zu ergreifen, aus der heraus wir unser Leben führen und uns eigene Ziele setzen können.

 

Schauen wir unter dieser Perspektive auf das Leben als Ganzes, dann können wir gewahr werden, dass diese Dynamik von »Stirb und Werde« die ganze irdische Existenz durchzieht bzw. durchziehen kann.

Immer leben wir unter konkreten, vielleicht von uns selbst herbeigeführten Bedingungen, die wir als einschränkend und festlegend empfinden können. Und immer – in jedem Augenblick – haben wir die Möglichkeit, aus der Freiheit im Geiste heraus Impulse zu fassen, die neues Leben, neue Lebendigkeit und frische, in die Zukunft gerichtete Kräfte einströmen lassen.

Der französische Widerstandskämpfer und Philanthrop Jacques Lysseyran hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, dem er den Titel gegeben hat: »Das Leben beginnt heute«. Er beschreibt die Seelenhaltung des freudigen Beginnens, die mit jedem neuen Tag der Möglichkeit nach gegeben ist.

Dafür bedarf es eines Aufraffens, einer Selbstüberwindung und einer immer neuen innerlichen Ausrichtung und Öffnung hin in den Bereich der lebendigen Ideale.

Das, was wir Ideale nennen, können wir ja auch einmal als konkrete Wesen denken, zu denen wir in Beziehung treten und die uns ihre Kraft zuströmen lassen wollen. Immer dann, wenn wir ein Ideal inkarnieren, d.h. in irdisches Tun umsetzen, erlösen wir es aus dem Abstrakten, Allgemeinen und lassen es in den Erdenverhältnissen konkret fruchtbar werden. Das Ideal z.B. der Hilfsbereitschaft »verleiblicht« sich und erweist sich als wirksam da, wo wir in einer konkreten Situation uns als hilfsbereit erweisen. Da lebt seine Wirklichkeit unter Menschen und wird erfahrbar. So gesehen können wir fortwährend als »Geburtshelfer« tätig sein und Mithelfer der Geistwesen werden, die sonst ihrer irdischen Wirksamkeit beraubt wären.

Diesen »Einschlag von oben« können wir immer und immer wieder unserem Leben geben, indem wir uns – vermutlich als einzige Geschöpfe auf Erden – immer neu aus der Sphäre der Ideale anregen lassen.

Dem Leben wird dadurch ein Kreuz eingeschrieben.

Die Komponistin Sofia Gubaidulina hat dieses Kreuz in die Komposition ihres gewaltigen Opus »Passion und Auferstehung Jesu Christi nach Johannes« hineinverwoben. Dem chronologischen Ablauf des Passionsgeschehens, das sich wie in einer Horizontalen entfaltet, fügt sie immer wieder die Vertikale hinzu. Plötzlich reißt der Vorhang auf und es wird eine ganz andere Dimension sichtbar bzw. hörbar, indem Worte aus der Apokalypse des Johannes eine ganz andere Höhe und Tiefe erfahrbar werden lassen. Der Mensch Jesus, der da vor dem ­Hohenpriester steht und schweigt, offenbart sich so für einen blitzartigen Moment als das Alpha und das Omega des Weltenwerdens, bevor sich sogleich der Vorhang wieder schließt und die chronologische Handlung ihren Fortgang nimmt. – Keiner, der das einmal mit offenem Herzen gehört hat, geht ohne tiefe innere Erschütterung davon.

So dramatisch erleben wir das in unserem Alltag in der Regel nicht. Aber jeder Augenblick birgt die Chance, die dahinfließende Zeit, den Chronos, durch den Geist-Einschlag, den Kairos, zu befruchten, was zart geschieht, wenn es uns gelingt, aus der Kraft eines frei gewählten Ideals zu handeln.

Wir fügen dadurch der allgegenwärtigen Konkretheit des Lebens die konkrete Wirksamkeit des in uns und durch uns wirkenden Geistes hinzu – und pflanzen, wie anfänglich auch immer, aus der Auferstehungskraft heraus Keime künftigen Lebens dem irdisch Gegebenen ein.                                                            

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