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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Die Christengemeinschaft | Dezember 2015

Offener Himmel - Wie nah ist uns Gott?

Von: Tom Ravetz

Die Christengemeinschaft | Zeitschrift zur religiösen Erneuerung

>> Inhalt der aktuellen Ausgabe *** Die Vorstellung, dass die göttliche Welt unendlich weit weg von uns ist, ist geschichtlich ein relativ neues Phänomen – und begrenzt auf die westliche Kulturwelt. Heraklit konnte im 5. Jahrhundert v. Chr. noch sagen: Die Welt ist erfüllt von Geist- und Seelenwesen. Bereits ein kurzes Eintauchen in die Welt der Antike weist auf, wie gegenwärtig die »Götter« waren – Wesen der himmlischen Hierarchien, die in jeder Entscheidung, jeder Handlung eine Rolle spielten. So merkwürdig es klingt, aber es war die christliche Kirche, die den Übergang vom alten Erleben der Gott-durchdrungenen Welt zur Gott-leeren Welt einleitete. Als Erben der griechischen Philosophie hatten ihre Gelehrten in den ersten Jahrhunderten die Lehre des göttlichen Logos übernommen. Dieses Wesen umfasst die Fülle der himmlischen Wesenheiten und ist das Agens Gottes in der Erschaffung der Welt. Wie aber verhält sich dieses Wesen zu dem Daseinsgrund, der jenseits der Welt als deren Ursprung und Ziel besteht? Der große christliche Denker Origenes (ca. 185 bis ca. 254) konnte die Relation vom zeitlichen Logos zur überzeitlichen Gottheit durch ein Paradoxon, d.h. den Anfang eines Meditationsweges, lösen. Er lehrte das ewige Hervorgehen des Logos aus dem Vater. Das Paradoxon besteht darin, dass Hervorgehen ein zeitlicher Prozess ist, der einmal beginnt und irgendwann abgeschlossen ist. Wenn der Logos nie voll aus dem Vater hervorgegangen ist, wie kann er als eigenständiges Wesen handeln? Durch eine solche lebendige Vorstellung kann man die Beziehung von der erschaffenen Welt zum ewigen Daseinsgrund zu verstehen suchen. In dieser Art zu denken, war Arius (ca. 256 bis 336) nicht mehr möglich. Er sah zwar den Logos als Gottes rechte Hand in der Erschaffung der Welt, musste aber eine Grenze ziehen zwischen dem erhabenen Gott und der Kreatur, deren höchstes Glied der Logos war. Die Debatte spitzte sich auf die Formulierung zu: »… es war eine Zeit, als [der Logos] nicht war.« Das ging für Arius aus seinem Bild der göttlichen Transzendenz hervor. Der Logos als erstes und größtes Geschöpf hatte doch einen Anfang in der Zeit, oder er war der Anfang der Zeit. Athanasius (ca. 296 bis 373) dagegen war es klar, dass uns durch Jesus Christus der Zugang zu einem Größeren eröffnet wird, zu einem Teil der höchsten Gottheit. In seiner Theologie bekam die Vorstellung der göttlichen Trinität Kontur. Auch er sah die Notwendigkeit, streng zwischen einem jenseitigen Gottesreich und einem diesseitigen irdischen Reich zu unterscheiden. Das führte zum Dogma der creatio ex nihilo – der Schöpfung aus dem Nichts. Der organische Bezug zwischen Gott und seiner Schöpfung war verloren. Die Kirche entfernte die Götter aus der Welt und entleerte sie damit. Was die Griechen noch als den persönlichen Genius, den daemon, erkannt hatten, wurde jetzt zum Dämon. Die Götter, die man in den Bäumen und Flüssen, in den heiligen Grotten und im Ozean geahnt hatte, wurden zu bösen Geistern und mussten daher ausgerottet werden. Nur die Kirche, so die neue Auffassung, konnte den Zugang zur geistig-göttlichen Welt eröffnen. Dieser Schritt hatte im großen Entwicklungsbogen seinen tiefen Sinn. Die Menschen sollten auf sich gestellt werden. Nur das Erleben der Einsamkeit gegenüber der göttlichen Welt konnte den Menschen dazu bringen, sein souveränes Ich zu entwickeln. Ein solcher Übergang im menschlichen Bewusstsein geht jedoch graduell. Eine wichtige Etappe dabei war der Verlust der Vorstellung des menschlichen Geistes als eigenständiger Entelechie. Dann kam in der Neuzeit die Situation, die in Shakespeares »Hamlet« auf so wunderbare Weise geschildert wird, wo der Prinz die Wunder der Schöpfung aufzählt, nur um die Erde als ein »promontory of dust« (Vorgebirge aus Staub) zu beschreiben. Der wissenschaftliche Materialismus ist die letzte Auswirkung dieser Situation. Der Blick wird immer mehr auf das mit Sinnen Erfassbare gerichtet. Nach und nach werden andere Dimensionen des Daseins – göttliche Wesen, Erdenmagie – ausgeschlossen. Von der Aufklärung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bereitet sich eine neue Stufe vor. Das Eintauchen in die Materie geschieht so weit, dass wiederum auf etwas gestoßen wird, was nicht mit Augen gesehen werden kann. In der entstehenden Wissenschaft der Geologie wird der Menschengeist auf Zeiträume hingewiesen, die kaum fassbar sind. Das wird dann fortgesetzt in der Evolutionslehre Darwins, die die jetzigen Tierarten als Ergebnis jahrmillionenlanger Prozesse sieht. In der Quantenmechanik wird Ende des 19. Jahrhunderts auf die Innenseite der Materie geschlossen, die nicht mehr als feste Substanz angesehen werden kann, sondern als Relationen von Kräften. In der Tiefenpsychologie werden Kräfte angenommen, die das menschliche Verhalten ausmachen sollen, die sich zunächst aber der Wahrnehmung entziehen. All das eröffnet den Horizont einer Welt, die nicht statisch, sondern im Werden begriffen ist. Wie reagieren die Kirchen auf diese Entwicklung? Die traditionelle Theologie hält zunächst am statischen Weltbild fest und versucht, sich mit der wörtlichen Auslegung der Bibel dem Modernismus entgegenzustellen. Das geht bis dahin, dass es zu der Zeit eine ernstgemeinte These gibt, Gott habe die Fossilien in die Steinschichten gelegt, um den Glauben der aufgeklärten Wissenschaftler zu prüfen! Die Kirche macht sich zum Verteidiger nicht etwa der spirituellen Weltsicht, sondern einer statischen Metaphysik. Die Kunst dagegen kann mit der Entwicklung der Naturwissenschaft Schritt halten. Nachdem die Impressionisten sich von dem Drang, die Außenseite der Natur abzubilden, befreit hatten, konnten die Expressionisten die Seele der Natur erforschen. Dann kam der Durchbruch: Auf der einen Seite bildete Kandinsky in seinen Meditationsbildern schöpferische Vorgänge einer entstehenden Welt ab; auf der anderen Seite drang Picasso im anfänglichen Kubismus unter die Oberfläche der Seele und legte dämonische Gestalten offen, was sich dann im Surrealismus fortsetzte. Alfred North Whitehead (1861–1947) hat die Krise, die durch die neuen wissenschaftlichen Errungenschaften verursacht wurde, erlebt und brach auf philosophischem Felde zu etwas Neuem durch. Geschult in der sicheren Welt der newtonschen Physik, kam für Whitehead die Wende, als er die Welten der Quantenmechanik und der darwinistischen Evolutionslehre kennenlernte. Er war überzeugt, dass die alte Metaphysik überholt sei. Sie geht vom Sein als der fundamentalen Kategorie aus und wird von der Entdeckung der Beziehungen, die den fest scheinenden Stoff im inneren Kern ausmachen, und der Entdeckung, dass alles Seiende Teil einer ununterbrochenen Entwicklung ist, abgelöst. Alle Versuche, die traditionelle Religion mit den Mitteln einer Metaphysik zu verteidigen, die dies nicht berücksichtigt, sind nach seiner Ansicht zum Scheitern verurteilt. Daher entwickelte Whitehead ein Weltbild, in dem Prozess die fundamentale Kategorie ist. Das Reale ist das, was im Werden begriffen ist. Man versteht die Prozesse, die die Wirklichkeit ausmachen, am besten, wenn man sie in ihren Beziehungen sieht. Gott; der Mensch; die Natur – alle sind einbezogen in dieses Beziehungsgeflecht. Gott besteht nicht fern von einer Welt des zeitlichen Werdens, in einer starren Idealwelt; er beinhaltet diese Welt, und sein Wesen ist auf intimste Weise mit ihr verbunden. Das Bild eines Herrschers, der von außerhalb die Welt steuert, fällt weg. Gott ist inhärent in den Prozessen der Welt wirksam; er bedient sich der Gelegenheiten, die sich durch die Prozesse der Schöpfung ergeben, um die Welt in die Richtung zu bringen, die seinen Zielen entspricht, ohne Gewalt auf sie auszuüben. Eine solche Philosophie hat enorme Konsequenzen für den Menschen. Die Welt ist nicht mehr die leere Bühne, auf der sich unsere Taten abspielen, mit Folgen, die nur in einer anderen Welt zu spüren sein werden. »Dringend muss dazu übergegangen werden, die Welt als ein Netzwerk von einander abhängigen Prozessen anzusehen, in dem wir integrale Bestandteile sind, sodass alle unsere Entscheidungen und Handlungen Konsequenzen für die Welt um uns herum haben«.1 Andere haben Whiteheads Gedanken weitergeführt, und die Prozesstheologie hat einen großen Einfluss auf bekannte Theologen wie z.B. Jürgen Moltmann, sowie auf die Ökotheologen der letzten Jahrzehnte gehabt. Wie nah ist uns Gott? Was in der Prozesstheologie philosophisch entwickelt wurde, offenbart sich in der Adventsepistel der Menschenweihehandlung. Auch hier erscheint das Werden als Grundprinzip der Welt. Die Epistel spricht von dem Werden des Menschen, in dem Gottes Werden geborgen ist. Der neue Gottesdienst ist keine Verkleidung des alten in neuen Worten. Gott als Werdenden zu sehen, geht weit über den Rahmen der herkömmlichen Theologie hinaus; auch der Prozesstheologie wird vorgeworfen, sie würde Gott und Welt so miteinander vermischen, dass sie bloßer Pantheismus sei. Der nächste Schritt, dass dieses Werden Gottes mit dem Werden des Menschen verbunden ist, dass es sogar von uns abhängt, muss in den Augen einer Theologie, die die absolute Grenze zwischen Schöpfer und Schöpfung aufrecht erhalten will, als Gotteslästerung erscheinen. Tatsächlich wäre es töricht, zu leichtfertig darüber zu sprechen, so als wären wir Menschen fortgeschritten zum Status von Gottes Partnern im Fortgang der Schöpfung. Ein kurzer Blick auf die Gräueltaten in Geschichte und Gegenwart, oder auf die eigene Unvollkommenheit, liefert hierfür die Korrektur. Trotzdem geht auch die »Bescheidenheit«, die dem Menschen seine Rolle als Mitschöpfer einer neuen Welt abspricht, an der Wirklichkeit vorbei. Es wäre ein Versagen der Theologie, wenn sie die enorme schöpferische Potenz des Menschen allein der Wissenschaft und der Technik überließe, wo unbestreitbar der Mensch Schöpfer neuer Welten ist – etwa der Medienwelt oder der Gentechnik –, ohne auf die Möglichkeit des Menschen zu blicken, im Sinne des göttlichen Willens immer kreativer zu werden. Und in der Tat zeigen die vielen Bestrebungen unserer Zeit, Gerechtigkeit und Empathie zu Grundprinzipien neuer sozialer und ökonomischer Lebensformen zu machen, dass die Menscheit eine schöpferische Potenz hat, die noch lange nicht erschöpft ist. Auch wenn solche Bestrebungen oft nichts von Christus oder gar Kirche wissen wollen, gehört es zur Aufgabe einer Bewegung für religiöse Erneuerung, gerade dort in der Welt das Göttliche zu suchen, wo Menschen um neue Lebensformen und Begriffe ringen. Dann könnten wir das, was wir am Altar vollziehen als Ergänzung dieser Suche verstehen; dann füllen wir nach und nach das Versprechen, dass Gott in den Prozessen der Welt aktiv ist, mit Erfahrung, mit Leben.   C. Robert Mesle: Process-Relational Philosophy: an Introduction to Alfred North Whitehead, West Conshohocken 2009.  

Tom Ravetz, geboren 1964, -Pfarrer, Lenker, Forest Row, Großbritannien

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