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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Die Rudolf Steiner-Story:

Ehemaliger Rock-Musiker schreibt Buch über den Gründer der Anthroposophie - zwei Kommentare ...

Von:

Hildegard Backhaus/ Goetheanum
Forum l Das Goetheanum I Nr.45 - 08 (7. November 2008)

Halbe Wahrheiten
Gary Lachman: Rudolf Steiner


Ein Autor, der eine Biografie Rudolf Steiners in einem großen - wenn nicht dem größten - englischsprachigen Verlag veröffentlicht, trägt eine gewisse Verantwortung. Gary Lachman, Autor von kulturwissenschaftlichen und philosophiegeschichtlichen Büchern und Essays (früher unter anderem Bassist und Komponist der Popgruppe ) hat bereits im Jahre 2004 eine neue englisch-sprachige Steiner-Biografie im Penguin-Verlag vorgelegt.

Fröhlicher Eklektizist

Das Buch ist in der Art eines kulturwissenschaftlichen Essays (man ist an erinnert) flüssig lesbar und lebendig geschrieben, orientiert sich im Wesentlichen an Steiners Lebensgang, an Erinnerungen von Zeitzeugen und bereits vorhandenen englisch-sprachigen Biografien. Es lässt den Leser mit seiner plastischen Anschaulichkeit ganz in das Leben Rudolf Steiners und dessen Dramatik eintauchen; es will näherkommen, indem der Autor versucht, sich ganz einzufühlen; es strotzt vor - auch relativ unbekannten - Anekdoten. Aber hier liegt auch schon das Problem: Über der ganzen, etwas geschwätzigen und humorvollen Unterhaltsamkeit tritt der geistige Gehalt der Anthroposophie in den Hintergrund. Lachman macht immer wieder klar, wie er sich - stets abgrenzend von (Anhängern) und (Gläubigen) - in seinem Verhältnis zur Anthroposophie sieht: Er ist ein fröhlicher Eklektizist, der sich von der Anthroposophie dankbar nimmt, was er gebrauchen kann. Dazu zählen Steiners Goethe-Studien und frühe erkenntniskritische Schriften - insbesondere die -, seine Impulse für sämtliche Lebensfelder wie die Pädagogik, Medizin und Landwirtschaft.

Zu den esoterischen Wahrheiten, die der Anthroposophie zugrunde liegen, hat Lachman offenbar keinen Zugang gefunden. Sie werden dementsprechend in dem Buch schlichtweg nicht thematisiert. Es ist die Haltung eines Akademikers, der sich intellektuell mit vielen Philosophien und Geistesrichtungen auseinandergesetzt hat, der Rudolf Steiner voller Respekt als «genialischen Universalgelehrten» würdigt, aber nicht erkennt, dass die Anthroposophie etwas grundsätzlich Neues und qualitativ Anderes ist - und eben nicht eine von vielen Philosophien oder gar .

Hier ein paar Textbeispiele: «Während viele, wahrscheinlich die meisten Anthroposophen mir nicht zustimmen würden, denke ich, dass es möglich ist, Steiners christozentrischen Glauben abzulehnen, ohne das zu verlieren, was sein Werk an Wichtigem enthält.» An anderer Stelle: «Steiners höchst exzentrische Gedanken über die wahre Natur des Christus.» Oder: «Wir müssen manches, vielleicht das meiste seiner okkulten Einsichten mit einer Prise Salz nehmen oder sie als Produkte seiner Einbildungskraft beiseite lassen. Das ist eigentlich nicht relevant» [Übersetzung H.B.].

Kapitaler Denkfehler

Die auf der Weihnachtstagung gegründete Hochschule für Geisteswissenschaft (auf Englisch ) wird bei ihm zu einem «College», auf dem sich bis zum heutigen Tage Studenten «einschreiben» («Steiner's College for Spiritual Science is still enrolling students»). Steiners Darstellung der Welt- und Menschheitsentwicklung sei eine «gute Arbeitshypothese», derer man sich bedienen und daraus entnehmen könne, was man für fruchtbar erachte.

Lachman unterliegt einem kapitalen Denkfehler, wenn er sich von den unterscheidet: er zählt sich anscheinend zu den «kritischen Ungläubigen» oder intellektuellen Zweiflern, aber: auch ein Unglaube ist ein Glaube! Denn es geht bekanntermaßen nicht um Glauben oder Nichtglauben, sondern um Erkenntnis, darum, in einer positiven und unbefangenen, also aufnahmebereiten Haltung, Rudolf Steiners Worte denkend und fühlend nachzuvollziehen und ihren Wahrheitsgehalt anhand ihrer inhärenten Logik und Folgerichtigkeit zu überprüfen und auf diese Weise zu einem Ergebnis zu kommen.
Dieses Buch ist symptomatisch für die heutige Tendenz, Rudolf Steiner zu und zu - ein Problem, das dringend einer größeren Diskussion innerhalb der Gesellschaft und Bewegung bedarf, jenseits von und .

Am Ende des Buches fragt man sich: Cui bono? Vielleicht mag der eine oder andere Leser durch ein solches Buch zur Anthroposophie kommen - die Wege des Schicksals sind verschlungen.
Lachmans Buch vermittelt - so gut es sie beschreibt - nur die halbe Wahrheit über Anthroposophie als Geisteswissenschaft, und eine halbe Wahrheit ist bekanntlich gar keine.


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Jens Heisterkamp/ Info3

Gary Lachman: Die Rudolf Steiner Story. Ein neuer Blick auf einen spirituellen Pionier.


Wie kommt ein ehemaliger Rock-Musiker dazu, ein Buch über den Erfinder von Waldorfschulen, Misteltherapie und Biolandwirtschaft zu schreiben? Nach seiner Zeit als Bassist in der Gründungsformation der Gruppe „Blondie“ wandte sich der Kulturwissenschaftler Gary Lachman geistesgeschichtlichen Themen zu und schrieb Bücher über Swedenborg, Gurdjiew und die Bewusstseinsentwicklung im 19. Jahrhundert. Nun hat der heute in London lebende Autor eine Biographie Rudolf Steiners vorgelegt, der bei seinem Tod im Jahre 1925 ein voluminöses Werk mit Anregungen für praktisch alle Lebensgebiete hinterließ, die bis heute von seinen Anhängern umgesetzt werden. Lachman hat es aber auf eine bisher eher unterbelichtete Seite des Anthroposophie-Gründers abgesehen: ihn interessiert vor allem der Philosoph Rudolf Steiner, der sich in die Tradition der deutschen Klassik und des philosophischen Idealismus stellte, der das damals aufkommende Evolutionsdenken verteidigte und zum glühenden Verfechter Nietzsches wurde. Immer wieder gelingt es Lachman, Steiners auf den ersten Blick oft fremd anmutende Ideen durch vielfältige Bezüge zum geistigen Leben des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts nachvollziehbarer zu machen. Dabei spart Lachman auch Rückfrage an das Privatleben des Begründers der „Weisheit vom Menschen“ nicht aus und zeigt ihn von einer sympathisch menschlichen Seite.


Mit dieser Biographie liegt eine der ersten Steiner-Biographien eines Nicht-Anthroposophen in deutscher Sprache vor.

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Dr. Jens Heisterkamp

info3 - Anthroposophie im Dialog

Tel 069-584645

www.info3.de

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Gary Lachman: Rudolf Steiner. An Introduction to His Life and Work, New York, Penguin 2007 und Edinburgh, Floris Books 2007, 280 Seiten, £ 9.99.

Gerade ist das Buch auf Deutsch erschienen:
Gary Lachman: Die Rudolf Steiner-Story. Ein neuer Blick auf Leben und Werk eines spirituellen Pioniers, aus dem Amerikanischen von Richard Everett, Info3-Verlag, Frankfurt am Main 2008, 278 Seiten, €19.80.






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