News

News

AGiD

Drei Fragen an die ehemalige Generalsekretärin der AGiD

Im Juni 2019 endet die Amtszeit als Generalsekretärin der AG in Deutschland. Sie möchte aufgrund ihres neuen Arbeitsschwerpunktes an der Bühne in Dornach ihre Amtszeit nicht verlängern. Für Lydia Roknic Anlass genug, um ihr ein paar Fragen zu stellen.

 … >>

Die Christengemeinschaft

Die Christengemeinschaft | Februar 2019

Auch wenn unsere Welt bis ins Kleinste erforscht ist, wird das Geheimnis in ihr nicht schwinden. Noch geheimnisvoller ist der Mensch und ist Gott selbst. Das aber dürfen wir positiv verstehen und brauchen nicht enttäuscht sein über den deus absconditus, den verborgenen Gott, der auch als prinzipiell unerkennbar verstanden wurde. Im Geheimnis nämlich liegt ein Reichtum, dem wir uns immer neu zuwenden können.

 … >>

Rudolf Steiner Verlag

Neues Archivmagazin

Die renommierte Berliner Konzertagentur Wolff & Sachs organi­sierte 1922 zwei Vortragstourneen mit Rudolf Steiner. In Sälen wie der Berliner Philharmonie und angekündigt neben Dirigen­ten wie Bruno Walter oder Wilhelm Furtwängler sprach Rudolf Steiner vor Tausenden von Zuhörern.

 … >>

Anthroposophie-Wahrnehmung

Zum zweiten Mal fand eine Begegnung zwischen dem deutschen Landesvorstand der Anthroposophischen Gesellschaft und dem Kolloquium „Übersinnliche Wahrnehmung“ statt.

 … >>

Friedrich Schiller als Genius der Zukunft

Ideale der Selbsterziehung und Ästhetisierung als Wegweiser in Zeiten der ökologischen und spirituellen Krise – Tagung im Anthroposophischen Zentrum Kassel

Von: NNA-Berichterstattung
Wie aktuell ist der Dichter und Denker Friedrich Schiller heute? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Tagung mit dem Titel „Um einen Schiller von innen bittend“, die im Anthroposophischen Zentrum Kassel-Wilhelmshöhe aus Anlass des Todestages des Dichters am 9. Mai stattfand. NNA bat Lorenzo Ravagli, der auf der Tagung ein Seminar zu Schillers Briefen über ästhetische Erziehung leitete, um einen Beitrag zum Thema.

Zeitlos und zugleich Modern


KASSEL (NNA). Vielfach hört man, der Klassiker sei veraltet und verstaubt,
durch die Geschichte verdorben, aber die Vortragenden und Mitwirkenden
malten ein anderes Bild. Peter Selg gelang es in zwei Vorträgen, die
Modernität dieses Lebens am Abgrund, in permanenter Auseinandersetzung mit
einem hinfälligen Leib, dem der Geist eine ungeheure Lebensleistung
abtrotzte, zu vergegenwärtigen. Peter Guttenhöfer behandelte in seinem
Beitrag die ästhetische Erziehung als „Höhenweg“, als permanente
Versuchsanordnung des menschlichen Lebens auf Messers Schneide.

Gerald Häfner zeigte auf, dass Schillers Ideen zur Gestaltung des
politischen Lebens erst durch die Ausweitung der demokratischen Rechte
erfüllt werden können, dass die Idee des ästhetischen Staates in die Zukunft
verweist, nicht in die Vergangenheit. Im Seminar zu Schillers Briefen über
die ästhetische Erziehung wurde die zeitlose und zugleich moderne
Anthropologie Schillers herausgearbeitet, die seinem Verständnis einer
ästhetischen Existenz zugrunde liegt. Danach ist jeder Mensch aufgerufen,
zum Lebenskünstler zu werden. Auch die Kunst fehlte nicht: was wäre eine
Schillertagung ohne sie? Gedichte und Dramenauszüge kamen zu Gehör, ebenso Zeugnisse von Zeitgenossen über Schiller. Vorgetragen wurden u.a. Goethesbewegendes Gedicht über den Schädel von Schiller oder der Brief des Novalis, in dem Schiller als Genius einer künftigen Epoche bezeichnet wird.
Spannungsreich verschlangen sich am Samstagabend durch Sabine Wackernagel vorgetragene Schillertexte mit der Musik des Kasseler Saxophonquartetts.

Eines wurde durch die Veranstaltung überdeutlich: Schiller ist keine Gestalt
der Vergangenheit, sondern eine Gestalt der Zukunft. Sein Ideal einer
Erziehung durch Kunst, einer Erziehung zur Selbsterziehung, einer
Ästhetisierung des Menschen ist nicht nur für den einzelnen von Bedeutung,
sondern auch für eine Gesellschaft, die nach einer Orientierung inmitten
ökonomischer und spiritueller Desaster sucht. Noch immer ist der Nutzen das
„große Idol der Zeit“. Mehr denn je ist es nötig, sich auf die Würde des
Menschen zu besinnen, die nicht in seinem Nutzen oder seiner ökonomischen
Verwertbarkeit liegt, sondern in seiner Fähigkeit, die Gesellschaft zu einem
Kunstwerk zu gestalten, in dem sich sein ganzes Menschsein wiederfindet.

Wie weit wir heute von diesen Idealen entfernt sind, konnte den Teilnehmern
durch die Tagung schmerzlich bewusst werden. Zugleich wurde aber auch die
dringende Notwendigkeit deutlich, sich nicht nur auf Schiller, sondern auf
die ganze Epoche zurückzubesinnen, der er angehörte und zu deren geistigen
Inhalt er wesentlich beigetragen hat. Wer seinen Blick auf Schiller richtet,
vor dessen Augen leuchten Genien auf wie Goethe, Herder, Humboldt, Novalis,
Fichte, Schelling und Hegel - um nur die bekanntesten zu nennen.

Jeder Satz aus einem ihrer Werke macht die Distanz der Gegenwart zur
geistigen Höhe dieser Dichter und Denker deutlich. Und ein Blick in ihre
Werke lehrt auch, wie weit sie unserer Zeit schon voraus waren. „Was“,
schrieb beispielsweise Goethe angesichts von Schillers Schädel, „kann der
Mensch im Leben mehr gewinnen, als dass sich Gottnatur ihm offenbare, wie
sie das Feste lässt zu Geist verrinnen, wie sie das Geisterzeugte fest
bewahre?“

Am Ende der Tagung stand der Wunsch, die Zeitgenossen an Genien wie
Friedrich Schiller zu erinnern, die heute vergessen und verdrängt werden. In
einer Zeit, die überall sehnlich Inhalt und geistige Orientierung sucht,
können sie den Weg zu einer Erneuerung des geistigen Lebens weisen und zu
einem Quell für neue zwischenmenschliche Beziehungen werden – im Sinne eines wahreren Menschentums.

END/nna/lbr

Bericht-Nr.: 090513-01DE Datum: 13. Mai 2009

© 2009 News Network Anthroposophy Limited (NNA). Alle Rechte vorbehalten.
Siehe: www.nna-news.org/copyright/

Weitere NNA-Berichterstattung unter: www.nna-news.org/de/

Zurück