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Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Geld kann positive Energie freisetzen

Bankenkrise und eine Alternative – die GLS Bank. ...

Von: Doris Kleinau-Metzler


Das Thema «Bankenkrise» scheint noch nicht beendet. Die Vorgänge und Verlustbeträge, um die es hierbei geht, sind für viele Menschen unvorstellbar. Aber es gibt Banken, die nicht durch Verluste von dieser Krise betroffen sind – wie die GLS Bank (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken).

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der in Bochum ansässigen GLS Bank, legt im hauseigenen Bankspiegel (3|07) den Finger auf die Wunde: «Wer sein Geld anlegt und nur nach der Rendite fragt, gibt letztendlich den Auftrag zu solchen Verhaltensweisen. Die ‹Heuschrecke›, die nur Geld mit Geld macht, ist letztlich eine gebündelte, potenzierte Verhaltensweise des individuellen Geldanlegers.» Er ist kein Träumer, sondern Vorstand einer seit 1974 bestehenden, bundesweit aktiven Bank, die sich am Genossenschaftsmodell orientiert und allein im letzten Jahr ein Wachstum von 20 % zu verzeichnen hatte. Für ihn ist Gewinn kein Ziel, sondern notwendiges Ergebnis von guter, sinnvoller Arbeit. Ziele setzen Menschen, die Kunden seiner Bank, die sich entscheiden, ob ihr Geld für regenerative Energien, für ökologische Baufinanzierung, für eine soziale Einrichtung o. Ä. angelegt werden soll – vom ersten Euro auf dem Gehaltskonto über Sparkonten bis zu Fondsanlagen, alles zu marktüblichen Konditionen.

Doris Kleinau-Metzler: Weshalb gibt es eigentlich eine Bankenkrise, Herr Jorberg?
Thomas Jorberg: Das müsste komplex beantwortet werden, aber im Prinzip rührt die Krise daher, dass viele Banken Geschäfte gemacht haben, die auf einer spekulativen Wertsteigerung von Immobilien beruht haben – die dann nicht eingetreten ist. Hintergrund ist, dass zu viel Geld in die Anlagemöglichkeiten drängt. Finanzinvestoren zahlen dann Preise, die vorher nicht denkbar waren und nicht mehr an den realen Gegenwert gebunden sind, sondern auf Gewinn beim Verkauf spekulieren (ähnliches passiert bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln). Doch im Grunde ist die Finanzwirtschaft dazu da, die Realwirtschaft zu finanzieren, beispielsweise Kredite für Unternehmen zu vergeben, die ihr Produkt verbessern wollen und dafür neue Gebäude oder Betriebsmittel benötigen. Die Kredite werden aus den von Bankkunden eingezahlten Beträgen vergeben, für Unternehmen oder Menschen, die eine Idee umsetzen wollen.

DKM: Was hat Ihre Bank mit der Krise zu tun?
TJ: Nichts, denn unser Ansatz ist das Gegenteil von dem Prinzip der Spekulation. Unser Umgang mit Geld ist an realwirtschaftliche Vorgänge gebunden und nicht abstrakt. Deshalb weiß bei uns auch jeder Anleger, was wir mit seinem Geld machen – während bei anderen Banken nur Laufzeit, Zinssatz und (je nach Anlage) das Risiko bekannt sind. Wenn der Kunde zum Bankschalter geht, gibt er in der Regel sein Bewusstsein, was mit seinem Geld passiert, ab. Er fragt nur nach der Rendite.

DKM: Könnte ich denn bei meiner Bank oder Sparkasse erfahren, was mit meinem Geld ganz konkret gemacht wird?
TJ:
Gerade das wird Ihnen keine Bank oder Sparkasse so genau sagen können. Für die GLS Bank steht dagegen Transparenz und Information an erster Stelle in unserem Verhältnis zu den Kunden. In unserer vierteljährlich erscheinenden Kundenzeitschrift Bankspiegel werden namentlich und der Höhe nach alle Kredite veröffentlicht – bis auf private Kredite, bei denen lediglich Gesamtsumme, Anzahl und der Verwendungszweck benannt werden. So bekommt der Kunde neben den Fakten wie Zinsen noch ein weiteres wesentliches Kriterium für seine Geldanlage geboten – nämlich was mit seinem Geld gemacht wird. Er kann selbst wählen, ob sein eingelegtes Geld sozial, kulturell, ökologisch oder in erneuerbare Energie investiert werden soll.

DKM: Das ist man als Kunde einer anderen Bank nicht gewohnt, selbst für ein normales Gehaltskonto über eine Anlagerichtung zu entscheiden – obwohl jeder weiß, dass die Banken dieses Geld «arbeiten lassen».
TJ:
Wir sind alle mündige Menschen, und das nehmen wir mit unserer Bankidee ernst. Heute wird bei vielen Dingen oft nur ein Teil von uns Menschen angesprochen – zum Beispiel bedient die Automobilindustrie im Wesentlichen nur den gut, der schnell von A nach B fahren will, die Ernährungsindustrie schaut nur auf die Zusammensetzung der Produkte – und nicht auf die Umweltverträglichkeit oder das «Wie» der Produktion. Wir erleben dagegen unsere Kunden als Geldanleger, die neben ihrem Interesse an guten Konditionen für ihr Geld auch die Natur erhalten wollen, gesunde Ernährung schätzen, Energie so erzeugt haben wollen, dass das Klima nicht geschädigt wird. Unser Ansatz ist ganzheitlich.

DKM: Dennoch ist Geld ja mit keiner anderen Sache vergleichbar, es mobilisiert immer wieder besondere Energie bei uns Menschen.
TJ:
Zunächst würde man wohl sagen, dass es nichts Rationaleres als Geld gibt, auch weil es einfach um Zahlen geht. Aber daran, wie heute mit Geld umgegangen wird, merkt man, dass es letztlich ein sehr emotionales Thema ist, so dass anderes darüber vergessen wird.

DKM: Die menschliche Gier, immer mehr haben zu wollen?
TJ:
Was den Menschen vom Tier unterscheidet ist seine Freiheit, aber damit leider auch seine Möglichkeit, sich zu «überfressen» – und Geld ist das Einzige, was beliebig vermehrbar ist. Bei allem, was man besitzen kann, sind immer natürliche Grenzen gesetzt, bei Geld nicht. Wir haben eine Finanzindustrie, Banken, die nur ein Ziel haben: Gewinne zu machen – doch im Moment macht gerade diese Finanzindustrie Verluste, die unvorstellbar sind, in Milliardenhöhe, was sowohl finanzwirtschaftlich als auch realwirtschaftlich zu erheblichen Problemen führt – abgesehen von sozialen und ökologischen Problemen. Wenn Geldgewinn das zentrale Ziel ist, wird die Ökonomie zum Selbstzweck gemacht – aber Ökonomie heißt nichts anderes, als ein Ziel mit geringstmöglichen Mitteln zu erreichen, möglichst effizient. Ziel der Wirtschaft ist immer, Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, mit Produkten oder Dienstleistungen. Wenn der Kunde mit dem Produkt zufrieden ist, ist Gewinn ein folgerichtiges Ergebnis – aber eben kein Ziel.

DKM: Was ist das Konzept der GLS Bank im Unterschied zu anderen Banken?
TJ:
Wir weisen dem Geld seine Funktion insofern zu, dass es das Mittel ist, mit dem wir das Notwendige zum Leben kaufen und in der Welt tätig sein können. Geld hat eine dienende Funktion, ist Mittel, aber nicht Ziel. Eine gesunde Ernährung, Bildungsmöglichkeiten, gute Wohnbedingungen sind Basiswerte – und nicht ein monetärer Gewinn, die Rendite. Das ist durchaus im Bewusstsein von immer mehr Menschen verankert, wie auch unser wachsender Kundenkreis belegt. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass auch die Motivation von Mitarbeitern radikal abnimmt, wenn es nur um die Unternehmensrendite geht. Das allein motiviert einfach nicht – anders dagegen das Ziel, ein sinnvolles Produkt gut herzustellen und an die richtigen Kunden zu vermitteln. Ökonomie und Ökologie widersprechen sich, so verstanden und langfristig gesehen, nicht.

DKM: Was ist Hintergrund dieser Überlegungen der GLS Bank?
TJ:
Mitarbeiter, Mitglieder und Kunden der Genossenschaftsbank legen die Ziele gemeinsam fest. Daraus hat sich die ökologischsoziale Grundrichtung ergeben. Grundsatz ist für uns immer, dass mit der Anlage von Geld etwas ganz Reales finanziert wird. So wie wir bei der Anlage unseren Fokus auf Soziales, Gesundheit, Energie und Wohnen (unter ökologischen Aspekten) haben, könnte man das Modell auch auf die Förderung von Regionen oder bestimmten Produkten anwenden. Es geht immer darum, dass der Anleger eine wirkliche Entscheidung hat, was mit seinem Geld passiert – und nicht nur zwischen unterschiedlichen Zinssätzen und Risiken wählen kann.

DKM: Nach welchen Kriterien vergeben Sie Kredite? Manchmal ist Öko ja auch ein missbrauchter Begriff ...
TJ:
Wir sind lange in dem Bereich tätig und schauen uns die Objekte genau an. Wenn jemand zum Beispiel eine Biogasanlage für tausend Schweine in Massentierhaltung finanzieren will, würden wir das nicht machen – einfach weil die Anlage nur mit dieser Art Tierhaltung funktionieren wird. Anders dagegen könnte es sein, wenn es um eine Sonnenenergie-Anlage auf dem Dach des Stalls ginge. Hervorzuheben ist, dass wir sowohl im Einlagen- als auch im Kreditbereich marktübliche Konditionen haben, auch wenn wir manche selektive Spitzenangebote nicht bieten. Aber der Kunde muss nicht asketisch auf Gewinn verzichten, er hat vielmehr einen zusätzlichen Sinn-Gewinn. Die GLS Bank ist dem Verband der Volks- und Raiffeisenbanken angeschlossen, mit einer 100-prozentigen Einlagensicherung und 18.000 Geldausgabeautomaten, an denen unsere Kunden jederzeit Geld kostenfrei abheben und Kontoausdrucke tätigen können. Darüber hinaus haben wir Filialen in Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Stuttgart und Berlin und bieten in anderen Städten regelmäßig Beratungstermine an – für jede Form von Geldanlage, kleine und große Beträge, aber auch Stiftungen und Beteiligungen. Durch das Internet wird der Bankkontakt für viele Menschen vereinfacht.

DKM: Wie sind Sie selbst zur GLS Bank gekommen, Herr Jorberg?
TJ:
Drei Jahre nach Gründung der Bank durch Wilhelm-Ernst Barkhoff fing ich 1977 als erster Lehrling an. Eigentlich hatte ich nicht vor, eine Banklehre zu machen, aber Barkhoff faszinierte mich mit der Idee, Geld als etwas Solidarisches, Gemeinschaftliches zu betrachten: Die einen legen Geld ein, die anderen brauchen es. Es war eine spannende Zeit, die 70er und 80er Jahre, in denen viele soziale und ökologische Projekte entstanden, auch neue anthroposophische Einrichtungen. Dann kam 1986 der Atomkraftunfall von Tschernobyl, ein für mich einschneidendes Erlebnis, denn meine Frau war gerade schwanger und bei jedem Spaziergang, bei jedem Regen tauchte sofort die Frage nach der möglichen Radioaktivität und ihren langfristigen Folgen auf. 1987 haben wir, die GLS Bank, die erste Windkraftanlage finanziert. Auch wenn die große Windkraftanlage Growian ein Desaster war, ging die Idee nicht unter. Biologisch arbeitende Landwirte fingen an, auf ihren Höfen kleine Windräder zu bauen. 1991 haben wir dann den ersten Windkraftfonds Deutschlands aufgestellt und betreiben inzwischen viele Windkraftanlagen – man kann sagen, dass das Thema erneuerbare Energie heute wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

DKM: Welche Perspektiven hat die GLS Bank für die Zukunft?
TJ: Zum einen wollen wir mit der Leistung, die wir anbieten, noch mehr Kunden erreichen. Zum anderen erschließen wir uns immer wieder neue Entwicklungsfelder – derzeit beispielsweise, wie man der wachsenden Biobranche, die offensichtlich einem Bedürfnis von immer mehr Verbrauchern entspricht, das entsprechende Eigenkapital zum Ausbau der Angebote bieten kann. Inzwischen beraten wir auch institutionelle Anleger; die Anlage von großen Vermögen ist ebenfalls eine Herausforderung für uns. Viele Stiftungen legen derzeit ihr Geld noch im Widerspruch zu ihren sozialen Zielen an, hierfür bieten wir Alternativen. Letztendlich sind unsere Perspektiven die Menschen, die auch im Umgang mit Geld ihr Bewusstsein für soziale, ökologische und wirtschaftliche Fragen nicht mehr ausblenden wollen.

http://www.a-tempo.de/interview/Interview_Thomas_Jorberg_0708.pdf

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