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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Hippie-Legende wird 70

In San Francisco feierte in diesen Tagen einer der großen Musiker der Westcoast Musikszene mit einem Konzert im Bill Graham Civic Auditorium seinen 70. Geburtstag.

Von: NNA - Berichterstattung
Der frühere Waldorf-Vater und begeisterte Steiner-Leser Phil Lesh ist seit 50 Jahren unermüdlich vor allem auf US-amerikanischen Bühnen unterwegs und als Bassist der legendären Band Grateful Dead und ihren verschiedenen Reinkarnationen musikalisch und sozial bis heute einflussreich geblieben. NNA-Korrespondent Walter Siegfried Hahn würdigt den legendären Rock-Star. Foto: Charlotte Fischer SAN FRANCISCO (NNA). Phil Lesh, der in den vergangenen beiden Jahren jeweils elf Konzerte hintereinander vor ausverkauftem Haus im New Yorker Nokia Theater spielte, ist bekannt für seine Spielfreude. So endete das Geburtstagskonzert in San Francisco erst nach geschlagenen sechs Stunden. Kommentatoren fanden wegen der Überfülle von Musikern auf der Bühne – etwa Chris Robinson´s von den Black Crowes - die Improvisationen nicht so gelungen wie sonst, was aber von der allgemeinen Feierstimmung wettgemacht wurde. Die 9000 Gäste wurden sogar als Bill Graham Civic Choir bezeichnet, waren sie doch bei den vielen bekannten Liedern mehr gesanglich als hörend engagiert. Der am 15. März 1940 in Berkeley, California geborene Lesh studierte in seiner Heimatstadt Musik und wurde dabei vor allem von seinem Professor, dem Komponisten Luciano Berio, geprägt. Einer der berühmtesten Komponisten unserer Zeit, Steve Reich, war damals unter seinen Klassenkameraden. Mit 19 hatte er eine schicksalshafte Begegnung mit dem Gitarristen Jerry Garcia, mit dem er ab 1965 in der Gruppe Grateful Dead wohl die grundlegendsten Fundamente für die heute blühende improvisierende Rockmusik der Vereinigten Staaten schuf. Obwohl er bis heute auch als Sänger und Komponist tätig ist, ist er besonders durch sein auffälliges Bass-Spiel hervorgetreten, mit dem er im Stile eines Free Jazz-Musikers mit seinen ständig wechselnden Mustern und Figuren eher an einen Solo-Gitarristen erinnert als an einen traditionellen Bass. Was oberflächliche Hörer der Musik von Grateful Dead leicht als Abnudeln immer gleicher Phrasen ansehen, sind in Wirklichkeit Metamorphosen musikalischer Bausteine, die eher an Pflanzenwachstum erinnern als an die auf Hitparadentauglichkeit zugeschnittenen Popsongs der Musik-Industrie. Wer weiß, dass Phil Lesh als sein grösstes Idol Johann Sebastian Bach ansieht, wird unschwer die Einflüsse auf sein Bass-Spiel und die Musik der Grateful Dead erkennen können. Die oft stundenlangen Gruppenimprovisationen dieser Band - der Name geht auf eine alt-englische Legende von Tod und Wiedergeburt zurück, in der ein wohltätiger Spender auftritt - prägten jedoch nicht nur ganze Generationen von Musikern in ihrer musikalischen Haltung. Zusammen mit dem offen gelebten Lebensstil von Brüderlichkeit und Freiheit wurde die teils aus über hundert Personen bestehende Grateful Dead Familie eine Ermutigung für ein anderes Leben. Mehrere Stiftungen im Umkreis der Gruppe unterstützen schon seit 1984 sowohl in Not geratene Menschen als auch solche, die für soziale Gerechtigkeit und Ökologie tätig sind. Die Saat ist aufgegangen und heute berufen sich Hunderttausende von Amerikanern und Tausende von alternativen Projekten auf Inspirationen durch Grateful Dead. Ein sehr schlagender Beweis einer neuen Lebenshaltung ist die bei allen von Grateful Dead inspirierten Bands geübte Praxis, das Aufnehmen von Konzerten nicht nur zu erlauben, sondern sogar zu fördern – unter der Bedingung, dass mit den Aufnahmen keine Geschäfte gemacht werden, sondern sie brüderlich geteilt werden. So gab es schon in den 60er Jahren eigene Taper Sections, in denen oft Hunderte von Hörern mit bester Aufnahme-Technik eigene „audience tapes“ anfertigten. Oft gab zusätzlich der Ton-Ingenieur der Dead eine Kopie eines „Soundboard“ in den Umlauf, was dann unter den Fans weiter gegeben wurde. Phil Lesh stellte sogar eine eigene Firma an, die Aufnahmen in CD-Qualität herstellt, um sie kostenlos über das Internet abzugeben. Auch alle anderen etwa 3000 jemals gespielten und jeweils vollkommen individuellen Konzerte von Grateful Dead sind in einem eigenen Internet-Archiv hochgeladen, wo jeder sie nach Bedarf kostenlos herunter laden kann – zusammen mit gut 75.000 Konzerten vieler anderer improvisierender Bands (Jam Bands). Der Einfluss der Band beschränkt sich nicht nur auf die grün-alternative Szene. Schon in den 80er Jahren war Al Gore ein Liebhaber der Grateful Dead und wird bis heute oft auf Konzerten von Phil Lesh gesehen. Mickey Hart, einer der Schlagzeuger der Gruppe, komponierte ein Stück für 100 Trommler, das zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1996 aufgeführt wurde. Im Herbst 2009 brach die Gruppe auch zum ersten Mal ihre Abstinenz vom offiziellen politischen Geschehen und gab ein Konzert in Unterstützung von Barrack Obama. Der lud sie wie schon Bill Clinton ein, auf einem seiner Inaugurations-Bälle zu spielen. Phil Lesh gehörte wie Jerry Garcia Anfang der 70er Jahre zum sogenannten Planet Earth Rock and Roll Orchestra, einer losen Gruppe von Musikern der San Francisco Bay. Allein in einer einzigen Woche nächtelanger Improvisationen entstanden damals drei wichtige Alben der Rock-Geschichte, die unter den Namen von David Crosby, Jefferson Airplane und Mickey Hart erschienen. Leshs Bekanntschaft mit der zeitgenössichen komponierten Musik zeigte sich bei Konzerten oft in dem „space“ betitelten Mittelteil des zweiten Sets oder auch bei den computer-gesteuerten Improvisationen mit Ned Lagin, von denen 1975 auch ein eigenes Album namens „Seastones“ erschien. Auch in Auftritten mit dem Dirigenten und Pianisten Michael Tilson Thomas kam Atonales zu Gehör. Schon in der Gruppe Grateful Dead hatte ein eher aus Jazz-Kreisen bekanntes offenes Konzept bestanden, was die Mitglieder der Gruppe betraf: Neben einer Kerngruppe gab es häufige Gastmusiker. Nach dem Tod von Jerry Garcia 1995 wechselten nun sogar die Namen und es gab im Laufe der Jahre nicht nur „The Dead“ oder „Furthur“, sondern „Phil Lesh & Friends“, „Ratdog“ und andere. Im Laufe der Zeit entstand so ein immer größerer Pool von Musikern, die imstande sind, ähnlich wie bei den Jazz Standards aus dem Stegreif über viele der 200 wichtigsten, oft komplizierten Kompositionen zu improvisieren. Musiker wie etwa der sehr erfolgreiche Jackie Greene kommen so in den Genuss, mit den „Originalen“ zu spielen, während die Musik der 60er Jahre die besten Chancen hat, als lebendiges Kulturgut zu überleben, das sich ständig weiter entwickelt. Phil Lesh beschrieb in seinem 2005 veröffentlichten Buch „Searching for the Sound“ sein Leben, in dem er offensichtlich nicht nur nach dem Klang suchte. Vom Genuss legaler und illegaler Drogen und unterschiedlichsten sozialen Erfahrungen kam er zu den wesentlichen Schriften von Esoterik und Religion inklusive Rudolf Steiner. Wie viele Kinder von Mitgliedern der Grateful Dead ging auch sein 1986 geborener Sohn in die Marine County Waldorf School. 1990 wurde Lesh Vegetarier. 1998 musste er sich einer Leber-Operation unterziehen, nachdem er mehrmals knapp am Tod vorbei kam. Er überlebte schließlich nur aufgrund einer Spenderleber und von Bluttransfusionen. Während bei seinen Auftritten das Programm sonst ständig wechselt, hat sich seit seiner Operation eine feste Größe entwickelt: Vor der Zugabe in jedem Konzert und auch bei anderen öffentlichen Auftritten wirbt er in einer von den Fans „Donor Rap“ genannten Ansprache für Blut- und Organspenden. Mit seiner „Unbroken Chain Foundation“ ist er jedoch auch für viele andere wohltätige Zwecke tätig, ganz im Sinne der originalen Grateful Dead–Legende, ganz in der Tradition aber auch der Band Grateful Dead, von der es heißt, sie habe oft mehr Wohltätigkeitskonzerte in einem Monat gegeben als kommerzielle. So gehen auch alle Einnahmen aus dem Geburtstagskonzert an die Überlebenden des Erdbebens in Haiti. Die Schulzeitung der Waldorfschule Great Barrington – das nicht weit von Woodstock entfernt liegt, wo 1969 ein legendäres Rockfestival u.a. mit Grateful Dead stattfand – schreibt über einen kürzlich publizierten Film über Grateful Dead, es sei eine „kraftvolle Einführung in einiges vom besten was je an Musik gemacht wurde.“ Für Phil Lesh selbst mag etwas ähnliches gelten wie für seinen kongenialen Partner Jerry Garcia, über den Bob Dylan nach dessen Tod schrieb: „Es gibt keine Worte für seine Größe als Mensch oder als Musiker. Ich glaube nicht, dass Schönreden ihm gerecht wird. Er war so groß – viel mehr als ein außergewöhnlicher Musiker mit einem unheimlichen Gehör und großer Geschicklichkeit. Er ist der personifizierte Geist von allem was zwischen den tiefsten Tiefen eines dreckigen Sumpfes und den höchsten Höhen der Sterne zu finden ist.“ END/nna/wsh Links: www.phillesh.net, www.dead.net, www.unbrokenchainfoundation.org, www.archive.org/details/etree, www.philzone.com, www.rexfoundation.org, www.furthurfoundation.org Bericht-Nr.: 100329-01DE Datum: 29. März 2010 © 2010 News Network Anthroposophy Limited (NNA).

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