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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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„In der Begegnung werde ich wach“

Geisteswissenschaft als Überlebenshilfe für die Individualität – 1000 Menschen besuchten die Weimar-Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft zum 150. Geburtstag von Rudolf Steiner

Von: NNA - Berichterstattung

Ort mit viel Vergangenheit

Von NNA-Korrespondentin Edith Willer-Kurtz WEIMAR (NNA). „Empfindung Mensch - Wirkung Anthroposophie“: Mit diesem Titel war die öffentliche Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft Deutschlands überschrieben, die Mitte Juni aus Anlass des 150.Geburtsjahrs von Rudolf Steiner in Weimar stattfand. Rund 1000 Personen waren der Einladung der Gesellschaft nach Weimar gefolgt. Im Verlauf der Tagung eröffnete sich auch die Möglichkeit, die Begriffe des Titels gegeneinander auszutauschen. Wie wirkt die Anthroposophie heute auf die Menschen? Mehrmals tauchten in Weimar die Fragen auf nach Veränderung, nach Verjüngung die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft. Wie kann man sie interessieren? Im nächsten Jahr feiert die Gesellschaft schließlich ihr 100jähriges Bestehen. Vorschläge dazu wurden am Schluss im Plenum vorgetragen und gesammelt. Zum ersten Mal soll bald ein Tagungsband erscheinen. Weimar, ein Ort mit viel Vergangenheit, überall trifft man auf Goethe und Schiller oder Liszt. Steiner lebte von 1890 bis 1897 in Weimar. Dort war es, wo er den Goetheanismus weiterentwickelte bis über die Schwelle hinaus in das geistig Wesenhafte hinter der Sinneswelt. Den Evolutionsgedanken führte er bis zur Erkenntnis der übersinnlichen Wesen weiter und erweiterte ihn damit auch für das Ich des Menschen. In Weimar entstand auch die Philosophie der Freiheit, mit der Steiner den ethischen Individualismus begründete, indem er die intuitive Erkenntnis der freien auf sich stehenden Individualität zur Grundlage des Wollens machte. Daran wurde am Stand, mit dem sich das Rudolf Steiner Haus von Weimar auf der Tagung vorstellte, mit Zitaten von Dankmar Bosse erinnert. Ein entscheidendes Motiv des Weimarer Kongresses war die Suche nach einer „überhistorischen“ und damit einer geistesgegenwärtig-praktischen Beziehung zu Rudolf Steiner. Dabei sollte die Anthroposophie als sein geistiges Werk - angemessen der Zeit-, Zivilisations-, und Kulturlage - fortwährend weiterentwickelt werden. In Studien- und Arbeitskreisen konnte das Gesamtspektrum der Anthroposophie in Erscheinung treten. Keimkraft, Freiräume, Umschlagplätze: Fragen der Entstehung und Wandlung des anthroposophischen Impulses kamen auch in diesen Stichworten zum Ausdruck, die auf der Tagung vielfach zu hören waren. Dazu bot die großangelegte Kunstinstallation auf dem Vorplatz der Neuen Weimarhalle eine optische Variante, die Studierende der Freien Hochschule Stuttgart, dem Seminar für Waldorfpädagogik, erstellt hatten. Unzählige, in sich doppelt gekrümmte Bänder in Helixformen aus zartem Material gruppierten sich so, dass sie von jeder Perspektive anders wirkten. So präsentierten sich dann auch die Veranstaltungen der Tagung. Die Vortragszeiten wurden zum Beispiel neu bestückt als Trialog. Dabei ergänzten sich drei Persönlichkeiten oder mehr fast im Gespräch miteinander zu Themen wie: „Lebensprüfung und Menschenwürde“, „Die zweifache Schwelle des Ichs“ oder „Dimension Mensch - Potenzial Anthroposophie“. Was kann Anthroposophie im 21 Jahrhundert bewirken? Die vielfachen Bedrohungen des Menschenlebens auf der Erde machen die Notwendigkeit einer neuen Weltsicht dringlicher denn je. In den Arbeitsgruppen gab es neben dem klassischen Angebot von Sprachgestaltung und Eurythmie auch Angebote zur Wirksamkeit von Anthroposophie im praktischen und sozialen Leben. Ute Craemer ermutigte z.B. nach ihrem 40jährigen Einsatz in den Favelas Brasiliens mit der Schilderung, sie sehe auch bei kriminell handelnden Mitmenschen nach innen und fördere deren Leben mit Mut und Vertrauen. Auch der Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft, Hartwig Schiller, fragte in einem Redebeitrag nach dem Zukunftspotential und auch nach dem Zwischenraum, in dem sich der Mensch entwickelt. Ein Zukunftsmodell sah er darin, wenn man auf alles schaue. Entscheidend würde dann sein, ob wir uns befreunden könnten, nicht lediglich funktionieren, weil wir dabei Macht haben wollen, sondern pflegend in schenkender Tugend. Andacht, Interesse für und Respekt vor den Menschen gehörten dazu. Diese wohlwollende Haltung mache das Potenzial der Anthroposophie sichtbar. Michael Schmock vom Arbeitszentrum NRW forderte die Gegenwärtigkeit bei jeder Begegnung. Wolf-Ulrich Klünker von der Delos-Forschungsstelle brachte dies wie folgt auf den Punkt: Anthroposophie kümmere sich ums Menschsein. „Steiner kommt mir entgegen, ich komme Steiner entgegen, da wo ich ihn verstehe.“ Die Anthroposophie sei bei allen weltanschaulichen Unterschieden ein seelisch-geistiges Überlebensmittel für die Individualität in der Zukunft. Sie ermögliche ein Denken in freien Zusammenhängen. Die aktuelle Situation der Menschheit wurde so beschrieben, dass sie beginne, innerhalb des Nichts zu erwachen d.h. zwischen der sinnlich wahrnehmbaren und der geistigen Welt. Ein Verständnis dieser Schwellensituation sei notwendig, um die Gegenwart zu begreifen. Auch das Böse erschiene heute als neues Phänomen ohne Vergangenheit, es sei mehr ein unerfüllter Augenblick der Leere aus Mangel, ein Schrei des Ich-Bewusstseins. Zu hoffen sei auf die Inspiration, nicht des Gedankens oder des Wortes. Die Ich-Inspiration sei die Tat. Leben entfalte sich in Pendelschwingungen, ergänzte Mechthild Oltmann, Pfarrerin der Christengemeinschaft aus Berlin den Trialog. Sie sprach von einer Bugwelle, die vor Ereignissen beobachtet werden könne. Da sei es geboten, mit gestärkten Fähigkeiten den Geist, der sich im Geschehen verberge, zu erkennen. Solche Anfangsäußerungen würden auch von Gegnern nachgeahmt. Ein Teil der Tagung galt dem Thema Anthroposophie in der Zeit des Nationalsozialismus. Hier trug man der Tatsache Rechnung, dass sich nicht weit von Weimar das KZ-Buchenwald befindet. Im Anschluss an die Tagung hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die Gedenkstätte zu besuchen. Auf dem Podium diskutierten u.a. Bodo von Plato vom Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach und der Historiker Uwe Werner. Von Plato vertrat dabei die These, dass es so etwas wie eine „anthropologische Disposition“ gebe, die zur besonderen Wirkung des Faschismus auf die Menschen in Mitteleuropa beigetragen habe. Diese Disposition basiere auf „einer tiefen Sehnsucht nach dem, was wir verloren haben“ und verlange nach einem mystischen Verstehen der Gegenwart. Sie sei auch in der Anthroposophie zu erkennen, wobei jedoch diese als Gegenbild des Nationalsozialismus und im Wesen damit unverwandt zu sehen sei. Auch Mechthild Oltmann versuchte, das Verhalten der Menschen in jener Zeit verständlicher zu machen. Im Nachhinein habe sich bei den Menschen durch die Scham bei der Ernüchterung gezeigt, dass es sich um eine Art Besessenheit in Abwesenheit des Ichs gehandelt habe. In der Zukunft komme es darauf an, die Kraft zu entwickeln in Distanz zu diesen Sphären und ganz als Mensch handeln, wo man gebraucht werde. Hatten Anthroposophen die Situation durchschaut? Erwähnt wurde der Zeitzeuge Albert Steffen, der früh das Geschehen erkannt und es in seinen Dramen künstlerisch verarbeitet habe. Heute, so riet Michael Rissmann, Historiker und Waldorflehrer in Mannheim, sei Wachsamkeit der politischen Sphäre gegenüber wichtig und nicht ein Rückzug ins Kulturelle. Um das Verhältnis des heutigen Menschen zur Natur ging es in der Arbeitsgruppe von Martin von Mackensen, Landwirt und Ausbildender vom Dottenfelder Hof bei Frankfurt. Er erläuterte diesen Bezug in den einzelnen historischen Epochen und zeigte auf, wie es zu der heutigen Situation der Ökonomisierung gekommen ist. Die Zisterzienser seien im Mitteleuropa im Mittelalter diejenigen gewesen, die gemäß ihrem Lebensprinzip „ora et labora“ erstmals Saatgut selektiert und Ackerbau mit Hingabe getrieben hätten. Damit sei hinsichtlich der Wertschätzung der Natur ein Anfang gesetzt worden. Mackensen schuf mit seinen Ausführungen ein spezialisiertes Bewusstsein bei den Zuhörern dafür, dass die durch die Anthroposophie befruchtete Natur eine neue Beziehung zum Menschen erfahren müsse. Die Natur sei noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen. Sie fordere das Ich des Menschen, denn es wohne nicht im Leib, sondern in seinem Vermögen, in Beziehung zu treten in der Welt. Die biodynamische Landwirtschaft könne diese Aufgaben kaum noch bewältigen. Sie sei auf die freiwillige Mithilfe von jedem Einzelnen angewiesen, war sein wichtiger Apell. Es sei die Logik, die über die Hände in die Welt komme, betonte er. Gioia Falk, führt mit Christian Peter Regie bei den Mysteriendramen Rudolf Steiners. Einige Ausschnitte waren eindrücklich auf der Bühne in Weimar zu sehen. Gioia Falk erklärte, wie ein Fest für den Alltag schulen kann und bezeichnete den Menschen als Umwandler an einem „Umschlagplatz“. Als Geschöpf werde er zum Schöpfer mit Wissen, Gefühl und Wahrnehmung. Dies sei sein Werkzeug, das dann zum Tätigsein führe. Jeder sei tätig an sich, bilde ein Schwert aus, der andere sei auch Schmied, nun solle man das des anderen auch erkennen, dann entstünde Toleranz. Die Zukunft liege im Erkennen. Zum besonderen Festtag wurde wie ein Geschenk von und für Steiner und alle Anwesenden die hervorragende Eurythmieaufführung „Seelenräume – Zeitenwerden“ durch die Bühnen aus Dornach und Stuttgart. Sie ließ die Spiritualität durch das Künstlerische fast unbeschreiblich erleben. Die orchestrale Begleitung hatte „Das junge Orchester“ unter der Leitung von Ingo Ernst Reihl. Am Ende stand die Frage, wie sich eine solche Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in den nächsten Jahren wandeln könne. Die Vorschläge aus dem Plenum reichten von Freiräumen als Einladung zum Teilnehmen über künstlerisches Präsentieren der Teilnehmer, um sich gegenseitig kennenzulernen. Auch Gespräche über Lebensschicksale wurden vorgeschlagen, die Zweige dabei einbezogen. Justus Wittich vom Vorstand der deutschen anthroposophischen Gesellschaft folgerte, die Mitglieder hätten an einem gemeinsamen Bewusstsein ihrer Gesellschaft Interesse. Dieses Bewusstseinsorgan könne durch Begegnung bei weiteren Menschen ebenfalls Interesse wecken. Schmock ergänzte: „Meine Persönlichkeit ist da, wo mir etwas entgegen kommt aus der Umwelt, daran werde ich wach.“ In der Begegnung liege das Leben. Dies könnte das Paradigma für nächsten Jahrzehnte der Anthroposophischen Gesellschaft werden. Ein Gast aus Italien, der Generalsekretär der dortigen anthroposophischen Gesellschaft, Stefano di Gasperi, fasste es so zusammen: Eine Ermutigung sei spürbar, die sich in mehr Initiativkraft äußern wolle. END/nna/wil Link: www.anthroposophische-gesellschaft.org Bericht-Nr.: 110707-02DE Datum: 7. Juli 2011 © 2011 News Network Anthroposophy Limited (NNA).

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