Drei Kongresse in den letzten Wochen mit Artikeln vorab und Berichten hinterher – Anstehende Veranstaltungen – Eine Artikelserie über „Wie erlangt man“ in „Die Drei“ und zwei neue Bücher – Steiners Nebenübungen auf Youtube. 

Zu berichten ist von drei größeren Veranstaltungen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben. Diese Häufung von großen Veranstaltungen, die auch im Vorblick anhält, ist Ausdruck der Tatsache, dass anthroposophische Meditation da, wo man Anthroposophie kennt, Fuß gefasst hat. Sie ist aus der Ecke der Verschwiegenheit wirklich hinausgekommen. Dies war vor wenigen Jahren noch ganz anders: zwar gab es hier und da Kurse oder auch Artikel, aber keine breitenwirksame Präsenz der anthroposophischen Meditation. Das ganze Feld hat sich in den letzten Jahren wirklich grundlegend verändert.
Dies schlägt sich auch in der Länge unserer Newsletter wieder. Wir versuchen, Ihnen die Übersicht leicht zu machen, indem Sie längere Passagen nicht auf den ersten Blick, sondern erst hinter einem fettgedruckten mehr

 Die drei Kongresse der letzten Zeit hatten unterschiedliche Schwerpunkte.
„Meditation und Gesundheit“, vom 18. bis 20. März in Berlin, veranstaltet von Gesundheit aktiv und dem Institut für anthroposophische Meditation, hatte das Anliegen, die Lebensnähe und Konkretheit, die schon prinzipiell in der anthroposophischen Meditation angelegt sind, erfahrbar zu machen. Die mögliche Wirksamkeit solcher Meditation bis hin zur Stärkung des Ichs, zur Erfrischung der Seelenkräfte und zur Gesundung der Lebenskräfte sollte spürbar werden – und wurde es! Das zeigte sich in der weichen, offenen und dankbaren Stimmung, die das Wochenende durchzog, bei allen Vorträgen mit den anschließenden Kleingruppengesprächen, in den Workshops und in der viermal durchgeführten gemeinsamen Meditation im Plenum mit über 200 Menschen – dies ein Novum in der anthroposophischen Szene.
Einen stimmungsvollen Eindruck von diesem Kongress und eine ganze Reihe inhaltlicher Statements vermittelt ein sechsminütiger Filmbericht. Auch sonst mehr

Anschließend an den Kongress „Meditation und Gesundheit“ hat am 15. April in Alfter eine einjährige, gleichnamige Forschungs- und Fortbildungsreihe begonnen, die sich an Menschen richtet, die mit anderen Menschen meditativ arbeiten wollen. Ein Hinzukommen ist noch bis zum zweiten Wochenende vom 27. bis 29. Mai möglich.

Vor dem Kongress „Meditation und Gesundheit“ hat die Monatszeitschrift Die Drei einen vorbereitenden Text von Anna-Katharina Dehmelt veröffentlicht: sie hat sich mit den Wirkungen des Meditierens auf die Wesensglieder des Menschen beschäftigt und so versucht, eine anthroposophische Grundlage für den Zusammenhang von Meditation und Gesundheit zu legen.
Vorbereitend für die die zweite größere Veranstaltung der letzten Wochen „Psychologie, Bewusstseinsforschung und Heilung im Kontext westlicher Spiritualität“, deren Anliegen es war, eine Brücke zwischen Spiritualität und akademischer Wissenschaft zu schlagen, finden sich im selben Heft zwei weitere Artikel von Andreas Meyer und Johannes Wagemann. Andreas Meyer schrieb über Wege zu einer spirituellen Psychologie und sucht die Anschlussstellen zwischen akademischer und spirituell orientierter Psychologie auf. Johannes Wagemann bringt das bewusstseinserforschende Konzept Herbert Witzenmanns ins Gespräch mit entsprechenden Ansätzen von Jean Gebser und Claire Petitmengin. Alle drei Artikel lassen sich gegen eine geringe Gebühr von der Website der „Drei“ downloaden.

Nun hat die Monatszeitschrift „Die Drei“ auch im Nachhinein über beide Kongresse berichtet. Ariane Eisenhut schreibt über „Meditation und Gesundheit“, Jannis Keuerleber über „Psychologie, Bewusstseinsforschung und Heilung“. Terje Sparby gibt die grundlegenden Gedankenbildungen dieses Kongresses wieder: mehr

Der dritte Kongress „Meditation in Ost und West – Ich und Nicht-Ich und die Rolle des Denkens“ fand vom 26. bis 28. Februar in Stuttgart statt. Hier stand die Begegnung von östlicher und westlich-anthroposophischer Meditation im Vordergrund, die nach einem Einführungsvortrag von Andreas Neider und einem ganzen Tag in Workshops mit einem schönen, freundschaftlichen und aneinander interessierten Podiumsgespräch zwischen allen Referenten endete. Corinna Gleide hat über diesen Kongress ebenfalls in Die Drei berichtet. Nächstes Jahr wird die Tagungsreihe „Meditation in Ost und West“ mit dem Arbeitstitel „Meditation in Bewegung“ fortgesetzt. Vom 17. bis 19. März 2017 wird es um die Rolle des Leibes für die spirituelle Entwicklung gehen, mit Workshops zu Eurythmie, Yoga und vielem mehr.

Und die Reihe der Großveranstaltungen mit dem Thema Meditation geht weiter – die Details entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungskalender: am 20. und 21. Mai können Sie sich in Alfter unter dem Titel „Inner and Outer Dimensions of Thinking“ erneut dem Brückenschlag zwischen Spiritualität und akademischer Wissenschaft widmen. Am 4. Juni wird ebenfalls in Alfter von Jens Heisterkamp und Melaine McDonald das Thema „Meditation zwischen Ruhe und Bewegung“ angegangen. Vom 17. bis zum 19. Juni findet in Hamburg die Jahrestagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland unter der Überschrift „Meditativ bewusst sein – ein Weg zur Selbstbestimmung des Menschen“ statt. Diese Tagung wurde seit Januar 2016 in den „Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland“ vorbereitet durch Artikel von Reinhold J. Fäth, Angelika Sandtmann und Hartwig Schiller – alle Artikel sind hier online verfügbar. Und im Februar 2017 ist erneut das Thema „Meditation und Gesundheit“ dran, diesmal für Ärzte und Medizinstudenten.

Aber auch ohne sich auf die Reise zu machen, gibt es viel zu entdecken.
Seit Januar 2016 veröffentlicht „Die Drei“ eine Artikelserie zu Steiners Schulungsbuch-Erstling „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“. Alle Artikel – sowie zwei weitere in unmittelbarer Nachbarschaft erschienene – lassen sich für einen geringen Beitrag hier downloaden (und lohnen eigentlich ein Abonnement); sie seien Ihnen zur Lektüre empfohlen! Sie zeichnen sich fast durchweg durch einen erfahrungsgetragenen Ansatz aus. Auch dies gehört zu den eingangs beschriebenen Veränderungen der letzten Jahre: es wird zunehmend möglich, von geistigen Erfahrungen konkret und persönlich und doch zugleich allgemein-menschlich zu sprechen. Bisher sind folgende Artikel erschienen: mehr

Daneben ist auf zwei neue Bücher hinzuweisen.
Steffen Hartmann und Anton Kimpfler beschreiben in „Geistesgegenwart und Schöpferkraft. Vom Menschen-Welt-Begegnen zum Zeitgeist im 21. Jahrhundert“, wie spirituelle Erkenntnis und Meditation gesundend bis in individuelle Organzusammenhänge hinein wirken. Wichtig zur Überwindung aller diesbezüglichen Hindernisse sind tragende innere Arbeit, tragende menschliche Beziehungen und tragende Tätigkeiten. Andreas Meyer hat das Buch online nachzulesen hier  rezensiert.
Ganz neu erschienen sind von Jostein Saether „20 Essays über die Wand zwischen sinnlicher und übersinnlicher Welt – Hauchdünn“. Ausgehend von der derzeitigen Lage der Anthroposophischen Gesellschaft und einem von ihm als unbefriedigend erlebten Meditationsseminar nähert sich Jostein Saether dem Schreiben über und aus übersinnliche/n Erfahrungen an. mehr

Hier noch etwas, wo Sie nicht lesen, nur zuhören brauchen:
Die pensionierte Waldorflehrerin Beate von Ribbeck – sie unterrichtete Englisch an der Freien Waldorfschule Engelberg – hat eine Anleitung für die von Steiner vorgeschlagenen sogenannten „Nebenübungen“, die das Meditieren unterstützen können, in die Kamera gesprochen. Sicherlich trifft sie nicht den Geschmack eines jeden, aber ihre Anleitungen und Anregungen sind kenntnisreich und erfahren. Wie in jedem Kurs auch bleiben, den Klickzahlen nach zu urteilen, die mehreren tausend Teilnehmer der ersten Nebenübung nicht alle dabei. Immerhin gibt es derzeit doch beinahe eintausend Menschen, die den Gang durch die sechs Übungen zumindest zuhörend mitmachen.
Etwas distanzierter und auf englisch stellt Brian Gray, Leiter der anthroposophischen Grundausbildung am Rudolf Steiner College in Kalifornien, die Nebenübungen vor. Während Beate von Ribbeck mit unmittelbarer Ansprache der Zuhörer in’s Üben einzuführen versucht, steht Brian Gray im Stile eines Dozenten an der Tafel.
Es steht zu erwarten, dass auch solche Videos mehr werden werden.

Zum Schluss: für die gemeinsame Meditation auf dem Kongress „Meditation und Gesundheit“ hatten wir diese Spruchform von Rudolf Steiner aus dem Jahre 1919 (enthalten in GA 40) zugrunde gelegt:

Ecce Homo

In dem Herzen webet Fühlen,
In dem Haupte leuchtet Denken,
In den Gliedern kraftet Wollen.
Webendes Leuchten,
Kraftendes Weben,
Leuchtendes Kraften:
Das ist – der Mensch.