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Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Michael Grandts "Schwarzbuch Waldorf"

a:2:{s:4:"unit";s:2:"h3";s:5:"value";s:244:"Abstruses Zerrbild von Anthroposophie und Waldorfpädagogik. Mit Michael Grandts „Schwarzbuch Waldorf“ ist die Anti-Waldorfliteratur auf ihrem intellektuellen Tiefpunkt angekommen - Gruselstories soll

Von: NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele



Bald 90 Jahre Waldorfpädagogik weltweit -
und ein Ende des boomenden pädagogischen Erfolgsmodells ist anscheinend nicht abzusehen. Sehr zum Leidwesen einiger Enthüllungsjournalisten der besonderen Art, die allen Ernstes immer noch überzeugt sind, dabei könne es nicht mit rechten Dingen zugehen. Zu ihnen gehört auch der selbsternannte Esoterik- und Sektenjäger Michael Grandt (45) aus dem württembergischen Bisingen, der sich auf seiner Homepage als Experte und Gutachter zu den Themen Kindesmissbrauch, Okkultsekten und Satanismus bezeichnet.

Der nach dem Bericht des „Spiegel“ früher auf dem Gebiet des
Möbeleinzelhandels tätige Michael Grandt hatte sich schon einmal vor zehn
Jahren gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Guido mit wenig Erfolg am Thema
abgearbeitet („Waldorf-Connection“ und „Schwarzbuch Anthroposophie“). Seinem
„Schwarzbuch Anthroposophie“ wurden soviel falsche Tatsachenbehauptungen
nachgewiesen, dass es – an vielen Stellen eingeschwärzt – schließlich in der
Versenkung verschwand.

Diesmal will Grandt, nach jahrelanger „Abstinenz“ vom Thema sein
Lesepublikum im Alleingang das Gruseln lehren. Unter dem reißerischen Titel
„Schwarzbuch Waldorf. Rudolf Steiner und die Anthroposophie auf dem
Prüfstand“ (Gütersloher Verlagshaus, 2008) möchte er nach eigener Aussage
verunsicherten Eltern Hilfestellung bei der Schulwahl ihrer Kinder geben.

NNA liegt ein Rezensionsexemplar des für September vom Verlag angekündigten
Buches vor. Und hier zeigt sich:

Die „Hilfestellung“ Grandts erschöpft sich in einer These, die an
Verschwörungstheorien erinnert: Waldorfschulen mit ihrer attraktiven,
menschenfreundliche Außenseite seien nur Tarnorganisationen einer weltweit
aktiven, antidemokratischen Sekte namens Anthroposophische Gesellschaft.
Diese, gegründet von dem angeblich rassistischen Guru Rudolf Steiner, hat
nach Grandt offenbar die Aufgabe, die ganze Menschheit „okkultistisch“ zu
unterwandern – den Anfang soll der Schulunterricht machen.

Weder die reale Anthroposophie noch die tatsächliche Waldorfpädagogik kommen
in dem Buch vor. Von vorn bis hinten geht es um ein Zerrbild, das Grandt
sich aus dem Supermarkt Jahrzehnte alter Steinerkritik zusammengebastelt
hat.

Grandt ruft auch in seinem neuen Buch ständig nach dem „starken Staat“, der
Anthroposophen überwachen, anthroposophische Bücher verbieten und den
Waldorfschulen den Geldhahn zudrehen soll. Sollte es ihm entgangen sein,
dass sich dieses „Ideal“ nur in einem totalitären Regime verwirklichen
lässt?

Dazu wärmt er längst widerlegte Gerüchte auf und meint, damit seine
absurden Thesen bewiesen zu haben. Vor allem der trivialesoterisch interessierte
Leser kommt da auf seine Kosten: in Grandts Buch wimmelt es nur so von
Naturgeistern, Mondwesenheiten und Dämonen, die angeblich im
Waldorfunterricht eine Rolle spielen sollen. Bei Grandt mutieren
Waldorflehrer zu allmächtigen Gurus, da werden Klassenräume zu Folterkammern
und in Waldorflehrerseminaren soll nichts als Gehirnwäsche betrieben werden.

Was die zitierten Steinersätze, die meist aus ganz anderen Zusammenhängen
stammen, die auch nicht angegeben werden, mit dem normalen Alltag einer
Waldorfschule zu tun haben soll, den Tausende von Schülern und Lehrern Tag
für Tag erleben, bleibt Grandts Geheimnis. Wie kann ein Schulmodell, das
angeblich auf derart fragwürdigen Grundlagen beruht, weltweit so erfolgreich
wirken? Diese Frage wird weder gestellt noch wird eine Antwort auch nur
versucht.

Von all den seltsamen Vorgängen hinter den Kulissen, die Grandt auf diese
Weise „enthüllen“ will, sollen also die zuständigen Schulaufsichtsbehörden
und die durchwegs intelligenten und kritischen Waldorfeltern jahrzehntelang
nichts gemerkt haben? Grandt hat zahllose Behörden im In- und Ausland auf
seine angeblichen Befunde aufmerksam gemacht. Diese haben leider nicht so
reagiert, wie er es sich wünschte. Viele gaben ihm überhaupt keine Antwort,
wie im Anhang des Buches zu sehen ist. Warum druckt Grandt diese
Peinlichkeiten überhaupt ab? Weil auch die Behörden seine „Mission“ und ihn
verkennen?

Inzwischen wissen die meisten Behörden offensichtlich, mit was für einer
Sorte Autor sie es bei Grandt zu tun haben. Wie formulierte es doch schon
der „SPIEGEL“ vom 17.02.1997 sehr treffend? Michael Grandt und seinem
damaligen Mitautor Guido Grandt gehe es weniger um Wahrheitsfindung, schon
gar nicht um geistige Auseinandersetzung, sondern um ein lukratives
Geschäft.


Um das Geschäft mit dem Gruseln effektiv betreiben zu können, arbeitet
Grandt wie früher mit unbewiesenen oder längst widerlegten Behauptungen und
gibt — ganz im Stil der Regenbogenpresse — Gerüchte und Vermutungen als
Fakten aus. Genüsslich spekuliert er mit anderen Autoren, ob der Begründer
der Waldorfpädagogik vielleicht kokainsüchtig oder geisteskrank gewesen sei
(S.13).

Wenn es gegen Rudolf Steiner geht, ist jedes Mittel recht. Grandt, der sich
gern als Kritiker des Naziregimes feiern lässt (siehe seine Homepage) kämpft
gegen andersdenkende weltanschauliche Minderheiten nicht mit Argumenten,
sondern mit dem Mittel der Verleumdung. Es interessiert ihn nicht im
Geringsten, dass auch Anthroposophen in den Vernichtungslagern der NS-Zeit
umgekommen sind und dass vielen dieser Opfer ihre Erinnerung an Rudolf
Steiner bis zuletzt inneren Halt gegeben hat. Es interessiert ihn auch
nicht, dass zahlreiche heute renommiert im öffentlichen Leben stehende
ehemalige Waldorfschüler Lobendes über ihre Schulzeit zu berichten haben.

Selbstverständlich ist an Grandt und seinem Buch auch die neuere akademische
Esoterikforschung spurlos vorübergegangen, die Rudolf Steiner als wichtigen
Impulsgeber der Moderne darstellt und der Anthroposophie ihren gebührenden
Platz in der modernen Kulturgeschichte zuweist. Grandt stellt Steiner in die
Nähe des Rassismus. Er weiß offenbar nicht, dass führende Rassismusforscher
wie George L. Mosse die humanistische Esoterik Steiners deutlich vom
„braunen Sumpf“ abgrenzen. Aktuelle wissenschaftliche Literatur
einzuarbeiten übersteigt offensichtlich die Kapazitäten des selbsternannten
„Volksaufklärers“. (1)

So stellt sich einem nach der Lektüre des „Schwarzbuch Waldorf“ vor allem
die Frage, warum ein renommierter christlich orientierter Verlag seinen
guten Ruf durch eine Publikation auf dem Niveau des billigsten
Boulevardjournalismus
aufs Spiel setzt.

Und die Waldorfschulbewegung braucht sich wegen dieser „Neuerscheinung“
wahrlich keine schlaflosen Nächte zu machen: bis die Waldorfschule im
nächsten Jahr ihren 90.Geburtstag feiert, ist Grandts „Schwarzbuch“ längst
auf dem Wühltisch unter den Ladenhütern gelandet.

End/nna/vog

Literaturhinweis:
(1) Zu Rudolf Steiner und Anthroposophie siehe die entsprechenden Artikel
in: Prof. Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.), Dictionary of Gnosis and Western
Esotericism. Leiden/Boston 2006, S.82 ff und S.1084 ff; zur Rassismusfrage:
George L. Mosse, Die Geschichte des Rassismus in Europa. Frankfurt a.M.
2006, S.119 f.

Bericht-Nr.: 080904-01DE Datum: 4. September 2008

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