News

News

Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

 … >>

Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

 … >>

DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

 … >>

Missachtung des Subjekts als Ursache der Krisen

In der Freien Hochschule Mannheim analysierten Wissenschaftler und Studierende Hintergründe der globalen Turbulenzen der Gegenwart.

Von: NNA - Berichterstattung

Tagung „Menschheit an der Schwelle“

MANNHEIM (NNA). Finanzkrisen, Klimakatastrophen, immer stärkere soziale Ungleichheit: Die Probleme, vor denen die Menschheit heute steht, lassen überall verstärkt Ratlosigkeit und Verzweiflung aufkommen. Doch die eigentlich existenzielle Krise liegt nicht in ökonomisch-ökologischen Umbrüchen, sondern der Missachtung des menschlichen Subjekts selbst – so die These der Referenten der Tagung „Menschheit an der Schwelle“, die Ende Juni an der Freien Hochschule Mannheim stattfand. Dr. Albert Schmelzer, Rektor der Hochschule und Leiter des Instituts für Interkulturelle Pädagogik, leitete die Tagung mit einem historischen Überblick ein: Die wesentliche Errungenschaft des neuzeitlichen Bewusstseins sei das Ideal des autonomen Subjekts gewesen - in Abgrenzung zu einem prämodern-mythischen Einheitsdenken, das den Menschen in ein Spiel unerklärlicher, numinoser Mächte eingeflochten sehe. Doch gerade dieses autonome Subjekt werde im globalisierten Spätkapitalismus von den politisch und wirtschaftlich Handelnden immer stärker ausgeblendet: Effizienz, Flexibilität und Konkurrenz rückten in den Vordergrund gegenüber einem Bewusstsein von menschlicher Um- und Mitwelt. Wichtig sei hier die intersubjektive und interkulturelle Verständigung im Sinne eines integralen Bewusstseins. Damit knüpfte Schmelzer in seinen Ausführungen an den Friedensnobelpreisträger Dag Hammarskjöld und den Kulturphänomenologen Jean Gebser an. Mit drei Vorträgen setzte Roland Benedikter, Professor für Kultursoziologie und Politische Soziologie an der University of California und am Europa-Zentrum der Stanford University dann die Hauptakzente der Tagung. Aufgrund seines mehrbändigen Werks zum Postmaterialismus (siehe unten) ist Benedikter ein wichtiger Theoretiker zum Thema. Auch er betonte: Schlachtfeld der aktuellen Krisen sei das menschliche Subjekt selbst. Etwa in der expliziten Verneinung des „Ich“ durch den philosophischen Poststrukturalismus und die Pioniere einer „transhumanistischen“ Neuro-Technologie. Der alte Wunsch nach Überwindung des vermeintlich niederen und defizitären Körpers sei in naher Zukunft durch technische Eingriffe in die neuronalen Grundlagen des Bewusstseins tatsächlich in Ansätzen realisierbar. Dieser “materialistische Idealismus” sei die vielleicht größte Herausforderung eines neu-humanistischen Denkens. Von der US-Regierung werde derzeit mit vier Milliarden Dollar das Projekt “Decade of the mind” finanziert, in dem über zehn Jahre interdis-ziplinär über das menschliche Bewusstsein geforscht wird. Auch an solchen Unternehmungen zeige sich, so Benedikter, welche Wichtigkeit dem Bewusstsein im aktuellen wissenschaftlichen wie auch im politischen Diskurs zukomme – wenn auch mit sehr gegensätzlichen Auffassungen. Dass Identitäts- und Bewusstseinserschütterungen auch und gerade ein zentrales Thema der Literatur des 20. Jahrhunderts waren, stellte am Samstagmorgen Reinhard Bode, Waldorflehrer und Leiter des Berufsbegleitenden Waldorflehrerinstituts in Stuttgart, dar. In den Werken vieler wegweisender Autoren, etwa Kafka, Celan, Dürrenmatt oder Peter Handke sei eine existenzielle, oft lebensbedrohliche Selbstkonfrontation beschrieben worden. Bode sah hier Parallelen zur Begegnung mit den verneinten Anteilen des eigenen Selbst, die in der Analytischen Psychologie als “Schatten” und in der anthroposophischen Meditation als “Hüter der Schwelle” bezeichnet werden. Die Auseinandersetzung mit diesem “Schwellen”-Phänomen sei in der gesamten Literatur des letzten Jahrhunderts spürbar gewesen. In einem weiteren Vortrag von Benedikter wurde anschließend der bekanntlich auch in Deutschland überschwänglich gefeierte US-Präsident Barack Obama gewürdigt und seine Positionierung im kulturell-religiösen Kontext der USA dargestellt. Während sein viel kritisierter Vorgänger Georg W. Bush noch dem WASP (White Anglo-Saxon Protestant)-Schema entsprach, sei Obama stark mit der Civil-Rights-Bewegung (Martin Luther King) verbunden, habe aber auch Bekenntnisse zu einer radikal auf rational-reflexive Basis gestellte Spiritualität formuliert. So sprach der spätere Präsident 2004 in einem Interview für die Chicago Sun-Times von seinen Versuchen, sich seiner eigenen politischen wie religiösen Erfahrung bereits im Moment des Geschehens bewusst gegenüberzustellen. Benedikter führte aus, dass der starke Einbruch von Obamas Umfragewerten in seinem zweiten Amtsjahr auf seinen ursprünglich stärksten Trumpf zurückzuführen sei: die Begründung der Politik auf Idealen, Wandel und Hoffnung. Die Berufung auf “geistige” Werte sei auch seine größte Angriffsfläche, die mittlerweile von republikanischen Politikern attackiert würde. Benedikter schilderte die zentrale Rolle, die die Identifikation der eigenen Nation mit Demokratie und Humanismus in den heutigen USA spiele. Das sei, betonte er, allerdings in scharfer Abgrenzung von dazu gängigen Verschwörungstheorien, auch auf die freimaurerische Prägung der US-Verfassung zurückzuführen. Auch zur anthroposophischen Gesellschaftstheorie äußerte der Kultursoziologe weiterführende Ideen. Charakteristikum der Moderne sei schon für die Klassiker der Soziologie die Ausdifferenzierung und zunehmende Autonomie der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche gewesen. Rudolf Steiners Differenzierung von Ökonomie, Rechtsstaat und „Geistesleben“ im Konzept der Sozialen Dreigliederung sowie die Forderung, diese drei nicht miteinander zu vermischen, systematisiere diesen Trend. Zur Erfassung der heutigen globalen Lage müsse man dieses Konzept jedoch um wichtige weitere Bereiche zu ergänzen: Kultur und Religion, die 1919 im christlich geprägten Zentraleuropa noch untrennbar verschmolzen gewesen seien. Sie habe Steiner beide unter “Geistesleben” eingeordnet. Gerade global gesehen seien sie aber heute zwei völlig verschiedene Diskursfelder, die nicht ohne weiteres vermischt werden dürften. Auch technologische Neuerungen und nicht zuletzt der immense demographische Umbruch seien Themenfelder, an denen nicht vorbeigesehen werden könne. So stand am Ende von Roland Benedikters Analyse ein Sechs-Faktoren-Modell. Er wies dann aber darauf hin, dass die gesamte globale Entwicklung auch darauf nicht reduziert werden dürfe: Auch hier sei das Gesamte “mehr als die Summe der Teile“. Nach den Vorträgen war jeweils Raum für Aussprache und Diskussion mit den Referenten, die auch ausgiebig genutzt wurde und weiterführende Punkte thematisierte. So lebte denn auch diese Tagung durch den Austausch von und zwischen – Subjekten. END/nna/ams Bericht-Nr.: 110706-01DE Datum: 6. Juli 2011 © 2011 News Network Anthroposophy Limited (NNA).

Zurück