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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Rassismus-Vorwurf gegen Anthroposophie

Einfache Antworten nicht in Sicht - Wissenschaftliche Studie beleuchtet Rudolf Steiners wechselnde Positionen zum Thema „Rassen“

Von: Medienstelle Anthroposophie


In der öffentlichen Debatte um die Anthroposophie spielt der Vorwurf des Rassismus gegen ihren Begründer Rudolf Steiner immer wieder eine Rolle. Eine neue Studie untersucht nun erstmals chronologisch und werkimmanent Steiners über die Jahre schwankende Position zum Thema „Rassen“.  Foto:  Ansgar Martins © Medienstelle Anthroposophie

Die Diskussion über Steiners Äußerungen über „Rassen“ hat neben polemischen Anschuldigungen und apologetischen Entgegnungen bisher auch einige wissenschaftliche Untersuchungen hervorgebracht. Die im Frankfurter Info3-Verlag erschienene Studie Rassismus und Geschichtsmetaphysik. Esoterischer Darwinismus und Freiheitsphilosophie bei Rudolf Steiner des jungen Autors Ansgar Martins verfolgt nun jedoch erstmals das Thema der „Rasse“ chronologisch durch Steiners gesamtes Werk hindurch.

In einem Interview in der November-Ausgabe der anthroposophischen Monatszeitschrift Info3 erläutert Martins seine Ergebnisse. Steiner habe im Vergleich zu Zeitgenossen, für die „Rasse“ und Abstammung entscheidende Faktoren waren, tatsächlich „eher auf der liberalen Seite“ gestanden und etwa in einem seiner Hauptwerke, der Philosophie der Freiheit, betont, dass „das Individuum niemals über „Gattungsmerkmale“ verstanden werden könne.“ Dennoch habe Steiner mit seiner Zuwendung zur Theosophie – 1902 wurde er Generalsekretär der deutschen Theosophischen Gesellschaft – auch deren Vorstellung einer kosmischen Evolution übernommen, die damals in Verbindung mit den weit verbreiteten Rassenstereotypen zum Bild von verschiedenen „Wurzelrassen“ führte, in denen sich die Menschheit als Ganze weiterentwickele. Anders als viele Anthroposophen, die Steiners Verwendung des Begriffs der „Wurzelrassen“ oftmals so deuten, dass er damit nur kulturelle Phasen gemeint habe, sieht Martins hier durchaus biologistische Aspekte im Vordergrund.

„Uns heute scheinen Individualismus und Rassismus unvereinbar, aber historisch ist das komplizierter“, betont Martins im Interview. „Es gibt hässlichen Antijudaismus bei Marx, rassistische Stereotype bei Kant, Hegel, sogar Hannah Arendt – und nicht zuletzt gibt es individualistische Töne als Teil völkischer Propaganda.“ Weder für die Anhänger noch für die Kritiker der Anthroposophie gebe es in dieser Hinsicht einfache Antworten: „Hier herrscht große Verwirrung, weil viele Anthroposophen meinen, der Autor einer Philosophie der Freiheit könne per se nicht rassistisch sein und viele Kritiker, der Rassist Steiner könne doch kein ‚echter‘ Individualist sein.“


 
 Ansgar Martins (Jahrgang 1991) studiert Religionsphilosophie, Soziologie und Geschichte in Frankfurt am Main. Derzeit ist er Hilfswissenschaftlicher Mitarbeiter an der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie. Seit 2008 hat er zahlreiche Artikel zu den Themen Anthroposophie, Esoterik und Rassismus veröffentlicht, u.a. bloggt er unter http://waldorfblog.wordpress.com.

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Buchinformation:
Ansgar Martins: Rassismus und Geschichtsmetaphysik
Esoterischer Darwinismus und Freiheitsphilosophie bei Rudolf Steiner
Info3-Verlag, Frankfurt am Main 2012
Kontext Band 13, 176 Seiten, kartoniert, € 14,80
ISBN 978-3-924391-63-8

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Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse

Von Georg Wahrmund, Februar 2011  Uwe Werner, Autor des Buches »Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)«, setzt sich in einer soeben erschienenen Studie kenntnisreich und detailliert mit Rudolf Steiners Engagement gegen Rassismus und Nationalismus auseinander. Seine Untersuchung ist ein wesentlicher Beitrag zur Klärung des Begriffes der Anthroposophie, dessen Verständnis gegenwärtig von einer Reihe tendenziöser Interpretationen und Entstellungen erschwert wird.  Werner untersucht Steiners Auffassungen in verschiedenen Lebensphasen und arbeitet eine gleichbleibende Grundüberzeugung heraus: die Geschichte zielt auf die Emanzipation der geistigen Individualität von jeder Art der Fremdbestimmung. Freiheit und Befreiung sind Kernmotive in Steiners Denken. Er versteht Geschichte als Ermöglichungsgeschichte menschlicher Freiheit, die sich als Individualisierung vollzieht, als Befreiung des einzelnen Individuums aus Kollektiven. Die Anthroposophie wird von Steiner als Vehikel dieser Individualisierung aufgefasst. Aus dieser Kernüberzeugung ergibt sich ein erhellender Blick auf Steiners Verständnis möglicher somatischer Differenz: sie wird als historischer Untergrund der menschlichen Freiheitsgeschichte lesbar. Steiner ging es bei seinen Ausführungen über Rassen und Völker nie um die Zuschreibung feststehender Eigenschaften, um »Essentialisierung«, sondern gerade um Befreiung von solchen Eigenschaften. Die meisten Kritiker, die Steiner Nähe zum Rassismus unterstellen, blenden diesen entscheidenden Gesichtspunkt aus und gelangen daher zu Interpretationen, die Steiners Intentionen auf den Kopf stellen.  Werner geht in seiner Studie auch auf die Frage ein, wie Anthroposophen den Nationalsozialismus einschätzen und Nationalsozialisten die Anthroposophie. In diesem Teil seiner Arbeit bewahrheitet sich die Richtigkeit seines Interpretationsansatzes: die historische Nagelprobe zeigt die Unvereinbarkeit einer Ideologie des Rassenkollektivismus und der emanzipatorischen Form der anthroposophischen Spiritualität. Werner verschweigt nicht die wenigen Einzelnen, die dem Irrtum erlagen, das nationalsozialisitische Regime könne auf Dauer den renitenten Individualismus und Kosmopolitismus der Anthroposophen dulden, aber er zeigt auch, dass auf beiden Seiten das klare Bewusstsein eines unüberwindbaren Antagonismus vorhanden war. Immer wieder kommt Werner im Verlauf seiner Untersuchung auf Helmut Zander und seinen fragwürdigen Umgang mit historischen Wahrheiten zu sprechen. Wie schon die Untersuchung »Zanders Erzählungen« von Lorenzo Ravagli (Berliner Wissenschaftsverlag 2009) zeigen auch Werners Detailanalysen, dass Zander kein unvoreingenommener, objektiver Interpret der Anthroposophie ist, sondern seine eigene verdeckte Agenda verfolgt. Jedem, der an einem differenzierten Urteil auf diesem heiß umkämpften Gebiet interessiert ist, kann Werners Studie nur dringend empfohlen werden.   Uwe Werner: Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse. Sein Engagement gegen Rassismus und Nationalismus, 152 S., Verlag am Goetheanum, Dornach 2011.

 
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Pressekontakt:

Medienstelle Anthroposophie Laura Krautkrämer
Tel. +49 (0)6171 923-390

medienstelle@info3.de

Über die Medienstelle Anthroposophie
Die im Frankfurter Info3-Verlag ansässige Medienstelle Anthroposophie ist ein unabhängiges Portal zu den auf Rudolf Steiner zurückgehenden kulturellen und sozialen Impulsen. Sie informiert über relevante Vorgänge der anthroposophischen Bewegung und bezieht Stellung, wenn Anthroposophie im gesellschaftlichen Kontext gefragt ist oder auch selbst in der Kritik steht. www.medienstelle-anthroposophie.de

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