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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Schuld - Last und Anlass

Juni-Ausgabe der Zeitschrift “Die Christengemeinschaft”

Im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe steht das Thema Schuld.

Inhaltsverzeichnis:

hingeschaut

Mindesthaltbarkeit
Ulrich Meier

Künstlerporträt
Petra van Oy

Leben mit dem Evangelium |
Das Denken nach dem Denken
Tom Ravetz

Thema

Schuld – Last oder Anlass?
Peter Bruckmann

Sünde und Schuld
Karl Schultz

Das Böse im Menschen
Milan Horák

Was passiert nach Clausnitz und Tröglitz?
Ulrich Meier

Die doppelte Gretchen-Frage 
Jörg Ewertowski

religiöses Leben

Bewegungen des Glaubens |
VI. Todesruhe und Todeswandel
Ulrich Meier

Verzeihen und vergeben
Ruth Ewertowski

Die »Feuertaufe« als eine dritte Taufe          
Bertolt Hellebrand

Pfingstlicher Stachel
Susanne Gödecke

Sternfahrt – nur mit dem Auto oder dem Fahrrad?
Martin Merckens

Versuch, den Sinn zu ändern
Knut Rennert

Ernster Brief an einen alten Freund
Engelbert Fischer

Austausch

Zum Beitrag von Barbara Wagler
»Die Christengemeinschaft: aus der Zukunft wirken – bewegen – erneuern« (II)
Ernst-Jörg von Studnitz

Zur Artikelreihe »Verzeihen und vergeben«
von Ruth Ewertowski
Christoph Lesigang

Biografisches

Requiem für die Mutter
Maria Breckwoldt

Die Suche nach Geistberührung als Impuls für die Musik der Gegenwart
Knut Rennert

Bücher

Von Engeln weiter berichtet (Benka)            
Frank Hörtreiter

»Gottes zerstreute Funken« –
Scherben werden Licht (Sünner)
Frank Hörtreiter

Abschied vom alten Modell Kirche (Frings)
Ulrich Meier

Martin Luther
Michael Wiehle

Veranstaltungen

Impressum

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Auszug aus der aktuelle Ausgabe:

Das Böse im Menschen

von Milan Horák | Aus dem Tschechischen von Fritjof Winkelmann

ie überwiegende Mehrheit von dem, was wir in der Welt um uns herum als das Böse empfinden, ist Folge menschlichen Handelns. Vielleicht wird manchem diese Behauptung angesichts der sich häufenden Naturkatastrophen unserer Tage zu gewagt erscheinen. Aber auch Katastrophen, die wir der Natur zuschreiben, sind meistens doch nicht so »natürlichen« Ursprungs. Fast immer können wir bemerken, dass ihr Umfang, ihre Reichweite und manchmal sogar auch ihr Entstehen das Ergebnis menschlicher Einwirkung ist, geprägt durch Rücksichtslosigkeit, Gleichgültigkeit oder Unfähigkeit. Wenn wir daher fragen, von woher das Böse kommt, worin es besteht und wie wir damit umgehen können, müssen wir uns zunächst fragen, wie man das Böse im Menschen selbst überwinden kann.

Ziemlich verbreitet scheint die Vorstellung zu sein, dass einige Menschen schlichtweg böse seien und daher unweigerlich böse handelten. Daher dürfte es also eigentlich ausreichen, böse Menschen zu beseitigen. Die Geschichte lehrt uns natürlich, dass eine solche Vorstellung falsch ist. Schon viele Versuche, einzelne Böse herauszugreifen und aus der menschlichen Gesellschaft zu entfernen, endeten nur in einem noch größeren Bösen. Das Böse ist also offensichtlich nicht auf bestimmte Gruppen von Menschen beschränkt, sondern ist in der Seele eines jeden Menschen zugrunde gelegt. Jeder von uns ist imstande, Böses zu tun, und jeder von uns tut es mitunter wirklich.

Der böse Feind

Um zu verstehen, wie das Böse in unserer Seele entsteht und wirkt, schauen wir auf das schlimmste Beispiel des Bösen in der gegenwärtigen Menschheit, auf den Krieg. Unsere Beobachtungen können wir dort beginnen, wo der Krieg am deutlichsten zu Tage tritt, in konkreten bewaffneten Zusammenstößen, in denen der Soldat der einen Seite den Soldaten der anderen Seite tötet. Was bringt einen Menschen dazu, auf einen anderen Menschen zu zielen und ihn zu töten? Vor allem liegt es wohl daran, dass ihm der Fremde in diesem Moment kein Mensch ist, sondern der »Feind«. In der Person, auf die er zielt, sieht der Soldat nicht einen bestimmten Menschen, sondern er sieht ein Wesen in der Uniform der feindlichen Seite, das zu vernichten ist. Es ist nicht wichtig, was für ein Mensch der andere wirklich ist, welche Vorzüge und Schwächen er hat, wie er sich in seiner Umgebung verhält, welche Ansichten und Lebensziele er hat; entscheidend ist allein seine Zugehörigkeit zu einer der Kriegsparteien. Ohne den Begriff des Feindes wäre Krieg nicht möglich. Ohne die Schubladen, in die Menschen zu Tausenden gesteckt werden, könnten Kriege nicht geführt werden. Ein unvermeidbarer Teil der Kriegspropaganda ist daher die Schaffung schematischer Feind­bilder, die die individuellen Züge der Menschen verwischen und sie zu bloßen Massenobjekten machen. Persönliche Treffen mit Angehörigen der anderen Partei, die dieses Bild stören könnten, kommen des­wegen nur in der Vorbereitungsphase eines Krieges vor – das Verbot des Aufenthalts im »Feindesland«, das Verbot der geschäftlichen und kulturellen Annäherung an den »Feind«, die Isolierung oder gewaltsame Trennung gemischter Familien sind häufige Begleiterscheinungen von Kriegsvorbereitungen. Die ganze Welt muss in »wir« und »die« aufgeteilt werden. Wer nicht zu »uns« gehört, darf nichts mit »uns« gemeinsam haben; wer zu »denen« gehört, muss vernichtet werden. Die Kraft, die in der Seele des Menschen das schematische Bild des Feindes erzeugt, ist allgemein menschlich und übt ihre Wirkung bei weitem nicht nur im Falle des Krieges aus.

In Friedenszeiten, wenn wir in der Regel keinen klar bezeichneten Feind haben, zeigt sie sich darin, dass wir Menschen in verschiedene Gruppen einteilen: mit ihren Zugehörigkeiten im Lebensalltag. Auf der Grundlage der Nationalität, der Hautfarbe, der sozialen und der gesundheitlichen Situation, des Alters, Geschlechts oder anderer äußerlicher Merkmale, stecken wir unser Gegenüber in eine Schublade und schreiben ihm Eigenschaften zu, mit denen wir die ganze Gruppe bezeichnen. Wir hören auf, wahrzunehmen, wie es in Wirklichkeit ist, sondern wählen aus einer breiten Vielfalt der Erscheinungen nur diejenigen aus, die mit unseren Vorstellungen übereinstimmen. Wenn wir einen Menschen vor uns haben, den wir zum Beispiel als »behindert« einstufen, sehen wir nur den Behinderten und übersehen die persönlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Erfahrungen, Interessen, Meinungen und Sitten; wir gehen so mit ihm um, wie man unserer Vorstellung nach mit einem Behinderten umgehen soll, nicht aber gemäß seiner unverwechselbaren menschlichen Persönlichkeit.

Unkenntnis macht Sünde aus

Das In-Schubladen-Stecken zeichnet sich in einem messbaren Anteil am Entstehen des Bösen zwischen den Menschen aus. Es ist jedoch nicht die einzige Kraft, die dabei eine Rolle spielt. Kommen wir zurück auf das Beispiel des Krieges und stellen uns einen Menschen vor, der am Krieg gerade nicht teilnimmt, noch der Versuchung erliegt, jemanden schematisch als Feind zu betrachten. Er versucht damit, den Krieg nicht zu unterstützen, vermeidet, für die Waffenindustrie zu arbeiten, und liest auch Bücher von geistigen Größen der »feindlichen« Nation. Dennoch aber hat er sein Geld auf einer Bank angelegt, die in die Waffenindustrie investiert. Hiervon hat unser Kriegsgegner nicht die leiseste Ahnung. Er hat keine volle Kenntnis von der Bedeutung seiner Handlung und leistet damit trotzdem unbewusst einen Beitrag zur Erhaltung des Krieges. Der Krieg wäre natürlich nicht möglich ohne konkrete Ausführende, die mit vollem Bewusstsein ihrer Stärke den Feind auslöschen. Damit er sich aber voll auswirken kann, bedarf er im großen Maße der indirekten Unterstützung, die von Menschen unbewusst zur Verfügung gestellt wird. Dieser Mechanismus der Wirksamkeit des Bösen ist wiederum nicht nur auf den Krieg begrenzt. Bei nahezu jedem Einfluss des Bösen, bei beinahe jeder Qual, mit der wir Menschen das Leben schwer machen, beteiligt sich eine große Anzahl von Menschen, die niemandem etwas zuleide tun wollten, oder die am Ende sogar glaubten, dass sie jemandem helfen würden. Die Welt ist voll von Menschen, die an ihren Nächsten ein nicht geringes Böses verursachten, obwohl sie »guter Absicht« waren. Wir sind permanent in Gefahr, das Böse in guter Absicht zu tun.

Als anschauliches Beispiel dafür sind die heute weit verbreiteten kommerziellen Wohltätigkeitsveranstaltungen, bei denen das gemeinnützige Geschenk an den Kauf eines bestimmten Produkts gebunden ist. Der Hersteller oder Verkäufer verpflichtet sich, dass er für jedes verkaufte Stück einen Betrag zu einem gemeinnützigen Zweck abführt. Der Kunde wählt zwischen Produkten verschiedener Firmen von nahezu gleichem Preis und gleicher Qualität und – bewegt von der Idee einer guten Tat – entscheidet sich für das Produkt einer Firma, die verspricht, dass von 100 bezahlten Euro für das Produkt 1 Euro für eine gottgefällige Wohltätigkeit verwendet wird. Dabei bleibt es freilich ein Geheimnis, wie die Firma die übrigen 99 Euro verwendet, die der Kunde bei seinem Kauf zur Verfügung gestellt hat; er weiß nicht, welche ökologischen oder sozialen Auswirkungen das Produkt hat, das er mit seinem Geld zu finanzieren hilft. So kann es leicht passieren, dass der Käufer des »wohltätigen« Produkts mit einem Euro behinderten Kindern hilft, aber mit 99 Euro zur Verbreitung umweltzerstörender Gifte beiträgt, was dazu führt, dass mehr behinderte Kinder geboren werden.

Begrenztes Herz

Ein Mensch, der weder direkt noch indirekt Böses tut und zugleich darauf achtet, dass die Wirkung seines Handelns auch nicht unbewusst das Böse bewirkt, muss deswegen noch nicht frei ­davon sein.

In unserem Beispiel mit dem Krieg können wir uns einen Menschen vorstellen, der sich nicht an der Kriegsmaschinerie beteiligt und sie auch nicht auf unbewusste oder verdeckte Weise unterstützt. Er lebt am anderen Ende der Welt, wo unser Krieg nicht tobt; sein Geld hat er nur auf alternativen ökologischen Banken und er kauft keine Produkte von Konzernen, die in Rüstung investieren oder von anderen bedenklichen Industrien. Mit dem Krieg hat er und will er auch nichts zu tun haben. Er ist ihm gleichgültig, er berührt ihn nicht, er ist nicht seine Sache. Gerade aus dieser Gleichgültigkeit entwickelt sich jedoch ein weiterer Wirkungsbereich des Bösen. Wenn wir gleichgültig gegenüber dem sind, was andere machen, erteilen wir innerlich ihrem Handeln unsere Erlaubnis. Erlaubnis bedeutet aber zumindest auch innerliche Zustimmung. Gleichgültigkeit und Mangel an Mitgefühl sind Vorstufen zur Billigung des Leidens anderer. Es gibt großes Leid, das uns unmittelbar schmerzt, weil es uns direkt betrifft oder unseren Nächsten. Das Leid eines Anderen berührt uns nur indirekt oder von Weitem und schmerzt uns weniger. Von einer bestimmten räumlichen oder seelischen Entfernung aus schmerzt uns das Leiden anderer überhaupt nicht mehr. Unsere Fähigkeit, es mitzuerleben, ist begrenzt. Was sich hinter den Grenzen unseres Herzens befindet, darum sorgen wir uns nicht; und wir ermöglichen so ein weiteres Feld zum Einwirken des Bösen.

Der verbindende Geist

Schematisches Beurteilen, Unkenntnis der Zusammenhänge und eingeschränktes Mitleid sind unsere natürlichen Neigungen. Schon bei der Geburt in die irdische Welt sind sie in uns angelegt; sie sind Teil unserer seelischen Ausstattung, die jeder von uns auf der Grundlage der natürlichen Angehörigkeit zur menschlichen Gattung erwirbt; sie sind Schlüsselkomponenten zu dem, was die Theologie »Erbsünde« nennt. Diese drei seelischen Kräfte ermöglichen das Einwirken des Bösen und begleiten den Menschen schon seit Vorzeiten; aber schon von Beginn der Kulturentwicklung an kennt die Menschheit eine Methode, die dem Menschen hilft, die bösen Kräfte Schritt für Schritt zu überwinden. Diese Methode nennen wir gemeinhin »Religion«. Das Wesen der Religion ist die innere Verbundenheit mit der geistigen Wirklichkeit, die alle Menschen und auch die ganze Welt durchdringt. Richtig verstandenes religiöses Lernen prägt dem Menschen das Bewusstsein ein, dass er trotz seines beschränkten subjektiven Geistempfindens durch den wirklichen Geist mit allem verbunden ist, was ihm begegnet. Religiöses Handeln führt ihn auf dem schrittweisen Weg der Annäherung der eigenen Seele zum allgegenwärtigen Geist. Grenzen, die die Seele in ihrem Verständnis für andere Wesen einengen, in ihrem Bewusstsein für die Zusammenhänge der Welt, in ihrer Fähigkeit zu Mitgefühl, erweitern sich bis zum Augenblick des völligen zusammenfließenden Umfangens der ganzen Welt. Das meint der bekannte Satz von Jesus Christus: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40). Das Bewusstsein erwacht in uns, dass alles, was uns in der Welt begegnet, durchdrungen ist vom Geist Gottes, aber er drückt auch aus, wohin man auf dem Weg der Nachfolge Christi gelangen soll. Das Ziel des religiösen Weges besteht darin, die Grenzen zu überwinden, die uns von anderen Wesen trennen und in ihnen so zu leben wie in uns selbst.

Drei Tugenden

Gegen die drei begrenzenden Kräfte der Seele, die uns dazu führen, Böses zu tun, stellt die Religion positive Kräfte, mit denen wir uns ausrüsten können und Schritt für Schritt in unserem Seelengebiet vermindern können, was dem Bösen unterliegt. Die Evangelien nennen diese Kräfte im griechischen Original »dikaiosyne«, »metanoia« und »eleémosyné«, was wir gewöhnlich bei Weitem nicht so geschickt mit den Worten übersetzen: »Gerechtigkeit«, »Buße« und »Barmherzigkeit«.

»Gerecht« im Sinne der Evangelien ist ein Mensch, der es versteht, so gegenüber jedem Wesen zu handeln, wie es diesem gerade zukommt, ohne Rücksicht auf eine Eingruppierung, in die er gemäß äußeren Urteils gehören sollte. Als gerecht bezeichnet das Evangelium zum Beispiel Josef, den Ehemann der Maria. Als er sich die Schwangerschaft seiner Frau nicht erklären konnte, übergab er diese nicht zur Steinigung, wie es das Gesetz vorgeschrieben hätte, sondern er entschied sich, nach einer anderen, wirklich gerechten Lösung zu suchen. Dank dieser Offenheit war es möglich, dass ihn ein Engel aufsuchte, um ihn zu einer gerechten Entscheidung zu führen.

»Buße« bedeutet gemäß den Evangelien nicht das bloße Bedauern begangener Übertretungen, sondern vor allen Dingen die Wandlung des Denkens im Verhältnis zu sich und zur Welt. Ein Mensch, der Buße tut, ist sich den nahen und fernen Folgen seines Handels bewusst. Sobald er daran auch einen Anteil des Bösen erkennt, ändert er mit bedingungsloser Notwendigkeit sein Verhalten. Das Jesuswort »Sündige nicht mehr« begleitet viele in den Evangelien beschriebene Heilungen und ist ein Hinweis auf die Notwendigkeit eines solchen Bewusstseins – auf das Entstehen dessen, was uns im Leben erwartet und in großem Umfang an unseren eigenen Taten Anteil hat; jede äußere Heilung kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie auch von einer Änderung des Handelns begleitet wird gegenüber einer Welt, in der alles miteinander verbunden ist.

Die in den Evangelien beschriebene »Barmherzigkeit« schließlich hat wenig gemeinsam mit einer puren »Weichherzigkeit«, wie sie von den meisten Zeitgenossen aufgefasst wird. Grundlage der Barmherzigkeit dagegen ist tätiges »Mit-fühlen«, »Mit-empfinden«, das uns in die Lage versetzt, die Situation auch aus der Lage des Duldenden zu sehen und dementsprechend zu handeln. Ein barmherziger Mensch fühlt das Leiden um sich herum wie das eigene Leiden; im Leiden aber findet sich kein Grund zur Wehmut, sondern zur aktiven Teilnahme; alles davon betrifft ihn, alles ist auch seine Angelegenheit.

Das bekannteste Beispiel von Barmherzigkeit in den Evangelien ist der Samariter, der einen ausgeraubten und verletzten Menschen am Wegesrand erblickte; er fing nicht an, ihn zu bedauern, er rang nicht über ihm die Hände und empörte sich dabei über die Verdorbenheit der Welt, sondern er versorgte ihn medizinisch, brachte ihn zu der nächstgelegenen Gaststätte, bezahlte ihm den Aufenthalt für die Zeit seiner Genesung und versprach, nach ein paar Tagen wieder vorbeizukommen – damit übertrug er einen Teil vom Schicksal des Leidenden auf sich.

Der Mensch hat, wie wir gesehen haben, von Natur aus die Neigung zum Bösen in sich; die wichtigste Bastion des Bösen in der Welt ist in der menschlichen Seele selbst. Die Möglichkeiten des Bösen beruhen auf der Tatsache der Trennung des Menschen von Gott, woraus das lasterhafte »In-Schubladen-Stecken« und die Unwissenheit in Verbindung mit Gleichgültigkeit gegenüber den entfernten Leiden geboren wird. Dagegenhalten können wir jedoch die Tugenden der Gerechtigkeit, der Buße und der Barmherzigkeit, mit denen wir es schaffen, in uns selbst abzuweisen, was vom Bösen gelenkt ist und sich in unseren Seelen ausbreiten will. Ihre Quelle ist die Wiedervereinigung des Menschen mit Gott – ein gegenseitiges Annähern, geführt vom gemeinsamen Streben des Menschen mit Gott.  

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