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Wie aktuell die Schicksalsfragen sind, zeigt der Zustand der Welt bei Natur- und Zivilisationskatastrophen, in Biotechnologie und Medizin, und zeigen die seelischen Anliegen der Menschen. Sie gehören zur kulturgeschichtlichen Aufgabe der Anthroposophie, zu ihrer Mitarbeit am Grundstein einer Zivilisation der Zukunft.

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»Alles, was uns forttreibt, ist zugleich Ausdruck einer unendlichen Sehnsucht, bei uns selbst anzukommen«, so der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann über Reise und Heimkehr des Odysseus. Gleichzeitig macht Liessmann damit grundlegende Aussagen über die Natur des Menschen und seine Beziehung zur Welt: Ist der Impuls des Fortgehens ein universaler Weg, um zu sich selbst zu finden?

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Das Barometer der Corona-Pandemie – die vielbesungene Inzidenz – sank. Erstmals seit über einem Jahr versammelten sich daher in der Documenta-Halle 50 Schüler leibhaftig zum Kasseler Jugendsymposion mit dem Thema: »Conditio humana«. Gefragt wurde: Was zeichnet den Menschen, aber auch das Leben aus, das wir führen? Was heißt es, in brüchiger Zeit Mensch zu sein?

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Einstellungen und Reaktionen bei Menschen mit einem anthroposophischen Hintergrund während der Corona-Pandemie

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Die International Students’ Conference vom 31. März bis 3. April 2021 war die vierte in einer Reihe von Tagungen, die sich an Schülerinnen und Schüler aus aller Welt richten. Sie findet alle zwei Jahre statt – dieses Jahr jedoch anders als sonst voll digital.

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Trust | Vertrauen

Mitteilungen aus dem anthroposophischen Leben

 

Das Thema

In einer Zeit, in der die Schule in den meisten Teilen der Welt ausschließlich digital stattfindet, in der die Freiheiten des Menschen – zum Schutze aller – weitestgehend eingeschränkt sind, in der politische Konflikte und Generationenkonflikte präsenter und angespannter denn je sind, fanden wir eine Auseinandersetzung mit dem Thema Trust (Vertrauen) passend.

Wir haben Vertrauen in drei Ebenen unterteilt: die persönliche, in der es um das Vertrauen zu sich selbst und das Selbstbewusstsein geht, die zwischenmenschliche und die gesellschaftliche.

Die Tagung

Die viertägige Tagung wurde von vier Vorträgen begleitet, die von »Impulses for the Day« eingeleitet wurden. Mit diesen Impulsen haben wir als Tagungsteam eine thematische Richtung aufgezeigt, die dann im Vortrag aufgegriffen wurde und mit der sich die Teilnehmer im Lauf des Tages beschäftigen sollten.

Der erste Tag war der Frage gewidmet, was Vertrauen ist. Constanza Kaliks, Leiterin der Jugendsektion am Goetheanum, ist in ihrem Vortrag auf den Weg, den wir in der Jugendsektion über die letzten Jahre in Richtung Vertrauen erlebt haben, eingegangen und wie wir Vertrauen lernen können. Entlang einer Publikation der UNESCO aus dem Jahr 1996 haben wir uns der Frage, wie man Vertrauen erlernen kann, genähert.

Der zweite Tag stand unter dem Impuls, wie »Gegenseitiges Vertrauen aufgebaut ist« (»How is Trust built between us?«). Rodrigo Rubido – ein brasilianischer Architekt, Sozialunternehmer und Teil einer Organisation, die soziale Bildung und Gemeindeentwicklung unterstützt – berichtete darüber, wie er in seinem Arbeitsalltag den Aufbau von Vertrauen in diesen Gemeinden wahrnimmt. Basis, wie dieses Vertrauen aufgebaut werden kann, ist eine Sieben-Schritte-Methode, bei der es darum geht, nicht zu urteilen und die Schönheit und das Potenzial zu sehen, das jede Gemeinschaft mit sich bringt.

Arizza Nocum ist Mitbegründerin und Präsidentin von KRIS, einer gemeinnützigen Organisation, die Bildung als Weg zum Frieden auf den Philippinen einsetzt. In ihrem Vortrag am dritten Tag stand die Frage des Impulses »Wie wird Vertrauen in der Gesellschaft wieder aufgebaut?« im Zentrum. Sie erklärte uns, dass Bildung Schülerinnen und Schülern ermöglicht, eine Situation, die chaotisch ist, zu verstehen und sich dann einer Lösung und »Entwirrung« zu nähern.

Der letzte Tag begann mit Ha Vinh Tho, Gründer des Eurasia Learning Institute for Happiness and Wellbeing und ehemaliger Direktor des Gross National Happiness Center in Bhutan, mit seinem Vortrag zu dem Impuls »Wie können wir Vertrauen wieder aufbauen?« Ha Vinh Tho sprach über das dreifache Fundament des Vertrauens, das in drei »Pflegschaften« besteht: für sich selbst, für andere und die Gesellschaft und den Planeten (Natur und Umwelt).

Die Vorträge und Impulse waren zentraler Inhalt der Gesprächsgruppen. Um über den Tag auch wieder Abstand zum Thema zu bekommen, gab es zusätzlich Workshops, die nicht unbedingt etwas mit dem Thema zu tun hatten (z.B. Singen, Astrologie, Yoga und Fotografie) und »Offene Aktivitäten«. Wir wollten auch im Digitalen diese Interaktion anbieten und so konnten die Teilnehmer während dieser Zeit eigene Räume auf unserer Tagungsplattform anlegen, um dort andere Schüler kennenzulernen. Es war beeindruckend, zu sehen, dass sich dort wirklich viele gefunden haben, um sich zu unterhalten, Spiele zu spielen und Musik zu machen. Nach den vier Tagen kam eine unbeschreibliche Resonanz von den Schülern, aber auch von den Lehrkräften und den Eltern, dass sie etwas Abwechslung in den sonst so tristen digitalen Alltag gebracht hätten.

Im Januar 2020 hätten wir wahrscheinlich eine digitale Tagung für ein total absurdes Unterfangen gehalten – jetzt stellen wir fest, dass es während dieser außergewöhnlichen Zeit unglaublich wichtig ist, Interaktionen auch im digitalen Raum zu ermöglichen.

Die Inhalte der Tagung sind im Archiv der ISC auf freiwilliger Spendenbasis abrufbar. Im Booklet über die Tagung wird das Konzept, die Planung und Durchführung mit Artikeln des gesamten Teams detailliert erklärt (60 Seiten, Englisch).

Zum Autor: Tim Lucas Bauer ist ehemaliger Schüler der Freien Waldorfschule Wendelstein, ehemaliges Vorstandsmitglied der Waldorf SV und arbeitete zusammen mit Vincent Eichholz von Oktober 2020 bis Mai 2021 in der Jugendsektion am Goetheanum als Hauptorganisator der International Students Conference (ISC).

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