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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Übereinstimmung

Stilles Glück

Von: Mathias Wais/ Christengemeinschaft

Aus der aktuellen Ausgabe September 2016:

Was ist Glück, stilles Glück zumal? Kann man es beschreiben, erklären gar? Jeder kennt Momente stillen Glücks. Jedoch ist es, wie Sigmund Freud formulierte, »ein episodisches Phänomen«, nicht festzuhalten. Im Neuen Testament kommt das Wort überhaupt nicht vor (­wieso?). Der Himalaya-Staat Bhutan andererseits verfügt über ein »Ministerium für Glück«. Kinder scheinen oft glücklicher oder anhaltender glücklich als Erwachsene, wohl weil ihnen nicht gleich das nächste »Aber« in den Kopf kommt, wie es uns Erwachsenen oft reflexartig geschieht. Umso wichtiger scheint es, dass wir auch in Phasen der Sorge und der Ängste frühere Momente stillen Glücks uns vergegen­wärtigen. Im Laufe der Biografiearbeit bitte ich Ratsuchende, die ja nicht Glücks wegen Beratung aufsuchen, sondern weil sie in Sorgen und Nöten stecken, immer wieder einmal, sich Glücksmomente, die sie ja alle irgendwann erlebt haben, in Erinnerung zu rufen. Eine ältere Dame, die wegen Ängsten vor dem Alleinsein zur Beratung kam, erzählt auf meine Anregung hin diese Episode: Mit sechs Jahren habe sie sich vom Christkind sehnlich ein Fahrrad gewünscht. Sie verband damals damit die Möglichkeit, ja, das Recht, sich selbständig bewegen zu können, auf eigene Faust den weiteren Umkreis ihres Elternhauses erkunden zu können. Weihnachten dann stand tatsächlich ein Fahrrad vor dem Tannenbaum. Ein Glücksgefühl habe sie geradezu durchflutet. Das Wesentliche war ihr nicht das Fahrrad als materielles Geschenk, sondern dass das Christkind, eine höhere Instanz also, ihre Sehnsucht nach Selbständigkeit anerkannt hatte. Ihr Wunsch war mithin berechtigt gewesen. Sie fühlte sich »von dort oben« nicht nur akzeptiert, sondern geradezu ermuntert, ihrer Selbständigkeitssehnsucht nun auch nachzukommen. Es war ein stilles Glück. Sie habe nur leise »Danke, Christkind« gesagt und vor den Eltern nichts weiter zu dem Fahrrad kommentiert. Sie hätten ihr Glücks­gefühl wohl nicht verstanden. Denn schon seit sie überhaupt den Wunsch geäußert hatte nach einem Fahrrad, hätten die Eltern nur Bedenken gehabt: zu früh, zu gefährlich und ob sie sich denn überhaupt in der Gegend so auskenne, dass sie alleine umherfahren könnte. Sie hatte ihnen dann bald nichts mehr von dem Wunsch gesagt, sondern ihn nur vor Weihnachten auf den Wunschzettel gleich als Erstes geschrieben, den sie dann nachts, als die Eltern schliefen, aufs Fensterbrett legte. Ein innerster Glücksmoment nun. Eine Sache nur zwischen ihr und dem Christkind. Ein Geschäftsmann, Leiter eines Familienunternehmens, das er ursprünglich gar nicht hatte übernehmen wollen, suchte Beratung, weil er sich ständig gestresst und wie von sich selbst abgezogen fühlte durch die tägliche Termin­hetze und den permanenten Entscheidungsdruck. Auf dem Hintergrund eines eigentlich eher bedächtigen und kontemplativen Wesens war ihm dieser Druck zuwider. Auf meine Frage hin, ob er einen Glücksmoment erinnere, erzählt er: Er wohne nahe einem kleinen Fluss, den er von seinem Wohnzimmer aus sogar sehen kann. Nur am Rande bemerkte er seit Jahren die vorbeifahrenden Ruderer, Kajak- und Kanufahrer, wie sie lautlos vorbeiglitten. Erst auf die Anregung eines Freundes hin sei er auf die Idee gekommen, selbst Kanu zu fahren. Bereits bei seiner ersten Paddeltour – ohne weitere Anleitung begonnen, als ob er nie etwas anderes getan hätte – seien ihm vor Glück die Tränen in die Augen gekommen. Hier, im meditativen Gleiten durch das Wasser, die Uferflora an sich vorbeiziehen lassend, habe er sich wie eins mit der leichten Strömung gefühlt, und vor allem: eins mit sich selbst. Als ob sein Schicksal ihm hier das Einssein mit sich selbst, seiner kontemplativen Wesensart, zugestehe. Von einem etwas anderen Glücksmoment berichtet eine alleinerziehende Mutter, deren Kinder nun langsam flügge wurden. Sie sah sich vor der Frage, ob und wie sie wohl ins Berufs­leben zurückkehren könnte, auch aus finanziellen Gründen. Sie hatte seinerzeit Bürokauffrau gelernt, konnte gut mit Zahlen umgehen und hatte in der Buchhaltung einer großen Kosmetik­firma gearbeitet. Ob sie nun, nach 15 Jahren, in solchen Zusammenhängen noch einmal einen Arbeitsplatz finden würde? – Nach dem Besuch einer sterbenden Tante, die in einem Hospiz ihr Leben zu Ende brachte, offenbarte sich ihr plötzlich, auf dem Heimweg, in der Straßenbahn, die Möglichkeit, sterbende Menschen zu begleiten, auf sie einzugehen und ihre Würde bis zu ihrem Ende zu bewahren, als ein zwar völlig neuer, aber wie doch zu ihr gehörender Sinnbezug. Sie stieg aus, fuhr zurück und unangemeldet, mit mächtigem Herzklopfen, bat sie die Hospizleiterin um ein Gespräch. Zu ihrer Verwunderung wurde sie ohne Umschweife ins Büro gebeten. Sie wolle sich bewerben, sagte sie. Erschrocken über ihren eigenen Mut – »Bist du größenwahnsinnig?« rief es in ihrem Kopf, »du hast keinerlei Ausbildung dafür« – stellte sie sich vor. Wenige Tage später konnte sie dort ein Praktikum antreten. Danach schlug man ihr vor, einen Kurs für Ehrenamtliche in der Hospizarbeit zu absolvieren. Und kein halbes Jahr darauf war sie Mitarbeiterin im Hospiz. Ehrenamtlich. Von Geld verdienen war keine Rede. Geld war plötzlich unwichtig. Sie würde mit dem Unterhalt ihres geschiedenen Mannes auskommen. »Ein Glücksgefühl durchströmte mich, weil ich etwas erkannt und mich auf etwas eingelassen hatte, das ich nie gesucht hatte. Ja, das ich zunächst oder von früher her gar nicht als zu mir gehörig gesehen hatte. Aber jetzt war es ganz meins. Das war ich: die Sterbebegleiterin im Hospiz.« Der gemeinsame Nenner solcher Glückserlebnisse scheint also darin zu liegen, dass sich plötzlich eine Übereinstimmung einstellt. Da kommt wie von einer anderen Dimension her etwas in die Wirklichkeit. Das Christkind, das Schicksal, eine innere Resonanz auf ein Erlebnis lassen in meinem Alltagsleben, in meiner Alltagsperson einen neuen und anderen Horizont nicht nur aufleuchten, sondern auch greifbar machen. So scheint das stille Glückserlebnis auf eine Art Grenzüberschreitung zurückzuführen zu sein, die mir zuteil wird. Aufgehoben im eigenen Schicksal Wir kennen das Streben nach Glück. Schon in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ist es niedergelegt. Aber das stille Glück wird mir geschenkt. Ich kann nicht nach ihm streben. Aber ich kann offen sein dafür. Und auf einmal bin ich aufgehoben im eigenen Schicksal, in der eigenen Wesensart, in einem ganz neuen, bisher vielleicht unvermuteten Sinnbezug. Kann solches Glück anders als ein stilles sein? Gibt es lautes Glück? Der Lottogewinn, der Zufall, der mich vor einem Verkehrs­unfall um Haaresbreite bewahrte, rufen auch ein Glücksgefühl hervor. Aber man spricht davon, will es allen mitteilen. »Seht her, was ich erlebt habe.« Das stille Glück ist innerlich. Man ist vollständig bei sich, vollständig eins mit dem eigenen Schicksal. Vielleicht können wir das stille Glück als Pendant zur Schönheit auffassen: Ein Kunstwerk, eine Landschaft sind »schön«, wenn sie vollständig mit sich selbst übereinstimmen und eben dadurch auf eine höhere Dimension hinweisen. Im stillen Glück ist die irdische Realität eins mit einer Idee, einer weitergehenden Sehnsucht, wohl mit dem höheren Ich unserer selbst, das unser Engel trägt. Wirklichkeit und eine höhere Dimension begegnen sich. Vielleicht darf man hieraus vermuten, weshalb im Neuen Testament das Wort »Glück« nicht vorkommt: Es ist überflüssig, denn die ganze Schrift erzählt von der Begegnung einer höheren Welt mit der irdischen Wirklichkeit und ist insofern eine Erzählung vom Glück des Menschen und der Erde.         *** Mathias Wais,
geboren 1948,
Dipl.-Psych., langjährige Beratungstätigkeit in einer Dortmunder Erziehungsberatungsstelle, Seminar- und Vortragstätigkeit, Worpswede
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