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anthroposophie.ch

Wir sind untrennbar mit der Welt verbunden und können durch unser Denken, Fühlen und Handeln als Ursache eine Veränderung in dieser hervorrufen

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atempo

Möge von den Freudefunken, den wir hier in der Redaktion immer wieder erleben, etwas auf Sie beim Lesen unserer Oktober-Ausgabe überspringen …

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dieDrei

Philosophie wird nur dann eine sinnvolle Zukunft erleben, wenn sie in Zeiten der Krise jenseits aller einlullenden Diskurse jene Fragen mutig zuspitzen wird, die das Menschsein in seinen lichtvollen Höhen und warmen Tiefen offenbaren können.

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erziehungskunst.de

Dieter Fuchs, Redakteur der Stuttgarter Zeitung, brachte es auf den Punkt: »11,4 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern werden gezwungen, Erwerbstätigkeit, Lernen und Kinderfürsorge irgendwie zu organisieren, in einer weitgehenden Isolation von anderen Menschen, die helfen könnten. 

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»Corona – eine Krise und ihre Bewältigung«

Was aber braucht es dann? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen?

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Foto: © javiindy / photocase.de

Vor allem für Familien mit kleinen Kindern ist das auf Dauer kaum machbar. Psychische und wirtschaftliche Probleme sind die Folge – Härten, die von der Politik bisher nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit bedacht werden. Das sollte sich ändern. (…) Es bedarf individueller Lösungen, organisiert womöglich von den Jugendämtern. Bildungsferne und arme Familien könnten sonst durch den Rost fallen. Und den Preis dafür zahlen vor allem die Kinder. Es droht eine Generation Corona.(…) Ihre Grundrechte auf Bildung, Freizügigkeit und sozialen Austausch werden ignoriert. Eine Gesellschaft, die Eltern und Kindern monatelang diese Last aufbürdet, wird einen hohen Preis dafür zahlen« (17. April 2020).

So wahr diese Worte sind, so wahr ist aber auch, was alles vor Ort von den Verantwortlichen in den Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen mobilisiert wird, um während der Zwangsschließungen Überbrückungsangebote zu machen, Online- und Telefonberatungen anzubieten und Solidarität zu zeigen. Denn sie wissen, was Kinder in Krisensituationen am allernötigsten brauchen – menschliche Verbindlichkeit, Präsenz und Nähe.

Die Präsenz von mindestens einem Erwachsenen, der ihnen das Gefühl geben kann, dass die Welt trotz aller Aufregungen um Corona in Ordnung ist, ist unabdingbar. Die Kinder brauchen den Schutz von Erwachsenen, die innere Sicherheit, Vertrauen in das Leben und die Zukunft sowie Ruhe und Zuversicht ausstrahlen. Denn alles, was die unmittelbare menschliche Beziehung vertieft und Nähe erlebbar macht, ist seelische Nahrung für die Kinder, die in solchen Zeiten fast noch wichtiger ist als das gute Essen auf dem Tisch.

Was aber kann man zu Hause und in der näheren Umgebung noch tun? Wenn die Erwachsenen
etwas gerne machen, fühlen sich Kinder angezogen und wollen mitmachen, sei es bei den häuslichen Tätigkeiten oder beim Spazierengehen.

Isolation und Digitalisierung

Eine der Begleiterscheinungen der Corona-Krise ist der enorme Bedeutungsschub, den die Digi-talisierung durch sie erfahren hat. Die soziale Isolierung verlagert die Kommunikation auf die elektronischen Medien, Grenzschließungen und Reiseverbote legen nahe, sich stattdessen virtuell zu treffen. Die Schulen machen E-Learning-Angebote, die Hausaufgaben kommen per Sprachbotschaften oder Mail-Anhängen, Erzieherinnen wenden sich per Videokonferenz an ihre Kinder. So wird der tägliche Kampf, die Bildschirmzeit zu begrenzen, noch mühsamer oder wird gar aufgegeben. Umso klarer muss an dieser Stelle gesagt werden, dass es nichts gibt, was eine gesunde Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen mehr untergräbt und beeinträchtigt als zu viel Bildschirmzeit in den Jahren der körperlichen Entwicklung. Ganz besonders in den ersten drei Lebensjahren, wenn sich das Gehirn am schnellsten entwickelt – daher lautet hier die goldene Regel: »Unter drei bildschirmfrei!«

Der Medienratgeber »Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt«, der vom Bündnis für humane Bildung erarbeitet und herausgegeben wurde, sei in diesem Zusammenhang dringend empfohlen. Besonders wichtig sind die positiven Hinweise, was man an die Stelle der Bildschirmzeit setzen kann, um Kindern altersgerechte Entwicklungsanregungen zu geben. Das menschliche Gehirn braucht etwa 16 Jahre, bis die Kontrollzentren im Frontalhirn soweit ausgereift sind, dass selbstständiges Denken, Verantwortungsgefühl und autonome Gewissensfähigkeit möglich sind.

Wie aber fördert man die Gehirnentwicklung am besten? Durch ganzkörperliche Aktivität! Sowie gehirngeschädigte Säuglinge mit Gymnastik behandelt werden und durch bestimmte Bewegungsmuster die geschädigten Areale Anreize zur Regeneration und Unterstützung aus nicht geschädigten Bereichen bekommen, so gehen interessanterweise auch die Empfehlungen zur Demenzprophylaxe in dieselbe Richtung. Nicht Kreuzworträtsel und Kopfrechnen werden empfohlen, sondern körperliche Geschicklichkeits-, Koordinations- und Bewegungsübungen. So sind auch die künstlerischen Tätigkeiten wie Malen, Plastizieren, Singen, Musizieren, Kasperle- und Puppen-Theater sowie die klassischen Schultätigkeiten wie z.B. das mühsame Schreiben lernen von Hand komplexe ganzkörperliche Aktivitäten, die die Gehirnentwicklung am nachhaltigsten fördern, tippen und wischen am Touchscreen hingegen nicht. Am Bildschirm werden die eigene Aktivität des Körpers und eine komplexe sensorische Integrationsarbeit weitgehend ausgeschaltet.

Was für Erwachsene mit ausgebildeten Gehirnstrukturen ein nicht so großes Problem ist, beliebig lange beruflich oder privat vor dem Bildschirm zu sitzen, ist für Kinder und Jugendliche eine permanente Fehlstimulation bei der Organreifung.

Was sind die Folgen? Man gewöhnt sich daran, jeweils im vorgelegten Schema angemessen zu reagieren. Fantasie, Empathie, selbstständiges Denken werden in ihrer Entwicklung gehemmt. Daher gilt in der Waldorfpädagogik der Grundsatz: Eigeninitiative fördern statt konsumieren, selbst die Dinge lernen, bevor man sie an den Computer delegiert – das fördert die humanen Kernkompetenzen. Pädagogen sei der von Edwin Hübner erarbeitete Waldorf-Lehrplan zur Medienpädagogik empfohlen, der reichhaltige Anregungen bietet, in kreativer Weise auf die erforderliche Medienkompetenz und Medienmündigkeit hinzuarbeiten. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Initiative der Allianz ELIANT, die sich gemeinsam mit dem »Bündnis für humane Bildung« für ein Recht auf bildschirmfreie Kindergärten und Grundschulen einsetzt.

Ferner möchte ich auf die Stellungnahme der pädagogisch-medizinischen Arbeitsgruppe Witten/Herdecke zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie 2020 hinweisen, die von knapp 100 Ärzten und Pädagogen unterzeichnet wurde.  Darin spricht sich die große Sorge der Fachleute insbesondere um das seelische Wohl der Kinder aus, die meist ungeschützt Anteil haben an der Überforderung, der so viele Erwachsene im Zuge der Corona-Krise ausgesetzt sind – beruflich und privat:

»Eine Gruppe von Pädagogen, Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kindergarten -und Schulärzten beschäftigte sich mit der Frage, wie wir zeitnah Kindern und Jugendlichen in der aktuellen Weltlage zu angemesseneren und sichereren Lebensumständen verhelfen sowie psychosozialen Gesundheits-und Entwicklungsgefährdungen vorbeugen können. (...) Erleben sie angstfreie souveräne Erwachsene, die ihnen überzeugend alle wichtigen Faktoren der Salutogenese (nämlich Verstehbarkeit, Sinnhaftigkeit und Handhabbarkeit eines Ereignisses) vermitteln? (...) Salutogenese fordert geradezu das Gegenteil dessen, was wir Kindern gerade vorleben: Wir sind beherrscht von Angst und dem Glauben, dass nur ein Impfstoff uns retten könnte! Entwicklung einer natürlichen Immunität oder Warten auf einen Impfstoff? Die Entwicklung einer effektiven Gruppenimmunität während eines Lockdowns ist kaum möglich. Darüber hinaus schwächen solche Lebensumstände das Immunsystem durch fehlende Nähe, Einsamkeit, existenzielle Not, Angst und Depression. Warten auf einen Impfstoff kann und darf nicht unsere einzige Strategie zur Beendigung dieser Krise sein.«

Was aber braucht es dann? Welchen Herausforderungen müssen wir uns stellen? Diese Fragen sind in dem eben erschienene Buch »Corona – eine Krise und ihre Bewältigung«  thematisiert. Dort finden sich weitere hilfreiche Anregungen, die Krise besser zu verstehen, Anregungen zur Gesundheitsförderung und Perspektiven zur persönlichen und gesellschaftlichen Bewältigung der Corona-Pandemie.

Zur Autorin: Dr. med. Michaela Glöckler war Kinderärztin am Gemeinschaftskrankenhaus in Herdecke und an der Universitäts-Kinderklinik in Bochum, schulärztliche Tätigkeit in der Rudolf-Steiner-Schule in Witten. Von 1988-2016 leitete sie die Medizinische Sektion am Goetheanum.

Literatur: diagnose:media (Hrsg.): Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt, 2018 | Michaela Glöckler/ Andreas Neider/ Hartmut Ramm: Corona – eine Krise und ihre Bewältigung. Verständnishilfen und medizinisch-therapeutische Anregungen aus der Anthroposophie, Akanthos-Akademie 2020 | www.waldorfschule.de/fileadmin/bilder/Allgemeines/BdFW_Medienpaed_an_WS.pdf | www.eliant.eu

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