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Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Wie Wasser in der Wüste

Film des preisgekrönten BBC-Dokumentaristen Stedall beleuchtet die Bedeutung von Steiners Werk für die Zukunft - Neue Ansichten auch zu Lebensstationen

Von: NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele


>> anthromedia.net Vorankündigung

DORNACH (NNA). Wie können die Ideen von Rudolf Steiner dazu beitragen, die anhaltende Krise der modernen Gesellschaften zu lösen? Dies ist eine der zentralen Fragestellungen des neuen Dokumentarfilms des renommierten britischen Filmemachers Johnathan Stedall, der vor kurzem in London Premiere hatte. Mit einer Aufführung in Dornach trat der Film jetzt seine Reise auf den europäischen Kontinent an. NNA-Korrespondent Wolfgang G. Vögele hat ihn sich angesehen. 

 

Zur ersten Aufführung von „The Challenge of Rudolf Steiner“ außerhalb der englischsprachigen Welt konnte Bodo von Plato, Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, den Regisseur Jonathan Stedall und zahlreiche Zuschauer im Goetheanum begrüßen. Mit diesem Film ging für den 74-jährigen preisgekrönten BBC-Filmemacher, der schon Dokumentationen über Gandhi, Tolstoj und C.G. Jung gedreht hatte, ein langgehegter Traum in Erfüllung.

 

Stedall berichtete zunächst über die Entstehungsgeschichte des Films. Ursprünglich wollte er einen 75-minütigen Film über Steiner machen, doch dieses Format reichte nicht, um die Vielfalt der anthroposophischen Praxisfelder so zu zeigen, dass auch deren Hintergrund verständlich wird. So entschloss er sich zu einem zweiteiligen Werk (1. Teil: 90 Minuten; 2. Teil: 105 Minuten) über Steiners Leben und Vermächtnis. Drehorte waren Großbritannien, die USA, Indien, Österreich und die Schweiz. 

 

Der Film wendet sich an Menschen, die in anthroposophischen Institutionen arbeiten, aber auch an jene, die noch sehr wenig über Steiner wissen, insbesondere in den USA. Stedall hofft auf baldige Fernsehausstrahlungen, etwa bei BBC, wo entsprechendes Interesse signalisiert wurde. Er beabsichtige, gesonderte DVDs mit den ungekürzten Interviews des Films herzustellen. Der ins Internet gestellte Trailer sei in wenigen Tagen über 18.000 mal abgerufen worden. 

 

In zahlreichen Interviews kommen Anthroposophen zu Wort, die in Wissenschaft, Medizin, Landwirtschaft, Pädagogik und Kunst arbeiten und angeben, was ihnen Steiner persönlich bedeutet und warum seine Ideen für ihre Arbeit wichtig sind. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass die Interviewten jeweils an ihrem Arbeitsplatz zu sehen sind.

 

Schon der Trailer betont, dass Steiner ein ausgesprochen pragmatischer und praktisch orientierter Denker war, dem der freie Wille einer Person unantastbar war: „Er wollte nicht, dass wir ihm folgen, er wollte, dass wir uns selbst folgen.“, meinte eine Studentin. Andere empfanden ihre Begegnung mit Steiners Ideen „wie das Finden von Wasser inmitten einer Wüste“.

 

Der Film geht von Paul Gauguins Frage aus: “Woher kommen wir – Wer sind wir? – Wohin gehen wir?“ Für Steiner steht der freie menschliche Wille nicht im Widerspruch zu Karma und Reinkarnation. Seine Erkenntnis, dass wir alle Sklaven unserer Vergangenheit, aber Meister unserer Zukunft seien, hat für Anthroposophen ethische Konsequenzen, die etwa auch in der Heilpädagogik oder im Strafvollzug zum Tragen kommen. Ein Gefängnisdirektor in Süd Wales versucht mit den Strafgefangenen aufgrund dieses Menschenbildes zu arbeiten: auch der kriminell gewordene Mensch besitzt eine Menschenwürde. Man muss ihm beim Finden seiner individuellen Lebensaufgabe helfen. Ebenso in der anthroposophischen Biographie-Beratung: Menschen haben “eine Geschichte miteinander“, wobei es weniger darum geht, wer wir in der vergangenen Inkarnation waren, sondern vielmehr, wie wir in Zukunft miteinander auskommen. 

 

Für viele Zuschauer neu waren Mitteilungen über die relativ junge, aber boomende Waldorfbewegung in China: Sie profitiert von den Mängeln im staatlichen Schulwesen: Viele Eltern finden in den Waldorfschulen die gesuchte Alternative! Oder wer weiß schon, dass in zahlreichen öffentlichen Schulen Kaliforniens Waldorf-Methoden angewendet werden?

 

Ein Theologieprofessor aus Cambridge berichtet, wie ihm die Ideen Steiners zu einer tieferen Verständnis seines Christentums verholfen haben. Die Bekennerin einer nichtchristlichen Religion erzählt, wie ihr manche „Ungereimtheit“ im eigenen Glaubenssystem durch Steiner nachträglich verständlich geworden sei.

 

Auch die ungesunde Vorherrschaft der Wirtschaft über das Kulturleben und die Politik kommen zur Sprache. Der Erfolg nachhaltiger arbeitender Geldinstitute wird am Beispiel der Triodos-Bank festgemacht. Anthroposophische Medizin wird in ihrer bekanntesten Sparte, der Krebsforschung und -therapie, gezeigt, Ärzte berichten über ihre praktischen Erfahrungen in dieser Disziplin. Bei der Besprechung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wird resümiert, dass nicht nur Nahrungsmittel qualitativ verbessert werden müssen, auch die Erde selbst müsse geheilt werden.

 

Der Film bietet nie gesehene Außenaufnahmen aus einigen Lebensstationen Steiners: Pottschach, Wien, Weimar, Berlin und Dornach. Dabei wird die Naturanschauung Goethes als wesentlicher Bezugspunkt Steiners hervorgehoben und der zeitgeschichtliche Hintergrund kurz und treffend erklärt. Auch Steiners Wirken innerhalb der Theosophischen Gesellschaft wird thematisiert und auch die Differenzen, die schließlich zur Trennung geführt haben. Dabei werden führende Theosophen dargestellt, die in der englischsprachigen Welt viel bekannter sind als in Mitteleuropa. 

 

Dem Zuschauer prägt sich ein: Steiner appelliert an die Selbständigkeit der Menschen: er macht Vorschläge und sagt: Probiere es aus! Mache etwas daraus! Im Gegensatz zu manchen in Mitteleuropa verbissen geführten Theorie-Debatten wird hier die spirituelle Kraft der anthroposophischen Bewegung deutlich und in einem Nebensatz zugestanden, dass es selbstverständlich auch „Steiner purists“, also orthodoxe Anhänger gäbe. In diesem Film überwiegt die praktisch-optimistische Sicht zur Schaffung einer humaneren Welt. Ob mit oder ohne deutsche Untertitel – Stedalls Werk könnte bei entsprechender Verbreitung durch andere Medien ein Klassiker werden, den man überall dort gern heranzieht, wo es gilt, Steiners Ideen und die weltweiten Aktivitäten der anthroposophischen Bewegung möglichst objektiv darzustellen. Der Film ist seit März als Doppel-DVD im Handel erhältlich.

 

End/nna/vog

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Links: 

>> Trailer

www.jonathanstedall.co.uk

>> Order DVD

www.rudolf-steiner-2011.com

 

Bericht-Nr.: 120407-01DE Datum: 7. April 2012   © 2012 News Network Anthroposophy Limited (NNA).

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