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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Zwölf Tugenden im Jahreskreis - Dezember: Gedankenkontrolle

Ein Gastbeitrag von Christoph Lehmann auf alnatura.de.

Von: alnatura
Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und Waldorf-Pädagogik, hat zwölf Tugenden und jeweils einen wesentlichen Entwicklungsschritt der Tugenden dem Jahreskreis zugeordnet.

Gedankenkontrolle

Adventszeit, eine besinnliche Zeit? Es ist die dunkle Zeit im Jahr, und wir sind eingeladen, uns mit tief gehenden Themen zu beschäftigen, ein inneres Licht zu entzünden. Doch das fällt nicht immer leicht: Blinkende Lichter, gehetzte Konsumenten, aggressives Werben in den Schaufenstern, das alles lenkt ab und lässt einen nicht zur Besinnung finden. Trotzdem: Ich möchte Sie einladen, sich Gedanken zu machen. Über Gedanken. Ein altes schlesisches Volkslied, "Die Gedanken sind frei", beschreibt, dass in Situationen von äußerlicher Unterdrückung und Unfreiheit die Gedanken es sind, die sich nicht einsperren lassen. In der zweiten Strophe heißt es: "Ich denke, was ich will ..." Aber ist das so? Ich kenne das Phänomen, dass sich die Gedanken manchmal ungestüm aneinanderreihen, Assoziationen hervorrufen, ständig sinnvolle oder auch weniger sinnvolle Bezüge herstellen, sogar manchmal auch zur "Knäuelbildung" neigen, die ich nicht "will" und damit eher ein "Zuviel" an Freiheit und Eigenleben empfinden lassen. Versuchen wir, uns auf einen Gedanken zu konzentrieren, dann braucht es manchmal richtig Arbeit, Strenge und das Überwinden der Ablenkung, um ihn festzuhalten. Sie kennen es sicher auch: Sie haben einen "vagen Gedanken", eine Intuition, und wenn es gelingt, diesen zu entwickeln und auszuformen, unter großer Anstrengung – dann kommt etwas Neues in die Welt, was Begriffe braucht, um es handhabbar zu machen. Rudolf Steiner beschreibt in seiner Philosophie der Freiheit: "Intuition ist das im rein Geistigen verlaufende Erleben eines rein geistigen Inhaltes" (GA 004, S.146). Da sind wir als Menschen schöpferisch und zeigen uns auch als Geistwesen. "Das habe ich nicht begriffen", sagte mir meine staunende Patentochter, als ich versuchte, ihr einen bestimmten Sachverhalt zu erklären. Bei weiterem Forschen, was es denn sei, was da schwierig zu begreifen für sie war, merkten wir, dass ich Worte benutzt hatte, die sie noch nicht kannte. Darum konnte sie nicht "be-greifen", sich nicht "vor-stellen", worum es ging. Dann habe ich mich darum bemüht, meine Gedanken noch einmal besser und mit anderen Begriffen zu erklären. Zum Glück ist es mir gelungen, und ich hatte den Eindruck, wir haben uns "verstanden". Damit wir einen Gedanken halten können, brauchen wir Begriffe. Diese Begriffe sind allgemeingültig, soweit die Menschen, die mit ihnen umgehen, die gleichen Wahrnehmungen oder Erfahrungen mit ihnen verbinden. Die Vorstellung, die ein Mensch sich innerlich bildet, wenn er einen Begriff hört, steht zwischen Wahrnehmung und Begriff. Wenn der Begriff also nicht klar ist, wird die Verständigung schwierig. Vielleicht kennen Sie das wunderbare Spiel "Teekesselchen", bei dem es darum geht, einen Begriff zu erraten, der mit verschiedenen Bedeutungen belegt ist. Nehmen wir das Beispiel "Bank". Und selbst wenn wir uns auf eine Bedeutung des Wortes einigen, dann ist es immer noch ein Unterschied, wie so eine Bank aussieht. Die Vorstellung ist dann eher ein individualisierter Begriff, denn was sich ein Mensch vorstellt, das bleibt in seiner Gänze nur ihm selbst zugänglich. Wir anderen können uns da nur empathisch nähern, aber vollständig werden wir es nicht schaffen. Wir hören es ja immer wieder, wenn ein begeisterter Mensch erzählt: "Du kannst es dir nicht vorstellen, es war unglaublich ...!" Um das Leben noch etwas komplexer und bunter zu gestalten, sind wir auch noch mit Gefühlen ausgestattet worden. Wenn wir uns schon einigermaßen auf den Begriff "Bank" einigen konnten, so sind doch die Gefühle, die wir damit verbinden, ganz individuell. Hätten wir das Gefühl nicht, wären wir gleichgültige Wesen. Wir alle haben das Gefühl als Indikator zur Verfügung: Ist eine Situation stimmig oder "schräg"? Wer kennt es nicht, das berühmte Bauchgefühl? Und manchmal verführt es auch. Bei wichtigen Entscheidungen folge ich immer dem alten Wahlspruch: erst einmal darüber schlafen. Während des Schlafes können sich die Wertewelten noch einmal verändern und ein erstes Bauchgefühl läutern. Das ist hochindividuell. Also sind wir mit den Gedanken und Begriffen mit der äußeren Welt verbunden, mit dem Gefühl ganz in unserem eigenen Wesen. Daher müssen wir einfach, manchmal wehmütig, anerkennen: Wir leben alle in unseren eigenen Wirklichkeiten. Der Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun empfiehlt zur Klärung der eigenen Gefühle und Gedanken die Methode des "inneren Teams". Es ist eine Metapher für die "inneren Mitarbeiter" als Team und dessen Leiter, bei dem es darum geht, sein "inneres Team oder Parlament" gut kennenzulernen, es wertzuschätzen und – es zu führen. "Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden." Das ist das pessimistische Resümee, das Dürrenmatt bei seinen Physikern zieht, die sich als Atombombenschöpfer aus Angst vor ihrer eigenen Erfindung in die Psychiatrie verkriechen. Das war zu Zeiten der Hochphase des Kalten Krieges. Wenn aber Gedanken zu Sprache werden (ein höherer Hörbarkeitsgrad des Gedankens), so wird ein sehr Intimes plötzlich öffentlich, und das ist auch nicht immer angenehm, denn nichts ist so irreversibel wie das gesprochene Wort. Ist es erst raus, erlangt es Wirkung. Die deutsche Sprache bietet da viele Beispiele: "Da sieht man, wes Geistes Kind jemand ist." Eine Andeutung auf eine höhere Instanz, einen Impuls, der in uns lebt. Vor dem Hintergrund der voranschreitenden Individualisierung der Menschen wird eine der wichtigsten Disziplinen sein, Bewusstsein für die verschiedenen Wirklichkeiten zwischen uns Menschen zu erlangen. Und nicht die eigene Wirklichkeit als die allgemeingültige Wahrheit hinzustellen. Es geht darum, eher mit einer Frage aufzuwarten, als das eigene Urteil zu fällen und dann als allgemeingültig anderen überzustülpen. Denn die Frage öffnet, während das Urteil abschließt. Oder, um noch weiter zu gehen: einfach nur schweigen und nach-sinnen. Vielleicht entwickeln wir so das richtige Wahrheitsempfinden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesegnete, friedliche und besinnliche Weihnachten.
››› Christoph Lehmann *** Christoph Lehmann, geboren 1960 in ­Hamburg, Waldorfschule, Tätigkeit in Exportwirtschaft, Aufbau von Märkten im In- und Ausland. Seit 1998 Partner von MIRA. Entwicklungsbegleiter, tätig in der Wirtschaft als Organisationsentwickler, Führungscoach und Kommunikationsberater; www.miracompanions.com

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