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Freunde der Erziehungskunst

Notfallpädagogischer Einsatz nach dem Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Einen Monat ist es her, seit das verheerende Erdbeben und der dadurch ausgelöste Tsunami die indonesische Insel Sulawesi in die Katastrophe gestürzt haben.  Über 7.000 Menschen sind vermutlich gestorben, mehr als 10.000 Personen sind verletzt, hunderte werden unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermisst.

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Goetheanum

Fachbibliothek Heilpädagogik wird in Goetheanum-Bibliothek integriert

Seit Oktober 2018 werden die rund 7000 Titel der Fachbibliothek Heilpädagogik und Sozialtherapie des Anthroposophic Council for Inclusive Social Development in die öffentliche Goetheanum-Bibliothek integriert.

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DieDrei

DieDrei - Schwerpunkt: Erde, Mensch und Kosmos

Heft 10, 2018

Grundbegriffe des Landwirtschaftlichen Kurses - Die Hierarchie der schöpferischen Denkkräfte - Das leibfreie Bewusstsein in der Meditation

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Zwölf Tugenden im Jahreskreis - Oktober: Zufriedenheit

Rudolf Steiner hat zwölf Tugenden und jeweils einen wesentlichen Entwicklungsschritt der Tugenden dem Jahreskreis zugeordnet. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Silja Graupe.

Von: Prof. Dr. Silja Graupe

Vom Sein-Lassen der Ziele

Nach Meinung vieler Ökonomen soll sich alles menschliche Handeln darin erschöpfen, »nach Zielen zu streben, d. h. ein Ziel zu wählen und Mittel zu ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen« (Ludwig von Mises). Verinnerlichen wir diesen Grundsatz, so müssen wir die »Lizenz zur Zufriedenheit« darin sehen, Ziele zu verwirklichen. Ein gleichnamiges Buch aus der Flut an Erfolgsratgebern liefert das passende Bild. Mit Rädern und Schutzhelm ausgestattet, trägt eine Schildkröte auf ihrem Rücken eine Rakete, deren Lunte gerade wie von unsichtbarer Hand entzündet wird. Die Botschaft lautet: Überwinde deine Trägheit! Rase deinem Ziel entgegen, ohne je zur Seite oder gar rückwärts zu schauen! Sei erst zufrieden, nachdem das Rennen vorbei ist! Dieses Grundverständnis von Zufriedenheit ist vielen von uns vertraut, dennoch aber problematisch. »Wirklich oben bist du nie!«, brachte einst der Bergsteiger Reinhard Karl die Schwierigkeit auf den Punkt. Auf dem Gipfel des Erfolgs zu stehen, währt immer nur einen kurzen Moment. Der große Rest unseres Lebens verkommt zur Durchgangsstation; wir opfern ihn als bloßes Mittel zum Zweck. So aber bleibt Zufriedenheit ein flüchtiges Versprechen. Sie lässt sich erträumen, kaum aber erfahren. Es ist paradox: Wir sind beständig unzufrieden, nur um irgend­wann zufrieden zu werden. Ein möglicher Ausweg ist, das Ziel-Mittel-Denken selbst loszulassen. Bei Menzius, einem alten konfuzianistischen Philosophen, findet sich hierfür eine schöne Metapher: Ein Bauer arbeitet täglich auf dem Feld. Mühselig zieht er an den Trieben, Halm für Halm, um möglichst große Pflanzen hervorzubringen. Doch genau auf diese Weise vertrocknet am Ende alles; jegliche Mühe war vergebens. Vor dem gleichen Problem, so Menzius, stehen wir, wenn wir allein auf die Ergebnisse unseres Handelns fixiert sind. Erst machen wir uns im Kopf eine feste Vorstellung. Sodann versuchen wir, die Wirkung unmittelbar zu erzielen. Doch schließlich ernten wir nichts als Frust und Enttäuschung. Was aber ist Menzius’ Alternative? Gewiss meinen wir oft, die asiatischen Geistestraditionen würden statt zielorientierter Aktivität lediglich eine reine Passivität empfehlen. Doch Menzius’ Lösung besteht gerade nicht darin, am Rande des Feldes stehen zu bleiben. Ein guter Bauer zieht weder an den Trieben, sagt er, noch sieht er ihnen lediglich beim Treiben zu. Vielmehr begleitet er den Prozess ihres Wachsens: Je nach ­Situation hackt, jätet oder bewässert er. Er weiß um das Potenzial, welches aus der Vergangenheit stammt (dem Samenkorn in der Erde), und bereitet ihm in der Gegenwart lediglich die richtigen Umstände, bis es »wie von selbst« zur Reife kommt. Er übt sich in den Prozess des Werdens und Treibens ein, um achtsam mit ihm und an ihm zu wachsen. Er nährt die günstigen Faktoren und schwächt die ungünstigen – sowohl in ihm selbst als auch außerhalb von ihm. Am Ende ist dann zwar, wie man im Daoismus sagt, nichts gemacht, aber dennoch alles getan. Mit Raketenantrieb und Lunte hat dies wenig zu tun. Eher schon mit den Flaneuren aus dem Paris des 19. Jahrhunderts, die Schildkröten zu ihren Wegbegleitern machten. Statt durch die Stadt zu hasten, machten sie das verborgene Potenzial des langsamen Gehens fruchtbar, um zugleich sich selbst und die Stadt neu zu entdecken: Wer flaniert, kann nach links, nach rechts, nach hinten schauen. Er hat Zeit zu schmecken, zu fühlen, zu hören. Er kennt sich aus – und lässt sich doch jeden Tag aufs Neue überraschen. Was sich hier andeutet, ist eine bemerkenswerte Form aktiver Passivität: Weder verfolgt man ein Ziel, noch irrt man herum oder bleibt stehen. Man ist so gekonnt und achtsam tätig, dass man zu "einem schöpferischen Moment der sich selbst bestimmenden, schöpferischen Welt" (Kitaroˉ Nishida) wird. Jetzt und heute, nicht morgen oder übermorgen. Zufriedenheit erwächst hier weniger aus einem Festhalten an Vorstellungen denn aus einer situativen, Selbst und Welt gestaltenden Tätigkeit: Man flaniert nicht, um zufrieden zu werden. Man flaniert zufrieden. Man tut nicht etwas, sondern man tut einfach. Wichtig ist, in dieser Einsicht nicht erneut ein Ideal zu sehen. Wir müssen sie tatsächlich üben. Erst dann verwandelt sich unser permanentes Streben nach einem zukünftigen Zustand der Zufriedenheit in die Praxis gegenwärtiger Gelassenheit: Wir können vorgefertigte Meinungen los- und überraschende Begegnungen zulassen sowie uns auf Neues und Unvorhersehbares einlassen. Die Zufriedenheit, die hieraus erwächst, ist nicht flüchtig. Sie entfaltet sich schöpferisch von Moment zu Moment und ist in diesem Sinne von Dauer. Zufriedenheit wird zu Gelassenheit. *** Prof. Dr. Silja Graupe, geboren 1975, lehrt Ökonomie und Philosophie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn sowie an der Kueser Akademie für europäische Geistesgeschichte in Bernkastel-Kues. Weitere Informationen und Veröffentlichungen unter www.silja-graupe.de

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