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Anthroposophie

Anthroposophie – wörtlich aus dem Griechischen: "Weisheit vom Menschen" – ist in den Worten ihres Begründers Rudolf Steiner (1861-1925) „Bewusstsein des eigenen Menschentums“ und ein spirituell orientierter Erkenntnisweg. Sie versteht sich als Anregung zur Entwicklung des Individuums und zur Neugestaltung von Lebens- und Kulturverhältnissen und nicht als System oder Lehre.

Leben im Geiste der Anthroposophie

Rudolf Steiner, Berlin, 1906

Eine Autobiographie

von Mario Betti

«Als ich vor über vierzig Jahren der Anthroposophie begegnete, dachte ich zuerst, Rudolf Steiner würde noch leben. Ich absolvierte gerade meine letzten Monate als Soldat in Rom, als ich auf einem Flohmarkt ein Buch über Steiners Leben und Werk fand. Erst am Ende der Lektüre stellte es sich heraus, dass er bereits Jahrzehnte vorher gestorben war. Ein Gespräch mit ihm war also nicht mehr möglich. Und wie gerne hätte der damals Zweiundzwanzigjährige den Eingeweihten persönlich kennengelernt. Zunächst blieb ihm also nur übrig, sich in das anthroposophische Studium zu vertiefen, um Antwort auf die Fragen zu bekommen, die sich seit längerer Zeit angesammelt hatten. Dann besuchte ich das Goetheanum in Dornach, wurde Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft und später der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und schlug einen neuen Berufsweg ein.»

In dieser Autobiografie, die eine überaus berührende und wesentliche Schrift ist, erzählt Mario Betti von seinem Pfad, aufrichtig und durch viele Klippen des Lebens hindurch, mit inneren Fragen, die erwachten und sich immer intensiver geltend machten, mit spirituellen Erlebnissen, anfänglich auch mit Träumen, darunter von Rudolf Steiner selbst.

2015, 269 Seiten, 28 Abb., Broschur, ISBN 978-3-905919-67-7

«Und die Geisteswissenschaft weiß, daß es eigentlich eine Zukunft dieses Intellektes nicht gibt. Andere Fähigkeiten, wie das Denken des Herzens, werden sich in der menschlichen Seele bei ihrem Wandel in die Zukunft hinein entwickeln.»

[GA 119, Makrokosmos und Mikrokosmos, 2. Auflage 1962, 11. Vortrag Wien, 31. März 1910, S. 248]

Rudolf Steiner

Erkenntnisweg, Meditation & Übungen

Ein Weg der Liebe

In ihrem Kern ist Anthroposophie ein Weg, der Stufenweise das Wesen des Menschen enthüllt und den einzelnen Menschen durch die Selbsterkenntnis zu einem Erkennen des Geistigen in der Welt führen kann. Sie ist ein Weg der Liebe. Der Beginn dieses Weges führt durch Demut und Ehrfurcht; zusammen mit einem Studium geisteswissenschaftlicher Zusammenhänge bilden diese einen ersten Schritt dieses Weges. Der Erwerb von Aufmerksamkeit und seelischem Gleichmut, eine vertiefende Beachtung und Beobachtung der sinnlichen Welt können nächste Schritte sein. Sie führen zu einem neuen Erfahrungsbereich seelisch-geistiger Beobachtung (Imagination), der in weiterer Vertiefung zuerst ein eine verstehende Einheit mit geistigen Kräften und Vorgängen (Inspiration) und schliesslich zum Leben in einem höheren Ich mit geistigen Wesen des Kosmos führen kann. Anthroposophie ist ein Weg und ihre Erkenntnisse sind Orientierungen für Reisende.

In den Texten der nebenstehenden Unterthemen finden sich eine Reihe grundlegener Übungen zur Entwicklung einer Geistes-Gegenwart, die die gegenwärtigen Bewusstseins- und Zivilisationsbedingungen respektieren und zugleich zu Kräften führen, die diese nachhaltig verändern können.

Die Welt ist das Rätsel, der Mensch ist die Lösung

Innenansicht Goetheanum

"Wenn wir hinausblicken in die Weiten des Universums, sie werden uns räumlich und zeitlich zu einer großen Welträtselfrage. Wo ist die Antwort? Wer ... [in der Anthroposophie] die Antwort sucht, der findet sie nicht in einem Satz, auch nicht in einer Theorie, sondern er findet sie, indem ... [hingewiesen wird] auf die Tatsache, dass aus Raumesweiten und Zeitenläufen rätselhaft etwas zusammengedrängt ist in dem Menschen selbst. Das Universum gibt uns die Rätselfrage, im Menschen liegt die Antwort. … Wir werden nichts anderes tun können, als dem Menschen die Aufforderung zu geben: Mensch, erkenne dich selber, denn in dem Grade, als du immer tiefer und tiefer in dich hineinschaust, wirst du auch immer tiefer und tiefer die Antwort finden auf die Rätsel, die dir die Raumesweiten und Zeitenfernen geben. Indem nicht auf einen Satz, nicht auf eine Theorie oder auf eine Wissenschaft hingewiesen wird, sondern auf das Leben selbst und gesagt wird: Die Antwort liegt darin, dass du in dich schaust, - ist die Möglichkeit der Antwort eröffnet, und zwar in dem Maße, wie wir unsere erwachenden Gedanken und Gefühle in die Zukunft hineinsenden werden. … Alles wird an der richtigen Ergreifung der Welträtselfrage liegen, dass man nicht nur die Antworten, sondern schon die Fragen in der richtigen Weise findet. Dann aber muss die Antwort nicht erdacht, sondern erlebt sein. Und das Leben selbst ist ein Unendliches." (Rudolf Steiner, 15.4.1918)

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Links zum Thema:

Goetheanum Meditation Initiative Worldwide
www.meditation.goetheanum.org

Institut für anthroposophische Meditation
www.InfaMeditation.de