FondsGoetheanum: Die Bienen und wir

FondsGoetheanum: Die Bienen und wir

Diener von 40 Völkern

Für Naturimker Fritz Baumgartner ist die Biene die Verbindung zwischen Erde und Kosmos. Seinen 40 Bienenvölkern geht es gut. Sein Erfolgsgeheimnis: schwärmen lassen.

Wie geht es Ihren Bienen?

Die Völker sind gesund, ich habe in den vergangenen Jahren nur wenige Völker verloren und kaum Probleme mit Krankheiten. Einzig die Varroamilbe muss ich gut im Auge behalten. Momentan sind zwei Völker nicht ganz gesund, ich habe sie wohl zu wenig gut beobachtet und gepflegt.

Fritz Baumgärtner
Fritz Baumgärtner, 84-jährig, Pionier der biodynamischen Landwirtschaft, pflegt als Naturimker seit über 15 Jahren die von seinem Vater übernommenen Bienenvölker.

Worauf führen Sie es zurück, dass es Ihren Bienen gut geht?

Ich habe heute keine beruflichen Verpflichtungen mehr, ich habe Zeit für die Bienen, kann die Bienen­völker beobachten und Änderungen im Verhalten der einzelnen Völker feststellen. Mein Tagesablauf ist von den Bienen geprägt. Wenn ich mir am Morgen überlege, was ich während des Tages alles tun möchte, dann denke ich selbstverständlich an die Bienen; sie geben meinem Leben den Rhythmus. Und wenn ich am Abend auf den Tag zurückblicke, dann sind die Gedanken wieder bei ihnen.

Können Sie beschreiben, was für Sie das Wesen der Bienen ist?

Die Biene ist ein Wesen zwischen Erde und Kosmos, sie vermittelt zwischen den beiden Polen. Wenn eine Pflanze blüht, sucht sie die Verbindung mit dem Kosmos. Die Biene ist eng mit der Sonne verbunden und bringt der Pflanze das kosmische Element. Diese Verbindung der Biene mit der Sonne zeigen zum Beispiel der Hochzeitsflug der Biene oder die Entwicklung des Bienenvolkes: Im Winter besteht das Bienenvolk aus 5000 bis 7000 Bienen; mit der höher steigenden Sonne dehnt es sich im Sommer aus und hat bis zu 40 000 Bienen.

Sie vermehren die Völker über den Schwarmtrieb. Warum?

Für mich ist der Bienenschwarm etwas ganz Besonderes. Er kündigt sich an durch Unruhe im Bienenvolk. Sie beginnt, wenn die Larve der jungen Königin etwa zehn Tage alt ist. Die alte Königin und ein Teil des Bienenvolkes fühlen, dass sie ausziehen müssen, um der jungen Königin Platz zu machen. Wenn der Schwarm die Bienenwohnung ver­lässt, strömen Tausende von Bienen zusammen mit ihrer Königin ins Freie. Ein Bienenschwarm ist ein Naturereignis. Diese Wolke von Bienen erzeugt einen ganz speziellen Ton. Wenn der Schwarm sich gesetzt hat, hole ich ihn und gebe ihm eine neue Bienenwohnung. Der Vorteil des Schwärmens ist, dass sich ein neues, ein junges Volk bildet und dass so Krankheiten überwunden werden können.

Was bedeutet für Sie der Name «Bienenvater»?

Ein Bienenvater ist mit seinen Bienen­völkern so eng verbunden, dass er fühlt, was sie brauchen. Offenbar haben auch die Bienenvölker eine Beziehung zum Bienenvater. Denn es ist vor allem aus früheren Zeiten bekannt, dass beim Tod des Bienenvaters die Völker auch gestorben sind. Deshalb müsse man den Bienenvölkern den Tod des Bienen­vaters mitteilen.

Was empfehlen Sie Menschen, die imkern möchten?

Ganz wichtig ist, dass zuerst das Handwerk des Imkerns gelernt wird. Die Imkervereine bieten gute Grundkurse an. Ergänzend dazu ist es hilfreich, die Literatur zu studieren. Wenn man nach einigen Jahren das Handwerk des Imkerns und das Wesen der Bienen und ihre ganz besondere Verbindung zur Blütenwelt versteht, wenn man die Bedürfnisse der Bienen erkennen kann und vielleicht auch Kurse über die Natur­imkerei besucht hat, erst dann sollte man Schritte zur Naturimkerei tun.

Wie können Nichtlandwirte den Bienen helfen?

Als Nahrungsquelle benötigen Bienen vom Frühling bis in den Herbst Blüten. Wenn wir für die Gärten und den Balkon Sträucher und  Blumenflor bewusst so auswählen, dass vom April bis im September immer etwas blüht, dann finden die Bienen Nahrung, es entsteht keine Trachtlücke. So können wir ihnen helfen.

Besten Dank für dieses Gespräch.