FondsGoetheanum: Lasst uns Kind sein

Lasst uns Kind sein

Das Gute an Kinderkrankheiten

Die Kindheit ist ein kostbares Gut, in ihr liegt ein grosses Entwicklungspotenzial, das ausschlaggebend für die spätere seelische und körperliche Gesundheit ist.

Trotz Impfungen in der allerfrühesten Kindheit sind unsere Kinder nicht widerstandsfähiger und gesünder geworden. Womit hängt das zusammen?

Einerseits ist die Entwicklung des Kindes von der Vererbung, andererseits aber auch von seiner individuellen Persönlichkeit abhängig. Erbmerkmale sind verantwortlich für die körperliche Entwicklung des Menschen und werden von Generation zu Generation weitergetragen. Seelische Eigenschaften hängen jedoch nicht mit der Vererbung zusammen, sondern mit der individuellen Persönlichkeit des Kindes. Beide Phänomene sind nicht kongruent und müssen sich einander anpassen. Man kann die Anpassungsschwierigkeiten auch als einen Kampf bezeichnen, der in den klassischen Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach, Röteln, Windpocken, Keuchhusten und Dreitagefieber zum Ausdruck kommt.

Die typischen Kinderkrankheiten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zum einen Infektionskrankheiten sind und zum anderen meist mit hohem Fieber einhergehen und sich grösstenteils in Form eines spezifischen Hautausschlags auf der Haut abspielen.Das begleitende Fieber zeigt, dass die Individualität des Kindes sich entwickelt. Auch die Hauterscheinungen sind ein Zeichen dieses Umbaus, ähnlich wie man es bei der Häutung der Schlangen beobachten kann.

Auf den wichtigen Zusammen-hang zwischen fieberhaften Kinder-krankheiten und Krebserkrankungen im späteren Erwachsenenalter sei hier nur am Rande hingewiesen. Das Risiko erwachsener Frauen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, ist erheblich höher, wenn diese Frauen keine Kinderkrankheiten durchgemacht haben oder dagegen geimpft wurden.

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Kinderkrankheiten helfen dem Kind in seiner Entwicklung.

Kinderkrankheiten können also durchaus einen Sinn und eine Bedeutung haben, wenn sie als notwendige Entwicklungskrankheiten angesehen werden, die das Kind in seiner körperlichen und seelisch-geistigen Entwicklung und Gesundheit fördern. Zweifellos erfordert der Umgang mit ihnen eine differenzierte Vorgehensweise, die den ganzen Menschen und sein Umfeld berücksichtigt und miteinbezieht. Dies ist nur möglich, wenn das Kind während der Krankheit 24 Stunden liebevoll umsorgt werden kann.

Erdmut J. Schädel
Dr. med., Kinderarzt