FondsGoetheanum: Künste

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Das Gute liegt immer in der Mitte

Der grosse Denker Aristoteles zeigte schon auf, dass das Gute nicht das Gegenteil des Bösen ist, sondern die rechte Mitte zwischen zwei Extremen.

Der Gedanke, dass Mut das Gegenteil von Feigheit sei, ist falsch. Denn es gibt auch den Übermut. Zwischen zu viel Mut (Übermut) und zu wenig Mut (Feigheit) liegt die goldene Mitte: der Mut. Zwischen Geiz und Verschwendung liegt der richtige Umgang mit dem Geld. Das Gleiche kann man von allen Tugenden sagen. Immer liegt das Gute zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig. Das rechte Mass entscheidet, ob eine Substanz für uns Arznei oder Gift ist.

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Die Holzskulptur des Menschheitsrepräsentanten: der Mensch im Gleichgewicht.

Eine Holzskulptur für das Herz

Rudolf Steiner machte es sich zur Aufgabe, diese Mitte durch ein Kunstwerk erlebbar zu machen: die neun Meter hohe Holzskulptur des Menschheitsrepräsentanten. Da steht in der Mitte der Mensch, der den Weg der Mitte zu gehen versucht. Er muss sich behaupten zwischen zwei Extremen, die als Wesen dargestellt sind. Das Extrem der Verhärtung, der Verknöcherung, der Überstrukturierung und der Angst wird verkörpert durch Ahriman. Das Extrem der Auflösung, der Schwärmerei, der Eitelkeit und des Ehrgeizes wird durch Luzifer verbildlicht.
Beide Wesen sind zweifach dargestellt: einmal so, wie sie den Menschen dazu verführen wollen, aus der Mitte zu fallen, und einmal so, wie sie vom Menschen im Gleichgewicht gehalten werden. Denn es geht nicht um Flucht vor den Verführern. Ihre Kräfte kann man sehr wohl zu Gutem verwenden, wenn man die Mitte halten kann. Ohne die Strukturkraft Ahrimans gäbe es keine Technik und ohne die Begeisterung Luzifers keine Kunst. Ein gesundes Gleichgewicht lässt den Menschen wirklich Mensch sein. Um im Lebenskampf nicht zu verbittern und zu verhärten, ist der Humor wichtig. Er lächelt von oben links auf das Geschehen herab.
Die Holzskulptur des Menschheitsrepräsentanten sollte im Mittelpunkt des ersten Goetheanums stehen, das jedoch in der Neujahrsnacht 1922/23 einer Brandstiftung zum Opfer fiel. Die Holzskulptur war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig und deshalb am Bestimmungsort noch nicht aufgestellt. Sie entging dadurch dem zerstörenden Feuer.

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Jedes Haus eine Persönlichkeit.

Individualität durch Architektur fördern

Heute steht sie im zweiten Goetheanum, zu dem Rudolf Steiner kurz vor seinem Tod noch die Modelle schaffen konnte. Um das Goetheanum gruppieren sich verschiedene Häuser, die alle dem von Rudolf Steiner begründeten organischen Baustil verpflichtet sind. Jedes dieser Häuser ist einzigartig. Wie die Menschen voneinander verschieden sind, so sollen auch ihre Wohnhäuser das Individuelle betonen. Denn die Entwicklung der individuellen Mitte ist ein roter Faden, der durch alle Bereiche der Anthroposophie hindurchgeht.

Johannes Greiner