FondsGoetheanum: Medizin, Therapie und Pflege

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Anthroposophische Therapien

Anthroposophische Arzneimittel geben dem menschlichen Organismus ein Vorbild, nach dem er sich ausrichten kann.

Nach der Untersuchung und der Diagnose begleitet der Arzt den Patienten zur Therapie: Wie die Krankheitssymptome auf die Konstellation der seelisch-geistigen Komponente des Menschen verweisen, so weisen die Heilmittel auf die geistigen Kräfte hin, die bei ihrer Entstehung wirksam sind. Die Verbindung zum Menschen ist gegeben durch die gemeinsame Evolution von Mensch und Natur. 
Diese Verwandtschaft lässt den Arzt erkennen, wieso die Heilmittel im Menschen überhaupt Resonanz finden. Das Heilmittel gibt der menschlichen Organisation eine Art Vorbild, nach dem sie sich neu ausrichten kann.
Neben sehr schnell und in akuten Fällen rettend wirkenden Mitteln ist andererseits die Therapie chronischer Krankheiten ein gemeinsamer Weg: Arzt und Patient tasten sich gemeinsam immer mehr zum Essenziellen der jeweiligen Krankheit vor. Ein erster Therapieentwurf wird angewendet, die Wirkung gemeinsam erlebt und die Therapie immer weiterentwickelt.

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Hauptsächlich aus Mineralien und Heilpflanzen

Die Anthroposophische Medizin verwendet Mineralien und Metalle, wobei vor allem die sieben Hauptmetalle Silber, Quecksilber, Kupfer, Gold, Eisen, Zinn und Blei wichtig sind. Unentbehrlich sind die Heilpflanzen und auch einige tierische Medikamente wie Ameisengift und Bienengift. Zur Anwendung werden die Medikamente teils konzentriert, teils potenziert (homöopathisiert) zubereitet. Diese Medikamente sind nebenwirkungsarm. Bei der Herstellung ist der Weg sehr wichtig, den die Substanz, geführt durch den Apotheker, durchmacht. Es macht einen Unterschied, ob die Substanz kalt zubereitet, bei 37 Grad gehalten (der Körpertemperatur des Menschen) oder gar geglüht wird. 
Mit dem pharmazeutischen Weg kann gezielt die spätere Wirksamkeit in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Falls nötig und sinnvoll wendet der anthroposophische Arzt auch Medikamente der Schulmedizin an. Ebenso hat er die Möglichkeit, den Patienten in Zusammenarbeit mit Spezialisten durch die ganze Krankheitszeit zu begleiten.
Die Heilmittelanwendung wird weiter differenziert durch die Anwendungswege: durch den Mund, Injektion unter die Haut, Wickel und Salbenauflagen. Je nach Weg wirken die Mittel anders auf den Organismus. 

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Die Therapien

Eine Besonderheit der Anthroposophischen Medizin sind die Heileurythmie, die künstlerischen Therapien Plastizieren, Malen, Musik sowie Sprache und die Rhythmische Massage. Diese Therapieformen sind eine grossartige Bereicherung der Medizin und geben dem Arzt vielfältige Möglichkeiten. Wie der Mensch zur Natur in gesetzmässiger Beziehung steht, so auch zu den bildenden und umbildenden Kräften der menschlichen Bewegung, der Sprache, der Musik und des Gestaltens in Farbe und Formen. 
Vor allem bei länger dauernden Krankheiten helfen die Therapien, dass der Mensch seine Aktivität wiederfindet und sich selbst an der Gesundung beteiligen kann. Sie tragen dazu bei, dass der Mensch sein Gleichgewicht zwischen Anforderung und Regeneration wiedererlangen kann.

Schicksalsfragen

Der Zeitpunkt eines Krankheitsausbruchs ist oft wesentlich. Bei allen Krankheiten ist deshalb zu fragen: An welchem Punkt des Lebens steht der Mensch? Wie war sein bisheriger Lebensweg? Die Neigung zu einer bestimmten Krankheit kann angeboren sein, mit Belastungen in der Kindheit zusammenhängen oder von einem Ungleichgewicht des aktuellen Lebens kommen. Neben dem Zurückschauen ist das Vorwärtsschauen sehr wichtig: Was will die Krankheit von mir? Jede Krankheit ist Anlass, sich zu fragen, ob Änderungen im Leben nötig sind. Mute ich mir zu viel zu? Sind die Berufstätigkeit und das Auftanken im Gleichgewicht? Oder habe ich sogar meine Lebensziele aus den Augen verloren? Wie sieht mein Leben aus, wenn ich es wie aus der Vogelschau betrachte? Auch die Seele braucht Ernährung, zum Beispiel durch künstlerisches Tun, Gärtnern, Naturerlebnisse, Lesen, Gebet, Meditation etc.

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Fragen um Geburt und Tod

Für eine Medizin, die um geistige Aspekte erweitert ist, bekommen Geburt und Tod eine neue Bedeutung. Novalis notierte sich einmal: Bei einer Geburt weinen die Engel, weil eine Seele von ihnen weggeht, die Menschen aber freuen sich. Beim Tod sind die Menschen in Trauer, sie fühlen sich zurückgelassen, bei den Engeln aber findet ein freudiges Begrüssen statt. 
Mit den Heilmitteln der Anthroposophischen Medizin stehen gute Begleiter für jeden Lebensabschnitt zur Verfügung. So auch für die letzte Lebensphase.

Dr. med. Christoph Wirz, St. Gallen