FondsGoetheanum: Medizin, Therapie und Pflege

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«Komplementärmedizin am Spital darf nicht weiter Stiefkind bleiben»

fondsGoetheanum: Medizin

Dr. med. Hansueli Albonico, Chefarzt Komplementärmedizin am Regionalspital Emmental in Langnau, hat an der wissenschaftlichen Studie «Programm Evaluation Komplementärmedizin» (PEK) mitgearbeitet.

Herr Albonico, Komplementärmedizin ist in der Bevölkerung sehr beliebt. Kritiker hingegen behaupten, sie sei unseriös. Was sagen Sie als einer, der an der PEK-Studie beteiligt war?
Komplementärmedizin ist ein weites Feld. Gerade deshalb sind solide Qualitätskriterien wichtig. Die ärztlichen Therapierichtungen, die wir wissenschaftlich ausgewertet haben (siehe Artikel oben), sind wirksam und sicher und in der Regel kostengünstiger als die Schulmedizin. Ganz besonders trifft dies auch auf die Heilmittel zu.

Sie leiten eine der seltenen komplementärmedizinischen Abteilungen an einem Spital. Was sind die Vorteile für die Patientinnen und Patienten?
Was häufig als Schlagwort «Integrative Medizin» bezeichnet wird, das Zusammengehen von Schul- und Komplementärmedizin, ist hier gelebter Alltag. Das bedeutet noch immer eine grosse Herausforderung, aber ich bin zuversichtlich, dass die Förderung der Komplementärmedizin vorankommen wird. Zunächst geht es um die fachliche und politische Anerkennung der Komplementärmedizin, welche auch spezifische Leistungsaufträge an solche Spitäler ermöglichen soll. Dann möchten wir aber in Zusammenarbeit mit den Universitäten die Komplementärmedizin auch in Lehre und Forschung voranbringen. Wenn ein grosser Teil der Patienten Komplementärmedizin in Anspruch nimmt, müssen auch unsere angehenden Ärzte Kenntnisse darin haben. Komplementärmedizin am Spital darf nicht länger ein Stiefkind bleiben.

Komplementärmedizin kommt auch in der Forschung zu kurz. Was muss sich hier ändern?
Tatsächlich besteht in der Komplementärmedizin ein Forschungsdefizit. Es ist ein Gebot der Zeit, dass Forschungsgelder für die Komplementärmedizin zugänglich werden. Wichtig ist, dass Schul- und Komplementärmedizin nicht mehr als Gegensatz, sondern als sinnvolle und bei richtigem Einsatz auch kostensparende Ergänzung gesehen werden.