FondsGoetheanum: Medizin, Therapie und Pflege

FondsGoetheanum: Medizin, Therapie und Pflege

Kunst ist ein Heilmittel

Zwischen Kunst und Medizin gibt es starke Verbindungen und Wechselwirkungen. Die anthroposophische Kunsttherapie zeigt neue Ansätze, welche zur weiteren Erforschung ermutigen. Die einzelnen Kunstformen werden krankheits- und symptomspezifisch eingesetzt.

Krankheit als Gestaltungshilfe

Die am meisten verbreitete Kunst ist die Kunst der aktiven Lebensgestaltung, die biografische Kunst. Nicht immer gestalten wir unser Leben allein aus unserem Bewusstsein, oft brauchen wir Anstoss «von aussen», zum Beispiel eine Krankheit.Das Kranksein, beziehungsweise das Wieder-gesund-Werden, kann in uns den Willen wecken, das eigene Leben umzugestalten, neu zu greifen. Kunst – aktiv aufgenommen oder ausgeübt – kann uns in diesem Prozess nähren und beflügeln. Gerade in Krisen kann eine neue Empfänglichkeit, ein neuer Zugang zur Kunst erwachen.

Deshalb legen anthroposophische Spitäler auch Wert auf eine künstlerische Gestaltung der Gebäude und Räume. Kunstausübung kann Ärzte oder Pflegende in die Lage versetzen, schwierige und komplexe Situationen der Patienten besser zu erfassen und tiefer zu verstehen.

Bildende Kunsttherapie

Zwischen einzelnen Kunstmitteln und Krankheiten beziehungsweise Symptomen bestehen ganz spezifische Bezüge. Jede Kunst arbeitet mit ihren besonderen Elementen. Die Plastik zum Beispiel mit Formen und Proportionen. Die anthroposophische Kunsttherapie greift über das Kunsterlebnis hinaus. Der Kunsttherapeut untersucht die Auswirkung der einzelnen Kunstelemente auf den zu heilenden Menschen und seine Organfunktionen. Durch gezielt gewählte Übungen wirkt er auf den erkrankten Organismus ein.

Die Kunst, aktiv am Heilungsprozess mitzuwirken

Anthroposophische Kunsttherapien setzen die den Menschen bildenden und umbildenden Kräfte der Bewegung, der Sprache, der Musik, der Plastik und der Malerei therapeutisch ein. Sie eröffnen dem Patienten neue Möglichkeiten, aktiv übend an der eigenen Gesundheit mitzuwirken.Die gesamte Forschung in diesem Bereich muss durch Spenden finanziert werden. Seit 2011 können anthroposophische Kunsttherapeuten/-innen den Titel eidg. diplomierte/r Kunsttherapeut/in erwerben. Der Schweizer Verband für Anthroposophische Kunsttherapie (svakt) hat an dieser Fachprüfung entscheidend mitgewirkt.

Ein Beispiel: Mit der Kraft der Sprache therapieren

Therapeutische Sprachgestaltung formt Laute, Silben, Worte und Sätze. Diese uns vertrauten Sprachelemente haben ihren Bezug zum Körper, zur Lebensenergie und natürlich zur eigenen Seele, die sprechend mit anderen Menschen in Beziehung tritt. Je weiter die Gestaltungskraft einer Dichtung auf die Ebenen von Silbe und Laut herunterreicht, umso grösser ist ihre Kraft, durch die verlebendigte Atmung den Körper selber zu beeinflussen. Therapeutische Sprachgestaltung setzt den ganzen Reichtum jener Sprachelemente gemäss der entsprechenden Indikation als Mittel zur Selbstgestaltung ein.

Mit Hexametern tief entspannen

Für die Therapeutische Sprachgestaltung kamen wichtige Impulse aus einer Forschergemeinschaft mit Zentrum an der Universität Bern. In internationalen Publikationen konnte aufgezeigt werden, dass der Hexameter (ein klassisches Versmass) den Menschen in einen schwebenden Bereich zwischen Wachen und Träumen bringen kann. Der Puls passt sich vollständig der Atmung an, es folgen tiefe Entspannung und nachhaltige Ruhe. Ein Folgeprojekt mit der Ita Wegman Klinik in Arlesheim zeigte, dass Therapeutische Sprachgestaltung die Blutdruckregulation günstig zu beeinflussen vermag. Die Resultate sind ermutigend und werden in klinischen Anwendungssituationen weiter erforscht.

Dr. med. Andreas Bindler, 
Dietrich von Bonin, Kirstin Kaiser 

www.therapeutische-sprachgestaltung.de