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Unter dem Dach des Kultursaat e.V. werden im Jahr 2022 knapp 300 Züchtungsprojekte an 26 Standorten durchgeführt. Was es heißt, diese vielen Züchtungsprojekte zu
koordinieren und dabei nicht auf Konkurrenz, sondern auf Kooperation zu setzen, weiß Michael Fleck, Geschäftsführer des Vereins.

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Per Mitte April 2022 übernimmt Verena Wahl die Bereichsleitung Landwirtschaft und ist neu eine der drei Co-Geschäftsführerinnen der Demeter Geschäftsstelle. Die Öko-Agronomin engagiert sich seit vielen Jahren in der Bio-Bewegung, zuletzt in der Sektion für Landwirtschaft in Dornach. Sie übernimmt von Susanne Huber, die sich bei «Querbeet» neuen Aufgaben zuwendet.

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Der stetige Zuwachs bei den Umstell- und Verarbeitungsbetrieben, die grossflächigere Verfügbarkeit der Demeter-Produkte und die steigende Nachfrage nach den besten Lebensmitteln haben das Jahr 2021 geprägt.

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Nach kurzer, schwerer Krankheit ist Thomas Schmid am 13. April verstorben. Die Demeter-Gemeinschaft trauert um ihren Freund, langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden, Architekten der Biodynamic Federation Demeter International, einem Streiter für das Biodynamische und Mediator für das Soziale, vor allem aber um einen wunderbaren Menschen.

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Welche Beziehung gibt es zwischen der biodynamischen Landwirtschaft und dem Naturverständnis indigener Völker? Was lässt sich hier lernen? Jean-Michel Florin, Co-Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, teilt seine Gedanken.

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Die Wissenschaftskommission des Nationalrates (WBK-N) hat vergangene Woche beschlossen, für die Einführung neuer gentechnischer Verfahren eine Hintertür offen zu halten. Der Schweizerische Demeter-Verband spricht sich entschlossen dagegen aus – alle Formen der Gentechnik sollen weiterhin dem Gentech-Moratorium unterstehen. Eine strenge Regulierung neuer gentechnischer Verfahren ist die einzige Möglichkeit, die biodynamische Landwirtschaft zu erhalten und die Risiken für unsere Gesundheit und die Umwelt zu verringern.

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Können Lebensmittel gesund sein, wenn sie zwar alle Nährstoffe enthalten, aber die Produzenten immer mehr Düngemittel, Pestizide und Hilfsstoffe für deren Erzeugung einsetzen müssen?

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Gemeinsame Ursprünge

Wer sind die indigenen Völker?

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Bild: Luzmila Carpio, 2014. Foto: Mauro Rico, Ministerio de Cultura de la Nación, cc 2.0.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Begegnung mit Luzmila Carpio, einer berühmten Sängerin aus dem Volk der Quechua von Bolivien. Sie war eine Zeit lang unter der Regierung von Evo Morales UNESCO-Botschafterin von Bolivien. Ein Bekannter empfahl meiner Frau eine Schallplatte von ihr.1 Die Musik hatte uns sehr berührt. Einige Wochen später war ich auf einem biodynamisch arbeitenden Hof in Südfrankreich eingeladen. Am Abend fuhr ich noch zu einem Ökofestival und wurde von meinen Gastgebern gebeten, ihre Freundin aus Bolivien mitzunehmen. Beim Fahren tauschten wir uns aus, und plötzlich bemerkte ich: Neben mir sitzt die Frau, deren Stimme mich so beeindruckt hat. So macht man Bekanntschaft! Später erzählte sie uns, dass ihre Mutter beim Hören der Vogelgesänge wusste, dass am Abend ein Gast kommen würde: ein selbstverständliches Leben mit dem ‹Unsichtbaren›. Wir stellten weitere Gemeinsamkeiten zwischen dem biodynamischen Ansatz und der Tradition der Quechua fest, angefangen bei der Tatsache, dass beide die Erde als lebendiges Wesen sehen.

Wir fragten uns, welche Art Beziehung wir zwischen einer in Europa geborenen biodynamischen Landwirtschaft und der kosmologischen Tradition der Quechua herstellen könnten. Jede Strömung könnte die andere brauchen. Luzmila erzählte, dass die jungen Menschen ihre Traditionen nicht mehr pflegen, sich nach Modernität sehnen und dabei alle spirituellen Grundlagen wegwerfen. Die Begegnung mit Menschen, die in Europa auf ‹moderne Art› eine spirituelle Landwirtschaft betreiben, könnte junge Menschen anregen, ihre Tradition ernst zu nehmen. Und wir als biodynamische Europäer und Europäerinnen können durch die Tradition und wachsende Anerkennung der indigenen Völker mehr Legitimität für unsere Suche nach einem geistigen Ansatz in der Landwirtschaft bekommen. Auch bei anderen Gelegenheiten hatte ich bemerkt, dass sich in vielen Ländern der Welt, wie zum Beispiel in Indien, Togo oder Argentinien, Landwirte und Bäuerinnen, die eng mit der Erde verbunden sind, nach einer Anknüpfung an ihre Tradition und nach einer Spiritualisierung ihrer Arbeit sehnen. Wie können wir voneinander lernen? Aus diesem Grund hatten wir für die Landwirtschaftliche Tagung 2020 ‹Wege zum Geistigen in der Landwirtschaft›2 Vertreterinnen und Vertreter indigener Völker aus aller Welt eingeladen.

Im Strom der Dekolonialisierungs- und Emanzipationsbewegungen behaupten sich indigene Völker und suchen nach Anerkennung. Sie wollen nicht nur geduldet oder als interessante Forschungsthemen für die Ethnologie angesehen, sondern wirklich ernst genommen werden. Dafür nehmen ihre Vertreterinnen und Vertreter aktiv an allen größeren Zusammenkünften teil, wie kürzlich an dem Naturkongress in Marseille (UICN).3 Oder an der Klimakonferenz COP 26 in Glasgow, wo Diaz Mirabal (Mitglied des Stammes der Wakuenai Kurripaco) die indigenen Völker von Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Surinam und Französisch-Guayana vertrat und auf der Pressekonferenz sagte: «Wir sind auf der COP 26, um unseren Vorschlag ratifizieren zu lassen, damit 80 Prozent des Amazonas am Leben bleiben. Wir sind der Amazonas für das Leben, wir sind der Schrei der Luft, des Wassers, der Kreaturen des Waldes, wir sind hier, um Antworten und Maßnahmen von den Staaten zu erhalten».4

 

Sie entsprechen ungefähr 6,2 Prozent der Weltbevölkerung und pflegen 80 Prozent der Biodiversität auf der Erde. Sie bewohnen 25 Prozent der globalen Landfläche. Viele landwirtschaftliche Praktiken auf der Erde haben ihren Ursprung in der indigenen Landwirtschaft. Inzwischen ist bewiesen, dass sie seit mehr als 10 000 Jahren fast die ganze Erde kultiviert haben5, entgegen der allgemeinen kolonialistisch geprägten Meinung, indigene Völker wie die Aborigines seien beim Stadium des Jagens und Sammelns stehen geblieben. Sie taten es auf ganz verschiedene Weisen. Manchmal so schonend wie im Amazonaswald, wo Forschende erst kürzlich entdeckten, dass der sogenannte unberührte Urwald mit der größten Biodiversität ein kultivierter Wald ist.

Die Forscherin Julia Wright von der Universität von Coventry6 hatte während der letzten Forschungstagung der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum weitere Zusammenhänge zwischen Biodynamik und indigenen Traditionen dargestellt: In einer gemeinsamen Aktion7 riefen 16 Vertreterinnen und Vertreter indigener Völker die Bewegungen der ökologischen Landwirtschaft auf, diese Praktiken nicht einfach aus dem Zusammenhang zu reißen, sondern vielmehr die Weltanschauungen zu vertiefen, aus denen sie stammen, welche die Lebewesen respektieren. Weiter erklärten sie, dass nur eine veränderte Sichtweise zu jenem radikalen Gesinnungswandel führen kann, den unsere Zeit so dringend braucht. Diese 16 Vertreterinnen und Vertreter stellten in ihrem Aufruf philosophische Konzepte vor, die quer zu ihren verschiedenen Kosmogonien liegen. Eine bemerkenswerte Leistung! Die wesentlichen Aspekte des indigenen Appells lassen sich in folgenden sechs Punkten zusammenfassen: 1. Bejahung der Einheit von Mensch und Natur gegenüber der modernen Sichtweise der Dualität von Mensch und Natur. 2. Bekräftigung, dass alles lebendig ist, anstatt zwischen toten und lebendigen Elementen zu trennen. 3. Bekräftigung der ständigen Suche nach dem Gleichgewicht, anstatt die Welt mit dem Dualismus von Gut und Böse zu erklären. 4. Bekräftigung der Notwendigkeit der Sprachenvielfalt, um angesichts der ausschließlichen Vorherrschaft der englischen Sprache die außergewöhnliche Vielfalt der Realität an jedem Ort zu erhalten.8 5. Behauptung, dass die Menschen der Erde gehören und nicht die Erde den Menschen. 6. Behauptung, dass die Erde Wandlungszyklen durchläuft und dass der Tod neues Leben bringt, anstatt der Behauptung, dass die sterbende Erde von uns gerettet werden muss.

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