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„Rhythmusmaschine der Fantasie - 1000 Kinder und ein Kunstwerk"

Was für eine Maschine! 16 Meter lang, 700 Schrauben, 85 Meter Ketten, 140 Fahrräder, 25 Felgen, fast 1000 Kinder und Erwachsene, 7 Wochen Bauzeit. ...

Von: Marcus Kraneburg / Waldorf-Ideen-Pool
 

Weiter Informationen zu dem Kunstprojekt Rhythmusmaschine der Fantasie finden Sie auf der Internetseite www.eigenart-seitz.de, www.waldorf-ideen-pool.de und www.fwks.de

Ein Schulprojekt besonderer Art


Die Freie Waldorfschule am Kräherwald in Stuttgart arbeitete für dieses Projekt mit Wolfgang Seitz von "eigen-art, raum für kunst" zusammen. Das Projekt sollte klassenübergreifend und altersunabhängig sein und die fast 1000 Schüler - vom Kindergarten bis zur Oberstufe - sowie ihre Eltern und Lehrer mit einbeziehen. Ziel war es, eine Klanginstallation zu entwickeln, die aus vielen Einzelstücken ein großes Ganzes entstehen ließ. Wenige Maschinenteile schafften leise Klänge und Rhythmen, setzte man alles zusammen entstand eine gewaltige Klang- und Rhythmusfolge.


In der Schule haben die Klassen bis zum Sommer in den Fächern Werken und Handarbeit, Musik und Physik, Kunst und Computer, Töpfern, Schreinern und Schmieden Ideen gesammelt und auch einzelne Teile für die Maschine gebaut - wo es möglich war, wurde das Projekt selbst in den Unterricht integriert. Als Materialgrundlage dienten hierfür alte Fahrräder, Rollschuhe, Dreiräder oder Kinderwägen und vieles mehr.

Im Sommer 2008 wurde in einem Zeitraum von 4 bis 6 Wochen täglich am Nachmittag die Rhythmusmaschine der Fantasie in einzelnen Gruppen gebaut. Das Sammeln von Ideen und Materialien, das praktische Bauen sowie Erleben, wie durch die Kreativität und durch gemeinsames Improvisieren und Experimentieren eine Maschine entsteht und angetrieben wird, stand dabei im Vordergrund. Auf diese Weise wurden vielfältige Verbindungen aus Gegenständen geschaffen, die uns im Alltag begegnen. Als Kraftquelle der Maschine diente „das Fahrrad", von dem aus alles mit Ketten und Stangen, Riemen und Seilen angetrieben und bewegt wurde. Im Oktober wurde die Rhythmusmaschine zur 60-Jahr-Feier der Freien Waldorfschule am Kräherwald auf dem Schulhof der Öffentlichkeit präsentiert und vorgeführt.

Im zweiten Jahr wird die Arbeit mit den Schülern in den Naturraum verlegt. Grundidee ist hierfür das Thema „Wasser und Bewegung" entlang dem Feuerbach. Wasserkunst, auf, am, im Wasser, mit Wasser angetrieben, Wasser als Lebensraum, als Thema für kreatives Schreiben und als Träger von Geschichten von Quelle bis zur Mündung des Flusses.


Aus dem Erleben des Prozesses


Nach und nach treffen die Schüler der 12. Klasse im Atelier an der Nordbahnhofstraße ein. Es ist heiß, fast 30 Grad. Sie schlendern gemächlich über den asphaltierten Innenhof, cool und mäßig gespannt auf die angekündigte kreative Mitarbeit an der „Rhythmusmaschine der Fantasie". Erst mal hinsetzen und eine Bionade trinken. Einladend die verratzten Stühle und der große Tisch mit Getränken und Brötchen von der Eselsmühle. Ein ausgebleichter Kneipenschirm spendet Schatten. „Also was sollen wir jetzt machen? Kann ich vielleicht eine halbe Stunde früher gehen, ich habe einen ganz dringenden Arzttermin..."


Zunächst mal Überblick über die Situation kriegen, das ist gar nicht so einfach. Hinten im Garten lagern hunderte von ausrangierten Fahrrädern, Fahrradteilen, Rollschuhen, Kickboards, Bürostühlen, Rollschuhen, Skateboards und alle anderen denkbaren Fortbewegungsmittel. Dazu kistenweise ausrangiertes Spielzeug, Puppenteile, ein Barbiepferdchen, ein Brummkreisel, Bürsten, Lichterketten, Mickymäuse, Kleiderbügel, Gießkannen, Lampen und tausend andere Einzelstücke.

In der Werkstatt ist es angenehm kühl. Oben geistern elektrisch getriebene Stahlkugeln in meditativer Langsamkeit durch den Raum und verursachen kaum Geräusche. Manchmal stoßen sie leise aneinander, bevor sie wieder scheinbar autonom auf den Schienen ihre Runden drehen. Unter dem großen Ventilator steht ein ausrangierter Flipper. Eine schiefe Ebene, bunt lackiert, ohne Beine. Dahinter ein Rad, ein auf die Felge montierter Magnet erfasst eine Metallkugel, hebt sie hoch und streift sie auf die Flipper-Bahn ab. Die Kugel sucht ihren Weg, ein unregelmäßiges Klicken, Anstoßen. Rumpelnd verschwindet sie in einem Rohr, wird sofort wieder von dem Magnet eingefangen. Zwischen Speichen und ineinander greifenden Fahrradketten, bunten Bändern, Bratpfannen und Besenstielen taucht das schwarz verschmierte Gesicht von Herrn Seitz auf. „Meine Angst bin ich" steht auf seinem T-Shirt. „Hört mal den Rhythmus, jetzt wird's poetisch!" Er setzt die Maschine in Bewegung. Ein Geigenbogen, auf eine Fahrradkurbel montiert, gleitet pathetisch langsam durch die Luft, um schließlich eine schwankende Geige zu finden. Ein zitternder Ton schwingt durch den Raum, der sich sofort vermischt mit dem Klackern der Kugel auf dem Flipper, leise untermalt von den Suppenlöffeln, die eifrig plätschernd Wasser schöpfen und wieder verschütten.

„Oh, meine alte Lichterkette!" Sophia hat im Garten eine ganze Kiste mit Kindheitserinnerungen entdeckt. Und so geht's los. Es gibt keinerlei Anweisungen was als nächstes drankommt, es gibt keinen vom Lehrer definierten „Arbeitsauftrag". Sondern nur die Anregungen aus den schon bestehenden Teilen der Maschine und den vielen Dingen, die man hier finden kann. Sophia und Sandrine schneiden die Lichterkette (lauter kleine schwarz-weiße Plastikkühe) auseinander: „Die müssen eine Herde bilden, keine Reihe!" Also werden sie an einen Metallkleiderbügel geklebt, der wird dann grün lackiert, „Gras ist lebenswichtig!" Grün bemalte Papierstreifen werden in die Zwischenräume montiert. Möglicher Titel: „Die Befreiung der Kühe". Mal sehen, wo sich das einbauen lässt.


Inzwischen sind fünf Siebtklässler eingetroffen. Vier Jungs und ein Mädchen. Sie sehen sich als Ingenieure und Mechaniker. Sie haben die Idee, aus alten Heizungsrohren ein Glockenspiel zu bauen. Zunächst müssen die Rohre in verschieden lange Stücke zersägt werden. Herr Seitz hilft beim Bedienen der Eisensäge. Dann wird diskutiert wie man die Teile befestigen kann. Eine Einführung mit Sicherheitseinweisung: „Augen zu wenn hier geschweißt wird!" Und schon kann es losgehen: was für ein Erfolg, wenn die Schweißnaht hält!


Vier Neuntklässler, die von Anfang an mitgearbeitet haben, tauchen auf, ziehen sich um und steigen sofort in die Arbeit ein. Sie tragen Schutzbrillen und Gehörschutz mit eingebautem Radio. Sie wissen genau wie alles hier funktioniert und dürfen die Maschinen inzwischen selbstständig bedienen. Ein Funkenregen sprüht durch den Raum, begleitet von ohrenbetäubendem Krach. Faszinierend, dass man mit der Flex Eisenstangen wie Butter zerschneiden kann! Und gut, dass man weiß, wie das geht, ohne sich und andere zu gefährden. Die Jungs montieren nach kurzer Rücksprache mit Herrn Seitz mehrere Räder und fachsimpeln über Ketten, Zahnräder und Übersetzungen.

Der hintere Raum ist für die Gestalter vorgesehen. Hier herrscht eine ruhige entspannte Atmosphäre, von dem Lärm der Werkstatt ist man hier wenig betroffen, die Fenster sind geöffnet, auf dem großen Tisch stehen viele Dosen mit Farben, es riecht intensiv nach Lack. Außerdem ist alles voll mit Kleinteilen. Hunderte von Bionade-Deckeln werden von einigen Drittklässlern lackiert und dann auf Schnüre gefädelt. Die Kinder sind genauso bunt bekleckert wie ihre Werke. Zwei Fünftklässler gestalten aus einem Fahrradsattel eine wild glotzende Maske mit Stilaugen aus Sektkorken. Zwei Mütter helfen ihren kleinen Töchtern beim Verzieren von Rädern mit bunten Stoffstreifen. Das alles soll später noch seinen Platz in der immer größer werdenden Maschine finden.


Marlene aus der zwölften Klasse denkt nicht mehr an den Arzttermin. Sie hat zusammen mit Eva aus einem Kinderregenschirm, Schwimmflossen und einem Fahrradgepäckträger eine bewegliche Schildkröte gebaut, die lange Zunge aus Draht und rotem Wollfaden baumelt schlabbrig aus dem halboffenen Gepäckträger-Maul, die Augen sollen noch lackiert werden. Leoni hat unterdessen eine Porzellankaffeekanne bemalt und mit einer ausufernden Blüte aus Plastikfolie verschönert. Daniel, Sebastian und Aischa sind fast so bunt wie die Drittklässler, sie haben großflächig Farben auf der fertig montierten Maschinerie verteilt. „Lässt sich die Farbe rauswaschen?" Die Frage kommt wie immer zu spät. Nein, die Lackfarbe ist jetzt euer Souvenir an diesen Baunachmittag, an die „Rhythmusmaschine der Fantasie", ein Störfaktor auf der Markenjeans, ein kreativer bunter Fleck im gesellschaftlich konformen Alltagslook.


Ein Beitrag von Caroline Krebietke und Eva Tilgner (Freie Waldorfschule am Kräherwald, Stuttgart)

>>Waldorf-Ideen-Pool


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Die Idee zu diesem Kunstprojekt hat von Anfang an viele Menschen in der Freien Waldorfschule am Kräherwald begeistert. Kinder und Jugendliche (vom Kindergarten bis zur 12. Klasse), Eltern und Lehrer alle zusammen an einem Kunstprojekt mitarbeiten zu lassen und daraus ein Objekt zu machen, das Spaß, Freude und Lust auf Kreativität bringt. Über das spannende Unternehmen unter der Leitung des Stuttgarter Künstlers Wolfgang Seitz berichtet Kunstlehrerin Caroline Krebietke.

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