News

News

Freunde der Erziehungskunst

Die Webseite der Freunde der Erziehungskunst hat einen neuen Look. Nach langer Vorbereitungszeit konnte die Seite Anfang März 2019 online gehen.

 … 

Waldorf 100

Studierende und Wissenschaftler*innen aller Fachrichtungen, sowie Lehrer*innen haben ab sofort die Möglichkeit, Praxisbeispiele aus der Klassenlehrerzeit an der Waldorfschule online zu streamen. Im neuen deutsch- und englischsprachigen Streaming-Portal stellt die Pädagogische Forschungsstelle kostenlos bisher unveröffentlichtes Filmmaterial für Lehrerbildung und Forschung bereit. 

 … 

atempo

Im Jahr 2019, in dem die Waldorfpädagogik ihren 100. Geburtstag feiert, möchte man nach dem Gespräch mit ihm fast selbst wieder Schülerin werden, wenn man wüsste, dass ein Lehrer mit dieser Hingabe fürs Unterrichten und diesem tiefen Interesse am Menschen an der Tafel stünde. - Christian Boettger im Gespräch mit Maria A. Kafitz

 … 

erziehungskunst.de

Um sich über die dringendsten Arbeits- und Forschungsaufgaben für die Waldorfschul- und Kindergartenbewegung auszutauschen, haben sich etwa 20 Experten aus Deutschland, der Schweiz, Brüssel und Großbritannien Anfang November letzten Jahres in Dornach getroffen.

 … 

Assessment for Learning

Eine Evaluations- und Rückmeldekultur zur Förderung von Lernen und Entwicklung in der Waldorfpädagogik

Von: Internationalen Konferenz der Waldorfpädagogischen Bewegung
Die Beurteilung oder Evaluation ist ein bedeutender Teil der Lernbegleitung, denn sie zeigt, wie wir den Lernprozess im Einzelnen verstehen, wie wir Rückmeldungen geben und welche Hilfen wir anbieten. Der folgende Artikel beschreibt die wichtigsten Formen von Beurteilungen und ihren Zusammenhang mit dem Unterricht an Steiner Waldorf Schulen. Die formative Beurteilung hilft uns, vergangene und gegenwärtige Lernprozesse zu verstehen und in die Zukunft zu schauen. Eine summative Evaluation bezieht sich auf die Resultate und die ipsative Beurteilung misst das Individuum im Vergleich zu seiner eigenen bisherigen Leistung. Der Schweizer Waldorflehrer Robert Thomas (Thomas 2005) schrieb: „Seit es Schulen gibt... ist eine der Hauptaufgaben des Lehrers, die Arbeit ihrer Schüler zu beobachten, auszuwerten, zu beurteilen und einzuordnen.“ Dies sind die Hauptaspekte pädagogischer Evaluation. Man könnte diese Tätigkeiten durch zwei weitere ergänzen, nämlich durch das Beschreiben dessen, was die SchülerInnen tun und durch das Kontextualisieren, das heißt das Einbeziehen der gesamten Situation, in der Lernen und Entwicklung stattfinden. Thomas geht noch weiter in dem er deutlich macht, dass zum Assessment ein was, ein wie und ein wer gehören. Das was besteht aus beobachtbaren Tatsachen, das wie weist auf die Beziehung zwischen SchülerIn und LehrerIn hin, und das wer deutet auf die Person, die lernt und sich entwickelt, das heisst auf das Wesen derjenigen, die evaluiert und derjenigen, die evaluiert wird. Was wir von einem Menschen verstehen ist erstens immer unvollkommen und zweitens immer einzigartig. Es kann weder standardisiert oder typisiert, noch gemessen werden. Was wir in der Waldorfpädagogik am meisten vermeiden wollen, ist eine Kultur der Konkurrenz in der Schule. Es geht nicht um Gewinner und Verlierer. Das Motto des Bundes der Freien Waldorfschulen - jedes Kind ein Könner - ist sehr treffend. Deshalb geht es bei der pädagogischen Evaluation darum, das Können sichtbar zu machen, damit wir es bewundern und damit die Kinder daraus lernen können. Wir verstehen das Lernen nicht als ein Sammeln von Kreditpunkten oder Qualifikationen, die wir dann als soziales Kapital auf ein Konto legen können. Wir sehen das Ziel des Lernen darin, dass wir zu Menschen werden, die etwas für die Welt tun können. In der Waldorfpädagogik begleiten, beobachten und evaluieren wir nicht, um Menschen zu kontrollieren, zu überwachen oder sie so unter Druck zu setzen, dass sie biegsamer werden und wir sie nach einem vorgegebenen Schema formieren können. Das sind  Ziele eines neoliberalistischen Staates. Die Wirkung einer solchen Bildungspolitik hat der belgische Psychologen Paul Verhaeghe (Verhaeghe 2013) geschildert. Eine Bildung, die die Werte des Individualismus aufwertet (aber keine wahre Autonomie zulässt), die Selbstsorge als Eigennutz predigt, die Leistung mit unvermeidbarem machohaftem Konkurrenzgehabe verwechselt, die unter Glück den Besitz materieller Güter, größtmöglichen Komfort, ein immer stärkeres Vernetztsein und 'die schöne Welt dennoch nur für sich haben wollen'  versteht, soll sich nicht wundern, wenn das als Folge für sehr viele Menschen zu Depressionen, Sucht oder sozialen Phobien führt. Wer in einer solche Lebenswelt sozialisiert wird, läuft Gefahr durch ein Cluster dieser Neigungen geprägt zu werden. Verhaeghe schreibt, „es bedarf keiner ausführlichen soziologischen Forschung um feststellen zu können, dass unsere heutige sozialökonomische Organisation ausschließlich das Deutungsmuster von Individualismus und Abgrenzung fördert. Der kompetenzorientierte Unterricht unserer Kinder und Jugendlichen führt geradewegs in die Wettbewerbs-und Karrierecluster hinein, mit allen dazugehörigen Werten. Die Befürworter eines solchen Unterrichts lassen jedoch außer Acht, dass dies automatisch auf Kosten der zweiten Gruppe von Normen (Sozialität, Solidarität, Gemeinschaftssinn, Spiritualität, ganzheitliche Gesundheit) geht. Kompetative Solidarität existiert nicht.“ (Verhaeghe 2013), 224). >> Artikel zum Download (PDF) *** Martyn Rawson ist seit 1979 Waldorflehrer in Schulen in England und in Deutschland gewesen. Er ist Autor mehrerer Bücher über Waldorf und Mitherausgeber des englischsprachigen Waldorflehrplans, der inzwischen in 18 Sprachen übersetzt wurde. Er arbeitete von 1996 bis 2010 im Kollegium der Pädagogischen Sektion in Dornach mit. Heute unterrichtet er an der Freien Waldorfschule Elmshorn sowie am Waldorflehrerseminar Kiel. Die englische Version dieses Artikels wurde publiziert im Research Bulletin des Waldorf Research Institutes, Herbst / Winter 2015, Vol 20 (2). Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Waldorf Research Institutes.  ***
In Verbindung stehende Artikel:
Jakob's Blumen - September 2015
Auswerten, beurteilen, prüfen und lernen  - Mai 2015

Zurück