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Freunde der Erziehungskunst

Die Webseite der Freunde der Erziehungskunst hat einen neuen Look. Nach langer Vorbereitungszeit konnte die Seite Anfang März 2019 online gehen.

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Waldorf 100

Studierende und Wissenschaftler*innen aller Fachrichtungen, sowie Lehrer*innen haben ab sofort die Möglichkeit, Praxisbeispiele aus der Klassenlehrerzeit an der Waldorfschule online zu streamen. Im neuen deutsch- und englischsprachigen Streaming-Portal stellt die Pädagogische Forschungsstelle kostenlos bisher unveröffentlichtes Filmmaterial für Lehrerbildung und Forschung bereit. 

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atempo

Im Jahr 2019, in dem die Waldorfpädagogik ihren 100. Geburtstag feiert, möchte man nach dem Gespräch mit ihm fast selbst wieder Schülerin werden, wenn man wüsste, dass ein Lehrer mit dieser Hingabe fürs Unterrichten und diesem tiefen Interesse am Menschen an der Tafel stünde. - Christian Boettger im Gespräch mit Maria A. Kafitz

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erziehungskunst.de

Um sich über die dringendsten Arbeits- und Forschungsaufgaben für die Waldorfschul- und Kindergartenbewegung auszutauschen, haben sich etwa 20 Experten aus Deutschland, der Schweiz, Brüssel und Großbritannien Anfang November letzten Jahres in Dornach getroffen.

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Blog Nordirak

Martin Straube berichtet aus der Region Dohuk im Nordirak wo er das Langzeit-Projekt der Freunde der Erziehungkunst besuchte

Von: Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.
In den Lagern wimmelt es von Kindern jeden Alters, viele nehmen Blickkontakt auf. Oft ist es ein Lächeln, das hin und her geht, ein Winken und oft genug suchen sie Nähe. Aber es kommen manchmal auch nur neugierige, zuweilen ablehnende Blicke von meist älteren Kindern, unter deren Oberfläche Verletzung oder Groll schlummern. Die Frauen sind häufig beschäftigt oder nicht zu sehen. Aber die Männer. Viele sind westlich gekleidet, in der Regel sauber, nicht selten mit Haar Gel, neuen Jeans, T-Shirts mit Aufdrucken von Trendfirmen. Bei den Jungs sehr oft Trikots von deutschen Bundesligavereinen. Mein Blick sucht immer auch die alten Männer. Einige in ihren kurdischen Pluderhosen, mit dem breiten Tuch in Gürtelhöhe, dem Turban, der anders als bei Arabern nicht im Nacken nach unten fällt, sondern auf dem Kopf zusammengebunden bleibt über Gesichtern, die zu fotografieren ich mich nicht getraut habe: Wettergegerbt, meist mit Schnurbart, mit tiefen Falten. Gesichter, die Geschichten erzählen könnten, wenn man in diesen Zügen lesen könnte. Ich erwische mich dabei, wie ich solche Gesichter gerne berühren würde, die Linien nachfahren möchte, als könnte man die Schicksale aus ihnen heraustasten. Meist sitzen sie in Gruppen im Schatten, schauen zu einem herüber, grüßen zurück, wenn man winkt, durchaus freundlich, nie ohne Stolz. Oft geht es uns ja schon in Deutschland auf vollen Einkaufsstraßen so, dass wir uns angerührt fühlen von den vielen Schicksalen, die hinter jedem Einzelnen als Last, Bürde oder tragende Kraft unsichtbar mitgebracht werden und so geballt und zufällig aufeinanderprallen. Umso mehr sind wir bewegt von den Schicksalen, die hier zusammenkommen, auf diesem wüsten Flecken Erde. Auch in den Dörfern der Gegend leben nur Flüchtlinge. Kurden sind seit Generationen auf der Flucht, auch Jesiden haben generationsübergreifende Fluchtgeschichten in ihren Familien.
Umso überraschender ist es, die Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Sauberkeit, Ästhetik und Würde zu erleben, die wir wahrnehmen dürfen. Das kommt alles unerwartet. * Am Morgen ein kurdisches Frühstück mit einem sehr süßen Kaffee, der einem alles zusammenklebt, dazu Melone, Fladenbrot, Gurken, Tomaten und Oliven.
Unser Blick von der Dachterrasse reicht ringsherum über Zakho. Alles ist hell, staubig, man sieht wenig Grün außer in manchen Vorgärten, die kurzgemähte Rasenflächen haben, wie in deutschen Vorgärten. Aber alles hinter Mauern, dass man es von der Straße aus nicht sehen kann.

Heute war ein bewegender Tag mit so vielen, so berührenden Eindrücken, die zu erzählen einen Roman füllen würden.
Da ist zum Beispiel das Gespräch mit einem potentiellen Mitarbeiter. Auf der einen Seite sprechen politische Gründe für eine Ablehnung, auf der anderen Seite müsste es aus Gründen der Fähigkeiten und seiner inneren wundervollen Wandlung zu einem besonders herzlichen Willkommen als Mitarbeiter kommen. Am Nachmittag fahren wir - Minka und ich - in die zwei Flüchtlingslager Berseve 1 und 2, die so unterschiedlich sind, obwohl die Zusammensetzung der Flüchtlinge nahezu gleich ist. Das eine Camp dreckig, vermüllt, ohne Intimität bei den sanitären Anlagen, die Zelte ebenerdig und ohne Mauerwerk, so dass sie in der Regenzeit überschwemmt sind und in Reih und Glied mit wenig Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung. Die "Geschäfte" fast alle nur in einer Straße.
Davon durch einen Zaun und eine stinkende Kloake getrennt das andere Lager: Ohne herumliegenden Müll, mit mehr Grün, die Geschäfte frei verteilt zwischen den Wohnzelten. Viele Zelte haben Estrich und sind ca. 20 cm über dem Erdboden, also auch in der Regenzeit trocken. Sie sind nicht in Reihen angeordnet, sondern die meisten Familien haben mehrere Zelte so zueinander stehen, dass Zellen entstehen, die Intimität bieten, sogar mit eigenen Sanitäranlagen.
Dennoch sind die Duschen und Toiletten sehr behelfsmäßig, nach unseren Maßstäben unzumutbar und primitiv. Es ist sehr überfüllt: Eine Familie zum Beispiel hat 8 Töchter, die sich ein Zelt teilen müssen. Die "Küchen", in denen für Großfamilien gekocht wird, sind primitiv. Der Strom fällt oft aus: 3 Stunden Strom, 3 Stunden kein Strom. Dann fallen natürlich die Klimaanlagen aus, ohne die es bei 40 Grad im Schatten (oft bis über 50°C) schwer aushaltbar ist. Und die Pumpen gehen dann auch nicht, so dass es zudem noch an Wasser mangelt. Ein Deutscher wäre nach einem Tag verzweifelt.

Die Flüchtlinge halten das seit inzwischen 1,5 Jahren aus - und ein Ende ist nicht abzusehen. Denn wenn Mossul angegriffen wird, wird es zu riesigen Flüchtlingsströmen kommen und viele werden hier her fliehen. Wenn der IS besiegt sein sollte, wird es vermutlich zu einem Bürgerkrieg zwischen Irakern und Kurden kommen. Sollte das ausgestanden sein, folgen wohl Konflikte zwischen demokratisch und militärisch orientierten Kurden etc. Die Region wird nicht so schnell zur Ruhe kommen. Die Jesiden sind immer zwischen den Fronten, fühlen sich nirgends sicher und werden demnach noch lange in den Lagern ausharren.

Gestern flogen Minka und ich von Hamburg über Wien nach Erbil. Die Fahrt dort führte mit einem Fahrer, der sich nicht auskannte, im weiten Bogen um Mossul (IS-Hochburg) herum nach Zakho.

Die Hitze hat alles verdorren lassen. Es ist hell, staubig, die Luft flirrt.
Am Straßenrand ist viel Müll und wir fahren an Händlern vorbei, die anfangs nur Tomaten, später Gurken und Melonen im Angebot haben. Man sieht starke Kontraste zwischen sehr großer Armut und Reichtum und zahlreiche teure Autos, darunter überraschend viele weiße Toyota-Pickups, wie man sie von den Bildern des IS kennt. Selbstverständlich fehlen die aufmontierten MGs...
Immer wieder kommen wir an Straßensperren der Peschmerga. Der Sinn wird nicht deutlich, denn sie fragen nur etwas. Womöglich könnte man ihnen alles Mögliche erzählen. Ich habe bislang nicht gesehen, dass ein Auto durchsucht worden wäre.

Wir fahren durch Dohuk: Viele glänzende Gebäude, prahlerische Hochhäuser, zur Schau gestellter Reichtum - das Ganze aber in Gassen, wie man sie auch in Tacloban oder Katmandu sehen kann. Es herrscht viel Verkehr, aber es ist nicht so laut, wie in anderen Metropolen, die ich erlebt habe, in Gaza zum Beispiel. Man fährt 5-spurig auf 3-spurigen Straßen. Die Straßen sind z.T. gut asphaltiert, dann wieder kommen riesige Schlaglöcher oder die Teilstücke enden blind und sind nur durch Schotterpisten miteinander verbunden.
Büsche und Bäume sehen wir nur im Gebirge, verdorrte Gräser und Disteln. Im flachen Land gibt es kaum Grün, nur in der Nähe von Flüssen, wo Bewässerung möglich ist. Dort dann viele Sonnenblumen, Mais, Tomaten und Gurken und Pflanzen, die ich beim schnellen Vorbeifahren nicht identifizieren kann.

Abends essen wir am Fluss an der alten Römerbrücke, mit vielen Sprachbarrieren und viel zu hohen Preisen.
Es ist windig, was einen die Hitze nicht so spüren lässt und in der Luft liegt viel Staub. Der Horizont verschwimmt. Die Sonne geht rostgold unter, aber bevor sie den Horizont erreicht, ist sie durch all den Dunst schon nicht mehr zu sehen. Ich hatte auf eine blutrote Sonne gehofft, aber damit ist es leider nichts. Dafür ist es bezaubernd, wie die Berghänge, wie im Kanon hintereinander abfallend, diese rostig braungoldene Farbe abstufen und sich im Dunst verlieren.

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Martin Straube ist seit 30 Jahren als anthroposophischer Arzt in verschiedenen Zusammenhängen tätig, u. a. als Schularzt und als Ausbilder von Heilpädagogen und heilpädagogischen Lehrern. Zweimal war er bereits mit den „Freunden der Erziehungskunst“ in Gaza. Im Juli 2016 war er gemeinsam mit seiner Frau Minka in der Region Dohuk im Nordirak und besuchte das Langzeit-Projekt der Freunde der Erziehungkunst.
Hier berichtet er von seinen Erlebnissen vor Ort. Der Blog gibt seine persönlichen Eindrücke und Meinungen wieder.

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Kontakt:

Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V.

Notfallpädagogik
Büro Karlsruhe
Neisser Str. 10
76139 Karlsruhe
Tel +49 (0)721 354806-144
Fax +49 (0)721 354806-180
notfallpaedagogik[at]freunde-waldorf.de

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