News

News

pädagogische Sektion

Zusammen lernen, lesen, spielen und basteln – das ist jetzt wichtiger denn je! Der Waldow-Verlag unterstützt Eltern und Kinder in der schul- und kindergartenfreien Zeit mit einem kreativen Ideenpool. Dafür öffnet der Verlag die riesige Schatztruhe seiner beliebten Kinder- und Elternzeitschrift VORHANG AUF. Viele spannende Themen sorgen jeden Tag für Spaß und Abwechslung und warten darauf, gemeinsam entdeckt zu werden.

 
 
 … 

pädagogische Sektion

Wohin gehen wir mit der Waldorfschule? Die Grundlage unserer Pädagogik bekommt immer grössere Bedeutung. Worauf bauen wir? Was sind unsere Grundlagen? Wie schaffen wir es, uns die Anthroposophie als Grundlage unserer Pädagogik so zu erarbeiten, dass sie uns Quell im 21. Jahrhundert wird?

 … 

anthroposophie.ch

Um in einer Welt, in der sich alles permanent wandelt und gerade jetzt die Angst in lauten, schweren Stiefeln rundumstampft und alles tut, um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und uns ihrem Willen zu unterwerfen, echte Stabilität zu finden, gibt es nur eine Möglichkeit: Authentisch leben und sich selbst erkennen und verwirklichen.

 … 

anthroposophie.ch

Mit unserem Eilaufruf möchten wir Waldorfschulen unterstützen, die durch wirtschaftliche Folgen der Lockdowns in ihren Ländern betroffen sind, und bitten um Hilfe bei der Durchführung notfallpädagogischer Maßnahmen.

 … 

anthroposophie.ch

Seit gestern Nachmittag befinden wir uns alle in einer aussergewöhnlichen Situation, die neue und ungewöhnliche Ideen von uns fordert. Und das in einer wunderschönen Zeit, die auch einen neuen Anfang symbolisiert.

 … 

erziehungskunst.de

Das Modell der jahrgangsübergreifenden Dorfschule kann zu einem Modell der zukünftigen Schule werden. Familienklassen in Waldorfschulen oder Waldorfschulen als Familienschulen – alles ist möglich und hilft den Kindern, wieder in einem von ihnen überschaubaren Raum zu leben und zu lernen.

 … 

erziehungskunst.de

Wir fragten den Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch, wie es Eltern gelingen kann, nicht in die »Verwöhnungsfalle« zu tappen.

 … 

Die Waldorfschule braucht einen neuen spirituellen Impuls

Unsere Stärke ist unsere Schwäche

erziehungskunst.de
Eine Modell von Noahs Arche, Waldorfschule Harduf

Die Waldorfpädagogik hat in den letzten Jahren eine große Verbreitung erfahren. Mehr und mehr Kinder in mehr und mehr Ländern erleben unsere Pädagogik. Dass ein freies Schulwesen 100 Jahre existiert und gedeiht, ist nicht selbstverständlich. Der Hauptgrund dafür ist die geistige Inspiration – der anthroposophische Hintergrund der Waldorfpädagogik und der klare, bis in die pädagogischen Einzelheiten gehende Bau, den Rudolf Steiner und seine Nachfolger in vielen Büchern, Vorträgen und Lehrerkonferenzen gestaltet haben.

Wir als Waldorferzieher haben eine Tradition, wir haben praktische Methoden, wir wissen wie »man es macht«. Wir haben 100 Jahre Erfahrung, und wir wissen, dass es »funktioniert«. Das ist unsere Stärke.

Aber genau das ist auch unsere Schwäche. Unsere Formen, unsere Tradition, unsere Methoden stammen aus einer geistigen Inspirationsquelle, aber einer Quelle, die vor 100 Jahren sprudelte. Weil unser Tun einen geistigen Ursprung hat, funktioniert es. Die Pädagogik war damals sicher zeitgemäß, aber ist sie es auch heute noch? Vieles hat sich seither geändert: Die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Nahrung, die wir zu uns nehmen, sind ganz anders als vor hundert Jahren, ebenso die Bedürfnisse der Kinder, die Anschauungen der Eltern und die Motivationen und Haltungen der Lehrer.

Das Wissen ist ein zweischneidiges Schwert: Es ist eine Kraft, gibt Sicherheit und Grundlage; doch es kann auch einengen und das Neue hemmen. Um das Erbe zu respektieren, weiter zu pflegen und zeitgemäß zu arbeiten, müssen wir neue Formen suchen, auf den Strom der Zeit achten – und uns anstrengen.

Wenn Steiner heute leben würde

Es ist nur eine Übung, aber eine, die vielleicht hilft: Was würde Steiner, wenn er heute erscheinen würde, uns Waldorflehrern mitteilen? Welche neuen menschenkundlichen Wahrheiten? Welche methodischen Hinweise? Welche neuen Ideen, Gedanken und welche neuen organisatorischen Schritte?

Würde er überhaupt etwas Neues sagen? Mein Versuch einer Antwort auf diese Fragen führt mich zu drei Ebenen.

Esoterische Arbeit

Wir können wissen, was zu tun ist, wenn wir es aus vollem Herzen tun, das gilt besonders für den Erzieherberuf. In unserem – wenn auch begrenzten, schwierigen und manchmal chaotischen – Seelenleben liegt der Quell der Weisheit. Die Frage ist: Wie kommen wir an ihn heran?

Der Waldorfimpuls kam zuerst durch Steiner und seine Schüler in die Welt, die den Impuls weiter entwickelten und ausbauten. Wir leben in einer Zeit, in der weder Steiner, noch seine Schüler, noch irgendwelche überragenden Individualitäten leben, die uns lehren können. Wir sind auf uns selbst gestellt. Das kann entmutigen. Aber es führt kein Weg daran vorbei: Wir müssen auf uns selber bauen.

Die großen Fragen der Zeit werden nicht durch Vorträge und Bücher Steiners beantwortet. Diese stellen eine Basis dar, sie können zu unserer inneren Haltung beitragen, als Wegweiser dienen, aber die Antworten werden nur aus uns selbst kommen.

Schon viele Jahre begleite ich Lehrer an Waldorfschulen und Studenten der Waldorfpädagogik. In den letzten Jahren habe ich ein merkwürdiges Phänomen beobachtet. Viele junge Seminaristen und Lehrer, auch solche, die eine tiefe Verbindung zur Anthroposophie haben, praktizieren spirituelle Schulungswege, sei es Buddhismus, Yoga, Kabbala, Sufismus oder andere. Warum kommen zu uns junge Menschen, lernen die Anthroposophie kennen, verbinden sich mit der Waldorfpädagogik und wählen dann andere geistige Wege zur Selbstentwicklung?

Nach meiner Auffassung liegt es am schweren, einsamen anthroposophischen Schulungsweg. Was auf allen anderen spirituellen Wegen selbstverständlich vorhanden ist – die individuelle Begleitung und unterstützende Gruppe – fehlt uns. Viele junge Menschen finden unseren Schulungsweg zu einsam, zu schwer und es fehlt ihnen die persönliche Begleitung. Sie arbeiten in einer Waldorfschule und finden die Antwort auf ihre esoterischen Bedürfnisse woanders.

Diese Gedanken führten einige Lehrer aus der Waldorfschule Harduf in Israel dazu, den anthroposophischen Schulungsweg für die Gemeinschaft zu entwickeln. Der Ansatz liegt in der Gruppenarbeit, bei der jeder Schüler und Lehrer zugleich ist. Die Gruppe hat Kraft, sie ist der eigentliche Lehrer. Wir nahmen uns vor, gemeinsam die ersten Schritte des Schulungswegs zu gehen und arbeiteten zuerst an den Grundlagen (Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten, die »sechs Nebenübungen«). Wir treffen uns seither mindestens einmal in der Woche, die Leitung wechselt ab und es gibt einen Rhythmus zwischen kleinen Gruppen mit drei bis vier Teilnehmern und einer großen. Die Hauptaktivität besteht in gemeinsamer Meditation, darin, persönliche Erlebnisse der vergangenen Woche auszutauschen und über den nächsten Schritt zu sprechen. Nach einer gewissen Zeit der Praxis werden wir mit Lehrer-Kollegien in verschiedenen Waldorfschulen in Israel diese Arbeit weiter pflegen und führen diesen Arbeitsstil auch in die Waldorfausbildung ein.

Meine Überzeugung ist: Wenn unsere Studenten und Lehrer in der Anthroposophie ihren Schulungsweg finden, wenn sie Begleitung, Gespräch, Erlebnisaustausch und natürlich die tiefen Perspektiven dieses Weges entdecken, werden wir an die geistige Quelle der Waldorfpädagogik herankommen.

Exoterische Arbeit

Der Waldorfimpuls ist für alle Menschen und soll so viele Kinder wie möglich erreichen. Das wird nicht gelingen, wenn wir einfach weitermachen wie bisher. In den meisten Ländern der Welt ist die Waldorfschule ein Privileg für reiche oder gebildete Eltern. Die Waldorfpädagogik ist zwar zu einer Weltbewegung geworden, aber man hat das Gefühl, man bleibt unter sich. Wir sollten uns nach innen bewegen und dann nach außen. Die eine Bewegung stärkt und belebt die andere. Je mehr die esoterisch-meditative Arbeit nach innen sich vertieft, umso mehr werden wir nach außen Einfluss haben und umgekehrt. Heute stecken wir tendenziell in der Mitte fest. Wir brauchen mehr Bewegung! Die eine Möglichkeit, diese Pendelbewegung zu erzeugen, besteht darin, wahrzunehmen, was die Waldorfschule zu geben hat, zum Beispiel:

Nach meiner Erfahrung in Israel gibt es viele Menschen, in allen pädagogischen Kreisen, die eine tiefe Sehnsucht nach genau diesen »Waldorfspezialitäten« haben. Wir haben in den letzten Jahren gute Erfahrungen in staatlichen Schulen und Kindergärten gemacht, die die Waldorfinspirationen suchten. Schulen, die Kunstunterricht für jedes Kind an jedem Tag im Lehrplan einführten, Schulen die Handarbeitsunterricht für alle Kinder in den ersten Klassen organisierten, Schulen die Gemüsegärten anlegten und Schulen, die jeden Morgen eine Viertelstunde lang mit der ganzen Schulgemeinschaft auf dem Sportplatz spielten. Die Frage nach unseren Waldorfqualitäten und pädagogischer Begleitung kam von den Schulen (Schulleitern oder Lehrern), von den Eltern in der Schulgemeinschaft oder in einigen Fällen auch von der Gemeindeverwaltung. Es geht nicht darum, dass eine staatliche Schule in eine Waldorfschule umgewandelt wird. Mein Anliegen ist, dass so viele Kinder (und Lehrer) wie möglich Kunst betreiben, im Garten arbeiten, die Natur achten, Tiere pflegen, persönliche Verantwortung übernehmen und wenn es geht, auch langsam die Waldorfmethoden anwenden. Was ich vor mir sehe, ist eine große öffentliche pädagogische Bewegung, die ihre Inspiration vom Waldorfimpuls empfängt. Es könnten also zwei getrennte Bewegungen entstehen, zwischen denen es eine klare Beziehung gibt: die Waldorfbewegung und die öffentliche Bewegung. Die letztere sollte sich in allen Bereichen des Schulsystems betätigen, in Zusammenarbeit mit den Behörden, den Schulbehörden und anderen pädagogischen Bewegungen im Land. Dies ist der zweite Schritt: nach außen gehen, großen Einfluss ausüben, ganz freilassend, aber mit der Sicherheit: Wir haben etwas beizutragen zur pädagogischen Welt.

Forschung als Alltagspraxis

Die dritte Ebene besteht in der Forschung als Alltagspraxis. Tradierte Formen haben die Tendenz, Zwang auszuüben. Um die neuen Zeitforderungen wahrzunehmen, müssen wir einen offenen Raum schaffen und zunächst die geprägten Formen vergessen. Da kann uns die Frage weiterhelfen: Was hat dauernden und was temporären Wert in unserem pädagogischen Tun? Welche Elemente sollten wir erhalten und welche ändern, so dass sie am Puls der Zeit liegen? Wir müssen den Mut haben, viele Waldorfelemente, Inhalte, Methodisches, Gewohnheiten in Frage zu stellen. Noch einmal: Was würde uns Steiner, wenn er heute leben würde, raten – in Bezug auf unser tägliches Tun mit den Kindern? Jeder von uns trägt die Antworten in sich und eine richtige Gruppenarbeit kann zu ihnen hinführen – eine Gesprächs-Gruppenarbeit, die auf Vertrauen und Zuhören basiert. In der Lehrerkonferenz können wir unser ganzes Tun in Frage stellen. Wir können unsere Kinder, Eltern, jungen Mitarbeiter, die Zeiterscheinungen, die Welt, in der die Kinder aufwachsen, also die Schul- und Lebensverhältnisse beobachten. Aus dieser Perspektive können wir unsere pädagogischen Traditionen erforschen: Was soll bleiben? Was sollten wir ändern? In welche Richtung? Was passt genau zu dem, was unsere Kinder brauchen? Was tut ihnen gut? Wann und wo haben wir das Gefühl, dass ihre Lebenskräfte wachsen? Wann und wo haben wir das Gefühl, dass sie austrocknen, die Kinder müde werden?

In den letzten Jahren begleitete ich einige Lehrerkollegien in folgenden Fragen (Beispiele): 1. Der Atem zwischen Unterricht und Pause in den verschiedenen Alterstufen. Eine Schule möchte einen fließenden Tageslauf ohne Unterrichtspausen und ohne feste Anfangs- und Schlusszeiten einrichten. 2. Das Essen und das Zubereiten des Essens. In einer Schule werden die Kinder zusammen Mittag essen und als ganze Klassengemeinschaft das Essen vorbereiten. 3. Gestaltung des Tagesbeginns. Die Kinder sollen mehr Möglichkeiten zur Bewegung, Arbeit und Selbstinitiative haben. Vorgeschlagen werden: Wanderung, Arbeit auf dem Feld, soziale Spiele und Freispiel für die unteren Klassen. 4. Zunehmende Wahlmöglichkeiten ab Klasse 6 bis in die Oberstufe. Dadurch soll die Eigeninitiative der Schüler geweckt werden. Zwei, drei
Fächer werden in derselben Stunde parallel angeboten. 5. Epochenunterricht in allen Unterrichtsfächern (Fremdsprachen, Handarbeit, Kunst …). In der Oberstufe sogar zwei bis drei Epochen parallel. 6. Die Pflege der sozialen Beziehungen zwischen den Kindern. Ein Vorschlag war, einen begleiteten Zeitraum am Tag zur Verfügung zu stellen, in dem die Schüler sich selbst organisieren. 7. Gruppenarbeit von der ersten Klasse an. 8. Oberstufe – die Partnerschaft mit den Schülern suchen. Formen schaffen, dass sie in der Schule mittätig sein und mitgestalten können. Das kann seinen Anfang mit Festgestaltung und Projekttagen machen, aber auch bis zu Lehrplan- und Methodikfragen reichen. 9. Verzicht auf eine Epoche zugunsten eines Freiraumes, um zu fragen, was die Klasse jetzt wirklich braucht und was der Lehrer eigentlich gerne jetzt unterrichten würde. Wo liegen die persönlichen Vorlieben, so dass in jedem Schuljahr eine Epoche selbst neu gestaltet wird.

Zentral ist, dass wir als Gruppe suchen, forschen und unser tägliches Tun vertiefen, in dem Bewusstsein, dass wir die Antworten schon in uns tragen. Ich bin zuversichtlich: Mit genug Anstrengungen und Ausdauer werden wir unsere pädagogische Arbeit zeitgemäß weiterentwickeln können.

Zum Autor: Dr. Gilad Goldshmidt war viele Jahre Klassenlehrer in der Unterstufe, danach in der Oberstufe der Waldorfschule Harduf. 30 Jahre Vorsitzender des israelischen Waldorfbundes. Mitleitung zweier staatlich anerkannter Waldorf-Lehrerausbildungen. Begleitung von Schulen und Lehrern. Autor einiger Waldorfbücher auf Hebräisch. Lebt in Harduf, Israel.

Kontakt: Gilad(at)harduf.or

Zurück