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erziehungskunst.de

Überflieger, Nerds, Sonderlinge ... Die Liste der Zuschreibungen von Hochbegabten ist lang. Im Kleinkindalter könnten sie leicht als Überflieger identifiziert werden. Oft werden sie aber in ihrem Drang, Dinge auszuprobieren und zu durchdenken, ausgebremst. Wenn sie dann voller Vorfreude in die Schule kommen, werden sie erneut gestoppt, denn dann heißt es für diese Kinder: Warten!

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erziehungskunst.de

»Sinn ist etwas, durch das wir uns Erkenntnis verschaffen, ohne Mitwirken des Verstandes.« Die Evidenz dieser Aussage Rudolf Steiners ist an kleinen Kindern unmittelbar erlebbar.

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Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

Wie bleiben Familien mit Kindern trotz aller Herausforderungen während der Coronavirus-Pandemie möglichst positiv gestimmt? Zahlreiche Expertinnen und Experten aus Pädagogik, Psychologie und Medizin haben auf der Website kinderaerzte-im-netz.de konkrete und alltagstaugliche Tipps und Informationen dazu zusammengestellt.

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pädagogische Sektion

Zusammen lernen, lesen, spielen und basteln – das ist jetzt wichtiger denn je! Der Waldow-Verlag unterstützt Eltern und Kinder in der schul- und kindergartenfreien Zeit mit einem kreativen Ideenpool. Dafür öffnet der Verlag die riesige Schatztruhe seiner beliebten Kinder- und Elternzeitschrift VORHANG AUF. Viele spannende Themen sorgen jeden Tag für Spaß und Abwechslung und warten darauf, gemeinsam entdeckt zu werden.

 
 
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pädagogische Sektion

Wohin gehen wir mit der Waldorfschule? Die Grundlage unserer Pädagogik bekommt immer grössere Bedeutung. Worauf bauen wir? Was sind unsere Grundlagen? Wie schaffen wir es, uns die Anthroposophie als Grundlage unserer Pädagogik so zu erarbeiten, dass sie uns Quell im 21. Jahrhundert wird?

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anthroposophie.ch

Um in einer Welt, in der sich alles permanent wandelt und gerade jetzt die Angst in lauten, schweren Stiefeln rundumstampft und alles tut, um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und uns ihrem Willen zu unterwerfen, echte Stabilität zu finden, gibt es nur eine Möglichkeit: Authentisch leben und sich selbst erkennen und verwirklichen.

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anthroposophie.ch

Mit unserem Eilaufruf möchten wir Waldorfschulen unterstützen, die durch wirtschaftliche Folgen der Lockdowns in ihren Ländern betroffen sind, und bitten um Hilfe bei der Durchführung notfallpädagogischer Maßnahmen.

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Dorfschule – Waldorfschule – Familienschule

Was verstehen Sie unter Erziehung?

erziehungskunst.de

Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt …!

Als frischem Junglehrer wurde mir eine Stelle angeboten, in einem kleinen Dorf, in idyllischer Lage, mit großer Lehrerwohnung direkt im Schulhaus – aber eben: mit einer Mehrklassenschule! Eine echte Dorfschule mit erster bis sechster Klasse im gleichen Zimmer bei mir als einzigem Lehrer für alle Fächer, außer Handarbeiten für die Mädchen. Mutig trat ich die Stelle an. Zunächst wollte ich natürlich beweisen, dass auch mit den sechs Klassenstufen alle vorgegebenen Ziele erreichbar sind. Zeitoptimierung pro Klasse war angesagt. Intensive Vorbereitungsarbeit hielt mich fast rund um die Uhr auf Trab, Ziele wurden erreicht – aber ich begann zu (ver)zweifeln. Mein Vorgänger hatte diese Schule 30 Jahre mit strenger Disziplin beherrscht. Ich wollte »moderner« unterrichten und suchte nach Lösungen. Ein »Intensivkurs« am Waldorfseminar in Mannheim eröffnete mir die »Menschenkunde« Rudolf Steiners. Viele weitere Kurse und Seminare folgten. Aber immer wieder wurde betont, dass Rudolf Steiner nicht von altersgemischtem Lernen gesprochen habe und deshalb eine Dorfschule in dieser Form keine Waldorfschule sein könne. Im Austausch mit Kollegen in ähnlichen Schulverhältnissen entwickelte ich mich und meine Schule weiter. Es musste doch möglich sein, dass die aus dieser Menschenkunde abgeleitete Pädagogik, wie Steiner formulierte, »überallhin, in jede Art von Schule, in jede Art des Unterrichts durch den einzelnen Lehrer gebracht werden kann«. Welch ein Unterschied, als ich nicht mehr additiv von sechs Klassen ausging, sondern von einer pädagogischen Einheit: Ich unterrichte eine Klasse mit verschiedenen Altersstufen. Ich bin Lehrer an einer »Familienschule«! In dieser Klasse gibt es schnellere und langsamere Kinder, einige stagnieren, um später alles wieder einzuholen, anfängliche Zugpferde werden langsamer – aber das stört kaum, denn die Grundthemen sind ja immer präsent, können nachgeholt werden und wir haben sechs ganze Jahre Zeit, die Entwicklungsschritte des zweiten Jahrsiebts gemeinsam zu durchleben! Welche Chance, das ganze zweite Jahrsiebt täglich vor mir zu haben und beobachten zu können – Menschenerkenntnis als täglich verifizierbare Praxis. Jeder Schüler erlebt sich in dieser Gemeinschaft als Wachsender vom Jüngsten zum Ältesten und verbleibt so nicht immer in der gleichen Position wie in der Jahrgangsklasse. Allmählich gelang es mir, den Stoffplan meiner Schulform anzupassen. In einem Drei-Jahres-Zyklus ließen sich die meisten Inhalte altersgemäß einsetzen. Bei Schülerzahlen zwischen 13 und 33 (ideal wären 20-25 Schüler) standen uns zwei Räume und 40 Lehrerstunden zur Verfügung: sechs Stunden Handarbeit und sechs Ergänzungsstunden, erteilt von einer lieben Kollegin, neben meiner Verpflichtung, boten gute Möglichkeiten, in Unter- und Mittelstufenabteilungen altersgemäß zu arbeiten.

Stundenpläne erübrigen sich

Wie schätzten die Erst- und Zweitklässler die Märchen- und Legenden-Erzählstunden meiner Kollegin während ich den Dritt- bis Sechstklässlern mythologische Geschichten vortragen konnte. Waren die jüngeren Kinder mit ihr mit bewegten Sprachspielen beschäftigt, konnte ich mit den Großen im Epochenunterricht ein Thema weiter entwickeln. War die eine Abteilung im Handarbeitsunterricht, bot sich Zeit für vertiefendes Lernen der anderen Gruppe. Im Stundenplan waren nie Fächer aufgeführt, sondern nur die Präsenzzeiten, so dass wir in der Tagesgestaltung weitestgehend frei waren. Das Zeichnen, Malen, Turnen, Singen und Musizieren pflegten wir im »Familienverband«. So konnte eine intensive kreative Stimmung im Schulzimmer entstehen. In unserem Flöten-Orchester konnten alle mitwirken, die Kleinen mit einigen Tönen, die Großen mit Begleitstimmen. Das Formenzeichnen lernte ich als wichtiges Instrument kennen: Wenn wir – nach einer sehr bewegten großen Pause – gemeinsam Kreise zeichneten, konzentrierten wir uns alle und waren bald gestimmt für die nächste Arbeit. Während sich die jüngeren Schüler mit einfachen Formen wiederholend weiter beschäftigten, entwickelten wir mit den Älteren Formveränderungen, Flechtformen und Form-Evolutionen. Alle Kinder freuten sich an den schönen Formen, aber auch an der konzentrierten Stille, die beim Formenzeichnen entstand. Manche Inhalte konnten zu echten Initiationserlebnissen gestaltet und zelebriert werden. Zum Beispiel musste die Einführung der schriftlichen Addition mit den drei bis vier betroffenen Schülern in einer Gesamtstunde an der großen Wandtafel stattfinden. Alle anderen Schüler sollten eigentlich an ihrer eigenen Arbeit bleiben, belauschten aber auch das Geschehen an der Tafel – die Älteren sich erinnernd, die Jüngeren in Erwartung ihrer eigenen Initiation: Wenn ich dies auch kann, dann bin ich groß! So ergaben sich mit der Zeit wichtige Momente im Schulleben, die jedes Jahr unbedingt – mit den nächsten Kindern – wiederholt werden mussten.

Beiläufiges Lernen statt Zeitoptimierung

Für die Kinder blieb die Klassenstufe auch in der Familienschule wichtig. Da auf jeder Klassenstufe nur wenige Kinder sind, ist die individuelle Förderung sehr gut möglich. So entdeckte ich immer mehr die Chancen des »beiläufigen Lernens« zur Unterstützung der Erkenntnisschritte der Kinder. Anstelle der Zeitoptimierung pro Klasse trat ein gemeinsamer Einstieg in ein Thema, gefolgt von individualisierter Klassenarbeit. Bei der »Tierkunde« besuchten wir gemeinsam im Stall ein frisches Kälbchen, die Kätzchen eines Schülers und die jungen Hunde des Nachbarn, um anschließend unsere Beobachtungen zu verarbeiten. Die Erstklässler zeichneten, die Sechstklässler überlegten sich einiges zum Thema »Nesthocker – Nestflüchter«, während der Drittklässler freudig schrieb »… das Kalb hat einen längeren Schwanz.« Zu einem Leitsatz meiner Bemühungen wurde: »Der Unterricht orientiert sich an den biografischen Notwendig­keiten des Kindes.«

Wenn Klein und Groß sich gegenseitig schützen

Die wichtigste Erfahrung in meinen 38 Jahren Familienschule aber bleibt die fundamentale Bedeutung des »Rubicon«. Steiner hat in vielen Vorträgen diesen Übergang vom kleinen zum großen Schüler geschildert. Aus meiner Beobachtung scheint er mir der entscheidenste Übergang des ganzen Lebens zu sein. Das Weltbild des Kindes wird bis in die Grundfesten erschüttert und muss neu aufgebaut werden. In dieser Zeit bedürfen die Kinder eines besonderen Schutzes. Die Familienschule bietet hier hervorragende Möglichkeiten. Die neun- bis zehnjährigen Kinder sind eingebettet in eine stabile Gemeinschaft. Die jüngeren Mitschüler wundern sich über die Veränderungen ihrer Spielkameraden, während die Fünft- und Sechstklässler zurückblicken und Verständnis aufbringen für die schwierige Zeit der »Rubicon-Schwimmer«. Für diese sind die Großen Vorbilder, die ihnen oft bessere Unterstützung oder Verständnis entgegenbringen können als Erwachsene.

Mir scheint, dass die heutigen Kinder eines starken Schutzes des Rubiconüberganges bedürfen und dass die anschließende neue Beheimatung in der Familienschule besonders gut gelingen kann. Wie wirkte das Bruchrechnen als »Entwicklungshilfe« für die Knaben, die eine »Insel im Rubicon« gefunden hatten! Geometrie vermittelt Strukturen und Sicherheit im neuen Land. Die Fünftklässler sind meist noch nicht sicher am neuen Ufer, während die Sechstklässler als sichere Stützen wirken können. In der Jahrgangsklasse würden sie nun nach neuen Horizonten aufbrechen, »groß« sein wollen, mit allem, was zur Pubertät gehört. In der Familienschule wenden sie sich zurück, bringen ihre großen Energien im Zusammenklang mit den Kleineren an und wirken so segensreich für sie. Auch können wir so den Sechstklässlern noch ein Jahr Kindheit schenken, bevor sie in die Stürme des dritten Jahrsiebts aufbrechen.

Die Schule der Zukunft

Die alte Dorfschule ist nicht ein Relikt aus der Vergangenheit, sondern die »Schule der Zukunft«. Auch an großen Waldorfschulen böten solche altersgemischten Klassen vielen Kindern eine bessere Umgebung als eine Jahrgangsklasse. Eine »Familienklasse« ließe sich jeder großen Schule angliedern. Noch mutiger wäre es, viele kleine Waldorf-Familienschulen dort zu installieren, wo die Kinder wohnen. So könnte einerseits dem »Waldorf-Tourismus« Einhalt geboten werden. Kinder könnten aus eigener Kraft zur Schule kommen oder in »akuten« Situationen nach Hause eilen. Andererseits wäre da ein sehr kleines Kollegium rundum verantwortlich für diese Schuleinheit. Eine Lehrkraft – unterstützt von möglichst wenigen Kollegen – gestaltet ihr kleines Schulhaus – und sei es ein Schulcontainer – liebevoll zu einer Heimat für die Kinder. In einer zentralen Oberstufe werden anschließend die Kinder der verschiedenen dezentralen Einheiten von der siebten bis zur zwölften Klasse in Jahrgangsklassen unterrichtet. Für die längere Anreise zur Oberstufenschule sind sie jetzt alt genug.

Die Formulierungen des »Haager Kreises« ermutigen und bestätigen mich zum Gestalten einer »Schule der Zukunft«, die sich an den biografischen Notwendigkeiten der heutigen Kinder orientiert. Im Südosten von Frankreich, in Vorarlberg und in der Schweiz leben einige Familienschulen. Für meine Schule gab es leider kein Happy End: Sie wurde geschlossen, weil zu wenig Schüler im Dorf waren. Höchst erfreulich sind Nachrichten von neuen Initiativen für kleine Einheiten mit altersgemischten Klassen. Da muss in enger Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern intensive Grundlagenarbeit geleistet werden, damit sich ein starkes Bewusstsein für Sinn und Zweck der Schule in der heutigen Zeit, an diesem Ort, für diese Kinder ergibt. Einengende Traditionen gibt es bei der Familienschule nicht, denn jede muss neu entwickelt werden. Die pionierhafte Schulführung fordert einen großen, mehrjährigen Einsatz, lässt aber auch schöpferische Kräfte wachsen in der intensiven Neugestaltung der Schul- und Erziehungslandschaft der Schule und ihres Umfeldes.

Zum Autor: Peter Büchi hat 40 Jahre Erfahrung als (Wal)Dorfschullehrer in altersgemischter Form von 1.-6. Klasse; er ist Erwachsenenbildner, 20 Jahre Leiter des Freien Pädagogischen Arbeitskreises (Ziel: Waldorfpädagogik in der Staatsschule). E-Mail: cp.buechi@bluewin.ch

Literatur: Rudolf Steiner: Anthroposophische Pädagogik und ihre Voraussetzungen, GA 309, 14.4.1924

sbildung, Berlin/ Heidelberg 2018; ders.: Boxenstopp für Paare, … damit Ihre Beziehung weiter rund läuft, Berlin 2018

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