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Freunde der Erziehungskunst

Die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e. V. fördern seit 1976 Waldorf-schulen, Waldorfkindergärten, sozialtherapeutische und heilpädagogische Einrich-tungen sowie soziale Initiativen, um Menschen weltweit gute Bildungschancen zu ermöglichen. Mit Erfolg. Weit über 600 Einrichtungen auf der ganzen Welt konnten bisher gefördert und durch freiwilliges Engagement begleitet werden.

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Thomas Stöckli

Greta Thunberg, die 16-jährige Klimaaktivistin, wurde eine Symbolfigur für unsere Zeit. Geschah ihr Engagement aus ihrem ureigenen inneren Impuls heraus? Welche Rolle spielen dabei ihre Eltern und welche Bedeutung kommt der Schule zu? Gibt es einen Bezug des Greta-Phänomens zur Waldorfschulbewegung?

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Eliant

Die Zukunft unserer zunehmend digitalisierten Welt braucht gesunde, unabhängig denkende und selbstbewusste Menschen – keine angepassten, systemkonformen Konsumenten.

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erziehungskunst.de

Thema: Verwöhnungsfalle - Fürsorgliche Rabeneltern – oder geht es auch anders? Im Gespräch mit dem Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch

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erziehungskunst.de

Nach den großen Feierlichkeiten in Stuttgart und Berlin war es am 28. September 2019 auch in Mannheim soweit: Auf den Kapuzinerplanken mitten in der Innenstadt wurde das 100-jährige Jubiläum mit einem Markt der Möglichkeiten begangen.

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erziehungskunst.de

Wer kennt es nicht, ob zu Hause, in der Klasse oder auf der Autofahrt: laute, streitende Kinder, die hauen, kratzen und schreien, die über Tische und Bänke gehen, keiner Anweisung folgen, obendrein noch freche Antworten geben.

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Emotionale Arbeit – auch das noch

Warum es sich lohnt, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen.

erziehungskunst.de

aus erziehungskunst.de

»Das bisschen Haushalt«, hat sich schon herumgesprochen, ist gar nicht »so ein bisschen«, aber noch machbar, dank stiller Haushaltshelfer namens Spülmaschine und Waschmaschine. Hinzu kommt, an was man sonst noch alles denken muss: Hausaufgaben, neue Schuhe, Zahnarzttermin und Logopädie, die U2 für das Baby, wer betreut die Kinder in den Ferien, wenn die Brotarbeit weitergeht und wie war das mit der Steuererklärung?

Das ist viel. Sehr viel mitunter. Aber ist es wirklich das, was so anstrengend ist? In unseren Brotberufen müssen wir doch auch an alles Mögliche denken.

»Mama sein ist ja auch gar nicht so anspruchsvoll, die Arbeit fordert doch überhaupt nicht geistig«, höre ich noch die Generation vor uns sagen. Die, die damals die Emanzipation vorantrieb. Die, die Frauen »vom Herd wegbringen« wollten und dafür plädierten, dass Frauen sich auch geistig mit Männern messen können, weil Mamisein einen ja gar nicht auslaste – immer nur Schäufelchenstreit und Windelwechsel. Unterfordert fühle ich mich aber gar nicht. Mein Mann übrigens auch nicht. Und wenn ich mit anderen Müttern spreche, dann klingen sie auch alles andere als unterfordert. Im Gegenteil: Sie sind gestresst, haben das Gefühl, nicht mal in Ruhe auf die Toilette gehen zu dürfen und kommen selten zur Ruhe. Sie beschweren sich darüber, dass sie niemals vorher gedacht hätten, dass es »so schwer werden« würde und darüber, dass sie nicht wüssten, »wie sie das alles schaffen sollen«. Sie fragen sich, »wie lange bleibt das eigentlich so?« und wünschen sich dringend mal eine Pause. Und trotz der Anstrengung haben viele Familien jetzt wieder drei Kinder. Man sagt sogar 3 ist das neue 2: Weil Familie erfüllt, weil Kinder auch Glück bedeuten, vielleicht weil die Begleitung von Kindern wie eine Reise zum eigenen Ich ist?

In den Spiegel blicken

Wie nichts anderes auf der Welt fordern Kinder – vor allem unsere eigenen – uns dazu auf, uns selbst im Spiegel zu betrachten. Jede Nuance unseres eigenen Verhaltens, selbst unsere Gedanken und Emotionen werden aufgenommen. »Kinder kooperieren«, sagt der Familientherapeut Jesper Juul. Aber das bedeutet nicht, das sie wie gut dressierte Schoßhündchen agieren – nein! »Kooperieren« bedeutet, dass sie ständig in Verbindung zu uns stehen und auf unseren Gemütszustand reagieren.

Genau dieses Verhalten, das mich manchmal so sehr aufregt, ist wahrscheinlich aus der Spiegelung meines eigenen entstanden. Deshalb sind es auch oft die Kinder, die uns am meisten ärgern, weil sie auch die engste Verbindung zu uns haben. Kein Mensch ist so stark abhängig von mir. Deshalb ist auch keiner meinem Verhalten und meinen Gefühlen so nah wie mein eigenes Kind. Das strengt an.

Wir sind aufgerufen, uns selbst zu überprüfen und achtsam zu reagieren. Wir sind aufgerufen, unser Verhalten zu ändern, neue Blickwinkel einzunehmen und neue Wege einzuschlagen. Und niemand kann uns das abnehmen. Wir können uns auch schlecht davor drücken. Aber es bringt uns tiefer zu uns selbst, und das ist Arbeit.

Emotionale Achterbahn

Im einen Moment spielen die Kinder schön, im nächsten explodiert die Welt wegen eines Legoschwertes! Tiefe Trauer über den verschwundenen Teddy, himmelhochjauchzend, weil es Pfannkuchen zum Abendessen gibt. Das Baby lacht einen strahlend an, dann beginnt es zu schreien. Mein Kleinster steht vor der verschlossenen Zimmertür der »Großen« und schluchzt: »Ich will auch mitspielen.« – »Komm, du kannst mir helfen beim Abendessen richten.« – »Neiiiin. Ich will auch mitspielen!« Bodenloser Kummer.

»Gestern hat mein Dreijähriger eine Stunde lang geschrien, weil seine Lieblingshose nass war. Er wollte sich nicht trösten lassen und schlug nach mir, wenn ich mich näherte. Erst gegen Ende dieser unendlichen langen Stunde, durfte ich ihn herumtragen«, erzählt eine Mutter. »Wenn meine Tochter von der Schule kommt, ist sie kaum ansprechbar, motzt nur und schubst die kleineren Geschwister. Sie fängt an zu heulen, wenn man sie nur schief anschaut. Das geht manchmal zwei, manchmal drei Stunden lang so. Dabei ist sie in der Schule super!«, sagt eine andere Mutter.

Das soll nicht fordernd sein?

Die Fahrt auf der emotionalen Achterbahn hängt in unserer individuellen und manchmal recht einsamen Elternzeit ganz allein von uns ab. Was früher noch von der ganzen Familie getragen wurde, bleibt heute an einem einzelnen Menschen hängen. Hinzu kommt: Unsere Kinder sollen heute ihre Gefühle ausdrücken, werden dafür nicht bestraft, sondern darin bestärkt, begleitet und getragen. Denn das hat sich inzwischen bei den meisten Müttern und Vätern herumgesprochen: Gefühle unterdrücken ist nicht gut. Also raus damit.

Doch wer hält die Stellung? Wer kann die Familie aus diesen emotionalen Untiefen wieder heraussteuern? Ist es nicht eine Höchstleistung, Mitgefühl zu empfinden und dennoch zurück zu Leichtigkeit, Freundlichkeit und Fröhlichkeit in der Familie zu finden?

Um das wirklich zu schaffen, nicht unterzugehen oder selbst von einem Stimmungstief ins nächste zu fallen, ist es wichtig, dass Mama oder Papa sich Ausgleiche schaffen; dass sie sich selbst ernst nehmen und sich den großen Aufwand antun, etwas für sich zu tun. Das ist für jeden etwas anderes: Was für die eine das Treffen mit anderen Eltern ist, ist für die andere Ruhe und Zeit für sich selbst. Es kann ein Tag in der Sauna sein oder mal ein Tag ohne Termine, nur im eigenen Garten. Und natürlich hilft die Unterstützung und Stabilität einer guten Partnerschaft oder Freundschaft.

Aushalten und Annehmen

Geschwister können so unterschiedlich sein wie Tag und Nacht. Trotz der selben Eltern und der selben Familie scheinen sie von verschiedenen Planeten zu stammen. Ihre Eigenarten, ihre Persönlichkeit, ihre Individualität sind wunderbar – eigentlich ein Geschenk für jeden, der ihnen nahesteht. Aber da sind dann auch noch die Ängste, die Schwierigkeiten und Hürden: Max flippt jedesmal aus, wenn man nur einen falschen Satz sagt. Meike ist so schüchtern, dass sie nicht mit fremden Erwachsenen spricht – und das sind alle, außer Mama und Papa. Vera hat ein Jahr lang ständig Lungenentzündung und Jakob kann einfach nicht teilen. Mit diesen Hürden müssen wir klarkommen – ja, nicht nur das, aushalten und an- nehmen sollen wir sie. Wir geben Hilfestellung, leiden mit, machen uns Sorgen. Besonders Letzteres, das können heutige Eltern gut.

»Ist das normal?«, ist die häufigste Frage, die Eltern im Internet stellen. Und das geht schon los, wenn der Kinderwunsch aufkommt: »Wir wünschen uns jetzt schon seit drei Monaten ein Kind und ich bin immer noch nicht schwanger … ist das normal?« – »Heute habe ich den ganzen Tag meinen Bauchbewohner nicht gespürt … ist das normal?« – »Meine Kleine verschluckt sich ständig beim Stillen … ist das normal?« – »Er läuft immer noch nicht und das mit 17 Monaten … ist das normal?« – »Sie sagt, sie will ihre kleine Schwester verkaufen … ist das normal?« – »Er mag den Kindergarten/die Schule/die Ausbildung nicht und würde lieber zu Hause bleiben … ist das normal?« – Wir werden mit Sorgen, Ängsten und Besonderheiten konfrontiert, fühlen uns allein mit der Aufgabe, unser Kind, so wie es ist, anzunehmen, mit allen Höhen und Tiefen – eine Aufgabe, die uns so viel Verantwortung abfordert.

»Ich möchte so gerne mal wieder ein eigener Mensch sein« – sagen Mamas. Und warum nicht? Warum soll unser Leben jetzt nur noch aus den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Kinder bestehen? Vielleicht ist es wichtig, auch mal wieder über die Wäscheberge hinwegzusehen, die Termine zu reduzieren, sich einfach mit guten Freunden zu treffen, ein Picknick im Grünen zu machen, etwas anderes zu denken. Natürlich ist es auch schön, sich mit anderen Müttern und Vätern auszutauschen und zu erfahren, dass die eigenen Kinder eigentlich doch »ganz normal« sind und dass es in Ordnung ist, wenn Hans mit vier immer noch eine Windel hat und Maria mit zwei noch immer nicht richtig durchschläft: Mit 16 werden sie windelfrei sein und länger schlafen, als uns lieb ist!

Und wenn sich nicht »alles von selbst löst«? Auch dann ist es wichtig, sich selbst nicht ganz aus den Augen zu verlieren, noch Mensch zu sein und nicht nur Bedürfnisbefriedigerin von allen, auch mal ein wenig Zeit abzuknapsen und etwas zu tun, das einem gefällt und gut tut – ohne schlechtes Gewissen.

Herausforderungen anzunehmen sind wir nicht mehr gewöhnt, in einer Welt, die propagiert, alles sei möglich, wenn man es nur wolle. Diese neue Lern­-

er­fahrung des »Annehmens und Aushaltens« lehrt uns Demut und Dankbarkeit, denn hier merken wir, dass wir nicht alles in der Hand haben, nicht alles »machen« und uns einfach nur freuen können, wenn es uns und den Kindern gut geht.

Hülle geben

Noch ein sehr unbekannter Geselle in der emotionalen Arbeit mit den eigenen Kindern ist das Hüllegeben. Waldorfs sprechen davon. Sie kennen auch »Hüllenlosigkeit« bei Kindern.

Wenn ich ein Haus oder eine Wohnung von Freunden betrete, kann ich es vielleicht spüren: Diese Wohnung ist belebt, sie ist ein Ort, an dem Menschen sich wohl fühlen. Man spürt »Gemütlichkeit« und »Wärme« und damit ist nicht die Heizungswärme gemeint. Es ist emotionale Arbeit, ein paar viereckige Zimmerchen in einen Lebens-Raum zu verwandeln. Es kostet Energie, und es ist nur sehr schwer, eine Haushaltshilfe zu finden, die das übernehmen könnte. Zum Glück helfen unsere Kinder mit bei diesem Projekt, denn kaum etwas bringt mehr »Leben« in einen Raum, als die Anwesenheit von lebendigen, spielenden, streitenden, weinenden und lachenden Kindern.

Wärme und innere Ruhe, Liebe und Geborgenheit kann man aber nicht nur einem Raum geben, sondern vor allem einem Menschen. So jedenfalls würde ich »Hülle geben« beschreiben. Was, wenn mein Kind aber eher eines dieser »Nerven-Sinnes-Kinder« ist, zu Hüllenlosigkeit neigt und schnell »außer sich« gerät – also ein ganz normales Kind unserer Zeit ist? Was, wenn ich selber so ein »Kind« bin? Das ist eine Aufgabe, die uns sicherlich unser Leben lang begleitet, uns fordert und »anstrengt«. »Bei sich« zu bleiben, zur inneren Balance zu finden ist Arbeit. Seinem Kind diese Fähigkeit zu geben – und vor allem – sie für das Kind stellvertretend zu übernehmen, solange es dabei noch Hilfe braucht, ist eine Leistung.

Die meisten Eltern tragen ihre Kinder. Viele Mütter stillen. Manche ölen ihre Kinder am Abend ein, damit sie zur Ruhe kommen und ihren Körper als eine warme und angenehme Heimat erleben können. Fast alle lesen vor und auch das Singen ist noch unter vielen Eltern bekannt. Das alles sind Tätigkeiten, die Hülle geben können. Und echte Arbeit.

Die Elternbeziehung

Manchmal wird es von Frauen bejammert, manchmal machen Männer Witze darüber: Eltern-Beziehungen.

»Wenn er Urlaub hat, wünsche ich mir manchmal, dass die Arbeit anruft und er wieder arbeiten muss.« – »Es ist unendlich viel stressiger, wenn wir beide zu Hause sind.« – »Meine Kinder folgen viel besser, wenn ich mit ihnen allein bin.« – »Streiten ist so anstrengend. Und dann das schlechte Gewissen, weil wir es vor den Kindern tun.« – Beziehungsratgeber raten lapidar: Das Eltern-Paar solle sich mal wieder frei nehmen und abends ausgehen. Das ist zwar nett, aber es ist vielleicht höchstens ein schlecht klebendes Pflaster auf einer viel zu großen Wunde.

»Wir sitzen dann da, müde in so einem schicken Re­staurant und versuchen, krampfhaft nicht über die Kinder zu reden«, sagt eine Mutter. Zum Glück kann sie noch darüber lachen. Die Beziehung wird anstrengend, da die beiden Leben sich nun überschneiden müssen, so dass etwas Gemeinsames daraus entsteht. Sie müssen zusammenarbeiten. Ausweichen ist nicht möglich. Die Enttäuschung, das neue Aufraffen, das Zusammenraufen und Ausdiskutieren. Das Äußern von Gefühlen, Empathie, das Loslassen und Einander-sein-Lassen. Respekt erlernen vor dem Anderen, Hilfestellung geben, ohne anzugreifen, einander zu begleiten – in ja – in guten und in schlechten Tagen … das ist emotionale Arbeit.

Und manchmal bin ich echt schweißgebadet davon!

Doch führt uns diese emotionale Arbeit nicht nur zu uns selbst, »erzieht« uns, schiebt unsere eigene Entwicklung voran: sie erfüllt auch, kann uns glücklich machen und lehrt uns, wieder die wirklich wichtigen Dinge im Leben schätzen zu lernen. Ich gestehe: Ich bin gerne Mama.

Zur Autorin: Susanne Bregenzer ist ehemalige Waldorfschülerin an der Waldorfschule Rengoldshausen, ausgebildete Jugend- und Heimerzieherin, dreifache Mutter in Elternzeit und Elternbloggerin. www.familienuniversum.de

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