News

News

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

150 Kursangebote für an Weiterbildung interessierte Menschen

 Neben einer Vielzahl von bewährten Kursen in den Bereichen Beruf, Inspiration, Kunst und Ferien hat das Alanus Werkhaus im Jahr 2019 auch viele spannende neue Kurse ins Programm aufgenommen.

 … >>

Eliant

Eliant

Warum setzen wir in den Schulen digitale Medien ein, ohne die Auswirkungen zu kennen?

 … >>

Freunde der Erziehungskunst

Keine Selbstverständlichkeit: Schulen im ländlichen Afrika

In ihrem aktuellen Spendenaufruf bitten die Freunde der Erziehungskunst um Spenden für Waldorfschulen, die sich vor allem für Kinder in ländlichen Gegenden Afrikas einsetzen.

 … >>

Goetheanum

Erst die analoge, dann die digitale Welt

Internationale Konferenz der waldorfpädagogischen Bewegung setzt sich für eine entwicklungsorientierte Medienpädagogik ein

 … >>

Geld, Arbeit, Demokratie

Der Omnibus für direkte Demokratie parkt derzeit am Schloss Freudenberg in Wiesbaden. Hier hat kürzlich der gleichnamige Arbeitskreis ein Wochenende mit Johannes Stüttgen veranstaltet.

Von: Ute Hallaschka

Stüttgen zur Finanzkrise

Foto: Omnibus für direkte Demokratie Die Zuhörer des Eröffnungs-Vortrags zum Thema Der globale Crash und die Demokratie. Das sakramentale Geld (Joseph Beuys) wurden Zeuge eines Kunstwerkes, dem man eine weitere Öffentlichkeit wünscht. Stüttgen beherrscht das Kunststück, in medias res vorzuführen, wie denken geht. Wie man es macht, nämlich ganz ganz einfach. Wenn man den Mut aufbringt zur Bescheidenheit und zur Beschränkung auf das wirklich Gedachte. Durch wirkliche Konzentration auf ein Thema entsteht Muße, darin zu verweilen und sich zu vertiefen, bis die Gedankenkreise schließlich sebsttätig ausschwingen – wie wenn einer einen Stein ins Wasser wirft und den Ringen nachschaut. Die Eingangsfrage lautet: Ist Demokratie Herrin der gegenwärtigen (Wirtschafts-)Lage, oder ist sie selbst ebenso ohnmächtig wie wir als einzelne uns fühlen können, dem komplizierten Ganzen gegenüber? Aber wer ist das, die große Unbekannte – Demokratie? Wer, wenn nicht wir, jeder einzelne? Darum heißt die lautlose Frage: bin ich handlungsfähig? Ist denken handeln? Würde ich Opel retten? fragt sich Stüttgen. Ja, wahrscheinlich, lautet seine Antwort, aber vielleicht würde Opel danach keine Autos mehr bauen – Autos, die offensichtlich keiner mehr will oder braucht. Was wir brauchen, sind Arbeitsplätze, die erwirbt gegenwärtig sozusagen der Staat, und die verwaltet, verleiht, vergibt er anscheinend. Aber wenn wir alle der Staat sind?! Hier liegt das Problem der Anschauung. Was ist eigentlich ein Unternehmen im Ganzen der Gesellschaft gesehen? Stüttgen beschreibt einen Krankheitskreislauf des Geldes, eines Geld- und Unternehmerbegriffs von gestern, der unmöglich zur Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Probleme beitragen kann, und an dem doch festgehalten wird aus Gewohnheit. Allein der quasi mittelalterliche Lohnbegriff: einer hat brav gearbeitet (für seinen Herrn) und dafür erhält er seinen Lohn. Als ob wir noch im Tauschgeschäft lebten. Die Arbeitsteiligkeit moderner Gesellschaften ist geradezu die gegensätzliche Wirklichkeit. Lohn ist unmöglich, davon kann ich nicht leben, würde nicht ein anderer mein Essen produzieren. Einkommen bedeutet in Wirklichkeit Freistellung zur Arbeit – zu der Arbeit, die ich tue. Und ein anderer wird freigestellt, dasjenige zu produzieren, was ich brauche. Dieses Miteinander wird geregelt durch den Geldverkehr. Eine verblüffend simple Denkfrage lautet: kann ein Regler ein Souverän sein? Gerade nicht! Weil Geld zwischen Menschen Verhältnisse regelt, kann es nicht selbst die herrschende Position über Menschen beziehen. Dieses Missverständnis aber beherrscht gegenwärtig die sozialen Verhältnisse. Das ungedeckte Papiergeld ist eine relativ neue Erfindung, seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts – eine menschliche Kulturerfindung also – und die Wirtschaftskrise kann als Indikator dafür gesehen werden, dass dringend eine kulturelle Weiterentwicklung dieser Erfindung ansteht. Das fehlgeleitete Ganzheitsinteresse, das im gegenwärtigen Geldverkehr zum Ausdruck kommt, ist eine eminent politische Frage und damit zugleich eine Aufgabenstellung des erweiterten Kunstbegriffs. Denken braucht Phantasie, um wahr zu werden.
Geld verbindet Konsum und Produktion. Einem Unternehmen wird im Grunde Kredit gewährt, damit es produzieren kann. Diese Kreditgebung sorgt sowohl für Arbeitsermöglichung, als auch für Bedarfsdeckung durch Einkommen. Dabei ist die naturnotwendige egoistische Interessenbefriedigung klar auf der Konsumseite zu verorten – gearbeitet wird dagegen für die anderen, für ihre Bedürfnisse. Daraus folgt, wenn man den Gedanken ernst nimmt, dass auf der Unternehmensseite substanziell ein Freiheits- und Liebespotential gegeben ist. Wir können nun denkend den Mut aufbringen, dem Rechnung zu tragen und anzuerkennen: Unternehmen dürfen niemandem gehören – sie sind kein Besitz und Eigentum – Unternehmen haben eine produktive Aufgabe und sind nicht dazu da, für den Profit eines Eigners zu sorgen. Wieso überhaupt Profit? fragt Stüttgen. Das Geld, wenn es seinen sozialen Kreislauf vollendet und erfüllt hat – also von der Kreditgebungsquelle über die Produktion und den Konsumenten, in der Bezahlung mündet und dann zurück zur Kredittilgung geflossen ist – dieses Geld, das arme, abgewirtschaftete, hat seine Aufgabe, Träger zwischenmenschlicher Verhältnisse zu sein, vollständig erfüllt. Es hat keinen Grund, irgendjemandem privat zum Profit zu dienen. Es wartet auf seine Erlösung, seine Ablösung sozusagen, dass wir ihm endlich zutrauen, wesentlich Gutes zu stiften. Es ist doch unsere Erfindung, wir müssen Verantwortung für dieses Geistes-Kind übernehmen: dass Geld nicht länger Machtmittel, sondern Freiheitsstimulator wird. Stüttgen macht deutlich, dass es ohne Demokratisierung des Geldes auch keine entsprechende demokratische Gesellschaftsordnung geben kann. Deshalb ist die Idee des Grundeinkommens auch nicht sein vorrangiges Arbeitsanliegen. Er weist mit Nachdruck auf die Gefahr einer vordergründigen Befriedung hin, die ohne entsprechende Begriffsarbeit nicht zu wirklicher Erneuerung führt. Dabei versteht er sich als Künstler zuständig für den Entwurf. Es bleiben praktische Fragen der Umsetzung offen – wie beispielsweise eine solche Ent-Eignung vor sich gehen könnte? Die Veranstaltung in Schloss Freudenberg wurde dokumentiert durch Video und Tonaufnahmen, dennoch ist der aktuelle Vollzug für Kunstwerke unerlässlich. Man wünscht sich dazu eine Akzentverschiebung, einmal, dass mehr Menschen in den Genuss einer solchen Gedanken-Baukunst kämen und zum andern weniger Performance, um diese farbige kristalline Brücke wirklich miteinander zu bauen. Das Wie der Gedankenbildung als Weg zu begehen in erweiterten Arbeitskreisen im Augenblick. Mehr Jetzt, weniger Seminar. *** Johannes Stüttgen

Gesellschafter des OMNIBUS.
Geboren 1945 - wohnhaft in Düsseldorf, freier Künstler; 1966-71 Studium Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys; 1970 Gründung der Organisation für Direkte Demokratie durch Volksabstimmung mit Joseph Beuys in Düsseldorf Büro Andreastr.; 1971-80 Kunsterzieher Grillo-Gymnasium Gelsenkirchen; 1980-86 Geschäftsführer der Free International University (FIU); seit 1987 Omnibus für Direkte Demokratie in Deutschland; seit 1990 Unternehmen Wirtschaft und Kunst - erweitert ; Aktion und Grundlagenforschung "erweiterter Kunstbegriff". ___________________________________ Dr. Jens Heisterkamp
Chefredakteur
info3 - Anthroposophie im Dialog
www.info3.de
069 584645

Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG Frankfurt am Main

Zurück