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Anthroposophen freuen sich über wichtige Doppelausstellung in Wolfsburg

Von: Jens Heisterkamp

Sternstunde für Steiner

Zum Thema Anthroposophie weiß man oft nicht viel mehr, als dass wohltuende Farben an Waldorfschulen und irgendwelche Kuhhörner in der Demeter-Landwirtschaft damit zu tun haben. Über Rudolf Steiner, zuletzt noch vom Spiegel als einer der „größten Irren der deutschen Kulturgeschichte“ tituliert, weiß man dagegen kaum etwas Genaueres und wollte es bislang auch wohl nicht so recht.

Dass diese Ausklammerung Steiners aus dem intellektuellen Diskurs künftig nicht mehr haltbar sein könnte, signalisiert die soeben eröffnete Doppelausstellung zu seinem Werk im Kunstmuseum Wolfsburg. Gleich zwei namhafte Institutionen, das ambitionierte Kunst-Raumschiff in der Autostadt und das Vitra-Design-Museum aus Weil, rücken den „Kosmos Steiner“ mit größter Selbstverständlichkeit in die Gegenwart. „Steiner wäre heute ein Star in den Talkshows und auf Diskussions-Podien“, erklärte dazu der Wolfsburger Museumschef Professor Markus Brüderlin bei der überfüllten Eröffnungs-Pressekonferenz. Und Mateo Kries, Leiter des beteiligten Vitra Design-Museums, ergänzte: „Welche andere Figur hat eine solche Spanne von der Goethezeit über Nietzsche, den beginnenden Expressionismus bis hin zur Postmoderne?“

Gewiss, auch in den zurückliegenden Jahren schon wurde Steiner immer wieder in Ausstellungen als Teil der künstlerischen Avantgarde gewürdigt. Seine Beuys-affinen Wandtafelzeichnungen waren in großen Häusern rund um die Welt zu sehen. Nun aber scheint sich eine neue Stufe der Auseinandersetzung zu öffnen: Denn beiden Ausstellungen geht es ausdrücklich um die philosophischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Anthroposophie-Gründers. Erstaunt stellen etwa die Ausstellungsmacher fest, dass jener „Kosmos Steiner“ heute in bio-dynamischen Lebensmitteln, in Naturkosmetik oder ethischem Wirtschaften „längst omnipräsent ist“. Und fast zwangsläufig wird man neugierig, welche Ideen und welches Bewusstsein eigentlich hinter all dem steht: „Nachdem Neurologen beginnen, mit Buddhisten über Hirnforschung und Meditation zu diskutieren, scheint es an der Zeit zu fragen, was Steiners Erkenntnistheorie für die Wissenschaftstheorie und für alle daraus ableitbaren Forschungszweige leistet oder eben auch nicht leistet“, so Brüderlin.

Dabei hat er vor allem Steiners erweitertes Wirklichkeitsverständnis im Blick, das heute durch die Erkenntnisse der Neurologie und der Intuitionsforschung hoch aktuell sei. Und das Erstaunliche: Indem Nicht-Anthroposophen wie Brüderlin, Mateo Kries oder die Stuttgarter Museumsdirektorin Ulrike Groos solchen Fragen nachgehen, entstehen diesmal nicht die von Anhängern oft befürchteten Zerrbilder ihres großen Vorbilds, sondern kompetente Würdigungen und Aufschließungen seiner Impulse. Dies spiegelt sich vor allem in den Beiträgen der beiden hervorragenden Ausstellungs-Kataloge, deren Erscheinen allein schon Meilensteine in der Wirkungsgeschichte Steiners bedeuten.

Natürlich bedurfte es dazu auf anthroposophischer Seite auch offener Brückenbauer. Ganz vorn zu nennen ist hier der inzwischen zum Oxford-Professor avancierte Leiter des Dornacher Steiner Archivs Walter Kugler, der zusammen mit seinen KollegInnen – ähnlich wie zuvor schon bei anderen Ausstellungen – auch diesmal im Hintergrund beteiligt war. Insbesondere in der Schau des Design-Museums über Steiners „Alchemie des Alltags“ im Obergeschoss des Hauses ist seine Handschrift (etwa durch Raritäten wie einen Originalbrief Kafkas an Steiner) spürbar. Gleich zu Beginn des Rundgangs werden die BesucherInnen mit einer schreinartigen Installation der über 300 Bände umfassenden Gesamtausgabe konfrontiert, um dann in eine stimmungsvoll aufgebaute Gesamtschau seines Schaffens von der Gebrauchsgrafik über Architektur, Bewegungskunst bis hin zu Möbel- und Schmuckdesign einzutauchen.

Ganz anders das Konzept der Ausstellung „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ im Erdgeschoss der Kunsthalle: Hier werden grundlegende Elemente nicht nur der Ästhetik Steiners, sondern seiner Weltsicht überhaupt in einen Werk-Dialog mit der Gegenwartskunst gebracht. Obwohl die beteiligten 17 Künstler mit Ausnahme von Joseph Beuys keinen direkten Bezug zur Anthroposophie haben, gelingt es mit diesem Kunstgriff, Steiner der Isolation in einem binnen-anthroposophischen Milieu zu entreißen. Die Frage nach der Wirklichkeit verbindet alle Objekte. Die riesige Farb-Flächenskulptur von Katharina Grosse zum Beispiel oder die kosmisch-geometrischen Formen von Olafur Eliasson könnten wie freie Variationen von Steiners oft mehr skizzenhaft gebliebenen Visionen gesehen werden. Die Italienerin Meris Angioletti setzt sich in ihren Werken auf eigene Weise mit übersinnlichen Phänomenen auseinander. Fast alle Beteiligte haben sich im Vorfeld der Ausstellung intensiver mit Steiners Schriften auseinandergesetzt, wobei z.B. der Installationskünstler Manuel Graf besonders die sozialen Ideen Steiners hoch aktuell findet und sogar anregt, in wenigstens einer der vielen dm-Filialen einmal eine Alternative zur Bezahlung nach Stundenlohn auszuprobieren.

Fazit: So offen, so dialogisch, so konstruktiv und so kompetent war Steiner bisher kaum im öffentlichen Rahmen wahrzunehmen. Die Krisenstimmung der jüngsten Gegenwart und das Bedürfnis nach Alternativen habe einen Paradigmenwechsel auch im Blick auf Steiner zur Folge, war aus dem Umkreis des Wolfsburger Museums zu hören. „Wir wollen Steiner den Anthroposophen entreißen“, meinte Markus Brüderlin scherzhaft. Das schließlich wäre wohl die schönste Ironie der Geschichte: Dass Steiners Beiträge mit unbefangenem Blick erst außerhalb der binnen-anthroposophischen Szene erschlossen würden, professioneller und wirksamer, als dies aus einer Innenansicht heraus je geschehen könnte.

>> Informativer Kurzfilm zur Ausstellung vom TV-Sender NDR.

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Zu beiden Ausstellungen ist ein eigener, jeweils hochwertig ausgestatteter Katalog erschienen.
Kunstmuseum Wolfsburg: Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart. Dumont Verlag, Euro 39,95.
Vitra Design Museum: Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags. Mit Beiträgen von Mateo Kries, Walter Kugler, Julia Althaus, und Philip Ursprung, Euro 75,-.

Diese Bücher können Sie auch hier bestellen.

Die Ausstellung läuft bis einschließlich 3. Oktober und wird anschließend in Stuttgart zu sehen sein. _______________________________

Kontakt:

Dr. Jens Heisterkamp
Chefredakteur
info3 - Anthroposophie im Dialog
www.info3.de
069 584645

Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG Frankfurt am Main

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