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150 Kursangebote für an Weiterbildung interessierte Menschen

 Neben einer Vielzahl von bewährten Kursen in den Bereichen Beruf, Inspiration, Kunst und Ferien hat das Alanus Werkhaus im Jahr 2019 auch viele spannende neue Kurse ins Programm aufgenommen.

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Eliant

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Warum setzen wir in den Schulen digitale Medien ein, ohne die Auswirkungen zu kennen?

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Keine Selbstverständlichkeit: Schulen im ländlichen Afrika

In ihrem aktuellen Spendenaufruf bitten die Freunde der Erziehungskunst um Spenden für Waldorfschulen, die sich vor allem für Kinder in ländlichen Gegenden Afrikas einsetzen.

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Erst die analoge, dann die digitale Welt

Internationale Konferenz der waldorfpädagogischen Bewegung setzt sich für eine entwicklungsorientierte Medienpädagogik ein

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Inklusion spielt in der Lehrerbildung noch eine zu geringe Rolle

„Lehrerbildung auf dem Prüfstand – Welche Fähigkeiten braucht die inklusive Schule?“

Von: Valerie Andermann

Mannheimer Fachtag zur Frage der gemeinsamen Beschulung aller Kinder

Mannheim, 21.10.2011. Auf dem Fachtag am Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität in Mannheim haben Wissenschaftler, Lehrer, Eltern und andere Vertreter aus der heilpädagogischen Praxis zusammen mit Studierenden an der Fragestellung des gemeinsamen Unterrichts aller Kinder gearbeitet, um die Vorgaben der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umzusetzen.
Seit 2008 ist es europäisches Recht, dass „Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderungen vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden…“ (Auszug aus der UN-Konvention, Artikel 24). „Was muss sich in der Lehrerbildung ändern, damit inklusive Schule möglich wird?“ lautete deshalb auch die Frage, mit der Dr. Götz Kaschubowski den Fachtag zum Thema Inklusion eröffnete. Die Schirmherrin Helen Heberer (MdL) betonte in ihrem Brief an die Teilnehmer die Bedeutung des Themas auf politischer Ebene und speziell für Mannheim als Modellstandort für Inklusion.
Der in der Integrationsdiskussion engagierte emeritierte Professor Georg Feuser von der Universität Zürich erläuterte in seinem Vortrag zur Interdisziplinarität in der Lehrerbildung „Wege aus der Segregation durch die Integration zur Inklusion“. „Wir sollten in dem aktuellen Bildungssystem nicht viel korrigieren, wir müssen es neu aufbauen“, so Feuser. In seinen sieben Thesen zeigte er die Bedeutung einer „Allgemeinen Pädagogik“ auf, die so allgemein sein müsse, dass niemand ausgeschlossen werde. Dabei hätte die Lehrerbildung die Verantwortung, nach außen aufzuklären und nach innen voranzutreiben. Feuser bezeichnete das aktuelle Unterrichtssystem (hierarchisch, komplett durchorganisiert, segregierend, voneinander unabhängige Fächer, defizitorientiertes Verständnis von Behinderung, inadäquates Menschenbild) als Haupthemmnis für die Umsetzung der Inklusion. In der Lehrerbildung forderte er, die Trennung zwischen Sonder- und Regelschul-Lehrer/innen in Zukunft aufzuheben und stattdessen zum Beispiel ein gemeinsames BA- und ein spezifizierendes MA-Studium einzuführen. Er betonte, dass in einem entsprechenden Bildungssystem auch mehrfach schwerbehinderte Menschen inkludierbar seien.
„Die Integrationsbewegung ist schon sehr alt, aber bundesweit besuchen nur vier Prozent behinderte Kinder eine Regelschule“, erinnerte Professor Theo Klauß von der PH Heidelberg in seinen Ausführungen über die aktuelle Situation in Baden-Württemberg. Nach der Verabschiedung der Behindertenrechtskonvention seien vor allem Bewusstseinsbildung, Qualifizierung der Fachkräfte, Entwicklung von Unterstützungsmöglichkeiten und der Abbau von Kommunikationsbarrieren nötig. Klauß beschrieb das Bildungssystem als einen „Schubladenturm“, in dessen Fächer die Kinder eingeschult würden; wenn eine Schublade nicht passe, suche man eben eine andere. Zudem spiegele sich die Inklusionsbewegung noch viel zu wenig in der Lehrerbildung wider, so Klauß. In den neuen Studien- und Prüfungsordnungen für allgemeine Pädagogik seien keine Module für Inklusion enthalten und die zukünftigen Lehrer würden weder im Bereich der Sonderpädagogik noch im Umgang mit Hochbegabung geschult.
Dr. Thomas Maschke, Lehrer an der Kaspar Hauser Schule in Überlingen, beleuchtete die Notwendigkeiten in der schulischen Praxis und die zahlreichen Spannungsfelder des Lehrerberufes. Als diese identifizierte er die didaktischen Anforderungen, die Elternansprüche, die veränderten Entwicklungsbedingungen der Schüler, diverse Vorurteile gegenüber dem Lehrerberuf und die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild. „Jede Gruppe ist heterogen, Homogenität gibt es nicht bei Menschen“, sagte Maschke. Mit Hilfe von sechs Thesen beschrieb er, wie seiner Meinung nach inklusive Schule möglich sei.
Professorin i.R. Jutta Schöler von der technischen Universität Berlin erforschte das italienische Bildungssystem, in dem Inklusion bereits erfolgreich umgesetzt wird. Schöler initiierte den Jakob-Muth-Preis der Bertelsmann-Stiftung und unterstützt Eltern mit behinderten Kindern. Beim Fachtag leitete sie zusammen mit Claudia Heinzmann, Mutter an der Integrativen Waldorfschule in Emmendingen (IWE), eine Arbeitsgruppe zu Fragen der Elternarbeit. Unter anderem haben sie sich damit beschäftigt, ob und wie zieldifferenzierter Unterricht stattfinden könne, und ob behinderte Kinder stärker gemobbt würden. Das Fördern der Schüler auf dem jeweiligen Leistungsniveau und das Erreichen individueller Ziele könne nur durch kooperationsbereite Lehrer, Projektunterricht und vor allem durch die Akzeptanz der Verschiedenheit funktionieren. Mobbing sei bei „offensichtlicher Verschiedenheit“ nur ein Problem, wenn eine „Etikettierung“ durch das System erfolge, resümierte die Arbeitsgruppe. „Sonderschulen haben demnach zwei Möglichkeiten: Entweder sie entwickeln sich zu attraktiven Schulen für alle Kinder, oder sie werden geschlossen“, so Schöler.
Kollegiale Fort- und Weiterbildung für Lehrer und Lehrerinnen an inklusiven Schulen war Thema des Beitrags von Dr. Ulrike Barth von der Freien Waldorfschule Berlin-Kreuzberg. „Was hält dich auf? Fangen wir einfach an“, forderte Barth und erarbeitete mit ihrer Arbeitsgruppe Bausteine für eine Fortbildung mit den aktuellen Bedürfnissen bereits tätiger Lehrender und Studierender, die die Umsetzung des inklusiven Bildungswesens unterstützen, aber auch Hilfe und Fachwissen benötigen. Vertrauen in das Recht der Eltern auf freie Schulwahl und die feste Verankerung des Faches Kunst in der Bildung stellten hierbei die Hauptpunkte dar.
Am Ende des Fachtages fasste Dr. Götz Kaschubowski zusammen, dass die Grundentscheidung für Inklusion getroffen sei, nun aber die Elternarbeit verstärkt werden müsse und es gelte, Fort- und Weiterbildungen vor allem in Richtung Teamteaching zu entwickeln. Foto: Institut für Waldorfpädagogik, Inklusion und Interkulturalität ____________________________

Pressekontakt:

Valerie Andermann Institut für Waldorfpädagogik,  Inklusion und Interkulturalität  Tel. 0621-30948 15  E-Mail: valerie.andermann@institut-waldorf.de   www.institut-waldorf.de 

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