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Pädagogische Sommerakademie 2008 in Stuttgart

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Von: Andreas Neider



Der ehemaligen pädagogischen Arbeitswoche des Bundes der Freien Waldorfschulen in Stuttgart wurde in diesem Jahr eine neue Form gegeben:
Sie wurde auf vier Tage verkürzt
(vom 24.-28.7.), dafür aber konzentrierter als „Pädagogische Sommerakademie“ in Zusammenarbeit mit der Agentur „Von Mensch zu Mensch“ durchgeführt, die für das neue inhaltliche Konzept und die Organisation verantwortlich war. Seitens des neuen Bundesvorstandes hatte Walter Riethmüller die Leitung der Sommerakademie übernommen. Unter dem Titel „Gesunde Lehrer – gesunde Schule. Salutogenese für Pädagogen“ bildeten neben sieben inhaltlichen Referaten die Seminare, künstlerischen Workshops sowie die Klassenlehrer-Fortbildung den Schwerpunkt der Pädagogischen Sommerakademie. Der thematische Schwerpunkt richtete sich als neues Fortbildungsangebot vor allem an Waldorflehrer, aber auch an sonstig pädagogisch Tätige. Die Sommerakademie hatte sich dabei das Ziel gesetzt, vor allem auch den schon langjährig berufstätigen Waldorflehrern Handwerkszeug für den beruflichen Alltag, mentale Unterstützung, kurzum Rüstzeug für die eigene Fortentwicklung anzubieten.

Das Thema „Salutogenese“ ist in der Vergangenheit oft in der Perspektive der Kinder und Jugendlichen betrachtet worden, selten aber aus der Sicht des Lehrers. Aber ohne gesunde Lehrer wird es keine gesunde Schule geben. Kohärenz (harmonische und intakte Beziehungen zur Umwelt), die für die kindliche Entwicklung so wichtig ist, braucht aber selbstverständlich auch der Erwachsene. Diese wird jedoch häufig vor allem durch Defizite im sozialen Miteinander getrübt. Hier boten die Seminare und Workshops der Pädagogischen Sommerakademie wertvolle Hilfestellung an mit Themen wie „Vom Konflikt zum Dialog“, „Die Kunst des Fragens“, „Stresssituationen konstruktiv bewältigen“, „Die Lebenskräfte als Grundlage des Denkens“, „Selbsterziehung und innere Schulung“, „Filzen – eine therapeutische Tätigkeit“, „Die heilende Kraft der Musik“, „Hygienische Eurythmie“ uvam.

Den Eröffnungsvortrag am Donnerstagabend mit dem Titel „Salutogenese im Unterricht“ hielt Eckhard Schiffer, Psychotherapeut, bekannter Buchautor und Fachmann für Salutogenese in pädagogischen Zusammenhängen. Er machte unter anderem aufmerksam auf die eminente Bedeutung allen impliziten Wissens gegenüber dem expliziten Wissen, auf das seit PISA immer mehr Wert gelegt wird. Das implizite Wissen umfasst vor allem den Gefühls- und Willensbereich und bildet mithin den Kern der Waldorfpädagogik. Trete in der Erziehung die Ausbildung impliziten Wissens zugunsten des expliziten Wissens immer mehr in den Hintergrund, so stelle dies nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Pädagogen eine gesundheitliche Gefährdung dar, da allem impliziten Wissen immer ein Weltbezug innewohne, zum Beispiel im spielerisch-künstlerischen Tun. Auf diesen Weltbezug, den die Salutogenese-Forschung als Kohärenz bezeichnet, müsse auch bei allem Unterricht geachtet werden.
Rudi Ballreich (trigon Berater), sprach über „Wege aus der Stressfalle“ und demonstrierte eindrücklich, wie sich zwischen der Zone des Stress und der Überbelastung und der Zone der reinen Selbstbezogenheit ein Zwischengebiet findet, das im Fachjargon als „Flow“ bezeichnet wird. In diesem Zustand befinde man sich ganz bei der Sache, ganz im Tun, zugleich aber ganz bei sich. Dabei sprach er auch über die Wege zur Überwindung typischer Stresssymptome, bei denen es häufig darum gehe, besonders auch den physischen Leib zu berücksichtigen.
Tomáš Zdražil (Dozent an der Freien Hochschule Stuttgart) zeigte anhand einer Phänomenologie der kindlichen Entwicklung zwischen Zahnwechsel und Pubertät zwei Krankheitstendenzen auf: den Verlust von Lebenskräften, der zu einer Verhärtung führt und das Überborden von seelischen Energien, das in eine Art von „Verstäubung“ mündet. Für den Erwachsenen käme es deshalb immer darauf an, zwischen diesen beiden Extremen die gesunde Mitte zu finden.
Eckhard Roediger (Facharzt für Neurologie) zeigte, welche Situationen zum Burnout führen und wie sie erkannt und überwunden werden können. Beim Burnout spielt vor allem der innere Dialog des Betroffenen mit sich selbst eine zentrale Rolle, weil in diesem häufig die sich steigernden Symptome nicht ernst genommen und überspielt würden. Diese Form des Selbstbetruges führe dann in eine Art Sog hinein, aus dem im Endstadium dann nur noch der totale Zusammenbruch herausführt. Es gehe darum, den inneren Dialog mit der Haltung der Achtsamkeit ehrlich zu führen und durch täglich Rückschau darüber zu wachen, dass dieser innere Dialog tatsächlich ehrlich mit sich selbst geführt werde.
Thomas Marti (Dozent für Waldorfpädagogik an der Freien Hochschule in Mannheim) zeigte anhand der Beschreibung einer Exkursion zur Pflanzenkundeepoche sehr anschaulich auf, welche bedeutsame Rolle für die seelische Gesundheit das Fragen habe. Ohne echte Fragen, würden auch keine befriedigenden Antworten gefunden. Das Erkennen sinnvoller Zusammenhänge in der Welt, das durch echtes Fragen angeleitet wird, bildet aber eine der wesentlichen Grundlagen der Salutogenese. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Schüler zu solchen Erlebnissen hingeführt werden, sondern für den Lehrer geht es ganz entscheidend auch darum, in einen gesundenden Dialog mit den Schülern einzutreten, indem eben nicht Antworten einfach vorgegeben werden, sondern Wege zu Fragen aufgezeigt werden, auf die die Schüler dann eigenständig Antworten geben können. Er zeigte dabei auch auf, wie in dem Prozess des Fragen Formulierens und Antworten Suchens ein Gleichgewicht zwischen Mangel und Genuss gefunden werden kann – auch dieses Gleichgewicht stellt ein wesentliches salutogenetisches Prinzip dar.
Stephan Ronner (Dozent für Musik an der Freien Hochschule Stuttgart) bezog sich in seinem Referat über die Musik als Quelle des Seins und der lebendigen Formen zum einen auf den Philosophen und Linguisten George Steiner und dessen Buch „Von realer Gegenwart“, zum anderen auf den Philosophen Martin Buber und dessen dialogisches Prinzip. Musik verhilft uns nämlich dazu, reale Gegenwart erfahrbar zu machen und das Dialogische als Grundvoraussetzung unseres menschlichen Seins zu erleben. Dabei wird das Atmen nicht nur physisch, sondern auch seelisch-geistig als lebendiger Prozess erfahrbar. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch fast alle Referate hindurch zog.
Das Programm der Symphonie/ Eurythmie am Sonntagabend wurde dann von allen Teilnehmern als krönender Höhepunkt erlebt, als eine neue Dimension der Eurythmie und wie die künstlerische Erfüllung des in der Akademie Erarbeiteten (siehe die ausführliche Besprechung Freitag, 8. August).
Peter Loebell machte dann in seinem Abschlussvortrag deutlich, dass Krankheit nicht nur eine Außenseite hat, die als Einschränkung und Schmerz erfahren wird, sondern auch eine Innenseite, wo es darum geht, die Krankheit annehmen und überwinden zu können. Dass dabei das Streben nach Gesundheit als erste Grundbedingung für eine geistige Entwicklung angesehen werden kann, erschien als stimmig mit allem sonst in den Vorträgen Dargestellten. So fand die Pädagogische Sommerakademie durch diesen Akzent eine schöne Abrundung.
Der erhoffte Neuanfang mit einem neuartigen Fortbildungsangebot insbesondere für tätige Waldorflehrer war auch insofern ein Erfolg, als mit 300 Teilnehmern (Waldorf- und Staatsschullehrer, ErzieherInnen, HortnerInnen, Eltern, Therapeuten und Studenten) im Vergleich zum letzten Jahr doppelt so viele Menschen erreicht werden konnten, die das Angebot einer Fortbildung zur „Salutogenese für Pädagogen“ dankbar annahmen. Im nächsten Jahr soll deshalb vom Do., 31. Juli bis Mo., 4. August 2009 die Pädagogische Sommerakademie unter dem Arbeitstitel „Neue Kräfte für den pädagogischen Alltag“ weitergeführt werden.

Nähere Informationen dazu bei der Agentur „Von Mensch zu Mensch“ unter Tel.: 0711 248 50 97, email aneider@gmx.de oder auf der website des Bundes www.waldorfschule.de .


Andreas Neider



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