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Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

150 Kursangebote für an Weiterbildung interessierte Menschen

 Neben einer Vielzahl von bewährten Kursen in den Bereichen Beruf, Inspiration, Kunst und Ferien hat das Alanus Werkhaus im Jahr 2019 auch viele spannende neue Kurse ins Programm aufgenommen.

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Eliant

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Warum setzen wir in den Schulen digitale Medien ein, ohne die Auswirkungen zu kennen?

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Freunde der Erziehungskunst

Keine Selbstverständlichkeit: Schulen im ländlichen Afrika

In ihrem aktuellen Spendenaufruf bitten die Freunde der Erziehungskunst um Spenden für Waldorfschulen, die sich vor allem für Kinder in ländlichen Gegenden Afrikas einsetzen.

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Goetheanum

Erst die analoge, dann die digitale Welt

Internationale Konferenz der waldorfpädagogischen Bewegung setzt sich für eine entwicklungsorientierte Medienpädagogik ein

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Private Schulen: Konkurrenz für Waldorf?

Deutschlands Schullandschaft ist in Bewegung: Seit Jahren gibt es einen anhaltenden Trend zu Neugründungen von Schulen in freier Trägerschaft.

Von: info3 - Anthroposophie im Dialog

Dabei wächst der Kreis der Anbieter und Initiativen: Das Spektrum reicht von den großstädtischen Phorms-Schulen über die „Neue Schule Hamburg“ der Popsängerin Nena bis hin zu kleinen freien Dorfschulen in ländlichen Gegenden. Waldorfschulen müssen sich auf zunehmenden Privatschul-Wettbewerb einstellen.

Von Laura Krautkrämer Neun Jahre nach dem Pisa-Schock haben immer mehr Eltern Bedenken gegenüber dem öffentlichen Schulsystem und fühlen sich selbst für entscheidende Weichenstellungen bei der Bildung ihrer Kinder verantwortlich – auf etwa 25 Prozent schätzt der Verband deutscher Privatschulen den Anteil der Eltern, die ihre Kinder gerne auf eine Privatschule schicken würden. Neben den bisherigen „Platzhirschen“, den über 2.000 kirchlichen Privatschulen sowie den gut 200 Freien Waldorfschulen in Deutschland, drängen verstärkt weitere Anbieter auf den Bildungsmarkt und versprechen besorgten Eltern, alles für einen optimalen Start der Bildungskarriere ihrer Sprösslinge zu tun. In deutschen Großstädten überwiegen dabei Ganztagsangebote, die berufstätigen Eltern besonders flexible Betreuungsmöglichkeiten und den Schülern ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Bildungsprogramm bieten, in der Regel mit bilingualen Unterrichtsangeboten und Projektarbeit, die über den starren fachbezogenen Tellerrand hinausblicken soll. Auch das in Privatschulen übliche Schulgeld, oft allerdings auch einkommensabhängig gestaffelt, schreckt die Eltern nicht ab, obwohl an manchen Schulen bis zu 1.000 Euro für einen Ganztagesplatz fällig sind. Während öffentliche Schulen mit hohem Migrantenanteil aus Elternsicht oft nicht gerade Bonuspunkte sammeln, schmücken sich viele Privatschulen mit ihrer Internationalität, die in diesem Zusammenhang freilich anders gelagert ist und eher die Mitarbeiter internationaler Konzerne im Blick hat. Kinder aus bildungsfernen Schichten, ob Migranten oder nicht, landen heute ebensowenig in einer Privatschule wie vor zwanzig Jahren.

Pragmatischer Mix

Die größte Auswahl, wenn es um die Frage geht, an welcher privaten Schule sie ihre Kinder unterbringen möchten, haben derzeit wohl die Berliner Eltern – ob sie dann einen der begehrten Plätze erhalten, bleibt trotz des breiten Angebots aber auch dort spannend. Ob Private Kant-Schule, Berlin Metropolitan School, Islamische Grundschule oder College Voltaire: Allein 43 verschiedene private Grundschulen listet www.privatschulberatung.de in Berlin auf. Eine weitere kommt im Sommer 2009 dazu, dann öffnet die erste Familienservice Schule ihre Tore. Sie ist die konsequente Weiterentwicklung des Angebots der von zahlreichen Unternehmen bundesweit genutzten pme Familienservice GmbH, deren Konzept für flexible Kinderkrippen und -tagesstätten die Sozialwissenschaftlerin Gisela Erler vom Deutschen Jugendinstitut bereits 1991 im Auftrag von BMW entwickelte. Über 450 Firmenkunden nutzen mittlerweile das Modell, das ihre Mitarbeiter bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen soll. Der Pilotschule in Berlin sollen offenbar weitere Schulen folgen, alle mit internationaler Ausrichtung, Englisch ab der ersten Klasse, individueller Förderung und, nicht zuletzt, konsequenten Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr.

Bundesweite Bewegung

Auch bundesweit tut sich einiges auf dem Privatschulmarkt. Insbesondere Ballungszentren wie das Rhein-Main-Gebiet sind auch für überregional agierende Schulnetzwerke interessant. In Frankfurt am Main etwa sind allein in den vergangenen drei Jahren vier neue Schulen gegründet worden: Aktive Schule, Metropolitan und Phorms School sowie Erasmus-Schule, weitere Neugründungen sind geplant. Die Phorms-Schule Frankfurt ist ein Ableger der überregional agierenden Phorms Management AG, des ersten Unternehmens, das in Deutschland mit Privatschulen Geld verdienen will, und wird im Sommer 2009 bereits erweitert (Interview in der Printausgabe). In Wiesbaden eröffnete 2008 Campus Klarenthal, dessen Konzept von Enja Riegel stammt, der ehemaligen Schulleiterin der staatlichen Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die im Pisa-Test 2000 durch herausragende Ergebnisse positiv in die Schlagzeilen geriet. Theaterarbeit, fächerübergreifender Unterricht, Garten-, Stein- und Pferdewerkstatt sind einige der pädagogischen Bausteine in Klarenthal.
Die Konzepte variieren, doch interessant ist, dass die neuen Privatschulen weniger dogmatisch bestimmten reformpädagogischen Ansätzen verpflichtet sind, sondern eher pragmatisch einen Mix aus neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Lernverhalten, individueller Förderung und, ganz wichtig, Internationalität bieten. Das scheint in der Praxis ganz gut zu funktionieren, immerhin erwarten die zahlenden Eltern auch einiges für ihr Geld und sind kritische „Kunden“.

Konsequenzen für die Waldorfschulen?

Welche Auswirkungen hat das alles für die Waldorfschulen? Für großstädtische Schulen scheint die wachsende Konkurrenz bisher keine Bedrohung darzustellen, die Anmeldelisten sind weiterhin lang und die verfügbaren Plätze reichen längst nicht aus, um alle Interessenten zu berücksichtigen. Im ländlichen Raum ist die Lage anders: Kleine Schulen in strukturschwachen Gegenden spüren es empfindlich, wenn ein Teil der Eltern, die an einer privaten Schule interessiert sind, sich für Alternativen entscheiden. In Bayreuth steht bereits die erste Waldorfschule vor der Schließung, zunächst pausiert die Schule offiziell nur für ein Jahr, alle Schüler haben die Möglichkeit, auf die Partnerschule in Warnstein zu wechseln.
Ein weiterer Faktor wird in den kommenden Jahren immer bedeutsamer werden. Der fortschreitende Ausbau der frühkindlichen Betreuung in Kinderkrippen führt dazu, dass sich heute bereits die Eltern von Kleinkindern mit pädagogischen Konzepten und Angeboten auseinandersetzen und dann eine Wahl treffen, die oft für den weiteren Bildungsweg der Kinder ausschlaggebend sind. Die typische „Waldorfkarriere“ beginnt bisher in der Regel im Waldorfkindergarten, an dessen Besuch sich bei vielen Kindern ganz selbstverständlich die Einschulung in die Waldorfschule anschließt. Gerade gut ausgebildete junge Mütter, für deren Berufstätigkeit flexible Betreuungszeiten vonnöten sind, suchen aber heute meist schon vor dem Kindergartenalter nach einem überzeugenden pädagogischen Konzept – in der boomenden Landschaft der Kinderkrippen sind Waldorf-Einrichtungen jedoch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nahezu nicht-existent. Ein nicht unbedeutendes Potenzial interessierter Eltern wird so von der Waldorfbewegung weg-kanalisiert, solange hier waldorfspezifische Angebote fehlen. Es ist deutlich, dass die Waldorfschulen angesichts der neuen Wettbewerbsituation ihr eigenes Profil schärfen und klarer kommunizieren müssen, denn die Zeiten, in denen sie neben den kirchlichen Schulen als die Alternative zum öffentlichen Schulsystem wahrgenommen wurden, sind endgültig vorbei und der Anteil der Eltern mit anthroposophischem Hintergrund ist verschwindend gering. Zahlreiche Elemente der Waldorfpädagogik sind außerdem längst pädagogisches Allgemeingut, ihr ganzheitlicher Ansatz hat viele Befürworter. Im bildungspolitischen Diskurs werden die Waldorfschulen trotz vielversprechender Fortentwicklungen viel zu selten als innovativ und zukunftorientiert wahrgenommen, was in manchen Fällen auch an Konservativismus, ungenügender Transparenz oder mangelnder Kommunikationsbereitschaft seitens der Schulen liegen mag. Spannend also, inwiefern der wachsende Druck durch die Privatschul-Konkurrenz in nächster Zukunft die Entwicklung eines klaren Leitbildes der Waldorfschulen beeinflussen wird. Die Vollversion dieses Artikels lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe von info3 – Anthroposophie im Dialog
Zum kostenlosen Probeabo (keine automatische Verlängerung) Außerdem in der Juli-August Doppelnummer von info3 der Schwerpunkt:
Wie die Verdrängung von Ur-Bedürfnissen Jugendgewalt fördert. Jugendtherapeuten berichten.
 
Und: Hochwertiges Milchfett senkt das Risiko von Allergien. Neue Erkenntnisse der Nahrungsmittelforschung.
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Kontakt:

Dr. Jens Heisterkamp
Chefredakteur
info3 - Anthroposophie im Dialog
www.info3.de
069 584645

Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG Frankfurt am Main

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