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Auf den folgenden Seiten einen Einblick in

"Arbeitend lernen - lernend arbeiten"

an der Beispielschule Steinerschule Steffisburg

5. Klasse/ Schuljahr 2020/21

"Arbeitend lernen - lernend arbeiten"

Aus der Praxis

Der siebte Studienabschnitt des Online-Studiengang "Arbeitend lernen - lernend arbeiten", herausgegeben von Thomas Stöckli und Samuel Weber, beschäftigt sich mit den Gedanken und Lösungsansätzen zur Stärkung der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen verbunden mit einem neuen Arbeitsverständnisses. Ferner der Neuaufteilung der menschlichen Tätigkeitszeit, sowie der dialogischen Kompetenz und damit inbegriffenen Gemeinschaftslernens, d.h. einer dialogischen Kultur in der Klassen- und Schulgemeinschaft. Denn nur auf der Grundlage des Dialogs innerhalb der Mikrosphäre kann die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus in die Meso- und die Makrosphäre hineingetragen und die Umgestaltung des Wirtschaftslebens, im Sinne Rudolf Steiners, hin zur assoziativen Zusammenarbeit ermöglicht werden.

Die Lösungsansätze werden von den Herausgebern durch eine kulturelle Veränderung innerhalb des Verständnisses der menschlichen Tätigkeit und dem herrschenden Mangel an Zeitsouveränität eruiert. Sie unterscheiden in Freizeit, Arbeitszeit und Sozialzeit – differenzierter in Freizeit, monetarisierte Arbeitszeit, Eigenarbeitszeit, freiwillige Sozialzeit, obligatorische Sozialarbeit, Bildungszeit, Ich-Zeit und Reproduktionszeit. Veränderungen also im Verhältnis von Tätigkeit und Geld, im Zusammenhang von menschlicher Tätigkeit und Natur und im Umgang des Menschen mit Zeit.

Ein Paradigmenwechsel als grundlegende Voraussetzung, um unseren Kindern ein zukunftsfähiges und menschenwürdiges gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, deren Begleitpersonen (Lehrer, Mentor, Sozialarbeiter) in Begeisterung, Gesprächsoffenheit, Geduld, Neugier, Mut, Bescheidenheit und Kreativität den Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden liebevoll in schulischen, betrieblichen und sonstigen Lebenslagen beraten und begleiten. Durch diese Formen des Austausches und Zusammenlebens im exklusiven Verhältnis zu einer neutralen Vertrauensperson, kann von den Jugendlichen der Blick auf die «richtige Welt» geübt, sowie Ihr Potentiale erweckt und gefördert werden.

Überdies setzt die Umsetzung der Sozialen Dreigliederung eine kommunikative Kompetenz voraus, die auf den schulischen Übungsfeldern des ‘Lernens durch Lehren’, an Formen der Konfliktreglung sowie das Einbinden und die Verantwortungsübergabe an die Jugendlichen in der Verwaltung der Schule, immer wieder ausprobiert und verinnerlicht werden können.

Dialoge führen zu mehr Beziehung, zu anderen ebenso, wie zu mir selbst. Sinn finden wir, wenn wir uns beziehen auf die Welt des anderen und neugierig sind nach dem, was sich zwischen uns an Neuem entwickelt. Dialog ist die Offenheit und die Neugierde, der Respekt und das Vertrauen und das Erkunden und das Vermeiden von Urteil und Bewertung, das Sprechen und Zuhören von Herzen. Dort sind wir bereit, die Welt durch die Augen des anderen zu sehen, und unsere eigene Wahrnehmung genauso darzulegen - als Angebot an den anderen, eine neue Perspektive zu erhalten. Dadurch wird das kollektive Denken möglich, das für die Bewältigung der schwierigsten Herausforderungen unserer Zeit, wie Klimaschutz und Friedensarbeit essentiell geworden sind. Diese Beziehungsqualität ist ein wichtiger Pfeiler für ein erfülltes Leben und Arbeiten in Gemeinschaft, wenn nicht sogar die Grundlage des 21. Jahrhunderts und das Leitmotiv der Waldorfpädagogik weltweit.

Schulen sind Übungsräume der Demokratie, des Teilens, der Solidarität als Wert des menschlichen Miteinanders, der Teamfähigkeit, Flexibilität und der Selbstverwaltung.

Der Dialog macht das gemeinsame Nachdenken über wichtige Themen und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft überhaupt möglich. Dieser Austausch fördert Vertrauen und Respekt und trägt zur Bildung einer funktionierenden Lerngemeinschaft im Sinne der Sozialen Dreigliederung bei.

Text Nadine Aeberhard-Josche im Januar 2021