Themen

 

In dem Augenblick, wo sich wirklich Verständnis findet, kann die Sache, nicht etwa erst bis übermorgen, sondern schon bis morgen geschaffen sein. Denn es handelt sich ja nicht darum, radikale Umgestaltungen zu machen, sondern im einzelnen den assoziativen Zusammenschluss zu suchen.

 Rudolf Steiner, 29.7.1922 (GA 340)

Initiativen

In der Schweiz gibt es viele Initiativen, Projekte und Unternehmen, die von diesen Ideen Rudolf Steiners inspiriert sind.

Produktion und Handel

L'Aubier

L'Aubier ist ein Unternehmen, welches aus einem Bauernhof, zwei Hotel und Restaurants, Ökowohnungen und einer integrierten Ausbildungsstätte für junge Menschen besteht. Ein Umdenken in Bezug auf die Preisfrage ist den Menschen von L'Aubier ein grosses Anliegen.

"Man kann sich zum Beispiel fragen: Habe ich das, was ich gekauft habe, genügend bezahlt? Diese Frage orientiert die Aufmerksamkeit in einen ungewohnten Bereich unserer Seele, einen Bereich der Freiheit und Verantwortung, der Menschlichkeit. Habe ich teuer genug bezahlt? Das kitzelt. Es bin nicht nur ich, der/die zählt. Die anderen sind auch da und ihre Zukunft steht auf dem Spiel. Der Kern der Wirtschaft besteht eigentlich darin, den richtigen Preis zu zahlen, der dem Produzenten erlaubt, ein vergleichbares Produkt erneut herzustellen. Und von mir hängt es ab, hier und jetzt. Ich bin der Kern der Frage, sowohl das Problem und die Lösung".

 – L'Aubier

Weitere Informationen: https://www.aubier.ch

Demeterhof Breitlen

Der Demeterhof Breitlen ist eine Demeter-Gemüsegärtnerei im Zürcher-Oberland, welche im direkten Austausch mit Kunden und Mitarbeitern die Preisbildung assoziativ zu gestalten versucht.

"Der Preis ist das zentrale Thema im Wirtschaftsleben. Die Ergebnisse unserer Arbeit begegnen dort den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Kunden. Aus diesem Wissen heraus haben wir eine Assoziation mit unseren Kunden gebildet. Wir diskutieren nicht über den Preis für ein einzelnes Radieschen. Es geht in den Gesprächen um eine Transparenz für die  Arbeits- und Lebensbedingungen von uns in der Gärtnerei Tätigen und der KonsumentInnen. Wir alle sind Lernende im diesem Prozess und versuchen eine sachgemässe Form für die konkrete Gestaltung unseres Wirtschaftszusammenhanges zu finden".

- Jürgen Käfer, Gärtnerei Demeterhof

Weitere Informationen: http://demeterhof.ch

Remei AG

Die in der Schweiz ansässige Remei AG koordiniert die Produktion nachhaltiger Textilien aus Bio-Baumwolle und begleitet den Produktionsprozess von der Masstabelle bis zur Auslieferung. Ihre Kunden sind u.a. Marken wie Mammut und Elkline, sowie Händler wie Grüne Erde und Coop Schweiz mit dem Private Label Naturaline.

"Man könnte sich fragen, weshalb ein Bauer, der weit weg ist vom Markt, kein Recht hat sich am Marktgeschehen zu beteiligen. Weshalb ist Ferne ein Grund, nicht beteiligt zu sein am Produktionsprozess?

Seit vielen Jahren versuchen wir, unser Verhältnis mit den Bauern in eine verbindliche Zusammenarbeitsform zu fassen. Diese regeln wir in Zusammenarbeits-Standards. Das gibt uns und den Bauern eine Basis, die sich fortlaufend entwickelt. Es ist eine anstrengende Arbeit, aber sie schafft allen Parteien eine würdevolle Arbeit".

– Patrick Hohmann, Geschäftsführer

Weitere Information: www.remei.ch und das Interview im Fonds Goetheanum (PDF)

 

Grundstücke und Immobilien

Confoedera: Allgemeine Bodentreuhand Gesellschaft

Die Allgemeine Bodentreuhand Gesellschaft ist eine einfache Gesellschaft mit Sitz in Zürich. Ihre Mitglieder verwalten den ihr zugetragenen Boden kollegial. Die Bodenerträge sollen allen Menschen zugutekommen und werden daher dem freien Geistesleben gespendet.

"Wir sind der Ansicht, dass der Boden allen Menschen gleichermassen als Lebensgrundlage anvertraut ist und er somit nicht gleich einer Ware als Eigentumsobjekt gehandelt, sondern im Sinnes eines Nutzbaren Gutes gemeinsam verwaltet werden soll. Deshalb bezeichnen wir die Mitglieder der Gesellschaft als Bodentreuhänder – als Menschen, die den Boden als ein ihnen "zu treuen Händen" anvertrautes Gut erachten, dessen Nutzen sie kollegial verwalten."

– Aus der Broschüre der Allgemeinen Bodentreuhand Gesellschaft

Weitere Informationen: https://www.confoedera.ch

Edith Maryon Stiftung

Gestützt u.a. auf Schenkungen und Legate erwirbt die Edith Maryon Stiftung Immobilien. Die Stiftung stellt diese langfristig und sozial verträglich zur Verfügung – vermietet, verpachtet oder im Baurecht. Sie stellt möglichst günstigen Wohnraum und Raum für sonstige, vorzugsweise soziokulturelle Nutzungen auch an zentralen Lagen bereit. Sie liefert Ideen und begründet Keimzellen für eine soziale und ökologische Entwicklung und Erneuerung. Sie schafft Transparenz bei Landeigentums- und Landnutzungsfragen und bekennt sich zu einem sparsamen Umgang mit Grund und Boden, zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft sowie zum ökologischen Bauen.

"Grund und Boden ist eine unserer natürlichen Lebensgrundlagen und als solche nicht vermehrbar. Fragen nach dem Landeigentum und nach der Landverteilung und -nutzung sind deshalb von allgemeiner, gesellschaftliche Bedeutung. Hier setzt die gemeinnützige Stiftung Edith Maryon an. Sie betrachtet es als ihre Aufgabe, im Dialog mit Eigentümern und Nutzern Grund und Boden aus dem Waren- und Erbstrom herauszulösen, damit dieser der Spekulation entzogen und somit dauerhaft und immer wieder neu für Vorhaben, die der Gesellschaft dienen, verfügbar wird".

– Edith Maryon Stiftung

Weitere Informationen: http://www.maryon.ch

Stiftung für Nutzungseigentum am Boden (NEB)

Die Stiftung NEB wurde am 15. Januar 1993 gegründet. Gründer waren Gerold Aregger, Marc Desaules, Udo Herrmannstorfer, Daniel Maeder und Matthias Wiesmann. Sie hatten bereits etliche Jahre im Stiftungsrat der Co­Opera Sammelstiftung PUK (BVG/Altersvorsorge) zusammengearbeitet und Erfahrungen mit dem spekulativ überhitzten Liegenschaftsmarkt gesammelt. Gründe und Zweck der Stiftung wurden in der Stiftungsurkunde folgendermassen formuliert:

"Die gegenwärtigen Verhältnisse im Bodenrecht führen zu Bodenpreisen, die sozial sinnvolle und tragbare Nutzungen von Grund und Boden aufs schwerste behindern. Die hiernach errichtete Stiftung strebt einen praktischen Beitrag zu einer Bodenrechtsentwicklung an, mit folgender Zielsetzung:

  • Das Eigentum von Grund und Boden soll an die Nutzung gebunden werden. Eigentum, Besitz und Nutzung sollen derart verknüpft werden, dass sie auf den tatsächlichen Nutzer zusammenfallen. Damit entsteht ein Nutzungseigentum (nutzungsgebundenes Eigentum).
  • Das Nutzungseigentum an Grund und Boden wird kaufpreislos übertragen. Kaufobjekt können somit nur noch allfällig auf Grund und Boden vorhandene Bauten sein.
  • Für das durch die Allgemeinheit dem Nutzungseigentümer überlassene Grundstück wird eine Nutzungsabgabe erhoben. Die Nutzungsabgabe ist zweckgebunden für den Nutzungsausgleich: ein Ausgleichsbedarf entsteht durch die verschiedenartigen Nutzungen, wie produktive Nutzung (Industrie, Gewerbe), Nutzung zu Wohnzwecken und Kulturnutzung. Die Nutzungsabgabe soll nicht für den allgemeinen Staatshaus halt eines Gemeinwesens beansprucht werden können.

Die politische Diskussion zeigt noch wenig Ansätze, diesem Ziel näher zu kommen. Deshalb soll mit der hernach errichteten gemeinnützigen Stiftung ein Instrument geschaffen werden, um diese Entwicklung zu fördern. Alle Aktivitäten dienen letztlich dem Zweck, die Behandlung des Bodens als Ware aufzuheben und damit einen Beitrag zur Gesundung des sozialen Organismus zu leisten. Die Stiftung wendet sich an Menschen mit gleichen Intentionen".

Aus der Stiftungsurkunde der Stiftung NEB

Weitere Informationen: www.nutzungseigentum.ch

Stiftung TRIGON

Mit dem Ziel, sinnvoll und sozialverträglich Boden und Immobilien neu verfügbar zu machen, Kunst und organische Architektur zu fördern sowie innovative und heilsame Impulse im sozialen Organismus zu unterstützen und zu ermöglichen, wurde 2008 die Stiftung TRIGON Schweiz gegründet. Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt.

"Ebenso wie das Wasser und die Luft stellen Grund und Boden eine existentielle Lebensgrundlage für den Menschen und ein zentrales Gemeingut dar.

Wir setzen uns dafür ein, dass Grund und Boden sowie Liegenschaften dauerhaft aus dem Waren- und Erbstrom herausgelöst werden. In gemeinnützigem Eigentum der Stiftung befindliches Land wird grundsätzlich nicht mehr in Privateigentum verkauft, sondern nur als Nutzungsrecht langfristig, aber zeitlich begrenzt weitergegeben in Pacht – oder in Verbindung mit Gebäuden im Baurecht, Miet-Eigentum oder in Miete.

Uns ist vor dem Hintergrund zunehmender Bodendegradation die Sicherung und Steigerung der Bodenqualität und des Bodenlebens auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zugunsten der gegenwärtigen und nachfolgenden Generationen ebenso ein wichtiges Anliegen. Die Förderung des biologischen und biologisch-dynamischen Landbaus und der Fruchtbarkeit des Bodens ist in den Statuten der Stiftung TRIGON als besonderes Stiftungsziel verankert".

Stiftung TRIGON

Weitere Informationen: www.stiftung-trigon.ch

Altersvorsorge und Versicherung

Werkraum CoOpera

An ihrem Anfang standen das Obligatorium einer betrieblichen Altersvorsorge (BVG) und die Gründung der Pensionskasse für Unternehmer, Künstler und Freischaffende (PUK). Die Einrichtungen, die heute zur CoOpera oder CoOpera-Gruppe zählen (CoOpera Beteilungen AG, CoOpera Immobilien AG, CoOpera Leasing AG, u.a.m.) sind als Antworten auf jeweils unterschiedliche konkrete Lebenssituationen und Problemstellungen entstanden.

"Die Gründer der CoOpera Sammelstiftung PUK waren auch Kritiker des Bodenrechts. Sie lehnten Boden als Vehikel der Vermögensbildung ab. Wie lässt sich diese Haltung mit der Aufgabe der Altersvorsorge unter einen Hut bringen? Die CoOpera-Einrichtungen müssen Boden selber als Anlagekategorie nutzen. Die daraus folgenden Widersprüche sind dann auszuhalten, wenn die CoOpera sich nicht nur als Anleger verhält und Boden als Quelle für Grundrente und Kapitalverzinsung sieht, sondern wenn sie die Haltung einer Investorin einnimmt und konkrete Ziele verfolgt. Solche sind: 1) Liegenschaftseigentum als Unternehmensfinanzierung 2) Liegenschaften als «ökologisches Entwicklungsfelder» 3) Liegenschaften als «soziale Entwicklungsfelder»".

– CoOpera

Weitere Informationen: https://coopera.ch

Altrasette

Die Stiftung Altrasette gewährt Leistungen und Unterstützungen an die aktiven Lehrkräfte und Rentner der stiftenden Rudolf Steiner Schulen. Sie tut dies in Fällen von Alter und Erwerbsunfähigkeit in Folge von Krankheit, Unfall und Invalidität oder an Personen, die aktiven Lehrkräften und Rentnern nahe stehen, in Notlagen wie insbesondere beim Tod eines Unterstützungspflichtigen. Sie kann als eine solidarische Altersvorsorge betrachtet werden, die jedoch nicht nach dem Kapitaldeckungsverfahren, sondern nach dem Umlageverfahren funktioniert.

"Die in den Vertragsschulen tätigen Menschen bilden eine Solidargemeinschaft. Ihren Auftrag erarbeiten sie sich individuell und im gemeinsamen, kollegialen Austausch aus Bedürfnissen der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Sie üben ihre pädagogische Arbeit bis in ihre rechtliche und wirtschaftliche Stellung als autonome und selbstverantwortliche Persönlichkeiten aus und stehen in keinem weisungsgebundenen, hierarchischen Arbeitsverhältnis zu einem Arbeitgeber. Die Mitglieder der Solidargemeinschaft sehen in selber gewollten Vereinbarungen, im gegenseitigen Vertrauen und im Blick auf das Ganze des sozialen Organismus, dem sie ihre materielle Existenzsicherung verdanken, die Grundkräfte für das Soziale".

– Aus dem Leitbild der Stiftung Altrasette.

Weitere Informationen: Stiftung Altrasette

 

Verbrauchsstiftungen

Fonds für Kulturpflanzenentwicklung

Unsere gesamte Ernährungsgrundlage wird gebildet aus der Vielfalt aller Kulturpflanzen. Der Fonds für Kulturpflanzenentwicklung als operative Stiftung will die Erhaltung und die züchterische Weiterentwicklung dieser Viefalt fördern und einen wirksamen Beitrag zur Sicherung und nachhaltigen Nutzung der Kulturpflanzen leisten.

"Wir arbeiten faktisch als Verbrauchsstiftung, das heisst, was hereinkommt, wird meistens innerhalb von 2-3 Jahren wieder verbraucht, bzw. in Projekte und in Betriebe investiert, je nachdem, wie hoch die Eingänge sind. Als Stiftungskapital halten wir nur das minimal nötige Gründungskapital".

– Peter Kunz, Präsident des Stiftungsrates

Weitere Informationen: www.fondskulturpflanze.ch

Stiftung Freie Gemeinschaftsbank

Die Stiftung Freie Gemeinschaftsbank soll ein Gefäss sein, in dem Schenkgeld verwaltet und entgegen genommen werden kann. Dieses Schenkgeld soll mit oder ohne Zweckbestimmung verschiedenen Projekte auf den Gebieten zur Verfügung gestellt werden: Bildung, Erziehung und Wissenschaft / Gesundheit und Medizin / Umwelt, Ökologie und regenerative Energien / Soziales / Kunst und Kultur / sozial und ökologisch verantwortbares Wirtschaften.

"Wir arbeiten mit Menschen an der Frage, welcher Umgang mit Geld eine nachhaltige Zukunft ermöglichen kann. Unser Anliegen ist es, Menschen bei ihrer individuellen Entwicklung zu begleiten und eine solidarische Gesellschaft zu fördern. Wir unterstützen Projekte als Vergabestiftung, bieten aber auch verschiedene Dienstleistungen und Veranstaltungen im Schenkgeldbereich an. Über uns als Dachstiftung kann man Spenden sammeln oder eine Art Unterstiftung eröffnen. Unser Leitspruch lautet "Wir denken fühlen und wollen die Veränderung"  - uns ist wichtig, das Thema Geld und Wirkung aus unterschiedlichen Perspektiven zu bearbeiten.

Am assoziativen Wirtschaften interessiert uns besonders, wie persönliche Freiheit und gemeinschaftliche Verantwortung miteinander gestaltet und gelebt werden können. Gemeinsam mit der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft versuchen wir konkrete Ansätze zu verwirklichen, in denen sich die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmungen auf wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Ebene bereichert".

Für Stiftung Freie Gemeinschaftsbank,
Mara Staudinger und Viktoria Schwab

 

Weitere Informationen: Stiftung Freie Gemeinschaftsbank

Weitere Initiativen?

Kennen Sie weitere Initiativen, Projekte oder Unternehmungen in der Schweiz, die von den wirtschaftlichen Ideen Rudolf Steiners inspiriert sind? Wir nehmen Hinweise sehr gerne entgegen. Bitte senden Sie eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung an: mdesaules[at]aubier.ch.