FondsGoetheanum: Saatgut betrifft uns alle

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Saatgutpionier, Ilmar Randuja

Auf dem Parkplatz Rüttihubelbad kommt uns eine kleine, hagere Gestalt mit einer grossen, voll ge­ladenen Karette entgegen: Ilmar Randuja. Trotz seiner 88 Jahre ist er täglich mit voller Kraft am Schaffen. Dass er heute für alles mehr Zeit braucht als früher, emp­findet er als mühsam. Doch es hält ihn nicht vom weiteren Arbeiten und Forschen ab. 

Seine Jugend fiel in die Zeit des zweiten Weltkriegs. Während der Schulzeit hörte er, die Legende des amerikanischen Pflanzenzüchters Luther Burbank. Er habe die Sa­men oft in einer kleinen Stoffta­sche auf der Brust getragen und ihnen verbal und durch innere Zuwendung vermittelt, welche Qua­litäten sie entwickeln sollen. Die­se Anekdote war möglicherweise ausschlaggebend, dass er nach der Schule den Beruf des biologisch­-dynamischen Gärtners erlernte. Um sich die notwendigen züchterischen Kenntnisse anzueignen, arbeitete er in mehreren konventionellen Saat­gutbetrieben, studierte Gartenbau mit Schwerpunkt Pflanzenzüchtung und kehrte in den biodynamischen Anbau zurück.

Ende der 50er­ bis Anfang der 70er­Jahre war er für den Garten der Ita Wegman Klinik in Arlesheim verantwortlich. In seiner Freizeit widmete er sich ganz der gärtneri­schen biodynamischen Saatgutzüch­tung, die er im Garten und in der Gärtnerei des Goetheanums pflegen konnte. Mit sorgfältiger Auswahl und Kreuzung schuf er nach vie­len Jahren neue Sorten. Zehn Jahre benötigte er zum Beispiel für die Züchtung einer milden roten und gelben Sorte Paprika – damals war Paprika sehr scharf. 1964 hatte er etwa 30 neue Sorten entwickelt, die er seinen Bekannten sowie Interes­sierten anbot. Allmählich wuchs der Abnehmerkreis, denn seine Züchtungen konnten gut angebaut werden und zeigten deutliche Er­folge. Einige seiner Sorten werden heute noch gepflegt und von der Sativa AG Rheinau verkauft.

Ilmar Randuja
Ilmar Randuja

Ilmar Randuja, ein Leben für die Züchtung von nachbaufähigem Saatgut. 

 

Ab 1968 suchte Ilmar Randuja zu­nehmend eine Arbeitsstelle, in der er die Züchtungsarbeit ausdehnen konnte. Diese Gelegenheit erhielt er 1973 auf dem neu gegründeten Ekkharthof in Lengwil/Thurgau. Nach einigen Jahren konnte er jähr­lich 3000 Kataloge verschicken, etwa 300 verschiedene Sämereien sowie rund 60 verschiedene Tee-­ und Würzkräuter anbieten. Seine Aufbauarbeit konnte er 1989 in jüngere Hände übergeben, um selber am Rüttihubelbad eine Gärt­nerei zu gründen.

Ilmar Randuja schreibt zur Zücht­ungsaufgabe: «In den altpersischen Zeiten hat der Pflanzenzüchter ohne berechnende Vorstellungen unglaubliche Pflanzenverwandlun­gen bewirkt, die zur Grundlage wurden für die folgenden Gross­kulturen bis zu unserer heuti­gen Zivilisation. Eine zukünftige züchterische Pflanzenverwandlung muss wiederum getragen sein von der Kenntnis geistiger Pflanzen­entwicklungsgesetze, die nicht in der Pflanzenzüchterschule gelernt werden können. Das ist ein neues Aufgabengebiet, das bescheidene, einsatzfreudige Menschen bedingt. Unser bisheriges Wirken auf die­sem Gebiet kann nur verstanden werden als Bereitschaft hierfür.»