FondsGoetheanum: Der Irrglaube vom grenzenlosen Wachstum

FondsGoetheanum: Der Irrglaube vom grenzenlosen Wachstum

Mit Liebe und Respekt

Bauern in Indien und Tansania haben sich zusammengeschlossen und produzieren Spitzen-Biobaumwolle. 

Füreinander zu produzieren bedeutet, einer Aufgabe nachzukommen, Waren herzustellen, die von Menschen geschätzt und gewollt werden und für sie ein Bedürfnis sind. Produkte herzustellen für jemanden, von dem man spürt, dass er diese Arbeit schätzt, bedeutet, Dankbarkeit zu erfahren für ein sinnvolles Tun. Um dies zu erreichen, müssen wir die Frage nach den Bedürfnissen und den jeweiligen Fähigkeiten stellen und beantworten. Das geht nur im Gespräch.   

Vorbildliche Zusammenarbeit 

Was dabei geschehen kann, das durfte ich erfahren in meiner langjährigen Tätigkeit im Biobaumwollanbau in Indien und Tansania. Es begann damit, dass einige der Bauern sich zusammengetan und Eigeninitiativen entwickelt haben. Sie haben ihre Umgebung aufgeräumt und sich mit uns verbunden, um ein Produkt in einer besseren, höheren Qualität herzustellen.

FondsGoetheanum: Der Irrglaube vom grenzenlosen Wachstum
© florian jännicke provided by remei ag

Es wurde nicht sofort Realität, aber es hat sich nach und nach durchgesetzt. Eine Zusammenarbeitskultur hat sich entwickelt. Sie, die Bauern, pflegen ihre Erde aus Liebe und Respekt. Und diese Liebe und dieser Respekt bewegen sich mit dem Produkt. Sie verändern Schritt für Schritt die ganze nachfolgende textile Kette und erreichen den Konsumenten, der eben diesem Bedürfnis Ausdruck verleiht, indem er dieses nachhaltige Produkt kauft.   

Auf meiner letzten Reise sagte mir ein Bauer, mit dem wir seit 22 Jahren zusammenarbeiten: «Sieh zu, dass du uns die Beschaffung von besserem, unbehandeltem Maissamen ermöglichst». Und in einem Nebensatz fügte er hinzu: «… für unsere Nachkommen!» Dies zu hören aus dem Munde eines tansanischen Bauern hat mich überrascht – aber auch zutiefst bestätigt. Auch seitens der Konsumenten erfreuen wir uns einer unglaublichen Treue! Dies bekräftigt unser Tun. Und wir sind sehr dankbar. Trotzdem bleibt die Wirtschaftlichkeit ein wesentlicher Faktor im Kreislauf der Wirtschaft. Sie muss zwingend erreicht werden. Nicht aus einer Machtposition heraus, sondern im Gespräch und Verständnis aller Beteiligten.   

Nicht einfach, aber fair 

Es gibt einfachere Methoden, die Preise zu gestalten, aber es gibt keine fairere Methode, welche den Individualitäten und den Gemeinschaften besser gerecht werden kann. Dafür müssen verbindliche Vereinbarungen des Zusammengehens errungen und anschliessend umgesetzt werden, zum Gedeihen der Gemeinschaft. Hier kann der Einzelne sich entwickeln. Je länger man zusammenarbeitet, umso mehr interessiert man sich für den anderen und dessen Wohlergehen. Man trennt sich aber auch von Einzelnen, die sich nicht in die Gemeinschaft einbringen wollen.   

Dass dies über lange Zeit gelingt, dazu braucht es vor allem Genügsamkeit und einen ständigen Rückblick auf das Gewordene. Es lohnt sich immer. Für die anderen und dadurch auch für uns.   


Patrick Hohmann